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Beweidung

Elche in der Landschaftspflege

  1. Einleitung
  2. Eignung zur Landschaftspflege
  3. Haltung
  4. Nutzung
  5. Literatur
  6. Links




1. Einleitung

 

Im Zielartenkonzept von Baden-Württemberg wird der Europäische Elch (Alces alces alces) als potentielle Zielart ins Auge gefasst. Da jedoch noch unklar ist, ob der Elch natürlicherweise dauerhaft in Baden-Württemberg vorkäme, sollte nach Prüfung in den Moorgebieten Oberschwabens in Gatterversuchen der Einfluss des Elchs auf die Moorlebensräume getestet werden (RECK 1996: C148 im ZIELARTENKONZEPT).

 

Generell liegt die südliche Verbreitungsgrenze des Elches heute ungefähr in Höhe des 50. Breitengrades (durch Frankfurt/Main), fossile Überreste zeigen jedoch, dass die Elche des Oberen Quartärs in fast ganz Europa bis zum 40. Breitengrad verbreitet waren, jedoch fehlten sie südlich der Pyrenäen, auf dem Balkan und der Apenninen-Halbinsel. Die Ausbreitung des Elches nach Süden wird von den Sommertemperaturen begrenzt, da ihm warmes (> 10°C) und trockenes Klima nicht bekommt. Elche fühlen sich am wohlsten in einem Temperaturbereich von minus 22°C bis plus 10°C. Das Vorkommen von Elchen am Rhein und an der Ems wird belegt durch das Nibelungenlied und kaiserliche Erlasse aus den Jahren 943, 1006 und 1025. Auch Ortsnamen können Hinweise auf das Vorkommen von Elchen geben. So trägt z.B. die Gemeinde Ellenberg im Ostalbkreis den Elch in ihrem Wappen (KAMKE 2000 - 2003).

 

2. Eignung zur Landschaftspflege

 

Der Idealbiotop des Elches liegt in einem Klima mit kalten Wintern und kühlen Sommern. Bevorzugte Lebensräume des Elches sind ebene Sumpf- und Bruchwälder.

 

In dem vom Bundesministerium geförderten Projekt „Offenland-Management auf ehemaligen und in Nutzung befindlichen Truppenübungsplätzen im pleistozänen Flachland Nordostdeutschlands“, in dem die Universitäten Cottbus, Potsdam und Freiburg sowie das Naturkundemuseum Görlitz und das Institut für Agrartechnik Bornim zusammenarbeiten, sollen Management-Konzepte erstellt werden, mit deren Hilfe wertvolle Offenlandschaften erhalten und entwickelt werden sollen. So sollen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Dauban in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft (Nordost-Sachsen), der 1992 aufgegeben wurde,  Elche die rasche Sukzession zurückdrängen. Elche werden als potentiell geeignet angesehen, da sie seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder aus Polen in die Lausitz einwandern, Nahrungshorizonte bis 2m Höhe nutzen, gut angepasst an feuchte Lebensräume sind und im Sommer 30 – 40kg Nahrung/ Tag benötigen. Die Offenlandschaft soll auf einer Fläche von 150 ha in der Summe erhalten bleiben, also nicht flächentreu. Derzeit befinden sich die Elche – zwei weibliche, ein männliches Tier, die aus europäischen Zoos stammen – noch in ihrem 19 ha großen Eingewöhnungsgehege, auf das die bisherigen Untersuchungen bezug nehmen. Als Ergebnisse lassen sich bisher festhalten:

  • Die Elche nehmen deutlichen Einfluss auf die Vegetation der gesamten zur Verfügung gestellten Fläche. Bevorzugte Nahrungspflanze ist Salix aurita (Ohrweide), wobei es aber individuelle Präferenzen bei der Nahrungsaufnahme gibt. Insgesamt entspricht die Nahrungswahl den Literaturangaben für Nordosteuropa.
  • Der entscheidende Verbiss findet im Winter statt.
  • Es entstanden vermehrt Wechsel und offene Bodenstellen.
  • Eine Übertragbarkeit der Ergebnisse vom Eingewöhnungsgehege auf die gesamte Fläche ist jedoch nicht gegeben, auch stellt sich die Frage, wie viele Elche auf einer größeren Fläche für ein effektives Management notwendig sind. Ein Langzeitmonitoring wird irgendwann auch diese Fragen klären.
  • Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass Elche eine interessante und zukunftsträchtige Alternative für feuchte schwer beweidbare Flächen darstellen.

Befragungen von Anwohnern ehemaliger Truppenübungsplätze in Lieberose, Prösa, Dauban, Döberitzer Heide und Glau im Herbst 2001 kamen zu dem Ergebnis, dass eine Offenhaltung durch Wildbeweidung die größte Akzeptanz in der Bevölkerung besitzt, da sie als am natürlichsten angesehen wird (BURKART et al. 2001).

 

3. Haltung

 

Lebensweise: Der Elch ist sowohl tag- als auch nachtaktiv. Zur heißen Jahreszeit wird die Aktivitätsphase mehr in die Dunkelheit verlegt. Insbesondere in den Dämmerungsstunden begibt sich der Elch dann auf Nahrungssuche, wobei er große Strecken zurücklegen kann (insgesamt bis zu 300 km) und dabei immer wieder die selben Flächen aufsucht. Elche sind i.d.R. Einzelgänger, nur Kühe mit ihren Kälbern bilden feste Gruppen. Manchmal schließen sich auch Jährlinge, die von ihrer Mutter verstoßen wurden, zu Gruppen zusammen.

 

Futter: Der Elch ist ein Wiederkäuer und frisst v.a. Blätter, Zweige, Pilze und Beeren. Nordamerikanische Indianer nannten den Elch „mooswa“, was soviel wie Zweigfresser bedeutet (daher vermutlich das amerikanische Wort „moose“ für Elch).Insgesamt ist der Elch, was die Nahrung betrifft, sehr anpassungsfähig. In allen Verbreitungsgebieten des Elches zusammen kennt man 250 höhere Pflanzen aus 175 Gattungen, die vom Elch befressen werden, dazu gehören über 110 Arten Gräser und Kräuter, 45 holzige Pflanzen, sowie 20 Gattungen der Farnpflanzen, Flechten, Pilze, Algen und Moose. Der Bedarf des Elches an Energie und Nahrungsstoffen wechselt mit den Jahreszeiten, mit der Größe des Tieres und seines Geschlechtes. Entsprechend variieren auch die Nahrungspflanzen des Elches im Laufe des Jahres.

Im Sommer wird erheblich mehr gefressen als im Winter, um Fettreserven für den turbulenten Herbst und den harten Winter aufzubauen. Die Sommernahrung besteht zu 16% aus Eiweiß. Dazu nimmt der Elch große Mengen Phosphor und Kalzium auf. Unter anderem werden im Sommer gefressen: Pfeilkraut, Sumpfdotterblume, Distel, Feuerkraut, Echter Kalmus, Froschlöffel, Mädesüß, Hahnenfuß, Sumpfblutauge, Wicke, Bärenklau, Schlangenwurz, Fieberklee, Seerose, Wald-Engelwurz, Pippau, Rohrkolben, Schachtelhalm, Teichrose. Ihren hohen Salzbedarf decken Elche im Sommer unter anderem dadurch, dass sie große Mengen an Wasserpflanzen aufnehmen. Für besondere Leckerbissen tauchen Elche sogar bis zu  6 m tief. Kälber und Jährlinge fressen auch Gras, Laub, Beeren, Pilze, Farne, Flechten, Algen und Moose, die die erwachsenen Tiere aufgrund ihrer Größe nur schwer erreichen können.

Im Winter werden v.a. Zweige verschiedener Sträucher befressen. In Schweden hat man eine Rangfolge der holzigen Nahrungspflanzen des Elches im Winter festgestellt:

  • Sehr beliebt sind Eberesche, Weide, Salweide, Espe und Eiche
  • Beliebt sind Wacholder, Kiefer, Hasel, Ahorn, Moor- und Hängebirke
  • Weniger beliebt sind Erle und Fichte.

Elche graben bis zu 40 cm tief im Schnee, um Heide- und Blaubeergebüsch zu finden.

 

Charakter: Elche leben im allgemeinen als Einzelgänger, nur Jährlinge bleiben manchmal zusammen, nachdem die Mutter sie verstoßen hat. Elchmütter sind sehr angriffslustig, wenn es um ihr Kalb geht und auch Elchbullen in der Brunft können sehr angriffslustig sein. Im allgemeinen benehmen sich Elche jedoch sehr rücksichtsvoll ihrer Umgebung gegenüber, sie behandeln andere Tiere und ihre Umgebung mit Respekt. Wenn sie sich aber bedroht fühlen oder gereizt sind, sind sie sehr aggressiv und gefährlich; auch zeigen sie nur wenig Scheu vor dem Menschen. Da Elche sehr intelligent sind, werden jung aufgezogene Tiere sehr zahm und lassen sich in gewissem Umfang abrichten (KAMKE 2003).

 

Zucht: Die Paarungszeit der Elche ist der Frühherbst (September, Oktober). Die Kälber kommen nach ca. 8 Monaten zwischen April und Anfang Juni zur Welt, die meisten im Mai. Bei ihrer Geburt wiegen Einzelkälber 10 – 17 kg, Zwillinge nur 6 – 8 kg, ganz selten kommen auch Drillinge vor. Das Kalb wird bis zum November/ Dezember gesäugt, obwohl es schon nach 1 – 2 Wochen Grünpflanzen aufnimmt. Ab dem dritten Monat ist Grünfutter Hauptbestandteil der Nahrung. Im ersten Monat nach der Geburt liegen die täglichen Zunahmen bei ca. 500 g, ab Mitte/ Ende Juni bei 1 kg/d, so dass nach 5 Monaten ein Gewicht von ca. 130 – 150 kg erreicht wird. Ein Kalb, das im Herbst seine Mutter verliert, hat so gut wie keine Überlebenschancen. Während des Winters wird das Wachstum auch bei guter Nahrungsgrundlage eingestellt. Im Frühjahr wird das Kalb des Vorjahres vor der Geburt des nächsten Kalbes verjagt und muss sich von da an alleine durchschlagen. Im zweiten Herbst wiegen die Tiere ca. 300 kg. Ausgewachsene Elchbullen wiegen bis zu 500 kg, Kühe 275 – 375 kg. Mit 16 – 17 Monaten sind die Tiere i.d.R. geschlechtsreif, wobei bei Kühen zum Erreichen der Geschlechtsreife ein Mindestgewicht erforderlich ist und junge Elchbullen sich normalerweise nicht gegen ältere durchsetzen können. Zwischen dem 6. und 11. Lebensjahr ist die Vermehrungskraft der Elchkuh am höchsten. Elche können bis zu 27 Jahre alt werden.

 

4. Nutzung

 

Da Elche sehr intelligent und leicht zu zähmen sind, werden sie heute noch in Sibirien als Arbeitstiere verwendet. In unwegsamem sumpfigem Gelände dienen sie als Reittiere; ein ausgewachsener Elch kann bis zu 125 kg auf seinem Rücken tragen oder eine Schlittenladung mit einem Gewicht von bis zu 900 kg ziehen (üblich sind jedoch 300 – 400 kg). Unter guten Bedingungen werden Elche 60% des Jahres eingesetzt. An heißen Sommertagen können sie nicht arbeiten, ebenso nach der Brunftzeit.

In Sibirien werden Elche als Haustiere auch zur Fleisch- und Milchgewinnung genutzt, aber auch  in Schweden gibt es einen Elchzüchter der Elchkäse verkauft (Christer Johansson, Bjurholm). Elchkäse hat einen sehr hohen Eiweißanteil und ist deshalb nur maximal eine Woche im Kühlschrank haltbar. Elche werden außerdem auch gejagt, um Trophäen und Fleisch zu gewinnen. Von dem Fleisch eines Elches kann eine 4-köpfige Familie ein Jahr lang leben. Die Schlachtausbeute beträgt ca. 55%. Das Fleisch ist sehr eiweißreich (KAMKE 2000 – 2003).

Problematisch für die Haustierhaltung sind – neben dem beachtlichen Bedarf an gut verdaulichem, eiweiß- und abwechslungsreichen, natürlichen Futter – der fehlende Rudelinstinkt und die Tatsache, dass Elche keinen Respekt vor Zäunen haben, außer sie wurden schon von Kalb auf daran gewöhnt.

 

Für Baden-Württemberg wäre zunächst sicherlich nur ein Vorgehen gemäß dem Zielartenkonzept (siehe Punkt 1) eine sinnvolle Lösung.

 

Neben der Landschaftspflege eignet sich Wildtierbeweidung v.a. für die direkte Verbindung mit einer Erholungsnutzung / Tourismus. Kosten für die Wildtierbeweidung bestehen i.d.R. aus Lohnkosten für Gehegemanagement und Besucherbetreuung, veränderliche Kosten für Tierarzt, Zufütterung und Verbrauchsmaterial, sowie feste Kosten für Maschinen, Zaun und Besucherinfrastruktur (,wenn an eine Tourismusnutzung gedacht wird). Einnahmen kommen im wesentlichen von Spenden und Eintrittsgeldern (soweit solche erhoben werden).

Da der Elch in Deutschland als „jagdbares Wild“ eingestuft ist, unterliegt dieser dem Jagdrecht.

Für Elche werden Gehege wie folgt beschrieben: „In gut strukturierten Gebieten mit Wald, Freiflächen, Wasserflächen, Gräben etc. benötigt jeder adulte Elche eine Fläche von 10.000 m². Für erwachsene Elche muss die Möglichkeit der Trennung gegeben sein. Ein Geschlechterverhältnis von 1:3 ist anzustreben [...] Beim sprungstarken Elch ist eine Zaunhöhe von 2,50 m einzuhalten.“


5. Literatur

  • BURKART, B. (2004): Zur Eignung von Elchen für Offenlandmanagement - erste Erfahrungen aus dem Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. In: Beweidung mit großen Wild- und Haustieren. Beiträge der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg. Band 36. S. 10-15
  • BURKART, B. und KONOLD, W.  (2002): Elche, Moorschnucken & Ziegen - neue Wege der Offenhaltung feuchter Standorte. Verh. Ges. Ökol. 32: 92
  • BURKART, B. und KONOLD, W. (2002): Elche, Ziegen und Moorschnucken – Neue Wege der Offenhaltung feuchter Standorte. Aktuelle Reihe BTU Cottbus 8: 55–64
  • BURKART, B. et al. (2001): OFFENLAND - Management auf Truppenübungsplätzen: Sind Elche die besseren Panzer? Verh. Ges. Ökol. 31: 225
  • GAERTNER, M. und KONOLD, W. (2003): Untersuchungen zum Einfluss von Elchen auf die Vegetation der Feuchtgebiete des ehemaligen Panzerschießplatzes „Dauban“ - In: BURKART, B. und KONOLD, W. (Hrsg.): Offenland und Naturschutz, Culterra 31: 205-216
  • INSTITUT FÜR LANDSCHAFTSPLANUNG UND ÖKOLOGIE DER UNIVERSITÄT STUTTGART (1996): Zielartenkonzept - Räumlich differenzierte Schutzprioritäten für den Arten und Biotopschutz in Baden-Württemberg. S. C 148

6. Links

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