Wirkung technisch behandelter Güllen auf den Pflanzenbestand einer Vielschnittwiese

Autor: Dr. Gottfried Briemle

Inwieweit haben verschiedene technischen Verfahren zur Gülle-Aufbereitung einen Einfluß auf den Pflanzenbestand?.

Varianten der Versuchsanlage

Keine Düngung

PK, mineralisch

NPK, mineralisch

Gülle, unbehandelt

Gülle, belüftet

Gülle separiert, Flüssigphase

Biogas, Faulschlamm

Biogas, Faulschlamm separiert Flüssigphase

Gülle separiert, Festphase

Gülle separiert, Festphase kompostiert

 

Entwicklung dominanter Futterpflanzen bei der Variante 4: Gülle, unbehandelt

 

Zusammenfassung und Fazit

Auf einem viermal genutzten Grünland im württembergischen Alpenvorland wurde in versuchsmäßig bewirtschafteten Kleinparzellen (25 m2) die Auswirkungen 7 verschiedener technischer Verfahren der Güllebehandlung auf den Pflanzenbestand, die Erträge sowie auf die Bodennährstoffgehalte untersucht.

Wie die Auswertung des botanischen Datenmaterials nach 8 Versuchsjahren zeigt, hatten die unterschiedlichen Verfahren der Güllebehandlung keine oder nur geringe Auswirkungen auf den Pflanzenbestand insgesamt. Lediglich die NPK-Variante unterschied sich von der Null-Variante deutlich. Bei allen Varianten mit organischer Düngung erfolgte ein Anstieg des Klee- und Krautanteils gegenüber dem Zustand zu Versuchsbeginn. Repräsentativ dafür ist die obige Abbildung zur Variante „Gülle, unbehandelt".

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dies darauf zurückzuführen, daß die Wiese - nicht mehr wie bisher praxisnah - sondern versuchsmäßig und unter futterbaulich optimalem Bedingungen bewirtschaftet wird. Der Versuch wurde strikt 4 mal und jeweils zum gleichen Wuchsstadium genutzt, was in der Praxis nicht geschah. Die versuchsmäßige, im Spannungsfeld zwischen Nutzung und Düngung optimierte Bestandesführung ist offensichtlich der Grund für die generelle Abnahme des Grasanteils bei gleichzeitiger Zunahme des Weißklees und des Löwenzahns. - Denn, auch hier bewahrheitet sich die aus anderen Freilandversuchen gewonnene Erfahrung:
Lichtstellung bewirkt bei ausreichender Nährstoffversorgung mehr als die Düngung!

Wie zu erwarten war, weisen PK- und Null-Düngung gegenüber der NPK-Düngung statistisch gesicherte höhere Anteile an krautigen Pflanzen (einschließlich Leguminosen) auf. Auch die Unterschiede zwischen der NPK-Variante und der Variante „Gülle, unbehandelt" sowie den organisch gedüngten Parzellen insgesamt sind signifikant. Betrachtet man den Weißklee für sich, so kommt dieser in der Variante ohne jegliche Düngung gegenüber jener mit NPK-Düngung mit 20 % höheren Anteilen hochsignifikant vor (Irrtumswahrscheinlichkeit p = 0,1 %). Auch ist der Klee-Anteil unter Null-Düngung mit 30 % gegenüber jenem unter Gülle-Düngung (19 %) statistisch gesichert.

Werden die dominanten Futterpflanzen einzeln untersucht, so ergibt sich folgendes Bild:
Löwenzahn : Generelle Zunahme, aber in den Ertragsanteilen stark schwankend. Höchste Werte während der Beobachtungszeit in der Variante „Gülle, belüftet" mit 30 %, niedrigste – wie auch der Klee – unter NPK-Düngung (16 %).

Weidelgräser : Bis auf „NPK, mineralisch" generelle, z.T. starke Abnahme, am deutlichsten bei Variante „Gülle separiert, Festphase".

Knaulgras : Dieses sehr kampfkräftige Obergras hielt sich recht gut im Bestand: Als drittstärkstes Futtergras zeitigte es höchste Anteile über die 8 Jahre hinweg unter „NPK, mineralisch" (22 %), die geringsten verständlicherweise ebenfalls unter „Null-Düngung" (4 %).

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