Wirkung verschieden hoher Gaben von Wirtschaftsdüngern (Gülle, Festmist) auf den Pflanzenbestand einer Vielschnittwiese

Autor: Dr. Gottfried Briemle

Einführung

Interpretation und Deutung der botanischen Befunde

Fazit




Am Standort Aulendorf (Alpenvorland) wurden in einem, an der Praxis orientierten Freilandversuch (Großflächenversuch) zwischen 1993 und 2000 die Auswirkungen verschieden hoher Gaben von Wirtschaftsdüngern auf den Pflanzenbestand untersucht. Die Versuchsvarianten waren:

60 m3 Gülle/ha (3 x 20 m3/ha + 80 kg N über 2 x 1,5 dt/ha Kalkammonsalpeter)

100 m3 Gülle/ha (5 x 20 m3)

90 m3 Gülle/ha (3 x 30 m3)

150 dt Festmist/ha (einmalige Gabe im Herbst + 140 kg N über 5 dt/ha KAS)

150 dt Festmist/ha (einmalige Gabe im Herbst, ohne mineralischen Zusatzdüngung)

Die Futterwertzahl der durchschnittlich 4 mal genutzten Aufwüchse liegt mit 6,7 durchweg sehr hoch und damit im üblichen Bereich von Vielschnittwiesen. Dies gilt sowohl für die mit Flüssig- als auch mit Festmist gedüngten Varianten. Die Bodenverhältnisse sind nach den vorliegenden Zeigerwerten hinsichtlich der Wasserversorgung als mäßig frisch (F = 5,4) und der allgemeinen Nährstoffverfügbarkeit (N = 6,6) als hoch einzustufen.

Der Anteil der Gräser (Massenprozente) liegt bei den Gülle-Varianten im 7-jährigen Mittel zwischen 82 und 88 % und damit merklich höher als bei den mit Festmist gedüngten Parzellen (71-78 %). Komplementär ergeben sich für die Kräuter entsprechend höhere Anteile bei den Festmist-Varianten. Ein statistisch signifikanter Unterschied besteht jedoch nur zwischen den Varianten „60 m3/ha + 80 kg N" und „150 dt/ha Festmist" ( Tabelle 2 und Tabelle 3 ), was daran liegen mag, daß eine der beiden Festmistvarianten ebenfalls eine gräserfördernde mineralische Zusatzdüngung erhielt. Bemerkenswert ist, daß die Werte zwischen den Jahren beim Gras weit weniger streuen beim Kraut. Bei letzterem liegt der Variationskoeffizient „VK" als Maß der relativen Streuung um den Mittelwert zwischen 36 und 69, bei ersterem nur zwischen 8 und 20 % (Tabelle 1) . Diese Schwankungen deuten darauf hin, daß die Kräuter mit der gegebenen Bewirtschaftung (hohes Nährstoffnieveau bei Vierschnittnutzung) in ihrer Gesamtheit weniger gut zurechtkommen als die in Konkurrenz stehenden Gräser. Unter den Leguminosen kommt erwartungsgemäß nur der Weißklee vor, der jedoch nur auf der Variante „150 dt Festmist pro Jahr" mit durchschnittlich 11 % Ertragsanteilen nennenswerte Mengen erreicht. Auf allen anderen Varianten dürfte das Überangebot an Stickstoff diesem Schmetterlingsblütler Grenzen in seiner Ausbreitung setzen.

Während bei den Gräsern Gewöhnliche Rispe, Deutsches Weidelgras, Hybrid-Weidelgras und Weiche Trespe dominieren, beschränkt sich dieses Attribut beim Kraut auf den Löwenzahn. Dies überrascht umso mehr, als Wiesen-Kerbel und Bärenklau allgemein als sog. „Gülleflora" in Erschienung treten, in unserem Versuchsbeispiel dagegen keine Rolle spielen. Die Gründe dafür mögen in der akuraten, versuchsmäßigen Bewirtschaftung des Schlages zu suchen sein, bei der Fehler in der Bestandesführung wie etwa ungleichmäßige Verteilung der Wirtschaftsdünger oder höhere Stickstoffverluste durch Ausbringung zum falschen Zeitpunkt weniger oft vokommen.

: Auswerung der Vegetationstabellen

Parameter

Variante 1:
60 m
3 Gülle + 3 dt KAS

Variante 2:
100 m
3 Gülle

Variante 3:
90 m
3 Gülle

Variante 4:
150 dt StMist
+ 5 dt KAS

Variante 5:
150 dt StMist

 

 

VK

 

VK

 

VK

 

VK

 

VK

Gräser

88

8,5

82

11

85

7,7

78

16

71

20

Kräuter

8,7

60

10

64

10

36

18

69

17

69

Leguminosen

3

84

6,8

55

3,9

87

2,8

41

10

45

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

N

6,6

1,2

6,5

3,0

6,6

2,3

6,5

2,4

6,6

1,6

Ngew

6,6

7,7

7,0

2,0

6,6

6,5

7,1

2,6

7,1

1,9

WZ

6,3

8,9

7,0

4,0

6,5

5,9

6,8

6,3

6,9

6,6

F

5,4

1,0

5,3

1,8

5,3

2,0

5,5

1,4

5,3

1,7

Off. Boden (%)

3

149

1,4

148

1,2

100

4,3

73

3,0

36

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Artenzahl

17

4,2

13

7,8

14

3,6

19

4,2

17

10

Arten:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Poa triv.

37

31

37

20

31

24

30

29

20

39

Lolium per.

15

56

26

16

26

23

34

14

28

31

Lolium hyb.

16

32

11

42

11

57

3

61

16

44

Bromus moll.

15

83

3

115

14

67

-

-

-

-

Poa prat.

3

45

3

47

4

50

5

59

3

30

Dact. glom.

1

80

1

88

1

76

3

42

2

41

Trisetum flav.

-

-

-

-

-

-

-

-

3

61

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tarax. off.

5

48

10

61

7

43

9

52

7

68

Anthr. sylv.

1

134

1

120

1

132

5

201

8

147

Ran. rep.

1

96

-

-

-

-

3

88

-

-

Rumex acet.

-

-

-

-

2

56

1

73

1

73

Rumex obt.

1

137

-

-

1

142

0

190

-

-

Lamium alb.

1

96

-

-

-

-

-

-

-

-

Veron. filif.

-

-

-

-

-

-

-

-

3

182

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Trifol. rep.

3

84

7

55

4

88

3

41

11

45

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

= Mittelwert, VK = Variationskoeffizient (Standardabweichung in % als Maß relativer Streuung)

 

: Statistik über den Grasanteil (alle 6 Versuchsjahre)

Variante

n

 

s

V

Q

FG

1: 60 m3/ha Gülle + 80 kg N

6

88

7,5

56

9,3

10

2: 100 m3/ha Gülle

6

82

9,4

87

14,5

10

3: 90 m3/ha Gülle

6

85

6,6

44

7,3

10

4: 150 dt/ha Festmist + 140 kg N

6

78

12

156

26,0

10

5: 150 dt/ha Festmist

6

71

14

216

36,0

10

Erläuterung : n = Anzahl der Stichproben, = arithmetischer Mittelwert, s = Standardabweichung, V = Varianz ( s2), Q = V/n, FG = Freiheitsgrade bei n1 + n2 - 2

 

: t-Wert bei voneinander unabhängigen Mittelwerten

Verglichene Varianten

sDiff

t-Wert

1 mit 2

4,88

1,23

1 mit 3

4,07

0,74

1 mit 4

5,94

1,68

1 mit 5

6,73

2,53*

2 mit 3

4,76

0,63

2 mit 4

6,36

0,63

2 mit 5

7,11

1,55

3 mit 4

5,77

1,21

3 mit 5

6,58

2,13

4 mit 5

7,87

0,89

Gülle (insg.) mit Festmist (insg.)

6,43

1,63

Erläuterung : sDiff = Differenz der Standardabweichung (Formel: Wurzel aus Q1 + Q2), Signifikanzen: * = p 5%: Wahrscheinlichkeitsgrad 95 % (laut Tabelle mind. 2,23), ** = p 1%: Wahrscheinlichkeitsgrad 99 % (laut Tabelle mind. 3,17), *** = p 0,1%: Wahrscheinlichkeitsgrad 99,9 % (laut Tabelle mind. 4,59).

 

Abbildung 1: Verteilung von Klee / Gras / Kraut bei Düngung mit Gülle bzw. Festmist (eine der beiden Festmist-Varianten wurde zusätzlich mit Mineralstickstoff gedüngt)

 

Interessant ist ferner, daß die einjährige, relativ wertlose Weiche Trespe nur auf den Gülleparzellen vorkommt. Auf den Festmistparzellen fehlt sie nahezu ganz! Dies ist umso bemerkenswerter, als bisher davon ausgegangen wurde, daß eher die lückenfördernde Ausbringung des Festmistes Keimungsmöglichkeiten für das auf Aussamen angewiesene Gras schafft. Offensichtlich aber überwiegt hier die jährlich aufs neue erfolgende „Beimpfung" der Flächen mit dem Samen des frühreifen Grases, welcher den Verdauungstakt des Rindes unbeschadet durchwandert, um mit der Gülle wieder auf die Wiese zu gelangen. Zwar ist der Narbenschluß auf den Gülle-Parzellen mit durchschnittlich nur 1,9 % offenem Boden dichter als auf den Festmist-Varianten mit 3,7 % unbewachsenen Stellen. Dies konnte indes einer Verungrasung mit oben genannter Trespe in manchen Jahren mit bis zu 30 % Ertragsanteilen nicht entgegenwirken.

Aus gründlandbotanischer Sicht ist schließlich noch der Faden-Ehrenpreis zu nennen: Dabei handelt es sich um eine aus Vorderasien stammende, niedrigwüchsige Kriechpflanze, die als Neophyt in Mitteleuropa ihren Verbreitungsschwerpunkt in Park- und Hausrasen hat. In unserem Falle kommt das sich überwiegend vegetativ ausbreitende Kraut ausschließlich auf der Variante 5 (150 dt Festmist ohne zusätzlich N-Düngung) vor, was möglicherweise auf die Faktorenkombination „Vielschnitt + Bestandeslücken" zurückzuführen ist.

Die in der Größenordnung zwischen 60 und 100 m3 pro Jahr ausgebrachten Güllemengen erzeugen bei durchschnittlich 4-maliger Schnittnutzung zwar erwartungsgemäß artenarme, aber überraschend grasbetonte und damit bezüglich eines anzustebenden Narbenschlusses eher labile Pflanzenbestände. Der hohe Anteil an rasch zur „Verholzung" neigenden Weidelgräsern von zusammen mehr als einem Drittel der Biomasse (35 %) trägt seines dazu bei, daß die Wiese nur eine sehr geringe Nutzungselastizität besitzt. Sie ist damit auf eine stets rechzeitige Nutzung angewiesen, um die vorhandene Futterqualität nicht zu gefährden. Ein deutlicher Hinweis auf diese Labilität gibt die hier regelmäßig erscheinende Weiche Trespe : Offenbar kam es hier zu einer jährlich aufs neue erfolgenden „Beimpfung" der Flächen mit dem Samen des frühreifen Grases, welcher den Verdauungstakt des Rindes unbeschadet durchwandert, um mit der Gülle wieder auf die Wiese zu gelangen. Obwohl die Narbendichte auf den Festmist-Parzellen insgesamt etwas geringer ausfällt als auf den begüllten Flächen, ist der Futterwert bei ersteren eher etwas höher. Dies ist offensichtlich dem dort höheren Klee- und Krautanteil zuzuschreiben. Letzterer ist auf den Festmistvarianten höher als auf den begüllten. Der Grasanteil der Variante „60 m3/ha + 80 kg N" unterscheidet sich von der Variante „150 dt/ha Festmist" statistisch signifikant.

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