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Agrarforschung

Vergleich der Aktivitäten zur Förderung des Absatzes von Agrarprodukten
regionaler Herkunft in Katalonien und in Baden-Württemberg

Universität Hohenheim
Prof. Dr. Ewald Böckenhoff                                    
April 1994 - Januar 1996

Problemstellung

Katalonien und Baden-Württemberg gehören zweifellos zu den wirtschaftsstarken Regionen Europas, in denen die Landwirtschaft, im Vergleich zu der übrigen Wirtschaft, eine geringe Bedeutung besitzt. Um einem weiteren Bedeutungsverlust vorzubeugen, gibt es in beiden Regionen Initiativen zur Vermarktung heimischer landwirtschaftlicher Erzeugnisse und der Förderung des Absatzes von Agrarprodukten regionaler Herkunft.

Ziel

Das Ziel der Arbeit ist, durch die Analyse der Strukturen und der Vorgehensweise zur Förderung des Absatzes von Qualitätsprodukten regionaler Herkunft in den Regionen Katalonien und Baden-Württemberg nützliche Schlußfolgerungen für die weitere Entwicklung der Absatzförderung für Agrar- und Nahrungsprodukte zu ziehen.

Untersuchungsmethode

Die Arbeit ist nach den empirisch erhobenen Gebieten aufgegliedert. Einleitend werden die wirtschaftliche Situation und die ökonomische Entwicklung in den Problemregionen zusammengefaßt dargestellt. Darauf folgend sind die Absatzförderungsmaßnahmen der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelindustrie der Regionen im einzelnen beschrieben. Drei Konsumentenbefragungen sind dargestellt und diskutiert. Diese sind in Barcelona, Madrid und Stuttgart durchgeführt worden. Alle drei Befragungen untersuchen folgende Schwerpunkte:

  • die Sorgen der Konsumenten im Zusammenhang mit dem Verbrauch von Nahrungsmitteln;
  • verschiedene Aspekte des Qualitätsbegriffs, einschließlich der Zusammenhänge zwischen Herkunft der Produkte und Vorstellungen der Konsumenten;
  • Zusammenhänge zwischen Qualitätsbegriff und Einkaufsverhalten der Konsumenten;
  • Bekanntheitsgrad der Zeichen, die für die Kennzeichnung der Herkunft und der Qualität der Produkte in Baden-Württemberg, Katalonien und Spanien verwendet werden;
  • Zahlungsbereitschaft der Konsumenten für gekennzeichnete Produkte.
Ergebnis

Im Verbraucherverhalten ist in beiden Regionen eine zunehmende Sensibilisierung in Bezug auf gesundheitliche Risiken bei der Nahrungsaufnahme festzustellen. Sowohl in Baden-Württemberg und Katalonien als auch in Madrid wurden die tatsächlichen oder vermeintlichen Lebensmittelskandale von den Verbrauchern deutlich wahrgenommen.

Die Zahlungsbereitschaft für Produkte mit Herkunfts- und Qualitätskennzeichnung zeigt sich in Stuttgart etwas höher als in Katalonien und wiederum in Katalonien höher als in Madrid; insgesamt war sie jedoch vergleichsweise gering. Der Bekanntheitsgrad der Herkunfts- und Qualitätszeichen läßt an allen Standorten noch zu wünschen übrig.

In der Organisation der Förderungsprogramme zeigen sich insofern Unterschiede, als in Spanien nationale Institutionen die Rahmenbedingungen für Programme, die durch regionale Verwaltungen umgesetzt werden, festsetzen. In Baden-Württemberg liegt die Verantwortung für diese Programme ausschließlich beim Land selbst. Unterschiede zeigen sich auch hinsichtlich der Ausrichtung der Produktmerkmale. In Baden-Württemberg wird die regionale Herkunft der Rohstoffe in den Vordergrund gestellt, während in Katalonien die Produktions- und Aufbereitungsverfahren bei vielen Produkten sehr stark betont werden. Die regionale Herkunft der Rohstoffe steht dabei oft im Hintergrund. Durch die Kennzeichnung regionaler Produkte mit dem HQZ wird laut der Befragungsergebnisse den Konsumenten in Baden-Württemberg die Herkunft der Produkte eindeutig vermittelt. Das "Marca Q"-Zeichen für Produkte aus Katalonien ist nicht so eindeutig, weil auf dem Logo ein direkter Hinweis auf die Region Katalonien fehlt.

Konsequenzen

Aus den Untersuchungsergebnissen der vorliegenden Arbeit lassen sich folgende wichtige Schlußfolgerungen für die künftige Ausrichtung der Absatzförderungsprogramme für Agrarprodukte und Nahrungsmittel in Baden-Württemberg ableiten:

  • Der Bekanntheitsgrad des Herkunfts- und Qualitätszeichens für Agrarprodukte aus Baden-Württemberg konnte im Laufe des Jahres 1995 wesentlich verbessert werden, ist aber nach wie vor zu gering.
  • Da die Werbung stets hohe Finanzmittel erfordert, wird empfohlen, einzelne Zielgruppen in der Werbung besonders anzusprechen. Weiterhin sollten verstärkt Einrichtungen mit Multiplikatorwirkung angesprochen werden. Die Gastronomie - vor allem die gehobene Gastronomie - könnte eine solche Funktion übernehmen.
  • Die Befragung der Konsumenten hat ergeben, daß Produkte mit Herkunftsbezeichung teilweise stark präferiert werden; dies gilt insbesondere für Produkte aus der eigenen Region. Sie genießen allein aufgrund der Heimatverbundenheit eine Bevorzugung. Qualitative Produktmerkmale sollten jedoch tendenziell der Herkunft vorangestellt werden.
  • Vor allem wegen der zunehmenden Verunsicherung der Konsumenten hinsichtlich der Produktsicherheit kommen den Qualitätskontrollen zukünftig noch größere Bedeutung zu. Es genügt nicht, daß diese Kontrollen allein oder überwiegend durch die Produzenten und Vermarkter selbst erfolgen. Bei allen Befragungen wurde die Wichtigkeit der Kontrolle durch unabhängige Institutionen deutlich zum Ausdruck gebracht.
  • Die Befragung hat gezeigt, daß generell relativ wenig Spielraum für Preiserhöhungen bei Nahrungsmitteln mit HQZ bestehen.
Literatur:
  • Abschlußbericht, Februar 1996
  • Schriftenreihe: "ELR-Forschung" 1996, Heft 2; Zu Beziehen bei der Europäischen Forschungsstelle für den Ländlichen Raum, Universität Hohenheim (521), 70593 Stuttgart

 

Fördernde Institution:  MLR / EFLR

Förderkennzeichen: EFLR - 94 . 02  




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