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Deckungsbeitrag im Weinbau - selbst berechnen!

 

Uwe Michelfelder

LVWO Weinsberg

 

 

Der folgende Artikel soll eine Anleitung sein für die Berechnung der Deckungsbeiträge in einem Weingut oder Weinbaubetrieb mit Hilfe einer EXCEL- Tabellenkalkulation.

 

Grundsätzlich lässt sich mit dieser EXCEL- Tabelle der Deckungsbeitrag jeder Dauerkultur berechnen.

 

 EXCEL- Kalkulation hier als Download

 

Hinweise zu dieser EXCEL- Tabellenkalkulation

 

Erste Regel:        Nie auf dem Original arbeiten, sondern immer auf einer Kopie!

 

Zweite Regel:      Dateien so abspeichern, dass man sie auch wieder findet!

 

Das heißt, nachdem Sie sich die Datei heruntergeladen haben, lassen Sie diese jungfräulich in einem Verzeichnis auf Ihrem PC, wo Sie die Datei auch wieder finden. Erstellen Sie sich erst eine Kopie - wieder unter einem Dateinamen und in einem Verzeichnis, wo Sie die Datei auch wieder finden -  bevor Sie daran gehen die Tabellen auszufüllen.

 

Etwas Ordnungssinn ist bei der EDV schon nötig. Auch ein Schreibtisch oder ein Schrank braucht ein gewisses Maß an Ordnung, damit man alles wieder findet. Die Genies, die das Chaos beherrschen sind weit seltener als allgemein angenommen. Selbstüberschätzung ist weit verbreitet.

 

Die in dieser Datei eingerichteten Tabellen und Rechenformeln sind nicht geschützt. Das heißt individuelle Änderungen können jederzeit vorgenommen werden, z. B. zusätzliche Zeilen einfügen. Genauso ist es aber möglich durch Fehlbedienung die benötigten Formeln zu löschen. Segen und Fluch also, daher ist Sorgfalt angebracht.

 

Das Rechenschema ist für eine Dauerkultur mit bis zu drei verschiedenen Ertragsphasen (z. B. Neuanlage/ Junganlage/ Ertragsanlage - oder - Pflanzjahr/ zunehmender Ertrag/ Vollertrag) ausgelegt. Als Endergebnis werden die drei Ertragsphasen „aggregiert“. Das bedeutet, es wird die Dauer der einzelnen Ertragsphasen in der Kalkulation mit berücksichtigt und ein gewichteter Mittelwert über alle Ertragsphasen berechnet.

 

Alle Auflistungen und Tabellen beziehen sich auf die Einheit „1 Hektar“, mit Ausnahme der Weinbereitung. Dort wird für das Ergebnis die Einheit „pro 1.000 l fertiger Wein“ gewählt.

 

Der Deckungsbeitrag wird nach der Formel „Deckungsbeitrag = Erlös minus variable Spezialkosten“ errechnet. Die Deckungsbeitragsrechnung ist eine Teilkostenrechnung, bei der alle Festkosten nicht berücksichtigt werden.

 

Überblick über die Tabellenblätter

 

Eine EXCEL- Datei ist einem Hängeregister nachempfunden. Mehrere Blätter sind oben zusammengeheftet. Die Bezeichnung der Tabellenblätter steht unten.

 

Die EXCEL- Datei zur Berechnung des Deckungsbeitrags beinhaltet insgesamt fünf Tabellenblätter. Die einzelnen Tabellenblätter umfassen zum Teil mehrere Seiten untereinander. Abbildung 1 gibt eine Übersicht über den Aufbau der Datei. Die einzelnen Tabellenblätter sind durch entsprechende Formeln miteinander verknüpft. 

 

Tabellenblatt 1

Tabellenblatt 2

Tabellenblatt 3

Tabellenblatt 4

Tabellenblatt 5

Arbeit_variable Maschkosten

Arbeitszeitverteilung

Pflanzenschutz

Deckungsbeitrag

Herstellungs-kosten

Arbeitsgänge und variable Maschinenkosten

 

- für Ertragsphase 1

 

Arbeitszeitverteilung auf die Monate

 

 

- für Ertragsphase 1

Pflanzenschutzplan, inkl. Herbizid und Blattdüngung

 

- für Ertragsphase 1

Deckungsbeitrags-rechnung

 

 

- für Ertragsphase 1

Herstellungs-kosten der Anlage

Arbeitsgänge und variable Maschinenkosten

 

- für Ertragsphase 2

 

Arbeitszeitverteilung auf die Monate

 

 

- für Ertragsphase 2

Pflanzenschutzplan, inkl. Herbizid und Blattdüngung

 

- für Ertragsphase 2

Deckungsbeitrags-rechnung

 

 

- für Ertragsphase 2

 

Arbeitsgänge und variable Maschinenkosten

 

- für Ertragsphase 3

 

Arbeitszeitverteilung auf die Monate

 

 

- für Ertragsphase 3

Pflanzenschutzplan, inkl. Herbizid und Blattdüngung

 

- für Ertragsphase 3

Deckungsbeitrags-rechnung

 

 

- für Ertragsphase 3

 

Arbeitsgänge und variable Maschinenkosten

 

- für Weinbereitung

 

Arbeitszeitverteilung auf die Monate

 

 

- für Weinbereitung

 

Aggregation der Deckungsbeiträge

 

 

Aggregation der Arbeitszeiten in den Monaten

 

 

 



Abbildung 1: Aufbau der Datei, Inhalte der Tabellenblätter und Seiten

Erläuterungen zu den einzelnen Tabellenblättern

 

Tabellenblatt 1 „Arbeit_variable Maschkosten“

 

Zuerst braucht das Kind einen Namen. Oben am Tabellenblatt, nach „Produktionsverfahren“, sind drei Felder für die genauere Bezeichnung des Produktionsverfahrens vorgesehen. Diese könnte zum Beispiel folgendermaßen aussehen: „Riesling, Direktzug, Pflanzabstand 2m x 1 m, dauerbegrünt“. Diese Bezeichnung wird für alle Seiten in allen Tabellenblättern der Datei übernommen.

 

Man beginnt die Rechnung mit der Erfassung der einzelnen Arbeitsgänge der Traubenproduktion im Tabellenblatt „Arbeit_variable Maschkosten“. Dies geschieht nacheinander für alle drei Ertragsphasen. Dann listet man alle Arbeitsgänge auf, die bei der Weiterverarbeitung bis zum verkaufsfertigen Produkt anfallen, das heißt für die Weinbereitung, für die Abfüllung, für die Ausstattung und Verpackung.

 

Zu den jeweiligen Arbeitsgängen werden die benötigten Arbeitsstunden insgesamt und die Arbeitsstunden der Saisonkräfte erfasst. Die Kosten der Saisonkräfte sind variable Kosten und werden für den Deckungsbeitrag benötigt. Die Summe der Arbeitsstunden der Saisonkräfte wird über eine Formel in das Tabellenblatt „Deckungsbeitrag“ übernommen.

 

Werden Maschinen eingesetzt müssen die Maschinenstunden erfasst werden. Sie bilden die Grundlage für die Berechnung der variablen Maschinenkosten in den weiteren Spalten. Die Tabellen sind ausgelegt für bis zu drei verschiedene Maschinen pro Arbeitsgang. Die dazu gehörigen variablen Maschinenkosten können entweder in €/h oder in €/ha eingegeben werden. Die Summe der variablen Maschinenkosten wird für jede Ertragsphase über eine entsprechende Formel in das Tabellenblatt „Deckungsbeitrag“ übernommen.

 

Die Materialkosten werden bei den Arbeitsgängen der Traubenproduktion nur der Vollständigkeit halber erfasst, damit nichts vergessen wird. Diese Daten sind aber nicht mit dem Tabellenblatt „Deckungsbeitrag“ verknüpft.

 

Besonderheiten bei Tabelle 3 „Neuanlage“

 

In der Tabelle für die Ertragsphase „Neuanlage“ sind einige zusätzliche Entscheidungen notwendig. Man muss festlegen, welche Arbeitsgänge noch zu den „Herstellungskosten“ gerechnet werden sollen und welche in den Deckungsbeitrag eingehen sollen. In der Regel werden die Pflegearbeiten, wie Pflanzenschutz, Bodenpflege, Aufbinden, zum Deckungsbeitrag gerechnet. Alle Arbeiten für die Erstellung der Anlage, vom Rigolen über das Pflanzen und das Erstellen des Drahtrahmens bis zur Einsaat der Dauerbegrünung werden zu den Herstellungskosten gezählt.

 

Einmal im Laufe der Standzeit einer Rebanlage fällt das Roden der Anlage an. Auch dies wird in dieser Tabelle erfasst. Die Kosten werden den Herstellungskosten zugerechnet.

 

Besonderheiten bei Tabelle 4 „Weinbereitung“

 

Zuerst lohnt es sich auch hier, das Verfahren näher zu beschreiben (z. B. Tankausbau, gezügelte Gärung). In dem Feld nach „Weinbereitung“ ist dafür Raum vorhanden.

 

Bei der Erfassung der Daten für die Weinbereitung, Abfüllung und Ausstattung ist die Chargengröße und Gebindegröße zu berücksichtigen. Da einige Arbeitsgänge, wie z. B. das Pressen, der Abstich, die Filtration mit dem Schichtenfilter, nicht kontinuierlich ablaufen, muss berücksichtigt werden, wie oft bestimmte Arbeitsgänge zur Verarbeitung dieser Charge nötig sind.

 

Die letzten fünf Spalten sind für die Berechnung der Materialkosten vorgesehen.

 

Als Ergebnis für die Weiterverwendung im Tabellenblatt „Deckungsbeitrag“ werden die variablen Kosten in EURO pro Tausend Liter fertiger Wein benötigt. Daher sind hier einige Umrechnungen am Ende der Tabelle notwendig. Bei den für die Weinbereitung benötigten Saison- Akh wird analog verfahren.

 

Alle Ergebnisse beinhalten noch keine Mehrwertsteuer.

 

Tabellenblatt 2 „Arbeitszeitverteilung“

 

Dieses Tabellenblatt dient zur Berechnung des Arbeitszeitbedarfs in den einzelnen Monaten. Diese Information wird insbesondere in der Planungsrechnung benötigt, wenn für einen Betrieb überprüft werden soll, ob die Arbeitskapazität auch für die Arbeitsspitzen ausreicht.

 

Arbeitsgänge und Arbeitszeitbedarf insgesamt werden vom vorherigen Tabellenblatt „Arbeit_variable Maschkosten“ übernommen. Die Verteilung auf die Monate Januar bis Dezember muss noch vorgenommen werden. Dabei ist zu beachten, dass Arbeiten, die in einem längeren Zeitraum erfolgen können, auch gleichmäßig auf diesen Zeitraum verteilt werden. Zum Beispiel kann sich der Rebschnitt von Januar bis März hinziehen. Die hierfür benötigte Arbeitszeit muss demzufolge auf die Monate Januar, Februar und März verteilt werden.

 

Mit Hilfe der Angaben über die Dauer der einzelnen Ertragsphasen im Tabellenblatt „Deckungsbeitrag“ wird am Ende dieses Tabellenblattes „Arbeitszeitverteilung“ ein aggregierter Arbeitszeitbedarf berechnet.

 

Tabellenblatt 3 „Pflanzenschutz“

 

Die Pflanzenschutzmittel sind im Weinbau ein größerer Kostenfaktor. Daher dient dieses Tabellenblatt der Erfassung der in den jeweiligen Ertragsphasen benötigten Pflanzenschutzmitteln, sowie den Herbiziden und Blattdüngern. Werden im Betrieb bereits andere Aufzeichnungen geführt, wie zum Beispiel Schlagkarteien, können die für die Deckungsbeitragsrechnung notwendigen Daten eventuell dort entnommen werden.

 

 

Tabellenblatt 4 „Deckungsbeitrag“

 

Hier laufen alle in den vorigen Tabellen erfassten und berechneten Daten zusammen und es wird letztendlich der aggregierte Deckungsbeitrag des Produktionsverfahrens berechnet. In dem Tabellenblatt stehen drei Tabellen untereinander. Die oberste dient der Berechnung des Deckungsbeitrags für die „Ertragsanlage“, die mittlere für die „Junganlage“ und die untere für den Deckungsbeitrag „Neuanlage“. Ganz zum Schluss werden diese drei Deckungsbeiträge aggregiert, das heißt es wird ein gewichteter Mittelwert errechnet.

 

Da in der Branche überwiegend die Umsatzsteuerpauschalierung angewendet wird, ist es vorgesehen alle Berechnungen inklusive Mehrwertsteuer durchzuführen.

 

In den Tabellen der einzelnen Ertragsphasen müssen noch Daten eingetragen werden. Zunächst sind die Leistungen anzugeben. Das heißt es sind Erntemengen und Verkaufserlöse anzugeben. Da man sich für die Pauschalierung entschieden hat, sind die Erlöse inklusive des entsprechenden Mehrwertsteuersatzes anzugeben. Gegebenenfalls sind weitere Leistungen wie zum Beispiel staatliche Zahlungen zu berücksichtigen.

 

Darunter sind alle anfallenden variablen Kosten aufzulisten. Die Pflanzenschutzmittelkosten, variable Maschinenkosten und die Kosten für Saisonarbeitskräfte werden von den vorherigen Tabellenblättern über entsprechend hinterlegte Formeln übernommen. Alle anderen variablen Kosten sind in den dafür vorgesehenen Zeilen oder den noch freien Zeilen einzutragen. Mit Hilfe der im Tabellenblatt „Arbeit_variable Maschkosten“ berechneten Werte und der Angabe der pro Hektar erzeugten Weinmenge werden die variablen Kosten für die Weinbereitung pro Hektar errechnet.

 

Jetzt fehlt nur noch die Angabe des gewünschten Zinssatzes für die Berechnung des Zinsansatzes und der Deckungsbeitrag ist berechnet.

 

Für die Aggregation muss noch die Dauer der jeweiligen Ertragsphase angegeben werden. Dann berechnet sich der aggregierte Deckungsbeitrag des Produktionsverfahrens.

 

Tabellenblatt 5 „Herstellungskosten“

 

Bei Dauerkulturen und insbesondere bei der Rebe wird zuerst in die Erstellung der Anlage investiert, bevor in den folgenden Jahren Erlöse erwirtschaftet werden können. Diese Herstellungskosten werden in der Buchführung aktiviert und abgeschrieben. Für die Buchführung wird bei den Herstellungskosten die Eigenleistung nicht berücksichtigt. Das heißt es werden keine Lohnansätze für die von den Familienarbeitskräften hier erbrachten Arbeitsstunden gemacht.

 

In der Planungsrechnung müssen diese Herstellungskosten bekannt sein, um die entsprechenden Festkosten zu berechnen. Außerdem sind die Herstellungskosten ein wichtiger Wert wenn für die Rebanlage eine Investitionsrechnung durchgeführt wird.

 

Alle für die Erstellung anfallenden Kosten müssen vollständig und sorgfältig erfasst werden. Hierfür ist dieses Tabellenblatt vorgesehen.

 

Bereits im Tabellenblatt „Arbeit_variable Maschinenkosten“ hat man in der dritten Tabelle „Neuanlage“ entschieden, welche Kosten zu den Herstellungskosten gerechnet werden sollen. Diese sind nun hier detailliert aufzulisten. Dabei werden nur die variablen Maschinenkosten für Rodung und Erstellung über entsprechende Formeln vom ersten Tabellenblatt übernommen.

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