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Abschlussbericht zum Donauprojekt

Zusammenfassung

Von September 2011 bis September 2014 wurde das aus der Fischereiabgabe Baden-Württemberg finanzierte Projekt: „Zustand, Schutz und Bewirtschaftung der baden-württembergischen Donaufischbestände“ an der Fischereiforschungsstelle bearbeitet. Ziel des Projektes war, einen aktuellen Überblick der Fischartenzusammensetzung der Donau zu erhalten. Ein Hauptaugenmerk sollte auf die gefährdeten Fischarten der Donau gelegt und deren Gefährdungsursachen anhand von konkreten Beispielen (bspw. wasserbaulichen Maßnahmen) aufgezeigt werden. Zusätzlich sollte die Datenlage zum Streber, einer seltenen und bisher kaum wissenschaftlich untersuchten Fischart, verbessert werden.

Insgesamt wurden auf 129 km Flusslauf 160 Fischbestandsaufnahmen an ausgewählten Probestellen von Beuron (Flusskilometer 2715) bis Ulm (Flusskilometer 2586) durchgeführt. Die neuen Daten wurden mit bestehenden älteren Daten verglichen. Es konnte gezeigt werden, dass ein drastischer Wandel der Fischartenzusammensetzung stattgefunden hat. Im 19. Jahrhundert waren 35 Fisch- und eine Neunaugenarten für die Donau beschrieben. Heute können von diesen noch 29 Arten nachgewiesen werden. Die einst stark vertretenen rheophilen Fischarten sind selten geworden und einige ehemals ungefährdete Fischarten sind aktuell als stark gefährdet eingestuft (z. B. Äsche Thymallus thymallus, Nase Chondrostoma nasus). Manche der einst vertretenden Arten sind heute sogar vom Aussterben bedroht, wie der Huchen (Hucho hucho), oder sogar verschollen, wie der Frauennerfling (Rutilus pigus virgo), die Zährte (Vimba vimba), der Zingel (Zingel zingel) und der Schrätzer (Gymnocephalus schraetser).

Der Grund für die Änderung der Fischartenzusammensetzung liegt weitgehend in der Umgestaltung des ursprünglichen Donauverlaufs während der Industrialisierung. Dass Wasserkraftanlagen und Gewässerregulierungen auch heute noch negative Auswirkungen auf den Fischbestand haben, ließ sich im Projekt kleinräumig aufzeigen. Renaturierungsmaßnahmen können die negativen Veränderungen jedoch mildern und somit den Fischbestand nachhaltig stützen oder gefährdete Arten fördern. An einem konkreten Beispiel konnten die positiven Gestaltungsmöglichkeiten dargelegt werden. Die Effizienz weiterer Fischschutzmaßnahmen, die im Rahmen der fischereilichen Bewirtschaftung neben einer strukturellen Aufwertung möglich sind, wird diskutiert.

Die gesonderten Untersuchungen zum Streber (Zingel streber) belegen, dass das heutige Vorkommen der historisch dokumentierten Ausbreitung entspricht. Populationsschätzungen mittels Fang-Markierung-Wiederfang-Methode zeigen jedoch, dass die aktuell vorhandenen Teilpopulationen mit 25 bis 200 Tieren pro Standort sehr klein und hochgradig gefährdet sind. Darüber hinaus belegen genetische Untersuchungen, dass sich die Streberpopulation Baden-Württembergs aus mehreren genetisch klar unterscheidbaren Subpopulationen zusammensetzt, die es im Sinne des Erhalts der genetischen Diversität zu bewahren gilt. Die Nachzucht von Strebern erscheint möglich, erste Ansätze zur künstlichen Aufzucht von Strebern wurden im Projekt erarbeitet.

Abbildung 1: Naturnaher Donauverlauf.


Abschlussbericht (Download)