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Naturräume Baden-Württembergs: Odenwald und Spessart

 

 

 

1. Einführung

Die Mittelgebirge von Odenwald, Spessart und Südrhön bilden die erste Stufe der südwestdeutschen Schichtstufenlandschaften und umfassen im Westen von Odenwald und Spessart außerdem von Decksedimenten freigelegte Grundgebirgslandschaften. Großflächig kommen sandige, im Osten auch sandig-tonige Sedimente des Buntsandsteins vor, auf denen bodensaure, basenarme Standorte verbreitet sind. Baden-Württemberg hat nur einen geringen Flächenanteil an der naturräumlichen Großlandschaft, der sich auf den Odenwald und den südlich des Mains gelegenen Teil des Spessarts beschränkt. Die baden-württembergischen Anteile sind gekennzeichnet durch eine weitmaschige, tiefe Zertalung, wasserarme Höhenrücken und die muldenreichen Hochflächen der Ostabdachung. Geomorphologische Besonderheiten sind die Durchbruchstäler von Neckar und Main.

 

2. Naturräume und Standortverhältnisse

Die naturräumlichen Haupteinheiten des Odenwaldes und Spessarts:

  • Der S a n d s t e i n – S p e s s a r t  [141] wird im baden-württembergischen Teil von den im Buntsandstein angelegten Tälern des Mains und der unteren Tauber sowie der teils lößbedeckten, teils von Rottönen gebildeten schwachwelligen Wertheimer Hochfläche gebildet. Aufgrund der hauptsächlich verbreiteten gut ackerbaulich nutzbaren Lehmböden hat der Ackerbau im Sandstein-Spessart innerhalb der letzten 50 Jahre eine starke Zunahme erfahren, wogegen die Waldfläche mit etwas über 60% Anteil an der Landfläche beinahe konstant geblieben ist. Vorherrschende Baumarten sind hier Kiefer und Fichte. Aufgrund der Lage im Regenschatten des Spessarts sind die tieferen Lagen des Sandstein-Spessarts mit nur 600 – 820 mm Niederschlag/a vergleichsweise regenarm und warm /durchschnittliche Jahrestemperatur 9,0°C im Maintal – 8,0°C im Kinzigtal). Dies ändert sich auf den Höhen des Sandstein-Spessarts, wo die Niederschläge bei 750 – 1090 mm/ a liegen und die Jahrestemperatur nur 7,0°C beträgt.
  • Der S a n d s t e i n – O d e n w a l d  [142]  ist gekennzeichnet durch einen tief zertalten, v.a. aus den sehr basenarmen Sandsteinen des Mittleren Buntsandsteins aufgebauten westlichen Teil und eine durch flache, staunasse Mulden gekennzeichnete Ostabdachung im Bereich basenreicherer Gesteine des Oberen Buntsandsteins. In den Tälern und an der Grenze zum Vorderen Odenwald  herrschen schwere, tonige Böden vor, die hauptsächlich zur Grünlandnutzung geeignet sind. Im Bereich der Gebirgsabdachung im Süden treten Rottöne auf, die bei örtlicher Lößüberdeckung ackerbaulich und sonst als Grünland genutzt werden. Die Hochflächen mit Bleicherden aus Plattensandstein zeigen meist Staunässe und machen selbst dem Waldbewuchs Probleme. Die jährlichen Niederschläge liegen bei 680 mm (im Maintal) bis 1100 mm (Höhen über 500m), die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 7,5 °C auf den Höhen bis 8,5°C im Maintal.
  • Der V o r d e r e  O d e n w a l d [143]  ist ein kuppiges, stark zertaltes, überwiegend aus Granit aufgebautes Bergland mit verbreitet sandig-grusigen, sauren, aber relativ basenreichen Standorten. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 7,5°C auf den höchsten Lagen bis zu 9,0°C im Nordteil, mit durchschnittlichen Jahresniederschlägen von 700 mm im Nordteil bis zu 1000 mm in den höchsten Lagen.

 

3. Historische Landnutzung

Bis ins 16. Jahrhundert hinein waren die riesigen Eichenbestände des Odenwaldes sowohl landschaftlich als auch wirtschaftlich prägend für die Region. Die Eichenstämme wurden als Holländerholz für den Schiffbau verkauft. Zum Transport des Holzes nutzte man die zahlreichen Bäche und Flüsse. Da die Wälder jedoch nicht wieder aufgeforstet wurde, veränderte sich das Landschaftsbild im Laufe der Zeit erheblich und nahm heideähnlichen Charakter an. Die Schafzucht breitete sich aus. Im 18. Jahrhundert begann man schließlich mit der Wiederaufforstung des Odenwaldes mit schnell wachsenden Nadelbäumen. Ackerbau wurde zur Selbstversorgung betrieben, da der Weg in die Stadt weit und beschwerlich war. Bessere Absatzmöglichkeiten bot der Viehhandel. (www.news-letter.de/odenwald/geschichte.htm)

 

4. Landnutzung heute/ Biotoptypen

Mit 50 – 60% der Landbedeckung prägen Wälder den Bezugsraum. Der Grünlandanteil liegt lediglich zwischen 10 und 20%, der Ackerschwerpunkt liegt im Sandstein-Spessart. Im Sandstein-Odenwald besteht eine durchschnittliche Neigung, Ackerflächen stillzulegen. Damit sind die noch erhalten gebliebenen Sandäcker durch Verbrachung gefährdet.

 

Im Odenwald und Spessart wurden bodensaure Standorte häufiger erhoben, als basenreiche. An Biotoptypen sind v.a. verbreitet Biotope des Grünlands frischer bis feuchter Standorte, der Gewässer und des Waldes. Vergleichsweise häufig kommen außerdem die Biotoptypen Blockhalde, Niederwald, Mittelwald, sowie bodensaurer Laub- und Nadelwald vor. Von geringer Bedeutung ist die naturräumliche Großlandschaft für Moore. An Stillgewässern kommen fast nur Gewässer anthropogenen Ursprungs vor.

 

Sandstein-Spessart

Sandstein-Odenwald

Vorderer Odenwald

1

Streuobstbestand

Fettwiese

Gehölzstreifen

2

Hecken, Gebüsche

Gehölzstreifen

Mesophyt. Laubmischwälder

3

Gehölzstreifen

Nasswiese/ Feuchtwiese

Bachlauf

4

Fettwiese

Mesophyt. Laubmischwälder

Nasswiese/ Feuchtwiese

5

Mesophyt. Laubmischwälder

Bachlauf

Weide

Tab. 1: die bei der Biotopkartierung 1981 – 1989 am häufigsten erfassten Biotoptypen im Odenwald

 

5. Leitbild zur Landschaftsentwicklung

  • Wald: Wiederherstellung einer Verbindung zu den großen Waldgebieten des Albvorlandes durch Trittstein-Biotope und Lebensraum-Korridore.
  • Fließgewässer: Verbesserung der Durchlässigkeit der Tauber-Aue zum Main hin, Erhalt und Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Seitengewässer (Wasser- und Uferlinie) von Main und Neckar, neben Tauber besonders Laxbach, Itter und Elsenz.
  • Grünland: Förderung von Feucht- und Nassgrünland.
  • Ackerland: Erhalt der Sandäcker

 

6. Literatur

  • HÖLL, N. UND BREUNIG, T. (Hrsg.) (1995): Biotopkartierung Baden-Württemberg. Ergebnisse der landesweiten Erhebungen 1981 – 1989. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 81: 1 – 544.
  • BREUNIG, T. (1995): Die Biotoperhebungen in den naturräumlichen Großlandschaften Baden-Württembergs – Ergebnisse der Biotopkartierung 1981 – 1989. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 81: 477 - 480.
  • INSTITUT FÜR LANDSCHAFTSPLANUNG UND ÖKOLOGIE DER UNIVERSITÄT STUTTGART (1996): Räumlich differenzierte Schutzprioritäten für den Arten und Biotopschutz in Baden-Württemberg – Zielartenkonzept. 1691 S.
  • OSINSKI, E.  UND HEINL, T. (1996): Odenwald/ Spessart. E17 – E50.

 

7. Links

 

 

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