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EXCEL-Kalkulationen als Entscheidungshilfe für langfristige Investitionsentscheidungen im Weinbau

Von Dr. Helmut Steiner LVWO Weinsberg

Um als Betrieb im Weinbau langfristig überleben zu können, muß er durch Erweiterungsinvestitionen wachsen. Solche Investitionen sind mit erheblichem Kapitaleinsatz von bis zu mehreren Hunderttausend DM verbunden. Deshalb muß vorher das damit verbundene unternehmerische Risiko möglichst umfassend geprüft werden. Als Entscheidungshilfe für Wirtschaftlichkeitsberechnungen sind nur die komplexen und aufwendigen Methoden der dynamischen Investitionsrechnung (Kapitalwertmethode, Interne Zinsfußmethode, dynamische Amortisationsrechnung) geeignet. Diese von Hand durchzuführen, ist für den Betriebsleiter zu schwierig und aufwendig. Mit Hilfe von speziell für weinbauliche Investitionsmaßnahmen entwickelten Berechnungsmasken mit dem Tabellenkalkulationsprogramm EXCEL ist

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die Berechnung extrem vereinfacht

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die Möglichkeit gegeben mit betriebsindividuellen Daten zu arbeiten

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es möglich, viele verschiedene denkbare Varianten zu berechnen

Vorgestellt wird in Teilen eine EXEL-Datei mit 4 Tabellen, d.h. Grundkonstellationen einer möglichen Erweiterungsinvestition, die jeweils mehrfach für betriebliche Kalkulationen genutzt werden können.

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Neuanlage von 1ha Reben auf Pachtfläche, Traubenproduzent (Fall 1a)

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Neuanlage von 1ha Reben mit Flächenkauf, Traubenproduzent

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Neuanlage von 1ha Reben auf Pachtfläche, Weingut mit Flaschenweinvermarktung

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Neuanlage von 1ha Reben mit Flächenkauf, Weingut mit Flaschenweinvermarktung (Fall 4)

Am konkreten Zahlenbeispiel der Investitionsmaßnahme "Neuanlage von 1ha Rebfläche auf einer Pachtfläche (Traubenproduzent)" sollen die Methoden erklärt werden. Die Zahlen beziehen sich auf ein Hektar, wobei die konkrete Maßnahme durchaus z. B. 0,3 ha oder 2,6 ha umfassen kann. Diese Variante kann auch für den Fall der Neuanlage auf einer Eigentumsfläche verwendet werden. Der Pachtpreis ist dann als entgangener Nutzen der Verpachtung der Brachrebfläche zu sehen. In Abbildung 1 werden die Zusammenhänge für die Kapitalwertmethode und in Abbildung 2 die Zusammenhänge für die dynamische Amortisationsrechnung mit den Zahlen von Fall 1a verdeutlicht.

Kapitalwertmethode

Am Anfang (Jahr 0) werden 50 000 DM in die Rebenneuanlage investiert. Die 50 000 DM setzen sich zusammen aus 31.100 DM Material, 9.900 DM Arbeitslohn und 10.000 DM zusätzliche Maschineninvestitionen. Das Kapital ist damit weg und zu 100% im Gegenwert der Investitionsmaßnahme vorhanden. Am Ende der Nutzungsdauer von in dem Fall 20 Jahren ist der Gegenwert durch Wertverlust = Abschreibung auf Null gesunken. Betrachtet wird tatsächlich ein Zeitraum von 21 Jahren, da die Einnahmen eines Jahrgangs im Durchschnitt mindestens ein Jahr nach den Ausgaben anfallen. In diesen 21 Jahren muß durch die Überschüsse, die die Investition liefert das Kapital (bzw. das noch nicht zurückgeführte Restkapital) zum einen verzinst und zum anderen das gesamte Kapital zurückgewonnen werden. Zu vergleichen sind das ursprünglich gesetzte Kapital = Anschaffungswert mit den in den 20 bzw. 21 Jahren anfallenden jährlichen Überschüssen der Investition. Die Überschüsse sind definiert als alle Erlöse minus alle Kosten (Materialkosten, Arbeitskosten, Pacht) mit Ausnahme von Zinskosten und Abschreibung, da diese beiden Kosten ja aus den Überschüssen erwirtschaftet werden müssen.

Geld, das zu unterschiedlichen Zeiten fällig wird (Überschüsse der Jahre 1-21 und die im Jahr 0 anfallenden Anschaffungskosten), ist nicht direkt vergleichbar. Die Vergleichbarkeit ist dann gegeben, wenn die Überschüsse der einzelnen Jahre mit finanzmathematischen Methoden auf den Zeitpunkt Null zurückgerechnet, d.h. mit einem bestimmten Zinssatz einzeln abgezinst und aufsummiert werden. Leider fallen in den ersten drei Jahren keine Überschüsse sondern Defizite an, die zusätzlich mit den ab dem 4. Jahr folgenden Überschüssen ausgeglichen werden müssen.

Eine Investition ist rentabel, wenn die Summe der abgezinsten Überschüsse (genannt Investitionswert) größer, oder mindestens gleich groß wie der Anschaffungswert ist. Als Entscheidungsgröße für diese Methode wird der Kapitalwert der Investition genommen, der als Investitionswert minus Anschaffungswert definiert ist. Ein positiver Kapitalwert bedeutet die Investition ist rentabel. Der Wert stellt die Entlohnung des unternehmerischen Risikos bezogen auf den Zeitpunkt Null dar. Je höher er ist, desto rentabler ist die Investition. Anders ausgedrückt besagt ein Kapitalwert von 39.870 DM, daß die Investition zu heutigem Wert, 39.870 DM mehr erwirtschaftet als die ursprünglich eingesetzten 50.000 DM.

Beim Kapitalwert = 0 ist die Maßnahme gerade noch rentabel. Ein negativer Kapitalwert bedeutet, daß die Investition unrentabel ist. Je höher der negative Wert desto unrentabler und damit unsinniger ist sie!

Um das Beispiel des Falles 1a genau nachzuvollziehen, laden Sie bitte die zugehörige pdf-Datei

Abbildung 1: Grafische Darstellung der Kapitalwertmethode Fall 1a

Interne Zinsfußmethode

Eng verwandt mit der Kapitalwertmethode ist die Interne Zinfußmethode. Bei sonst gleichen Parametern wird die Bedingung gestellt, daß der Kapitalwert Null sein muß. Die gesuchte veränderbare Größe ist dann die tatsächliche Kapitalverzinsung, die so lange (von EXCEL) verändert wird, bis der Kapitalwert eben gerade Null wird. Im Fall einer hochrentablen Investition (Fall 1a) wird diese dann eine Verzinsung deutlich über dem angenommenen Zinssatz von 4 %, nämlich 8,2 % liefern. Die Kapitalverzinsung ist damit um 4,2 % höher als die Verzinsung einer alternativen Geldanlage oder die Verzinsung des entsprechenden Bankkredits für die Investition. Bei einer unrentablen Investition wird die Gesamtkapitalverzinsung deutlich unter dem angenommenen Zinssatz von 4 % liegen ( Fall 1c = 1,6%). Für den Spezialfall, daß die Investition gerade rentabel ist (Kapitalwert =0) liegt die Verzinsung des eingesetzten Kapitals exakt bei den als Kalkulationzins angenommenen 4% (Fall 1b).

Amortisationsrechnung (dynamisch)

Während die Kapitalwertmethode die Rentabilität auf der Basis eines Vergleichs von Kapitaleinsatz und Kapitalrückfluß zum Zeitpunkt Null bewertet, ist die Amortisationsrechnung eine zeitnahe Rechnung . Die jährlichen Überschüsse werden aufgeteilt in einen festen Zinsanspruch (4% wie kalkuliert) an das eingesetzte Kapital = Anschaffungswert= 50.000 DM und einen variablen Rückführungsanteil = Tilgung = Abschreibung. Die Überschüsse werden also angenommen oder tatsächlich dafür verwendet, um die für die Investition gemachten „Schulden" zurückzuzahlen. Da aber in den ersten 3 Jahren keine Überschüsse, sondern Defizite anfallen, erhöht sich der „Anschaffungswert". Bis zum Beginn des 4. Jahres erhöht sich der Anschaffungswert so auf 86.663 DM. Durch die weiteren Defizite und Zinsen (4%) und Zinseszinsen wäre bei einer Bank dieser „Schuldenstand" erreicht. Erst ab dem 4. Jahr kann dieser „Schuldenstand" mit den Überschüssen langsam zurückgeführt werden. Die Kapitalrückführung ist am Ende des 14. Jahres abgeschlossen. Bis zum Ende der Nutzungsdauer, also vom 15. bis zum 21. Jahr, sind die erzielten Überschüsse dann der zeitnahe Unternehmergewinn. Durch weitere Verzinsung wird bis zum Ende der Nutzungsdauer ein Kapital von + 90.855 DM erreicht. Im Fall 1b wird das Kapital genau in der Nutzungsdauer von 21 Jahren zurückgeführt. Im Fall 1c als Beispiel für eine unrentable Investition ist am Ende der Nutzungsdauer vom eingesetzten Kapital fast nichts zurückgeführt (Kapitalstand = - 49539 DM).

Abbildung 2 : Grafische Darstellung der dynamischen Investitionsrechnung Fall 1a

Den Zusammenhang der 3 Methoden der dynamischen Investitionsrechnung für die 3 Möglichkeiten, daß eine Investition rentabel, unrentabel oder gerade rentabel ist, verdeutlicht die nachfolgende Tabelle. Als einzige Größe wurde nur der Pachtpreis verändert.

Die Investition ist

Pachtpreis (als veränderbare Größe)

Kapitalwert-
methode

Interne Zinsfußmethode

Amortisations- rechnung

Hochrentabel

Gegeben

Kapitalwert >> 0

Kapitalverzinsung >>kalkulierter Zinssatz

Amortisationszeit << Nutzungsdauer

Fall 1a

3.000 DM

39.870 DM

8,2%

14 Jahre

Kapitalstand nach 21 Jahren   + 90.855 DM

gerade noch rentabel

über Zielwertsuche ermittelt

Kapitalwert = 0

Kapitalverzinsung =kalkulierter Zinssatz

Amortisationszeit = Nutzungsdauer

Fall 1b

5.934 DM

0 DM

4,0%

21 Jahre

Kapitalstand nach 21 Jahren            + 0 DM

Unrentabel

Gegeben

Kapitalwert << 0

Kapitalverzinsung <

Amortisationszeit >> Nutzungsdauer

Fall 1c

7.533 DM

-21.739 DM

1,6%

>>21 Jahre

Kapitalstand nach 21 Jahren    - 49.539 DM

Das grundsätzliche Problem bei der Entscheidung für oder gegen eine Investition liegt darin, daß heute bekannte und damit feststehende Anschaffungswerte mit in der Zukunft anfallenden jährlichen Überschüssen verglichen werden müssen. Da diese nicht bekannt sind und außerdem von bis zu 18 und mehr zum Teil unterschiedlich zu gewichtenden Parametern abhängt, müssen sie aufgrund der derzeitigen Bedingungen bestmöglich geschätzt werden. Da Schätzen bekanntlich Fehlen kann, müssen demnach verschiedene denkbare Varianten, von der schlechtesten bis zur optimistischsten berechnet werden.

Das EXCEL-Kalkulationsblatt berechnet die Rentabilität, wenn die gelb (grau) unterlegten Eingabefelder mit den entsprechenden Werten ausgefüllt sind.

Großen Einfluß auf die Rentabilität haben die Parameter Erntemenge und Erlös pro kg auf der Erlösseite und der Stundenlohn (Familienarbeitskräfte oder Saisonarbeitskräfte) oder die Stundenzahl pro ha auf der Kostenseite.

Das Kalkulationsblatt kann für jeden einzelnen Fall eines Betriebes genutzt werden und die Parameter nach den betrieblichen Gegebenheiten verändert werden und ist somit eine Rechenhilfe. Für einen gegebenen Fall wird sich dann eine Wirtschaftlichkeit oder nicht herausstellen.

Ist in einem Fall der Kapitalwert deutlich negativ und entsprechend die Verzinsung deutlich unter dem angesetzten Zinssatz, kann man zum Beispiel den Verkaufspreis so lange erhöhen, bis der Kapitalwert gerade Null ist. Die Frage lautet dann: Wie hoch muß der Verkaufspreis mindestens sein, damit dies der Fall ist? Gelöst wird dieses Problem mit dem EXCEL–Instrument der Zielwertsuche. Als Ergebnis wird dann dieser Mindestverkaufspreis berechnet. Genauso kann man nach dieser Vorgehensweise die Mindesterntemenge/ha, den maximalen Pachtpreis, Mindesterlös pro kg oder die maximale Anzahl an Arbeitskraftstunden etc. ermitteln. Ein positiver Kapitalwert ist nicht das alleinige Entscheidungskriterium, um eine Investition tatsächlich durchzuführen. Auch bei einem leicht negativen Kapitalwert kann eine Investition noch sinnvoll sein. Über die Zielwertsuche kann der Stundenlohn der Familienarbeitskräfte bestimmt werden, bei dem der Kapitalwert Null wird. Ist man statt der angesetzten 25 DM für die Familienarbeitskräfte auch noch mit 18 DM zufrieden (Fall 1c), würde man die Investition dann trotzdem tätigen, bei einem Stundenlohn von unter 10 DM sicherlich nicht.

Für die Zielwertsuche braucht EXCEL 3 Angaben:

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Zielzelle = die Zelle in der der zu bestimmende Wert steht = Kapitalwert der Investition

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Zielwert = Wert, den die Zelle annehmen soll = 0

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Veränderbare Zelle = die Zelle, in der der gesuchte Wert steht = Zelle für Pachtpreis

Der Pachtpreis wird dann so lange verändert, bis der Kapitalwert eben gerade Null ist. Das Ergebnis der Rechenoperation ergibt dann im Fall 1b einen Pachtpreis von 5.934 DM.

Eine umfangreichere und komplexere Investition stellt die 4.Variante dar, bei dem ein Weingut die Produktion um 1ha erhöht. Die Investition besteht in diesem Fall nicht nur aus abschreibbaren Gütern, sondern auch aus dem Bodenwert. Am Ende der Nutzungsdauer fließt der Bodenwert als Einnahme zurück, wobei auch eine jährliche prozentuale Wertsteigerung berücksichtigt werden kann. Diese Einnahme könnte im Verkaufsfall erzielt werden. Im Regelfall wird eine Fläche aber nicht verkauft. Dann „verkauft" der Betriebsleiter diese für eine weitere Nutzungsperiode an sich. Der Bodenwert wird dann der neuen Investition als Ausgabe belastet. Dieses Kalkulationsblatt eignet sich besonders zur Ermittlung des maximalen Bodenpreises.

Die Datei enthält außerdem 2 modifizierte Rechentabellen zur Pacht. Eine Tabelle enthält die Kalkulationen aus der Sicht des Verpächters für einen von ihm angelegten Weinberg. Aus der ergibt sich, dass der Pachtpreis mindestens 3000 DM/ha allein für die Rebanlage betragen muss, bei 40.000 DM/ha Anlagekosten, 4 % Zins und 20 Jahren Nutzungsdauer. Die zweite Tabelle geht davon aus, dass der Verpächter einen bereits angelegten Weinberg pachtet und demzufolge nur sehr geringe Investitionen zu leisten hat.

Die EXCEL-Datei mit dem Namen InvKalkWeinbau.xls kann hier für eigene Berechnungen heruntergeladen werden.

Um das Beispiel des Falles 4 genau nachzuvollziehen, laden Sie bitte die zugehörige pdf-Datei

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