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Biotoptypen und Landschaftselemente

Kalkmagerrasen

Foto: S. Krebs

1. Entstehung

2. Bedeutung und Schutzstatus

3. Gefährdung

4. Erhalt und Pflege

5. Literatur

6. Links


1. Entstehung

Kalkmagerrasen (Mesobromion) – sofern es sich um Halbtrockenrasen handelt - sind ausschließlich anthropo-zoogenen Ursprungs und durch jahrhundertelange (Über-) Nutzung entstanden. Man unterscheidet zwischen Kalkmagerwiesen, die einschürig gemäht und meist nachbeweidet wurden (Mähder) und die oft gleichzeitig der Holzwirtschaft dienten durch einzeln oder in Gruppen angepflanzte Bäume (Holzmähder oder Holzwiesen) (BEINLICH UND MANDERBACH 1995: 69) und Kalkmagerweiden, die von Schafen, aber auch von Ziegen, Rindern, Pferden, Schweinen und Gänsen (BEINLICH UND KLEIN 1995: 113) beweidet wurden. Die Flächen wurden in der Regel nicht gedüngt und nach heutigem Verständnis alles andere als nachhaltig genutzt.

Strukturell unterscheiden sich die Weiden, die auf der Alb i.d.R. als „Wacholderheiden" bezeichnet werden, stark von den Mähdern. Neben dem Nährstoffentzug durch die Beweidung wiesen diese Flächen durch den Vertritt große Erosionsrinnen auf. Büsche und Bäume wurden von den Schäfern entfernt, um die Übersichtlichkeit der Flächen zu gewährleisten und ein Maximum an Futter aus der Fläche zu holen („Wo ein Busch steht wächst kein Gras.") (BEINLICH, HERING UND PLACHTER 1995: 314). Die traditionellen Schafweiden unterscheiden sich im Aussehen somit erheblich von den heutigen Wacholderheiden. Letztere sind zum überwiegenden Teil als Ergebnis einer jahrzehntelangen Pflege anzusehen, bei der aus ästhetischen Gründen einzelne Wacholder freigestellt und auf der Fläche belassen wurden (BEINLICH 1995: 102).

2. Bedeutung und Schutzstatus

Die Magerrasen der Kalklandschaften Südwestdeutschlands gehören zum überwiegenden Teil zu den Trespen-Halbtrockenrasen (Mesobromion). Es lassen sich zwei Typen unterscheiden:

  1. das gemähte Mesobrometum (Mähder) und
  2. das beweidete Gentiano-Koelerietum.

Beiden gemeinsam ist ihre große Bedeutung als Lebensraum für trockenheits- und wärmeertragende Spezialisten der Tier- und Pflanzenwelt und wärmebedürftigen Arten, deren Hauptverbreitungsgebiet in südlicheren Regionen zu finden ist. Zudem konnten hier Tierarten überleben, die in der intensiv genutzten Agrarlandschaft keine anderen blütenreichen Lebensräume mehr vorfinden. So gehören Kalkmagerrasen zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt: für 25m² Trockenrasen werden mehr als 50 Pflanzen- und ca. 1000 Tierarten geschätzt (ZIELONKOWSKI in BEINLICH UND KLEIN 1995). Ein Großteil dieser Arten ist auch auf der Roten Liste zu finden. So sind nach Untersuchungen in Österreich mehr als 1000 Insektenarten weitgehend abhängig vom Lebensraum Trockenrasen, wovon 860 Arten als mehr oder weniger gefährdet eingestuft sind (GEPP in HÖLL UND BREUNIG 1995).

Als wesentliche Elemente bäuerlicher Kulturlandschaft besitzen Kalkmagerrasen zudem einen hohen kulturhistorischen Wert. Sie verleihen vielen Landschaften, allen voran der Schwäbischen Alb, ihr typisches Aussehen.

Verbreitungsschwerpunkte: Schwäbische Alb, Obere Gäue, Südwestliches Albvorland, Kocher-Jagst-Ebenen, Taubergebiet, Bauland, Oberrheingebiet

Häufig vorkommende Pflanzenarten (Die fett gedruckten Arten sind Kenn- und Trennarten, die bei der Einschätzung eine Rolle spielen, ob es sich um ein besonders geschütztes Biotop handelt.):

Katzenpfötchen (Antennaria dioica), Hundswurz (Anacaptis pyramidalis), Gewöhnlicher Wundklee (Anthyllis vulneraria), Fiederzwenke (Brachypodium pinnatum), Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Frühlings-Segge (Carex caryophyllea), Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa), Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Zypressenwolfsmilch (Euphorbia cyparissias), Echtes Labkraut (Galium verum), Fransen-Enzian (Gentianella ciliata), Deutscher Enzian (Gentianella germanica), Frühlingsenzian (Gentiana verna), Gewöhnliches Sonnenröschen (Helianthemum nummularium), Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), Pyramiden-Schillergras (Koeleria pyramidata), Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia), Ragwurz (Ophrys ssp.), Helm-Knabenkraut (Orchis militaris), Affen-Knabenkraut (Orchis simia), Brand-Knabenkraut (Orchis ustulata), Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga), Sand-Fingerkraut (Potentilla arenaria), Rötliches Fingerkraut (Potentilla heptaphylla),  Frühlings-Fingerkraut (Potentilla verna), Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus), Wiesensalbei (Salvia pratensis), Skabiose (Scabiosa columbaria), Kalk-Blaugras (Sesleria varia), Aufrechter Ziest (Stachys recta), Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys), Berg-Klee (Trifolium montanum), Wald-Ehrenpreis (Veronica officinalis) .

Häufig vorkommende Tierarten: Schmetterlinge (v.a. Bläulinge und Widderchen), Heuschrecken, Sandlaufkäfer, Wildbienen, Vögel, Reptilien

Biotopschutz nach FFH-Richtlinie:

Wacholderheiden (FFH-Lebensraumtyp 5130) sowie Magerrasen basenreicher Standorte (FFH-Lebensraumtyp 6210) sind nach FFH-Richtlinie geschützt. 

Kalk-Magerrasen (FFH-Lebensraumtyp 6210) gelten dann als besonders orchideenreich und damit als prioritärer Lebensraum im Sinne der FFH-Richtlinie, wenn sie eine der folgenden Bedingungen erfüllen:

  • Das Gebiet hat einen hohen Artenreichtum an Orchideen.
  • Das Gebiet beinhaltet eine bedeutende Population mindestens einer bundesweit seltenen bzw. gefährdeten Orchideenart.
  • Im Gebiet wachsen mehrere seltene oder sehr seltene Orchideenarten.

3. Gefährdung

In der Biotopkartierung 1981 – 1989 wurden 73% der kartierten Kalkmagerrasen als gefährdet eingestuft. Als Hauptursachen wurde die Aufgabe der Landwirtschaft und somit die natürliche Sukzession mit ca. 33% genannt, gefolgt von der Intensivierung der Landwirtschaft (ca. 20%) und der Forstwirtschaft (Aufforstungen) (ca. 19%) (HÖLL UND BREUNIG 1995: 223). Dies deckt sich in etwa mit den Angaben in BEINLICH UND KLEIN (1995:115), wonach Sukzession und Aufforstung mit insg. 70% als die Hauptgefährdungsursachen genannt werden.

Nur 18% der Kalkmagerrasenarten besitzen eine über mehrere Jahrzehnte dauerhafte Diasporenbank und sogar 36% besitzen eine nur vorübergehende Diasporenbank. Da viele Arten jedoch auch als Sprosspopulation einige Jahre bis Jahrzehnte in Brachen und Aufforstungen überdauern können oder durch Schafe bei Beweidung in großem Maße ausgebreitet werden, sind die Arten durch kurzfristige Sukzession oder Aufforstung nur gering gefährdet. Allerdings gibt es ca. 30 bis 40 Arten, deren Populationen durch Brachfallen oder Aufforstungsmaßnahmen langfristig zurückgehen werden (vgl. POSCHLOD, KIEFER UND FISCHER 1995: 215ff).

 4. Erhalt und Pflege

Schafe

 Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten zur Offenhaltung von Kalkmagerrasen:

  • Beweidung
  • Mähen mit/ ohne Abräumen
  • Mulchen

Die Pflege bzw. Nutzung von Kalkmagerrasen sollte sich an der historischen Nutzungsform orientieren. Besonders günstig ist natürlich die Fortführung dieser Nutzungsform.

Die Wanderschäferei spielt für die Ausbreitung der verschiedenen Tier- und Pflanzengruppen eine große Rolle (vgl. FISCHER, POS

CHLOD UND BEINLICH 1995: 229 – 256). Wo der Erhalt der Wanderschäferei nicht möglich ist (z.B. weil sich kein Schäfer für die Bewirtschaftung der Flächen findet) bzw. aus Gründen des Boden- und Wasserschutzes nicht erwünscht ist, sollten Nutzungsvarianten bevorzugt werden, die in wesentlichen Schlüsselfaktoren den ehemaligen Nutzungen möglichst nahe kommen. Erhaltungspflege kann in manchen Fällen unabdingbar sein, sollte jedoch nur als Übergangslösung verstanden werden. Soweit möglich sind Kalkmagerrasen durch Nutzungsformen zu erhalten, für die ein einzelbetriebliches Interesse besteht. Hierfür werden z.T. nur neuartige oder vergleichsweise intensive Nutzungsformen in Frage kommen. Es ist dann zu bilanzieren, ob die hierdurch verursachten Ökosystem-Veränderungen tolerabel sind. Eine unter diesem Gesichtspunkt vertretbare Nutzung ist einer Nutzungsauflassung vorzuziehen. Da der Wert von Kalkmagerweiden v.a. durch ihre Großflächigkeit und ihren räumlichen Verbund besteht, sind Nutzungskonzepte möglichst für einen größeren räumlichen Verbund zu entwerfen und zu bewerten. Aufgrund der sehr verschiedenen räumlichen Konfigurationen, Flächengrößen und Zustände der Kalkmagerrasen müssen für die konkreten Flächen unterschiedliche Sollzustände und Entwicklungsvarianten festgelegt werden.

Folgende Strategien stehen für Kalkmagerweiden – sofern die Nutzung durch Wanderschäferei nicht realisierbar ist - zur Auswahl (nach PLACHTER UND BEINLICH 1995: 448ff):

1. Förderung der Hütehaltung von Schafen:
  • Möglich in Räumen mit aktuell noch hoher Dichte an Kalkmagerrasen
  • Gute räumliche Vernetzung muß gegeben oder wiederherstellbar (Triebwege) sein
  • Zusätzlich beweidbare Flächen zur Zwischen- und Herbstweide sind günstig
  • Wiesen für den winterlichen Futterbedarf müssen vorhanden sein (magere Wirtschaftswiesen)
  • Nicht alle Flächen müssen sich in einem naturschutzfachlich optimalen Zustand befinden. Soweit möglich, sollte auf allzu differenzierte vertragliche Regelungen mit dem Schäfer verzichtet werden. Im Einzellfall kann auch eine vergleichsweise intensive Beweidung hingenommen werden.
  • Koppelhaltung sollte nur unter fachkundigem Management durchgeführt werden.
2. Förderung bäuerlicher Landwirtschaftsformen für Grünland (Allmende in Hütehaltung):
  • Möglich in Gebieten mit vglw. hohem Anteil an magerem Wirtschaftsgrünland
  • Möglich in Gebieten, in denen stationäre Hütehaltung mit Schafen möglich ist
  • Auf isolierten Flächen ist die Beweidung mit Rindern oder Schafen dann sinnvoll, wenn bei Koppelhaltung die Bestoßdichte gering ist oder die Wiedereinführung der Hütehaltung gelingt.
  • Differenzierte betriebswirtschaftliche Analysen erforderlich.
  • Zulassung einer fakultativen Waldweide auf Flächen, die zur Vervollständigung durchgängiger Schaftriebsysteme unverzichtbar sind.
3. Konservierende Bestandssicherung und Erhaltungspflege
  • Hauptsächlich für den Schutz einmaliger Naturelemente, die weder hier noch an anderen Orten restituierbar sind.
  • Vorkommen besonders bedrohter Arten oder einmaliger Ökosystem-Ausprägungen
  • Umfangreiche Maßnahmen zur Erhaltungspflege
4. Erhalt des regionalen Artenpotentials
  • anzuwenden hauptsächlich bei den letzten Vorkommen des Ökosystemtyps in einem größeren Raum
  • Ziel ist der Erhalt des typischen Artenspektrums; eine besonders hochwertige Ausprägung ist nicht notwendig.
5. Sukzession
  • in Anbetracht der sehr begrenzten Pflegekapazitäten für Flächen, die nicht mehr nach Strategie 3 und 4 behandelt werden können
  • Voraussetzung: vollständiger Verzicht auf forstwirtschaftliche Nutzung Prozessschutzflächen)
  • u.U. spätere Rückführung in Kalkmagerrasen
  • nicht anwendbar für magere Wirtschaftswiesen, die keinen gesetzlichen Schutz genießen

Sukzession als Leitbild für Kalkmagerrasen kann aus o.g. Gründen (siehe „Gefährdung") nur für Teilflächen ein Leitbild sein. Als extensives Pflegekonzept könnte ein gesteuerter Mosaik-Zyklus angestrebt werden (POSCHLOD, KIEFER UND FISCHER 1995: 223).

Bezüglich von Schafen berichtet RIEGER (1996: 19ff) von positiven Erfahrungen im in Südniedersachsen. Aufgrund ungünstiger Bedingungen sowohl für die Wanderschäferei als auch für reine Pflegemaßnahmen wurde hier 1984 auf rund 35 ha Kalkmagerrasen eine Pflegebeweidung durch Koppelhaltung einer Schafherde und Einschaltung von 2 Ruhejahren nach jedem Beweidungsjahr – aufgrund des Vorkommens zahlreicher verbissgefährdeter Arten – eingerichtet:

Methoden: Die Gesamtfläche wurde in drei etwa gleichgroße Jahresweideflächen aufgeteilt, von denen jährlich abwechselnd eine Fläche ein- bis zweimal beweidet wurde. Die beiden übrigen Flächen blieben zum Schutz der verbiss- und trittempfindlichen Arten der Regeneration überlassen. Die jeweilige Jahresweide wurde in 0,5 – 1 ha große Flächen unterteilt, die nacheinander in der Zeit ab Anfang Juni (Crataegus ssp.- Blüte) abgeweidet wurden Etwa 30% jeder Jahresweideflächen blieben zur Erhaltung zumindest der mobileren Anteile der Halbtrockenrasenfauna und um das Aussamen verbissgefährdeter Arten zu gewährleisten, von der Beweidung ausgenommen. Sie wurden bei der nächsten turnusmäßigen Beweidung abgeweidet. Die Beweidung wurde mit einer kleinen, durchschnittlich 40köpfigen Schafherde der Rasse Schwarzköpfiges Fleischschaf durchgeführt, wobei die Teilflächen vorwiegend bis zur annähernden Erschöpfung des Futterangebots beäst wurden (meist ca. 1 – 2 Wochen). Diese intensive Beweidung erwies sich für die Erzielung eines möglichst starken Verbisses der aufkommenden Gebüsche und zur Beseitigung der die Beweidung und Regeneration, besonders der kurzlebigen Arten der Halbtrockenrasen, behindernden Streuschicht als sinnvoll.

In den Beweidungsruhejahren erfolgten im Regelfall Nachpflegearbeiten mit Freischneidern zur Bekämpfung von Stockausschlägen, wobei das Mähgut entfernt wurde. Beweidungsbegleitende Entkusselungsaktionen wurden jeweils im Winter vor der Aufnahme der Beweidung in den jeweiligen Jahresflächen durchgeführt.

Zur Beobachtung der Vegetation wurden 29 Dauerquadrate von jeweils 4m² eingerichtet. Die Erfassung der Vegetation erfolgte jeweils unmittelbar vor und nach der Beweidung.

Ergebnisse: Die oben beschriebene Beweidung erwies sich als geeignete Maßnahme für die Pflege halbwegs intakter, kleiner isolierter Halbtrockenrasenflächen. Insbesondere konnte der fortschreitenden Degeneration durch Ausbildung von Dominanzbeständen hochwüchsiger Gramineenarten (z.B. Brachypodium pinnatum) Einhalt geboten werden und eine gegenläufige Entwicklung eingeleitet werden. Insbesondere wurde festgestellt, dass

  • die Artenzahl pro Flächeneinheit überwiegend deutlich zunimmt,
  • die Mengenanteile hochwüchsiger Gräserarten zugunsten blütenreicher Kräuterarten zurückgedrängt wird,
  • fast alle Rote-Liste-Arten positive, zumindest gleichbleibende oder ausgeglichene Mengenbilanzen zeigen.

Die im NSG „Weper" gesammelten Erfahrungen konnten auch in benachbarten Halbtrockenrasen-Schutzgebieten bestätigt werden.

Ungeeignet erscheint die vorgenommene Form der Beweidung dagegen für die Rückführung stark ruderalisierter oder aufgedüngter, hochwüchsiger Halbtrockenrasen-Degenerationsstadien. Hier ist eine zusätzliche Pflege durch Mahd während der Vegetationsperiode und Abtragung des Mähguts zur Abschöpfung des Nährstoffangebots erforderlich.

Bezüglich der Beweidung mit Jungrindern bzw. genügsamen Rinderrassen liegen positive Erfahrungen aus der Eifel und anderen Mittelgebirgen vor. So stellt die Beweidung durch Rinder insbesondere dann eine Alternative zur Schafbeweidung dar, wenn die Flächen kleiner sind oder Hütehaltung von Schafen nicht möglich ist. Beachtet werden muß allerdings, dass

  • ausreichende Ruhepausen ( 6-8 Wochen) zwischen zwei Weidegängen eingehalten werden.
  • die Beweidungsdauer bzw. Besatzdichte begrenzt wird (0,6 – 0,8 GVE/ha), damit die Grasnarbe nicht zu tief abgefressen wird.
  • nicht zugefüttert werden darf.

Probleme können sich ergeben im Bereich einer Teil-Eutrophierung der Flächen (besonders bevorzugte Bereiche) und der Schädigung der Grasnarbe durch zu schwere Rinder (PETERMANN 1995: 56).

Über die Eignung von Pferden oder Ponys zur Pflege von Kalkmagerrasen ist nur wenig bekannt. Es lassen sich jedoch folgende Tendenzen erkennen: Kleinere Pferde- bzw. Ponyrassen scheinen für die Pflege durchaus geeignet sein. Die Voraussetzungen sind ähnlich wie bei der Rinderbeweidung (PETERMANN 1995: 56f).

Wildtiere sind generell zur Pflege geeignet, wo ein entsprechender Wilddruck besteht.

Mähder sollten weiter einmähdig genutzt und nicht in Weideflächen umgewandelt werden, da sich hierbei das Artenspektrum erheblich verschiebt. Die Nutzung oder Pflege sollte sich jedoch am historischen Muster orientieren, d.h. die Flächen sollten nicht alle gleich nach genau vorgeschriebenen Pflegerichtlinien behandelt werden (z.B. gleicher Mahdzeitpunkt für alle Flächen und alle Jahre) (PETERMANN 1995: 32). Aus floristisch-vegetationskundlicher Sicht eignen sich hierzu alle Mähgeräte, aus faunistischer Sicht sind Kreiselmäher allerdings ungeeigneter als z.B. der Balkenmäher. Günstig erweist sich auf jeden Fall eine Staffel- oder Inselmahd, da bei einer großflächigen Mahd schlagartig alle Strukturen und Pflanzen beseitigt werden und den verschiedenen Tiergruppen kaum Fluchtmöglichkeiten bietet (PETERMANN 1995: 57f).

Als Alternative zur Mahd mit Abräumen bietet sich aus vegetationskundlicher Sicht eine Mulchmahd an. Entgegen der landläufigen Meinung kommt es dabei im süddeutschen Raum nicht zu einer Eutrophierung der Standorte (SCHREIBER, K. F., BROLL, G. UND BRAUCKMANN, H. J. 2000: 11).

Entbuschungen sowie Beseitigung von Altgrasfilz müssen sowohl vor Aufnahme einer Beweidung oder Mahd durchgeführt werden (Erstinstandsetzung) als auch begleitend. Nach der Erstinstandsetzung im Winterhalbjahr muß die Pflege der Flächen sofort in der nächsten Vegetationsperiode einsetzen und in den ersten Jahren auf eine scharfe Beweidung/ frühe Mahd geachtet werden, da die Erstinstandsetzung durch vegetative Vermehrung durch Wurzelbrut sonst ins Gegenteil umschlägt.

Zur Erstinstandsetzung sind folgende Maßnahmen geeignet (nach PETERMANN 1995: 44ff):

  • Mahd
  • Mulchen:
    Vorteil: neben dem Altgrasfilz können auch Gebüsche und kleinere Bäume beseitigt werden
    Nachteil: tierökologisch bedenklich; sollte nur eingesetzt werden, wenn Mahd nicht möglich ist

Hütehaltung: Nur mit Hilfe genügsamer Schafrassen (z.B. Moorschnucke, Bentheimer Landschaf) möglich. Dauer je nach Verfilzungsgrad und Exposition zwei bis drei Vegetationsperioden; hohe Beweidungsintensität erforderlich. Vorteil: für Kleintiere bleiben mehr Rückzugsmöglichkeiten erhalten.

Pflegepferch oder -koppel: Bei hohem Beweidungsdruck besteht weniger Möglichkeit zur Futterselektion, so dass auch ungern gefressene Pflanzen verbissen werden. Die während der Brachzeit aufgebaute Filzschicht wird abgebaut, schon nach 1 – 2 Jahren regeneriert sich die Krautschicht.

Entbuschung: abschneiden der Gehölze möglichst bis zum Wurzelhals; Stehenlassen einiger charakteristischer Solitärbäume und von Gebüschen v.a. in den Randbereichen, auf Lesesteinhaufen und an Terrassenkanten.


5. Literatur

  • ARNOLD, W. et al.  (1982): Zustand und Zielvorstellungen für die Erhaltung der Wacholderheiden der Schwäbischen Alb. – Forstwissenschaftl. Zentralblatt 101: 311-346.
  • BEINLICH, B., PLACHTER, H. (Hrsg.) (1995): Schutz und Entwicklung der Kalkmagerrasen der Schwäbischen Alb. – Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 1–520.
  • BEINLICH, B. (1995): Die historische Entwicklung der Schäferei in Südwestdeutschland. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 97 – 107.
  • BEINLICH, B., KLEIN, W. (1995): Kalkmagerrasen und mageres Grünland: bedrohte Biotoptypen der Schwäbischen Alb. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 109–128.
  • BEINLICH, B., MANDERBACH, D. (1995): Die historische Landschafts- und Nutzungsentwicklung in Württemberg unter besonderer Berücksichtigung der Schwäbischen Alb. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 65 – 86.
  • BEINLICH, B. et al.. (1995): Ist die natürliche Sukzession eine Entwicklungsalternative für die Kalkmagerrasen der Schwäbischen Alb? - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 311-136.
  • BRIEMLE, G. (1988): Ist eine Schafbeweidung von Magerrasen der Schwäbischen Alb notwendig? - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 63: 51-67.
  • DLZ (1994): Extensives Grünland. Was Biotoppflege wirklich kostet. – DLZ 10/94. 54-57.
  • FRIELINGHAUS, M. (1998): Skript zur Vorlesung Landwirtschaft an der FH Eberswalde
  • HÖLL, N., BREUNIG, T. (Hrsg.) (1995): Biotopkartierung Baden-Württemberg. Ergebnisse der landesweiten Erhebungen 1081 – 1989. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 81: 1-544.
  • HÖLL, N., BREUNIG, T. (1995): Biotopkartierung Baden-Württemberg – Ergebnisse zu den Biotoptypen. Magerrasen Kalk. - Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 81: 218-225.
  • KELLERMANN, S., REINÖHL, H. (1997): Kosten der Landschaftspflege und der Landbewirtschaftung in Naturschutzgebieten des Regierungsbezirks Stuttgart. Eine Pilotstudie der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege in Stuttgart. - BNL Stuttgart. 96 S.
  • LANDESANSTALT FÜR UMWELTSCHUTZ BADEN-WÜRTTEMBERG (Hrsg.) (1997): §-24a-Kartierung Baden-Württemberg - Kartieranleitung: 120-124.
  • MATTERN, H. et al. (1979): Die Bedeutung der Wacholderheiden im Regierungsbezirk Stuttgart sowie Möglichkeiten zu ihrer Erhaltung. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad. -Württ. 49/50, S. 9-29. Karlsruhe.
  • OBERGFÖLL, F.-J. et al. (1995): Erhalt von Wacholderheiden und Halbtrockenrasen am Beispiel der Mittleren Kuppenalb bei Laichingen/Merklingen, Alb-Donau-Kreis in: Wieder beweiden? Möglichkeiten und Grenzen der Beweidung als Maßnahme des Naturschutzes und der Landschaftspflege; Beitr. der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg 18; S. 96-116
  • PETERMANN, R. (1995): Chancen und Grenzen der Biotoppflege von Kalkmagerrasen. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 31-36.
  • PLACHTER, H., BEINLICH, B. (1995): Strategien zum Erhalt und zur Entwicklung der Kalkmagerweiden und der mageren Wiesen der Schwäbischen Alb. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 441–468.
  • POSCHLOD, P. et. al. (1995): Die Bedeutung der Wanderschäferei für den Artenaustausch zwischen isolierten Schaftriften. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 229-256.
  • POSCHLOD, P. et. al. (1995): Die potentielle Gefährdung von Pflanzenpopulationen in Kalkmagerrasen auf der Mittleren Schwäbischen Alb durch Sukzession (Brache) und Aufforstung – ein Beispiel für einen zönotischen Ansatz der Gefährdungsanalyse von Pflanzenpopulationen. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 199–227.
  • RIEGER, W. (1996): Ergebnisse elfjähriger Pflegebeweidung von Halbtrockenrasen. – Natur und Landschaft 71 (1996), H. 1: 19-25.
  • SCHREIBER, K.-F. et al. (2000): Methoden der Landschaftspflege. Eine Bilanz der Bracheversuche in Baden-Württemberg. – MLR-32-2000: 21 S.
  • TAMPE, K., HAMPICKE, U. (1995): Ökonomik der Erhaltung bzw. Restitution der Kalkmagerrasen und des mageren Wirtschaftsgrünlandes durch naturschutzkonforme Nutzung . - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 83: 361-390.

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