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Biotoptypen und Landschaftselemente

Saumbiotope: Grasraine und Ruderalstreifen


1. Einleitung

2. Bedeutung

3. Gefährdung

4. Erhalt, Pflege und Neuanlage

5. Förderung

6. Literatur

7. Links

Foto: S. Krebs



 

1. Einleitung

Neben den Hecken, Lesesteinriegeln und Säumen entlang von Waldrändern bilden Grasraine und Blüh- und Ruderalstreifen wichtige, teils traditionell entstandene, teils neu angelegte linienförmige Strukturelemente in der Kulturlandschaft.

Je nach ihrer Entstehung unterscheidet man

  • Feldrain: Grenzbereich zwischen zwei landwirtschaftlichen Nutzflächen, auf dem keine primäre Nutzung stattfindet (z. B. zur Grenzmarkierung oder zur Schonung der Grenzsteine).
  • Stufenrain: Stufen von Terrassenäckern, die sich durch die Erosion parallel zur Höhenlinie ausbilden.
  • Anwand: Entstehung durch Abfallen der beim Wenden des Pfluges am Ende zweier aufeinanderstoßender Ackerparzellen anhaftenden Ackerkrume.
  • Kulturwechselstufe: Entstehung in geneigtem Gelände an über längere Zeiten stabilen Grenzen zwischen unterschiedlich genutzten Flächen (Wald/ Acker, Grünland/ Acker).
  • Grabenrain: Hochstauden-Rain von  zur Ufersicherung von Entwässerungsgräben.
  • Wegrain: Rain entlang von Wegen zum Schutz des Weges vor Beschädigung und Verschmutzung.

Durch verschiedenartige Standortbedingungen und Nutzungsverhältnisse kommt es zur Ausbildung verschiedener Rain- und Saumtypen:

  • Rohbodensäume: Spontanentwicklung auf linienförmigen Rohbodenstandorten, Wegrändern, Böschungen ohne Mutterboden.
  • Ackerunkrautsäume: Durch abnehmende Nutzungsintensität bedingte Randvorkommen von Ackerunkrautgesellschaften.
  • Wiesensäume: Regelmäßig gemähte böschige Raine.
  • Mesotrophe Stauden- und Heidesäume: Unregelmäßig gemähte Böschungen und Raine bei geringem Nährstoffeintrag.
  • Trittrasensäume: Verdichtung durch Befahren.
  • Nährstoffreiche Staudensäume: Über Jahre wenig gestörte Entwicklung bei Nährstoffeintrag.

2. Bedeutung

Foto: S. Krebs

Dadurch, dass an Säumen meist unterschiedliche Ökosysteme aneinanderstoßen, deren Arten im Saumbereich gemeinsam vorkommen können, und durch eine große Anzahl von spezialisierten Saumarten, sind Saumbiotope im allgemeinen sehr artenreich. Auf den verschiedenen Raintypen können z.B. über 1000 Gefäßpflanzen leben, was ca. 40% unserer Flora entspricht.

Insbesondere in einer intensiv bewirtschafteten Kulturlandschaft bieten Saumbiotope die letzten Refugien für viele Tier- und Pflanzenarten. Sie bieten Nahrung (z.B. Pollen, Nektar, Samen, grüne Pflanzenteile), Deckung für Tiere vor Beutegreifern, Wohn- und Nistplatz, Fluchtmöglichkeiten bei Bewirtschaftungsmaßnahmen, Überwinterungsmöglichkeiten und Standortbedingungen, wie sie sonst nur noch selten zu finden sind. So bilden Säume z.B. in intensiven Ackerbaugebieten oft die letzten Rückzugsmöglichkeiten für Grünlandarten und tragen somit zur Biotopvernetzung bei. Nach Forschungen der BBA (2000) sind bereits in 1m Abstand vom Ackerrand in 90% der Fälle weniger als 3% der applizierten Spritzmittelmenge zu finden, in 5m Abstand schließlich weniger als 1%. Auch für Nützlinge wie Marienkäfer, Schlupfwespen Schwebfliegen, Laufkäfer u.a. bieten die Säume Nahrungs-, Überwinterungs- und Rückzugsmöglichkeiten und tragen somit zum integrierten Pflanzenschutz bei.



3. Gefährdung

Da Gras- und Krautsäume als Landschaftselemente der Kulturlandschaft nicht so augenfällig wie z.B. Hecken sind, ist die Hemmschwelle zu ihrer Beseitigung nicht sehr groß. So sind diese Säume vielerorts gefährdet durch:

  • Ausdehnung der Bewirtschaftung der Äcker über die Säume hinaus: Unterpflügen
  • Einsatz von Herbiziden an Wegrändern
  • Beseitigung im Zuge der Flurbereinigung
  • Falsche Pflege/ Unterhaltung

4. Erhalt, Pflege und Neuanlage

 

Für die Anlage von Schonstreifen und -flächen bieten sich aus arbeitstechnischer Sicht vor allem Randlagen, aber auch schlecht erreichbare Ecken und Winkel an.

 

Vorhandene Säume sind grundsätzlich zu erhalten, wenn nötig, sind Maßnahmen zur qualitativen Verbesserung durchzuführen. Dies kann bedeuten:

  • Bei offensichtlicher Störung durch Randeinflüsse (Düngemittel, Herbizide) Verbreiterung des Saums – als Optimum sind 4 bis 8 m anzustreben (s.o.).
  • Bei beginnender Vebuschung häufigeres Mähen bzw. Mulchen
  • Bei Dominanz von Problemkräutern/ Neophyten: selektives Mähen/ Mulchen dieser Arten.

Je nach Art der Nutzung lassen sich verschiedene Säume erhalten:

  • Ackerwildkrautsäume durch abnehmende Nutzungsintensität hin zum Ackerrand.
  • Wiesensäume durch regelmäßiges Mulchen oder Mähen mit Abräumen; auf Ackerstandorten ggf. Ansaat mit Wiesen-Mischung.
  • Mesotrophe Stauden- und Heidesäume durch Mahd/ Mulchen alle 2 – 4 Jahre.
  • Nährstoffreiche Staudensäume durch wenig gestörte Entwicklung über Jahre hinweg auf nährstoffreichen Standorten bzw. Bei Nährstoffeintrag. Achtung: bei großem Nährstoffeintrag entwickeln sich solche Säume leicht zu artenarmen nitrophilen Einheitssäumen!
  • Blühstreifen/-säume: mit Mischungen aus früh und spät blühenden Acker- und Grünland-Arten (Wild- und/oder Kulturarten bzw. -sorten) kann v. a. in ausgeräumten Agrarlandschaften ein wichtiges Nahrungshabitat für Insekten, Käfer und ihre Prädatoren geschaffen werden.

Die vorhandenen Säume sollten in ein Biotopvernetzungskonzept oder eine andere Naturschutz-Fachplanung auf Gemarkungsebene einbezogen werden und durch die Neuanlage von Säumen ergänzt werden. Ein neu angelegter Saum kann jedoch kein adäquater Ersatz für einen schon lange vorhandenen Saum darstellen. Bis eine Neuanlage ein ähnlich strukturiertes Habitatangebot bieten kann wie ein alter Saum, vergehen im günstigsten Fall einige Jahrzehnte.

 

Die Neuanlage von Saumbiotopen bietet sich besonders an

  • als Pufferflächen zwischen extensiv bzw. nicht genutzten Lebensräumen und intensiv genutzten Kulturflächen, z.B. entlang von Fließgewässern, Magerrasen, Mooren etc.
  • zur Erosionsvermeidung z. B. in ackerbaulich genutzten Hanglagen (Anlage quer zum Hang)
  • zur Aufwertung von Waldmänteln, Feldgehölzen und Hecken, denen ein Saum fehlt bzw. deren Saumbereich zu schmal ist.
  • in ausgeräumten Landschaftsteilen, in denen Saumbiotope bis auf schmale Wegraine nicht mehr existieren.

Saumbiotope sollten nicht im Vorgewände des Ackers sondern längs zur Bearbeitungsrichtung angelegt werden.

 

Zur Neuanlage von Saumbiotopen bieten sich folgende Möglichkeiten:

Spontane Selbstbegrünung: 

Foto: S. Krebs

Die Vorteile der Selbstbegrünung liegen auf der Hand: Eine Besiedlung erfolgt automatisch mit standortangepassten Arten, zudem ist sie wenig arbeitsaufwändig und kostengünstig. Die Nachteile: Wenn die Abstände zu kräuterreichen Nachbarbiotopen zu weit sind (> 200m), finden sich meist nur wenige weit verbreitete Arten wie Ackerkratzdistel, Breitblättriger bzw. Krauser Ampfer, Quecke etc. ein, was der Akzeptanz des Saumbiotops durch die Bewirtschaftern der angrenzenden Flächen sehr abträglich ist.

  • Ansaat:

Foto: S. Krebs

  • Nur auf vegetationsfreiem Boden.
  • Rohböden eignen sich zur Ansiedlung von Arten magerer Standorte – auf eine Humifizierung von Rohböden ist daher zu verzichten.
  • Es sollte nur Saatgut aus demselben Naturraum verwendet werden, das z.B. durch Sammeln von Juli bis Oktober gewonnen wird. Wo dies nicht möglich ist, sollte wenigstens Saatgut aus demselben Naturraum genutzt werden. Als Produktionseinheiten zur Saatgutgewinnung lassen sich untergliedern: 
    • Süddeutsche Lößlandschaften (Gäue)
    • Keuper-Bergland (Schwäb.-Fränkischer Wald)
    • Sandsteingebirge (Schwarzwald)
    • Auenlandschaften (Oberrheingraben)
    • Kalk-Mittelgebirge (Schwäbische Alb)
    • Jungmoränen und Schotterplatten (Oberschwaben)
  • Ansaatmischung:
    • Gräseranteil 50 – 60%, nur konkurrenzschwache Untergräser (Kamm-, Ruchgras, Aufrechte Trespe)
    • Leguminosenanteil max. 2% wegen der hohen Konkurrenzkraft
    • Zur Akzeptanzförderung Einsaat auffällig blühender einjähriger Kräuter, die mit der Zeit wieder verschwinden (Klatschmohn, Kornblume, Acker-Rittersporn, Kornrade etc.) und zweijähriger Pinierarten (z.B. Wilde Möhre, Nachtkerze, Natternkopf, Weiße Lichtnelke, Pastinak, Königskerze).
    • Geringe Saatmengen mit 2,5 g/m², max. 5 g/m² bei starkem Verunkrautungsdruck oder Ersosionsgefahr.
    • Ausdauernde Kräuter
    • Ansaat vorzugsweise im Herbst; eine Frühjahrsansaat ist zu bevorzugen, falls die Gefahr einer massiven Verunkrautung durch Ackerfuchsschwanz besteht.
    • Zur Ansaat Bereitung eines feinkrümeligen Saatbetts, Ausbringen der Samen von Hand. Die Saat sollte leicht eingearbeitet werden (max. 1,5 cm), so dass Licht- und Dunkelkeimer optimale Bedingungen vorfinden. Festwalzen erhöht die Keimungsrate aufgrund des verbesserten Bodenkontakts.
    • Keine Düngung!
    • Im ersten und zweiten Jahr Durchführung von 2 – 3 Pflegeschnitten, um die spontan auftretenden Ackerunkräuter  wie Distel, Quecke und Ampfer zurückzudrängen, und den angesäten Arten optimale Lichtverhältnisse zu schaffen.

5. Kosten/ Förderung

Die Kosten für Saatgut für kräuterreiche Mischungen liegen bei ca. 0,30 – 1,00 €/ m². Dazu kommen noch die Kosten für die Saatbettbereitung und das Ansäen.

 

Die Kosten für die Pflegearbeiten belaufen sich

  • für Mulchen auf 80 – 320 €/ ha, je nach Standortbedingungen und Mulchhäufigkeit,
  • für Mähen mit Abräumen auf 330 – 740 €/ha, je nach Standortbedingungen und Mahdhäufigkeit.

Der Ertragsausfall und der Mehraufwand bei extensiver Acker- und Wiesennutzung bzw. Herausnahme von Rand-, Schon- und Blühstreifen aus der regulären Bewirtschaftung kann durch Vertragsnaturschutz nach Landschaftspflegerichtlinie (LPR) oder durch FAKT-Prämien ausgeglichen werden.  Rechtlich bzw. fördertechnisch bleiben die so geförderten Flächen Acker- bzw. Grünland, das heißt, es wird auch dann die Acker- bzw. Grünlandprämie nach Direktzahlungen-Verordnung gezahlt, wenn eine Grünland- oder Blühmischung eingesät wird. Die Reintegration der Rand-, Schon- und Blühstreifen in die normale Acker- bzw. Grünland-Bewirtschaftung nach Ende des Verpflichtungszeitraums ist rechtlich unproblematisch, wenngleich  aus naturschutzfachlichen Gesichtspunkten natürlich nicht wünschenswert.

Weitere Informationen zu den Förderprogrammen gibt es beim Landkreis (Landwirtschaftsamt oder Untere Naturschutzbehörde). Teilweise gibt es auch kommunale Agrar-Umweltprogramme der Städte und Gemeinden, wie z. B. das Ackerrandstreifen-Programm der Stadt Heilbronn (vgl. Link unten).

LPR
(Stand Oktober 2015)

Ausgleichsleistung
[€/ ha]

Extensive Ackerbewirtschaftung ohne Pflanzenschutzmittel…

 

... ohne Stickstoffdüngung

590

... mit angepasster Stickstoffdüngung

350

Aufgabe der Ackerbewirtschaftung zur Schaffung höherwertiger Biotope

145

Umstellung von Acker- auf extensive Grünlandbewirtschaftung ohne Pflanzenschutzmittel

 

... ohne Stickstoffdüngung

510

... mit angepasster Stickstoffdüngung

390

Zulagen Ackerbewirtschaftung (wird zusätzlich zu obigen Sätzen gezahlt)

 

Bewirtschaftung in Form von (Rand-)Streifen

100

Maßnahmen auf Flächen hoher Bonität (Ackerzahl > 60)

150

Zusätzliche Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Arten

 

... bei hohem Arbeits- und Beratungsaufwand

  75

... bei geringerem Arbeits- und Beratungsaufwand

  40

 

Feldranine und ihre Bedeutung im Rahmen der Reform der Agrarpolitik als Landschaftselement

Feldraine mit einer Breite ab 2 m gehören als Cross Compliance Landschaftselement zur beihilfefähigen Fläche im Rahmen der Betriebsprämienregelung, deren Fläche im Gemeinsamen Antrag beantragt werden kann. Hier ist nach der Cross-Compliance-Regelung die Beseitigung untersagt, und es ist im Flurstücksverzeichnis des GA (FIONA) für das betreffende Flurstück anzugeben, dass ein CC-Landschaftselement vorhanden ist (siehe GAP BW Steckbrief Landschaftselement).

Landschaftselemente sind eine Möglichkeit um ökologische Vorrangflächen (ÖVF) zu erbringen, eine Voraussetzung zur Erfüllung der Greening-Verpflichtung des Landwirts zum Erhalt von Direktzahlungen.

 

6. Literatur

7. Links

 

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