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Naturräume Baden-Württembergs: Schwäbische Alb

Die aus Kalksteinen und Kalkmergeln des Weißen (Oberen) Jura aufgebaute Schwäbische Alb, die die jüngste und zugleich mächtigste Stufe der südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft umfasst, gilt als einer der einheitlichsten Landschaftsräume Baden-Württembergs. Mit einer Länge von ca. 250 km und einer Breite bis zu 40 km zieht sie sich vom Randen bei Schaffhausen bis zum Westrand des Rieskraters bei Nördlingen.

Bild 1: Hochalb

Von den höchsten Erhebungen nahe des steilen, bis zu 400m hohen, als Albtrauf bezeichneten Nord- und Westrandes fällt die Hochfläche der Schwäbischen Alb allmählich nach Südosten zum Molassebecken des Alpenvorlandes ab. Im Südwesten, wo die Ablagerungen des Rheingletschers und die von der Abtragung der Alb stammenden Schotter, die sog. Juranagelfluh, sowie einzelne Hegau-Vulkanberge auf die Albhochfläche heraufreichen, ist die Grenze zum Alpenvorland undeutlich (aus BEINLICH 1995: 87 und BREUNIG 1995: 464).

Die naturräumlichen Haupteinheiten der Schwäbischen Alb:

  • Der R a n d e n [090] bildet den südlichsten, bereits im Einzugsgebiet von Hochrhein und Wutach gelegenen Teil der Schwäbischen Alb. Er liegt Großteils auf Schweizer Gebiet. Mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 8,5°C in den Tälern und 8,0°C auf den Höhen sowie Jahresniederschlägen von 900 – 1050 mm liegt er in einem klimatischen Gunstgebiet, so dass neben Grünland und Ackerbau auf den schweren Lehmböden auch eine geringe Obstnutzung vorhanden ist.
  • Die südlich des oberen Donautals gelegenen H e g a u a l b [091], in der die Jurakalke verbreitet von tertiärer Jungnagelfluh und risszeitlichem Moränenmaterial überdeckt sind, und die Basalt- und Tuffvorkommen aufweist. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt in den Tälern bis 600 m 7,0°C, auf den Höhenlagen 6,5°C, die durchschnittlichen Jahresniederschläge liegen bei 750 – 900 mm. Auf den kalkreichen Lehmböden des Westflügels wird v.a. Ackerbau betrieben, ebenso auf den tiefgründigen Böden der Plattenkalke. Hier finden sich artenreiche Ackerwildkrautgesellschaften der Ackerlichtnelken- und Adonisröschengruppe. Auf den flachgründigen Böden der Massenkalke im Ostteil sowie weiter südlich überwiegt die Waldnutzung.
  • Die B a a r a l b und das O b e r e  D o n a u t a l [092] sind vielfach tief zertalt durch die Donau und ihre Nebenflüsse, und daher besonders felsreich. Die klimatischen Verhältnisse gleichen denen der Hegaualb. Die Böden in den Tälern sind lehmige Schwemmböden, die meist Wiesen tragen. Die Terrassen, die Hänge sowie die kalkreichen Schuttböden in den Trockentälern sind ackerbaulich genutzt. Hier finden sich artenreiche Ackerwildkrautgesellschaften der Ackerlichtnelken- und Adonisröschengruppe. Das enge obere Donautal mit seinen steilen Hängen und Schluchten wird von Wäldern dominiert.
  • Die H o h e  S c h w a b e n a l b [093] weist die höchsten Erhebungen der Schwäbischen Alb (Lemberg 1015 m ü. NN) und ein besonders raues Klima mit Jahresdurchschnittstemperaturen von 5,5°C in den Talmulden und 6,0°C auf den Gipfeln und Hochflächen auf. Die Jahresniederschläge liegen bei 800 – 1000 mm. In der Nähe des Stufenrandes sind kalkreiche Lehme, in den Trockentälern tiefgründige, z.T. stark entkalkte Lehmböden verbreitet. Aufgrund der klimatischen Bedingungen herrscht hier Grünland vor. Auf den Ackerstandorten sind im Bereich der Ackerwildkrautflora die Ackerlichtnelken- und Adonisröschengruppe in guter Ausbildung vorhanden.
  • Die M i t t l e r e  K u p p e n a l b [094] ist durch zahlreiche aus Massenkalken aufgebaute Kuppen gekennzeichnet. Das Klima variiert sehr stark von 8,0°C Jahresdurchschnittstemperatur in den Tälern des Albtraufs bis zu 5,5°C in den Tälern der Hochflächen. Auch der durchschnittliche Jahresniederschlag variiert von 770 mm am Südostrand bis zu 1100 mm in den höchsten Lagen. Der Raum ist stark durch die Verkarstung geprägt. Schichtstufen sind nur im äußersten Osten und Westen des Gebiets vorhanden, während die typische Kuppenlandschaft aus den ungeschichteten Kalken und Tonen (Unt. Weißjura) aufgebaut ist. Hier herrscht eine Mischnutzung von Acker, Grünland und Wald vor. Wo die Verkarstung geringer ist, sind ackerbauliche Vorranggebiete vorhanden. Auf den Ackerstandorten sind im Bereich der Ackerwildkrautflora die Ackerlichtnelken- und Adonisröschengruppe in mäßiger bis guter Ausbildung vorhanden. Die Haftdoldengruppe, die noch in den 50er Jahren zu finden war, ist allerdings gänzlich verschwunden, daher muß das Gebiet im Bereich der Ackerwildkräuter als Verarmungsgebiet gelten. Die Täler sind meist mit Grünland bedeckt, Wald ist auf die ungünstigen Standorte der Hänge und flachgründigen Kuppen begrenzt.
  • Die M i t t l e r e  F l ä c h e n a l b [095] war während des Miozäns überflutet, wobei großflächig Juranagelfluh abgelagert wurde. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt hier 7,0°C mit 700 – 800 mm Jahresniederschlag. Es überwiegt Waldnutzung. Auf den Ackerflächen findet sich eine verarmte Ackerwildkrautflora der Knäuel-Basis-Gruppe.
  • Das A l b u c h und H ä r t s f e l d [096] stellt den niedrigeren Ostteil der Kuppenalb dar. Die Jahresdurchschnittstemperaturen variieren von 6,5°C auf den Hochflächen und 7,5°C in den Tälern. Die Jahresniederschläge liegen zwischen 750 mm am SO-Rand und 1050 mm in den höchsten Lagen. Der nördliche Teil ist über weite Flächen mit entkalkten tiefgründigen Feuersteinlehmen bedeckt, die zur Verheidung neigen und schwach reliefiert sind. Hier herrscht der Ackerbau vor, wobei die Ackerwildkrautflora auch um Bereich der Basisgruppen sehr verarmt ist. Weiter südlich, wo die Böden eher durch kalkreiche aber schwere Lehme geprägt sind, sind die Hochflächen in bewaldete Rücken aufgelöst. Auf den Ackerstandorten der steinigen Kalkscherbenäcker findet sich eine reiche Ackerwildkrautflora sowohl mit Ackerlichtnelken-, Adonisröschen- und Haftdoldengruppe und dem Vorkommen zahlreicher stark gefährdeter Arten, z.B. Kleiner Frauenspiegel und Rundblättriges Hasenohr, was auf die relativ traditionell orientierte Wirtschaftsweise in dem benachteiligten Gebiet zurückzuführen ist.
  • Die L o n e – F l ä c h e n a l b [097] stellt den niedrigeren Ostteil der Flächenalb mit weichen Reliefformen dar. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 7,0°C auf den Hochflächen und 7,5°C in den Tälern, mit Niederschlägen von 670 – 750 mm. Die Böden, tiefgründige Verwitterungslehme, meist verbessert durch Lößeinwehungen aus den nahen Schotterfluren der Donau, sind gut für den Ackerbau geeignet. Es finden sich Ackerwildkräuter der Knäuel-Basis-Gruppe, der Haftdoldengruppe und der Ackerlichtnelken-Basis-Gruppe.
  • Die R i e s – A l b [098] liegt überwiegend in Bayern und ist durch Auswurfmassen des Meteoriteneinschlags im Ries gekennzeichnet. Die Randhöhen bestehen aus zertrümmerten kalken, die nachträglich wieder verkittet sind. Sie wurden durch einige Täler in einzelne Waldkuppen aufgelöst (aus BREUNIG 1995: 464f und OSINSKI UND HEINL 1996: E421ff).

Die gesamte Hochfläche der Schwäbischen Alb ist seit der Jungsteinzeit kontinuierlich besiedelt. Sie ist dem Altsiedelland zuzurechnen. Die ältesten heutigen Siedlungen auf der Alb lassen sich auf 269 n.Chr. zurückdatieren. In der karolingischen Zeit wurde das Siedlungsland stark ausgedehnt, so z.B. auf die stark zertalten Hügelländer der Laubwaldbezirke. Die Bevölkerungszunahme zwang neben der Urbarmachung bisher nicht genutzter Flächen auch zur intensiveren Bodennutzung. So ist die Dreifelderwirtschaft für Südwestdeutschland bereits im 8. Jhdt. nachweisbar. Die eigentlichen Waldgebirge und Landstriche mit Böden, die sich nicht auf natürliche Weise regenerieren blieben jedoch zu dieser Zeit noch unberührt.

Aufgrund der großen Pestepidemien im 14. Jhdt. kam es in dieser Zeit zu einem großen Bevölkerungsrückgang, der die „spätmittelalterliche Wüstungsperiode", ein starker Siedlungsschwund, genannt wird. In dieser Zeit kam es zu zahlreichen Wiederbewaldungen, die jedoch als Weidewälder und zur Holz- und Streuentnahme genutzt wurden. Ebenso kann davon ausgegangen werden, dass sich in diesem Zeitraum – neben der Hüteschafhaltung - die Wanderschäferei entwickelte, da seitens der Landherren versucht wurde, durch Schafbeweidung die während der Wüstungsperiode aufgegebenen landwirtschaftlichen Flächen wieder einer Nutzung zuzuführen. Nach dem Ende der herrschaftlichen Schäferei 1746 entwickelte sich die Transhumanz in Form der Wanderschäferei, wie wir sie heute noch vorfinden. Mit der progressiven Bevölkerungsentwicklung nach dem Dreißigjährigen Krieg und einem höheren Bedarf an landwirtschaftlichen Nutzflächen, sind zunehmend Auseinandersetzungen um die Nutzung der Schafweiden zu verzeichnen. Die Weiden wurden allmählich auf die ungünstigsten Standorte zurückgedrängt, gleichzeitig aber so intensiv wie möglich genutzt. Trotz zunehmender Nutzungskonflikte erlebte die Schafhaltung auf der Alb ihre Blütezeit in der ersten Hälfte des 19. Jhdts.. In der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. verschlechterte sich die Lage der Schäferei jedoch zusehends, v.a. aufgrund der Einfuhr billiger Wolle aus Australien. Gleichzeitig nahm auch der Ackerbau – bis dahin vorherrschend auf der Schwäbischen Alb – ab, da mit der Eisenbahn Massengüter wie Getreide über größere Entfernungen transportiert werden konnten. Dies ließ innerhalb der Landwirtschaft eine zunehmende Marktorientierung aufkommen und brachte zugleich die Loslösung von vielen Zwängen der lokalen Selbstversorgung auch bei ungünstigen naturräumlichen Bedingungen. So wurde billigeres und besseres Getreide aus dem Ausland eingeführt. Es kam zu einer zunehmenden „Vergrünlandung" der Alb, mitbedingt durch die Möglichkeit durch Mineraldüngung und Mechanisierung mehr auf weniger Fläche zu produzieren. Im Zuge dessen hatten nun weniger Schäfer mehr bessere Flächen zur Verfügung. Sie zogen sich von vielen der durch lange Nutzung degradierten Schafweiden zurück, die dann aufgeforstet wurden oder der Sukzession anheim fielen. Im 20. Jhdt. wurde durch die Flurbereinigung eine weitere Änderung des Landschaftsbildes eingeleitet, da im Zuge der Flurbereinigung die im Laufe der Jahrhunderte durch die Ackernutzung entstandenen Steinriegel und Lesesteinhaufen, auf denen sich mit der zunehmenden Entlassung von Flächen aus der landwirtschaftlichen Produktion in unserem Jahrhundert zahlreiche Hecken und Gehölzstreifen entwickelten, entfernt wurden. Ebenso wurden jahrhundertealte Triebwege „weggeplant" oder verlegt. ( aus BEINLICH UND MANDERBACH 1995: 65ff und BEINLICH 1995: 97ff).

Auch heute werden große Teile der Schwäbischen Alb – je nach klimatischen Gunsträumen – ackerbaulich genutzt. Der Schwerpunkt der Grünlandnutzung liegt auf der Hohen Schwabenalb und der Mittleren Kuppenalb. Auf ersterer herrscht die Mischnutzung Wald/ Grünland oder Extensivgrünland/ Grünland vor, auf letzterer Mischnutzung Acker/ Grünland. Der Waldanteil liegt i.d.R. bei 50%. Die sehr kalkreichen und trockenen Böden führten durch die intensive Schafbeweidung der letzten Jahrhunderte zu einer Fläche von über 16 000 ha Kalkmagerrasen, die auf alle Naturräume der Schwäbischen Alb großflächig verteilt sind. Nur die Hegaualb weist in nur geringem Maße Kalkmagerrasen auf. Die häufigsten Biotoptypen auf der Schwäbischen Alb sind demzufolge Kalkmagerrasen und Hecken und Gebüsche, die sich auf den noch verbleibenden Steinriegeln und Lesesteinhaufen entwickelt haben. Höhlen, Steinriegel und Felswände weisen außerdem eine hohe Dichte auf. Von geringer Bedeutung sind dagegen Gewässer, Moore und weitere Biotoptypen feuchter bis nasser Standorte. Das einzige weitgehend zerstörte Hochmoor befindet sich bei Schopfloch auf der mittleren Kuppenalb. Ein Flachmoor ist auf der Baaralb in der Nähe der Aitrach und weitere kleine in den Tälern der Randhöhen der Hohen Schwabenalb, sowie auf der Filsalb und dem Albuch. Häufiger sind Nass- und Feuchtwiesen, v.a. in den Flusstälern der Donau, Schmiech und Blau u.a.. Auch Fließ- und Stillgewässer sind aufgrund der Verkarstung nur wenige vorhanden, von diesen ist v.a. die Obere Donau zu nennen. Als Stillgewässer finden sich v.a. typische Altgewässer wie Hülben und Dolinen. Intensivgrünland und Streuobstwiesen liegen v.a. am Albtrauf und sind auf der Hochfläche selten.

 

Randen

Hegaualb

Baaralb und Oberes Donautal

Hohe Schwa-benalb

Mittlere Kuppenalb

Mittlere Flächen-alb

Albuch und Härtsfeld

Lonetal-
Flächenalb

Ries-Alb

1

Kalkmager-
rasen

Hecken, Ge-büsche

Kalkmager-
rasen

Kalkmager-
rasen

Hecken, Gebüsche

Hecken, Gebüsche

Hecken, Gebüsche

Hecken, Gebüsche

Hecken, Ge-büsche

2

Waldsaum

Kalkmager-
rasen

Hecken, Gebüsche

Hecken, Gebüsche

Kalkmager-
rasen

Kalkmager-
rasen

Kalkmager-
rasen

Kalkmager-
rasen

Kalkmager-
rasen

3

mesophyt. Laubmisch-wälder

Waldsaum

Waldsaum

Waldsaum

wärme-liebende Wälder und Trocken-
gebüsche

wärmeliebende Wälder und Trocken-
gebüsche

Waldsaum

Weide

Weide

4

wärme-liebende Wälder und Trocken-
gebüsche

Waldmantel

wärme-liebende Wälder  und Trocken-
gebüsche

wärmeliebende Wälder und Trocken-
gebüsche

Feld-gehölz

mesophytische Laub-
mischwälder

wärmeliebende Wälder und Trocken-
gebüsche

wärme-liebende Wälder und Trocken-
gebüsche

Gehölz-
streifen

5

Hecken, Gebüsche

wärmeliebende Wälder und Trocken-
gebüsche

Brachen

Felswand

Waldsaum

Waldsaum

Weide

Gehölz-
streifen

Pionier-
standort

Tab. 1: Die bei der Biotopkartierung 1981 – 1989 am häufigsten erfassten Biotoptypen auf der Schwäbischen Alb.

Nachdem die Schafhaltung auf der Schwäbischen Alb in den 60er Jahren des 20. Jhdts. ihren Tiefpunkt erreicht hatte, weiden heute wieder ca. 100.000 Schafe auf der Schwäbischen Alb. Die Wanderschäferei herrscht nach wie vor vor, obwohl sie durch immer knapper werdende Herbst- und Winterweiden, Straßen- und Wegebau etc. zunehmend erschwert wird. Eine bedeutende Haltungsform ist auf der Schwäbischen Alb von jeher die Hütehaltung, bei der die Tiere im Sommer auf den Weiden gehütet werden und im Winter im Stall stehen. Diese Haltungsform ist jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen rentabel. Eine starke Zunahme ist einzig bei der Koppelschafhaltung zu verzeichnen, die jedoch aus landschaftspflegerischer Sicht kritisch zu sehen ist (aus BEINLICH 1995: 102ff, OSINSKI UND HEINL 1996: E423ff und BREUNIG 1995: 465ff).

Leitbild zur Landschaftsentwicklung

Die PNV auf der Schwäbischen Alb entspricht – wie in weiten Teilen Mitteleuropas ohne dem Einfluss der Megaherbivoren - einem Buchenwald (abgesehen von Sonderstandorten wie Felsen, Hochmoore, Flusstäler etc.), zu dem sich – bei Nutzungsaufgabe – zweifellos große Teile der Schwäbischen Alb mehr oder weniger schnell – in Abhängigkeit von Standort und umgebender Vegetation - entwickeln würden.

Leitbilder zur Landschaftsentwicklung:

Wo auf der Schwäbischen Alb bereits naturnahe Wälder bestehen, sollten diese erhalten werden und z.T. in Bannwälder überführt werden. Als zentrales, waldreiches Gebiet kommt der Schwäbischen Alb eine wichtige Rolle im Verbund der Waldlandschaften innerhalb Baden-Württembergs und im Anschluß nach Bayern zu. Daher ist es notwendig, künstliche Barrieren innerhalb der Schwäbischen Alb zu überbrücken und Verbindungen zu anderen Waldgebieten herzustellen (WALTER UND RECK 1996: E460).

Dort wo allerdings noch Kalkmagerrasen vorhanden sind, sollten dies unbedingt erhalten werden, und zwar möglichst durch Fortführung der Nutzung, die zu ihrer Entstehung geführt hat, d.h. in weiten Teilen der Schwäbischen Alb durch Wanderschäferei. Wo dies nicht möglich ist, sollten die Flächen durch Beweidung, Mahd oder Mulchen erhalten werden. Um den Aufwand für Pflegemaßnahmen zu reduzieren, könnte ein sog. „gesteuerter Mosaik-Zyklus" angestrebt werden (POSCHLOD, KIEFER UND FISCHER 1995: 222), bei dem immer einige Flächen für einige Jahre der Sukzession überlassen werden und dann wieder in Nutzung/ Pflege genommen werden, wogegen andere bis dann genutzte Fläche eine Zeit lang der Sukzession überlassen werden. Ebenso sollte extensiv genutztes Grünland erhalten bleiben.

Höhlen, Steinriegel, Felswände, Hülben und Dolinen sollten erhalten bleiben. Felsen sollten nicht aufgeforstet und möglichst von Bewaldung freigehalten werden.

Hecken und Feldgehölze sollten erhalten bleiben. Die Verbundsituation z.B. auf der Kuppen- und Flächenalb sollte durch Neuanlagen von Hecken und Feldgehölzen verbessert werden.

Der offene Charakter der Holzwiesen sollte erhalten bleiben. Keine Neuaufforstungen in diesen Bereichen.

Für Ackerwildkräuter liegt sowohl in der Baar- und Hegaualb als auch auf der Hohen Alb und den kalten Lagen der Mittleren Kuppenalb ein gutes Entwicklungsgebiet vor, d.h. durch gezielte Maßnahmen kann – aufgrund des im wesentlichen noch guten Samenpotentials im Boden – durch gezielte Extensivierungen wieder eine artenreiche Ackerwildkrautflora entwickelt werden, wobei Extensivierungen zur Regeneration der Ackerwildkrautflora nur auf Flächen, die dauerhaft als Acker genutzt werden, durchgeführt werden sollten. Maßnahmen hierzu sind:

  • Ackerrandstreifen/ biologischer Landbau als nutzungskonforme Maßnahmen
  • Extensivere Ackernutzung
  • Selbstbegrünte Rotationsbrachen
  • Verzicht auf Herbizide
  • Keine Verwendung physiologisch saurer Düngemittel
  • Geringere Bestandesdichte wenigstens im Randstreifen
  • Anbau wildkrautfreundlicher Kulturarten, z.B. Winterroggen

In den als Verarmungsgebiete geltenden Bereiche der mäßig kühleren Lagen der Mittleren Kuppenalb und der Flächenalb sollten schnellstens flächendeckend Extensivierungsmaßnahmen erfolgen, um den Artenrückgang aufzuhalten.

Die Weißjuraflächen im Albuch und Härtsfeld sind Spitzenregionen für den Ackerwildkräuterschutz, da sich hier aufgrund der noch relativ traditionell orientierten Wirtschaftsweise mit weiten Fruchtfolgen, geringen Schlaggrößen und wenig intensiver Dünger- und Herbizidanwendung eine artenreiche Ackerwildkrautflora erhalten konnte. Der Strukturwandel hin zu intensiverer Wirtschaftsweise muß hier gestoppt werden. Bei der Flächenauswahl zur Extensivierung sind die Weißjuraflächen gegenüber den verarmten Feuersteinlehmflächen zu bevorzugen (LFL 1994).

Die wenigen vorhandenen Fließgewässer auf der Alb sollten naturnah entwickelt werden. Ihre Auer sollten sowohl unbeeinflusste Prozessflächen als auch Grünlandbiotope aufweisen. Das Schopflocher Hochmoor sowie vorhandene Niedermoore sollten erhalten werden.

  • BEINLICH, B. UND PLACHTER, H. (Hrsg.) (1995): Schutz und Entwicklung der Kalkmagerrasen der Schwäbischen Alb. – Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 1 – 520
    • BEINLICH, B. (1995): Die Schwäbische Alb. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 87 – 95.
    • BEINLICH, B. UND MANDERBACH, D. (1995): Die historische Landschafts- und Nutzungsentwicklung in Württemberg unter besonderer Berücksichtigung der Schwäbischen Alb. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 65 – 86.
    • BEINLICH, B. (1995): Die historische Entwicklung der Schäferei in Südwestdeutschland. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 97 – 107.
    • POSCHLOD, P., KIEFER, S. UND FISCHER, S. F. (1995): Die potentielle Gefährdung von Pflanzenpopulationen in Kalkmagerrasen auf der Mittleren Schwäbischen Alb durch Sukzession (Brache) und Aufforstung – ein Beispiel für einen zönotischen Ansatz der Gefährdungsanalyse von Pflanzenpopulationen. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 199 – 227.
  • HÖLL, N. UND BREUNIG, T. (Hrsg.) (1995): Biotopkartierung Baden-Württemberg. Ergebnisse der landesweiten Erhebungen 1081 – 1989. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 81: 1 – 544.
    • BREUNIG, T. (1995): Die Biotoperhebungen in den naturräumlichen Großlandschaften Baden-Württembergs – Ergebnisse der Biotopkartierung 1981 – 1989. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 81: 457 – 508.
  • LFL (Auftraggeber) 1994: Bestandsaufnahme zum aktuellen Entwicklungszustand der Ackerbegleitflora und ihre räumliche Differenzierung in Baden-Württemberg. Erstellung eines regionalen Bedarfs- und Maßnahmenkonzepts zu Erhalt, Entwicklung und Regeneration des gefährdeten Anteils der Ackerbegleitflora in Baden-Württemberg. 133 S. (unveröffentlicht)
  • UMWELTMINISTERIUM (Auftraggeber) (1996): Räumlich differenzierte Schutzprioritäten für den Arten und Biotopschutz in Baden-Württemberg – Zielartenkonzept. 1691 S.
    • OSINSKI, E. UND HEINL, T. (1996): Schwäbische Alb – Allgemeine Charakterisierung. E419 – E433.
    • WALTER, R. UND RECK, H. (1996): Schwäbische Alb – Zusammenfassende Übersicht zu den speziellen Schutz und Entwicklungszielen. E460 – E472.

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