Service-Navigation

Suchfunktion

Beweidung

Damwild, Rotwild und Sikawild in der Landschaftspflege



  1. Allgemeines
  2. Eignung zur Landschaftspflege
  3. Gehege
  4. Literatur
  5. Links

1. Allgemeines

Die „landwirtschaftliche Wildhaltung“ ist ein extensiv und umweltschonend betriebener landwirtschaftlicher Produktionszweig. Im Gegensatz zur Wildhaltung in Schaugehegen wird mit der landwirtschaftlichen Wildhaltung das Einkommen über den Verkauf  von Schlacht- und Zuchttieren erzielt.

Damwild (lat. Dama dama )

Das Damwild gehört zur Familie der Hirsche und wie der Rothirsch zur Unterfamilie der Echthirsche. In der letzten Eiszeit ist der Damhirsch in Europa verschwunden und überlebte in den wärmeren Regionen Kleinasiens und Nordafrikas. Die Römer als Besatzer vieler europäischen Länder brachten das Damwild wieder in die ursprünglichen Verbreitungsgebiete zurück. Später wurde es neben der Jagd auch als Fleischlieferant in Parks der Fürstengeschlechter und Klöster gehalten.
Vor ca. 30 Jahren wurde mit der Damwildhaltung in landwirtschaftlichen Wildgehegen begonnen. In der freien Wildbahn ist das Damwild in parkähnlichen Kulturlandschaften mit entsprechenden Anteilen von Wäldern, Wiesen und Feldern zu finden und liebt trockenere Standorte. Damwild ist im wesentlichen tagaktiv und braucht im Gegensatz zum Rotwild keine ausgesprochenen Tageseinstände in der Nähe der Äsungsflächen. Für das Damwild ist keine Suhle erforderlich.
Die Brunft findet hauptsächlich im Oktober statt. Nach einer Trächtigkeitsdauer von rund 230 Tagen werden im Juni und Juli die Kälber mit knapp 5 kg Geburtsgewicht geboren. Schmaltiere haben eine Setzrate von ca. 70 %, Alttiere von 90-95 %.

Rotwild (lat. Cervus elaphus )

Das Rotwild ist in Deutschland die größte freilebende Wildart mit festen Einstandsgebieten (Rotwildgebieten). Außerhalb dieser Gebiete wird das Rotwild nicht geduldet und abgeschossen.

Ein wesentlicher Teil des in Deutschland verkauften Rotwildfleisches stammt aus Importen. Wichtigstes Herkunftsland des Import-Hirschfleisches ist Neuseeland, das 2006/07 rund 8.000 t Rotwildfleisch nach Deutschland exportierte (AGRA-EUROPE 38/08).  Es gibt also eine deutliche Nachfrage, die bislang nicht eine heimische Erzeugung abgedeckt wird.

Das in den Gehegen gehaltene Rotwild ist mit den in der freien Wildbahn lebenden Tieren weitgehend identisch. Es gibt allerdings durch den Import von Zuchttieren aus England, Ungarn und den Karpaten unterschiedliche Herkünfte und somit Unterschiede in der Körpermasse, Geweihausprägung und Farbzeichnung. Die Ansprüche des Rotwildes unterscheiden sich nicht wesentlich von denen des Damwildes; Rotwild braucht jedoch eine Suhle. Da Rotwild etwa doppelt so schwer wie Damwild ist, wird für ein Alttier mit Nachzucht auch die doppelte Gehegefläche gefordert.
Die Brunft findet vorwiegend im September statt und verläuft durch das Röhren des Hirsches wesentlich lauter als beim Damwild. Befinden sich mehrere gleichaltrige und gleichstarke Hirsche im Gehege, so finden erbitterte Rangkämpfe statt, die zu Tierverlusten führen können. Nach einer Trächtigkeitsdauer von ca. 240 Tagen werden im Mai die Kälber mit 8 bis 10 kg geboren.

Sikawild (lat. Cervus nippon )

Die Urheimat des Sikawildes liegt in Japan, Manschurei und Nordchina. Es wurde erstmals im 19.Jahrhundert in Deutschland ausgesetzt. Sikawild kommt in Deutschland in geringen Beständen in Nordrhein-Westfalen, in Schleswig-Holstein und in Südbaden in freier Wildbahn vor.
Die Vorteile des Sikawildes liegen in seiner außerordenlichen Toleranz gegenüber anderen Wildarten und in der Schmackhaftigkeit seines Wildbrets begründet.

Sikawild ist im Gegensatz zum Rotwild, welches ursprünglich ein Steppenbewohner war, ein Waldbewohner.
Sikawild brunftet wie Rotwild im September/Oktober.
Der Brunftschrei ist ein greller Pfeifton.
Das Gewicht des Sikawildes entspricht etwa dem des Damwildes.

(Text: Dr. Josef Naderer, Anton Huber , Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Tierhaltung und Tierschutz)


2. Eignung zur Landschaftspflege

  • Grundsätzlich geeignete Standorte sind Wiesen und Weiden.
  • Geeignet sind auch Flächen, die aus Gründen der Landschaftspflege von Verbuschung und Bewaldung befreit oder freigehalten werden sollen und keine besondere ökologische Bedeutung besitzen.
  • Folgende Flächen sollen jedoch für ein Wildgehege nicht in Anspruch genommen werden:
    a) erhaltenswerte, naturnahe Lebensräume, auch wenn sie bisher nicht als schutzwürdige Biotope kartiert wurden,
    b) Landschaftsteile, die aufgrund ihrer Ausprägung eine besondere Bedeutung für das Landschaftsbild haben oder in unmittelbarer Umgebung bedeutender Bau- und Kunstdenkmäler gelegen sind,
    c) Flächen, die von Erholungssuchenden häufig und in großer Anzahl genutzt werden.
  • Befinden sich innerhalb von Gehegen, die an einem grundsätzlich geeigneten Standort errichtet werden, ökologisch wertvolle Landschaftsbestandteile, z.B. kleinere Nass- und
    Feuchtflächen, Mager- und Trockenstandorte, erhaltenswerte Gebüschflächen oder Einzelbäume, so sind die erhaltenswerten Bereiche abzutrennen.
  • Die Eignung von Wiesen und Weiden in Landschaftsschutzgebieten kann durch entsprechende Regelungen in Schutzverordnungen eingeschränkt oder ausgeschlossen sein.

(aus Landwirtschaftliche Wildhaltung - Ein Leitfaden Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, LfL 2004)



3. Gehege

Voraussetzungen einer ordentlichen Gehegeführung:
(Auszug aus der Broschüre "Oberfränkisches Gehegemanagement für Wildhalter", Oberfränkischer Wildhalterverband )

  • Großflächige Anlage von Gehegen mit entsprechender Gestaltung durch Naturgegebenheiten wie Hecken, Hänge oder Waldstücke, damit Rückzugsräume und Deckungsmöglichkeiten vorhanden sind.
  • Kein Überbesatz, der Tierbesatz ist auf die Größe und das Ertragspotential der Gehegefläche abzustimmen. Der Herdenaufbau nach Alter und Geschlecht soll einen ausgeglichenen Sozialverband ergeben.
  • Intensive Weidewirtschaft und Weidepflege, d.h. Gehegeunterteilungen mit Weideruhe und Düngung nach Auswertung der Bodenproben.
  • Eine ausgewogene Fütterung in der vegetationsarmen Zeit (Okt. Bis April) mit langsamen Futterwechsel (Anpassung der Pansenflora, Azidosegefahr!), ausreichender Wasserversorgung und Mineralien und ab Oktober eine Beifütterung im Kälberschlupf.
  • Gezielte Selektion der Zuchttiere nach Körpergewicht. Wenn keine Zuchthirsche verkauft werden, nicht die Trophäe, sondern den Gesamtaufbau des Tieres betrachten.
  • Trennung von Zuchtherde und Abschusstieren. Abschuss der Jährlinge bereits ab September bis zur Brunft, oder ab November. Der Kunde friert sein Fleisch auch ein.
  • Regelmäßige Beobachtung der Tiere und Kontrolle des Gesundheitszustandes und der Gehegeanlage (Zaun, Tränke, Futterversorgung). Entfernung loser Fremdgegenstände (Plastikfolien, Hanfschnüre) und von Verletzungsquellen.
  • Neben 2 Entwurmungen pro Jahr regelmäßige parasitologische Kotuntersuchungen. Vitamin und Selengaben im Frühjahr, um die Nekrobazillose bei Jungtieren zu vermeiden.

Gehegegröße und Besatzdichte
(aus Leitlinien zur Landwirtschaftlichen Wildhaltung in Gehegen, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen LLH, 2006)

  • Die Mindestfläche eines Geheges  für Damwild beträgt 1 ha, für Rotwild 2 ha. Für jede PED müssen 0,10 ha und für jede PER 0,20 ha Mindestfläche zur Verfügung gestellt werden.
  • Zur Gewährleistung einer artspezifischen Rudelbildung muss der Mindestbestand fünf erwachsene Tiere (vier weibliche Tiere und ein Hirsch) betragen. Ein Geschlechtsverhältnis von maximal 1:25 (1 erwachsener Hirsch auf 25 weibliche Tiere) ist einzuhalten. Ist die Herde größer, so müssen sogenannte Beihirsche (Löffler oder Spießer) aufgenommen werden.

(Eine Produktionseinheit Damwild (PED) oder Rotwild (PER) besteht aus einem weiblichen Tier und dessen Nachzuchten (Kalb und Schmaltier/Spießer bis zum 31.12. des auf das Setzen folgenden Jahres) und einem Hirschanteil. Eine PED wird mit 0,17 GV, eine PER mit 0,34 GV angesetzt.
Für das Sikawild finden entsprechend der Größe erwachsener Tiere die nachstehenden Angaben zu Damwild oder Rotwild Anwendung.)

4. Literatur

  • Golze, M. (2007): Landwirtschaftliche Wildhaltung - Damwild, Rotwild, Muffelwild, Schwarzwild und andere Wildarten. Ulmer Verlag Stuttgart. 156 S.

5. Links

Fußleiste