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Beweidung

Yaks in der Landschaftspflege


1. Einleitung                                 
2. Eignung zur Landschaftspflege
3. Haltung
4. Nutzung
5. Literatur/Links


1. Einleitung

Die Domestikation des Yaks (Bos grunniens) begann in der Jungsteinzeit in Tibet. Heute gibt es unterschiedlichen Quellen zufolge nur noch ca. wenige Hundert

bis 15.000 Wildyaks, die im Rückzugsgebiet Changtang und in Osttibet überlebt haben; der Wildyak ist somit eine gefährdete Tierart. Der Hausyak, der wesentlich kleiner als sein wildlebender Vorfahre ist, ist heute viel weiter verbreitet, als die wilde Stammform: e

twa 15 Mio Yaks werden heute in Zentralasien (Tibet, Mongolei, Nepal, Bhutan, Indien) gehalten, davon 12 Mio allein in Tibet (AUFSCHLÄGER 1998). Außerhalb Asiens werden bislang nur wenig Yaks gehalten, so z.B. in Nordamerika rund 600 Stück (WYKLE 2001). Nach wie vor wird der Yak in Zentralasien umfassend genutzt: als Last- und Reittier trägt er mühelos 150 kg (Yakbullen) über die steilsten Gebirgspfade mit einer Tagesleistung von 20 – 30 km, Yakmilch wird getrunken oder zu Butter, Käse oder Trockenmilchmasse verarbeitet, die als Proviant genutzt wird. Jährlich einmal zwischen Mai und Juni werden die Yaks geschoren. Pro Schur ergeben sich ca. 3 kg grobe Wolle, die zu Garn versponnen und dann zu Decken, Zeltbahnen, Säcken und Seilen verarbeitet wird. Aus der weichen Wolle der Jungtiere stellt man auch Kleidungsstücke her. Yakmist wird als Brennstoff verwendet, der einen hohen Brennwert besitzt und wenig Rauch entwickelt (GRZIMEK in PAYER 2001). Aus dem Ruß bereiten die Mönche Tinte und verwenden sie in ihren Klöstern (JAKOB 1997). Yakfleisch zeichnet sich durch einen hohen Protein- (20 – 25%) und Vitamingehalt aus. Infolge seiner Zusammensetzung behält getrocknetes Fleisch über Jahre seinen Nährwert. So hat Yakfleisch bereits als eiserne Ration der mongolischen Reiterheere eine wichtige Rolle gespielt. Ein weiteres wertvolles Produkt sind die Häute, die luftgetrocknet ca. 10 kg wiegen und mit 11mm doppelt so dick sind wie beim Rind (AUFSCHLÄGER 1998).



 

2. Eignung zur Landschaftspflege

Angepasst an das Leben auf dem Tibetanischen Hochland in 3000 bis 5000 m NN, wo eine nur kurze Vegetationszeit einer 6 bis 7 Monate dauernden Zeit einer absterbenden Vegetationsdecke gegenübersteht, sind Yaks kälteunempfindlich (im Tibetanischen Hochland bis –45°C), krankheitsresistent und genügsam (5 Yaks fressen so viel wie eine Kuh!). Als sehr gute Futterverwerter sind sie ideal für in die Sukzession übergehende Wiesen und als „Schafweidennachputzer“. Da im Tibetanischen Hochland nur eine spärliche Vegetation zur Verfügung steht, werden die Weiden sauber abgefressen, eine Schneedecke bis zu 30cm wird, um an das Gras zu gelangen, weggescharrt. Aufgrund ihrer speziellen Hufe mit harten Kanten und im inneren einer weichen Lederhaut, sind Yaks extrem berggängig (Steigungen bis 75%!). Kombiniert mit ihrem geringen Gewicht (Kuh 250 – 350 kg, Bulle 300 – 600 kg) macht sie dies zu idealen Landschaftspflegern für hängige und hochgelegene Lagen mit nur geringem Futteraufwuchs (JAKOB 1997, AUFSCHLÄGER 1998, STÜRMER 2000).


 

3. Haltung

 

Haltung: Aufgrund ihrer Angepasstheit an extreme Standorte (s.o.) sind Yaks leichter zu halten als Rinder, da eine ganzjährige Freilandhaltung auch bei geschlossener Schneedecke möglich ist. Als Einzäunung ist ein Zaun, wie er für Rinder verwendet wird, ausreichend. Ein Unterstand ist in regenreichen Gebieten möglicherweise notwendig (SAMBRAUS 2001).

 

Futter: Yaks sind äußerst anspruchslos sowohl in der Menge als auch der Qualität des Futters. 5 Yaks fressen soviel wie eine Kuh (WISMER 1997 in JAKOB 1997). Sie benötigen kein Kraftfutter, geeignet sind auch in die Sukzession übergehende Weiden und minderwertiges Heu. Zufütterung im Winter ist nur an wenigen Tagen notwendig, da die Yaks auch bei einer Schneedecke von bis zu 30cm den Schnee wegscharren. Somit ist nur eine geringe Winterfutterwerbung und nur wenig Zufütterungsaufwand erforderlich, was den Betreuungsaufwand erheblich reduziert. 26 Yaks machen weniger Arbeit, als 2 Kühe (WISMER 1997 in JAKOB 1997). Zumindest wilde Yaks benötigen viel Wasser (WYKLE 2001).

 

Charakter: Yaks sind sehr intelligent und werden im allgemeinen als ruhig und grundsätzlich friedlich beschrieben. Wenn es darauf ankommt, können sie jedoch sehr temperamentvoll sein: sie können 1,40m aus dem Stand über Zäune springen, sind fast so schnell wie Pferde und können fast wie Ziegen klettern (WISMER mdl. 11.02.03). Sie haben einen ausgeprägten Charakter und sind sehr sensibel, können daher nur mit viel Liebe und Zuwendung gezähmt werden. Gegenüber Gewalt reagieren sie zunächst ängstlich, dann aggressiv. Hunde werden aufgrund des noch vorhandenen Wolfsabwehrinstinkts sofort angegriffen. Wichtig ist insbesondere ein guter Kontakt zum Leittier (i.d.R. der stärkste Bulle). Yaks haben innerhalb der Herde eine ausgeprägte Rangordnung.

 

Zucht: Die Geschlechtsreife wird bei den Yakkühen mit 18 - 24 Monaten erreicht,  die Lebenserwartung beträgt 20 – 25 Jahre. Wildyaks sind erst mit 6 – 8 Jahren ausgewachsen (WYKLE 2001). Yaks sind ausgesprochen leichtkalbig. Das Geburtsgewicht beträgt 16 – 25 kg. Möglich sind Kreuzungen zwischen Yaks und anderen Spezies der Gattung Bos (Rinder, Wisent, Zebu etc.). Solche Kreuzungstiere erzielen eine höhere Milch- und Fleischleistung und sind willige und kräftige Arbeitstiere. Die männlichen F1-Nachkommen sind jedoch unfruchtbar, wogegen die weiblichen fruchtbar sind (GOLZE 1999, SAMBRAUS 2001 u.a.). Die Brunft der Wildyaks tritt i.d.R im Winter auf, so dass die Kälber im folgenden Herbst geboren werden (WYKLE 2001). Hausyakkühe kalben meist jedes Jahr (GRZIMEK in PAYER 2001).



 

4. Nutzung

 

Yakmilch: Die Milchleistung variiert je nach Haltung und Fütterung. In Höhenlagen liegt sie bei rund 2 Litern pro Tag, bei einem Fettgehalt von 7 – 8% und einem Eiweißgehalt von 5,5%. Gemäß Informationen der deutschen Yak-Kamel-Stifung (in AUFSCHLÄGER 1998) erreicht die Milchproduktion im ergiebigsten Zeitraum zwischen Juni und August maximal 4 Liter pro Tier. Einen Monat nach dem Abkalben setzt sich die Milch aus 83,5% Wasser, 6% Fett, 5% Eiweiß und 4,8% Zucker zusammen. Die Kühe werden morgens und abends gemolken. Sie geben ihre Milch aber nur her, wenn sie von den Kälbern angerüstet werden. Aus diesem Grund, aber auch um ihre Grundversorgung sicherzustellen, werden sie zu Beginn des Melkvorgangs an das Euter gelassen. Den Kälbern gehört das Vor- und Nachgemelk.

 

Yakfleisch: Yakfleisch zeichnet sich durch einen hohen Protein- (20 – 25%) und Vitamingehalt aus. Infolge seiner Zusammensetzung behält getrocknetes Yakfleisch über Jahre seinen Nährwert. Yakfleisch ist wohlschmeckend, zart und sehr mager, da das Fett in den äußeren Hautschichten eingelagert wird, und so leicht abgetrennt werden kann. Das Geburtsgewicht der Kälber beträgt etwa 20 kg (GOLZE 1999), die täglichen Zunahmen liegen bei ca. 141g. Bei einem Schlachtzeitpunkt um den 24. Lebensmonat kann in etwa mit einem Gewicht von 180 – 245 kg gerechnet werden bei einer Schlachtausbeute von ca. 50%. Das Fleisch kann wirtschaftlich nur über Direktvermarktung bzw. spezielle Gaststätten (tibetische/ mongolische Restaurants) vermarktet werden. Hier sind jedoch (in der Schweiz) Preise um 64 €/ kg Trockenfleisch (SCHLUCHTER-DONSKI 2001) zu erzielen.

 

Kreuzungstiere: Bereits Anfang der 80er Jahre wurden im Wissenschaftsbereich Rinder- und Pferdezucht der Universität Leipzig Untersuchungen mit Yak und Yak-Hausrind –Kreuzungen durchgeführt. Der Aufbau der Herde erfolgte durch Übernahme einer Gruppe Yaks aus dem Berliner Tierpark. Die Kreuzungstiere zeichneten sich durch wesentlich höhere Milch- und Fleischleistungen aus. So lag die Milchleistung der Kreuzungstiere bei 2.800 kg/ a bei einem Fettgehalt von 5,8% und einem Eiweißgehalt von 3,9%. Das Geburtsgewicht der Kälber lag  um die 38 kg, so dass mit Tageszunahmen von ca. 350g ein Schlachtgewicht von 228 bis 610 kg erreicht werden konnte.

 

Tourismus: Wie bereits erwähnt, lassen sich auch andere Yak-Produkte nutzen (Wolle, Felle, Leder,Hörner,...) und an spezielle Kunden zu vergleichsweise hohen Preisen vermarkten.

Von speziellem Interesse dürfte allerdings die – bei entsprechender Gewöhnung - Eignung des Yaks als Last- und Reittier sein. So bietet der Schweizer Bergbauer Daniel Wismer, der seit 1995 auf der Alp „Roti Flüö“, oberhalb Embd im Wallis, Yaks züchtet ( Yak Tsang Ling Roti Flüo 3926 Embd VS ), Yaktrekking über ein Wochenende an. Die Preise für 1 Person (bei einer Gruppengröße von 6 – 10 Personen) liegen bei 128 €/ Erwachsener und 88 €/ Kind bis 12 Jahre (Yak Zang Ling Roti Flüo 3926 Embd VS Yaktrekking). Im Jahr 2001 konnte Daniel Wismer 400 Übernachtungen auf seiner Alp verzeichnen. Somit ist der Tourismus mit dem Zugpferd „Yak“ ein wichtiges Standbein und eine attraktive Einkommensquelle, da Yaks mit ihrem „archaischen“ Aussehen viele Leute in ihren Bann ziehen.

 


5. Literatur/ Links

 

empfehlenswerte Literatur:

  • LENSCH, J., SCHLEY, P. UND RONG, C. Z. (1996): Der Yak (Bos grunniens) in Zentralasien. ISBN 3-428-08443-8. („Die eigentliche Yakbibel.“)

verwendete Literatur:

  • AUFSCHLÄGER, D. (1998): Tiere und Pflanzen: Yak: tibetfocus
  • GOLZE, M. UND AUERWALD, U. (1999): Yak und Yak-Hausrind-Kreuzungen in der extensiven Grünlandnutzung.- Infodienst 8/99
  • JAKOB, L. (1997): Für den Yak ist der westlichste Ausläufer des Himalaja die Rotfluh. – LID Mediendienst 1997, Nr. 2321: LID Schweiz 1997
  • PAYER, M. (Hrsg.) (2001): Entwicklungsländerstudien. Teil I: Grundgegebenheiten. Kapitel 8: Tierische Produktion. 1. Rinder/ verfasst von Sabine MADEL -- Fassung vom 2001-02-08. -- URL: http://www.payer.de/entwicklung/entw081.htm.
  • SAMBRAUS, H.H. (2001): Yaks Haltung: yaks-zucht
  • SAMBRAUS, H. H. (2006): Exotische Rinder - Wasserbüffel, Bison, Wisent, Zwergzebu, Yak. Ulmer Verlag. 120 Seiten.
  • SCHLUCHTER-DONSKI, B. (2001): Ich fühle mich den Yaks verwandt. – Thuner Tagblatt, 16. Februar 2001
  • STÜRMER, R. (2000): Vorkommen und Haltung von Yaks: Yaks
  • WYKLE, P. (2001): Yaks. The bison of Tibet: Tibetian Yaks - the alternative livestock

Links:

 

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