Service-Navigation

Suchfunktion

Beweidung

Zebus in der Landschaftspflege



Foto: S. Krebs

  1. Einleitung
  2. Eignung zur Landschaftspflege
  3. Haltung
  4. Kosten/ Nutzung
  5. Literatur/ Links



1. Einleitung

Früheste Knochenfunde mit typischen Zebu-Merkmalen, die offenbar schon bald nach der Domestizierung des Rindes im mittleren Orient herausgezüchtet wurden, stammen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr.. Das spätere Verbreitungsgebiet reichte von China bis Westafrika, heute werden Zebus weltweit gehalten. Das Wort „Zebu“ leitet sich von dem tibetanischen Wort „cebu“ her, was „Buckel“ bedeutet (SAMBRAUS1989: 85) – daher auch der Name „Buckelrind“. Der Zebubuckel  ist weder eine durch die verlängerten Dornfortsätze der Rückenwirbel gestützter Muskelkamm, noch eine mit dem Kamelhöcker vergleichbare Ansammlung von Vorratsfett, sondern er besteht aus dem stark vergrößerten Rhomboidmuskel, der nahezu ohne Tätigkeit ist, so dass der Buckel wahrscheinlich nur die Funktion eines sekundären Geschlechtsmerkmals hat (GRZIMEK 1968 in PAYER 2001).

Zebus sind in Afrika und Asien in einer Vielzahl von Rassen verbreitet, in Deutschland spielt jedoch v.a. das Zwergzebu eine Rolle, von dem im folgenden die Rede ist. Die Mehrzahl der in Baden-Württemberg vorkommenden Zwergzebus gehen auf Herkünfte von Sri Lanka zurück, die kleinwüchsiger und leichter als die Zwergzebus des Kaukasus sind. In Baden-Württemberg wurde im Jahr 1991 das erste Herdbuch für Zwergzebus eingerichtet, so dass mittlerweile die meisten Zwergzebus in Deutschland aus Baden-Württemberg stammen (OSTENDORFF 2000).

 


2. Eignung zur Landschaftspflege

Aufgrund ihrer Herkunft sind Zebus daran angepasst, mit äußerst karger Futtergrundlage zurechtzukommen. Es entwickelte sich ein sehr kleines, kurzes und leichtes Rind mit korrekt gestellten Extremitäten und guter Bemuskelung. Das Zebu ist äußerst geschickt und hangsicher. Aufgrund dieser Eigenschaften eignet sich das Zebu hervorragend zur Pflege von Steillagen oder über Jahre nicht mehr bewirtschafteten,  verbuschten Flächen, da ihre Pansenflora besser als bei anderen Rassen auf rohfaserreiche Kost abgestimmt ist. Zebus fressen auch Weiß- und Schwarzdorn und Disteln. Bei der Haltung auf Standweiden legen die Tiere Wechsel an (BERNDGEN 1998). Im „Landschaftspflegeprojekt Trockenhänge Kocher und Jagst“, das 1989 von der BNL Stuttgart initiiert wurde, wurden ab 1995 vegetationskundliche und faunistische Untersuchungen von den Instituten für Landespflege und Zoologie der Universitäten Freiburg und Hohenheim durchgeführt. Die bisherigen Ergebnisse (2001) dokumentieren eine gute Weidepflege mit Zwergzebus. Dies zeigt sich in einer Zurückdrängung aufkommender Gehölze und der Wiederansiedlung typischer Wiesen- und Weidearten. Neben Elementen der Salbei-Glatthaferwiesen und Kalkmagerrasen wurden z.B. Herbstzeitlose, Stengellose Kratzdistel und Wiesen-Schlüsselblume gefördert. Die Beeinträchtigung der Grasnarbe ist verhältnismäßig gering. Es sind keine ausgeprägten Geilstellen anzutreffen. Infolge der Habitatvielfalt auf engem Raum werden wärme- und lichtbedürftige Laufkäfer, Heuschrecken und Spinnen gefördert (KIRCHNER-HEßLER UND WEIHINGER 2001).



 

3. Haltung

Haltung: Zebus sind sehr pflegeleicht und anspruchslos in der Haltung. Außer bei extremer Witterung können sie ganzjährig im Freien gehalten werden. Für das Winterhalbjahr ist ein trockener zugluftgeschützter Unterstand notwendig. Da Zebus äußerst standorttreu sind und einen stark ausgeprägten Herdentrieb aufweisen, verlassen sie nach einer mehrwöchigen Eingewöhnungsphase nach Zukauf die ihnen zugewiesene Weide normalerweise nicht ohne äußere Einwirkung. Alle Zaunarten werden von den Zebus akzeptiert, d.h. es ist möglich, die Einzäunung auf ein Minimum zu beschränken (RIEF 1996). Pro Kuh werden ca. 0,3 – 0,5 ha Fläche benötigt (OSTENDORFF 2000). Zebus zeichnen sich außerdem durch eine höhere Wärmetoleranz und einen höheren Schutz vor Sonneneinstrahlung aus, als einheimische Rinderrassen (KIRCHNER-HEßLER UND WEIHINGER 2001). Sie sind äußerst robust und relativ resistent gegen die üblichen Rinderkrankheiten. Zusätzliche Schutzimpfungen können bei Zebus entfallen (RIEF 1996).

Futter: Zebus haben geringe Futteransprüche und zeichnen sich durch eine gute Anpassung an nährstoffarmes Futter aus. Im Winter muss die Zufütterung von Heu und Öhmd und etwas Stroh erfolgen, die Zufütterung von Kraftfutter ist jedoch überflüssig (RIEF 1996) (siehe auch unter „2. Eignung zur Landschaftspflege“).

 

Charakter: Zebus zeigen eine starke Bindung an den Herdenverband.

 

Zucht: Zwergzebus besitzen äußerst gute Muttereigenschaften. Das Erstkalbealter liegt bei 28 Monaten, die Zwischenkalbezeit beträgt rund ein Jahr. Das durchschnittliche Geburtsgewicht beträgt 13,9 kg bei männlichen, 12,6 kg bei weiblichen Kälbern. Die Abkalbung erfolgt i.d.R. problemlos und am Tage. „Das Kalb steht in aller Regel bereits während der ersten Lebensstunde auf eigenen Beinen und sucht bei seiner Mutter nach Milch. Nach wenigen Stunden kehrt die Mutter mit ihrem Kalb zur übrigen Herde zurück, die sie unmittelbar vor der Geburt, sofern die Möglichkeit zum Ausweichen besteht, meidet. Der Zuchtbulle kann das ganze Jahr über bei der Herde bleiben, außer der Abkalbezeitpunkt soll in einen bestimmten Zeitraum gelegt werden. Das Kalb wächst sehr rasch heran. Bereits nach etwa zwei Wochen nimmt das Kalb trockene Gräser oder Heu auf. I. d. R. saugt ein Kalb etwa acht bis zehn Monate an der Mutterkuh und erreicht in diesem Zeitraum die Hälfte seines Erwachsenengewichts von 200 – 300 kg bei Kühen und 300 – 400 kg bei Bullen.“ (RIEF 1996) Die täglichen Zunahmen liegen bei 300 – 400g. Die Kühe können ein hohes Alter erreichen, 15 – 20 Jahre sind keine Seltenheit (BERNDGEN 1998).



 

4. Nutzung

Zwergzebus können wie andere Rinderrassen genutzt werden, Hauptnutzungsform in Deutschland ist jedoch die Mutterkuhhaltung, oft in Verbindung mit der Landschaftspflege.

Zwergzebus weisen ausgeprägte Muskelpartien im Becken-Keulenbereich, im Rücken, sowie im Brust- und Schulterbereich auf. Der relativ feingliedrige Knochenaufbau erlaubt eine Schlachtausbeute von 55 – über 60%. Das Fleisch ist feinfaserig, dunkel und fettarm.


 

5. Literatur/ Links

 

Literatur:

Links:

Fußleiste