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Agrarforschung

Einkaufsattraktivität und Konsumverhalten bei Zentralen Orten
im nördlichen Regierungsbezirk Tübingen

Universität Tübingen, Geographisches Institut
Prof. Dr. Gebhardt                                                       
1993 - 1995

Problemstellung

Das Netz der Zentralen Orte und zentralörtlichen Bereiche im ländlichen Raum Baden-Württembergs hat sich in den letzten Jahrzehnten tiefgreifend gewandelt. Auslöser dafür waren Veränderungen auf der Angebotsseite (Fachmärkte, Einkaufszentren), aber auch ein verändertes Versorgungsverhalten der Konsumenten und eine differenzierte Bewertung der Attraktivität von Zentralen Orten und Einzelhandelsstandorten. Insbesondere kam es zu einer Stärkung der Mittelzentren und damit zu einer Ausdünnung des Angebots auf der unterzentralen Ebene und im ländlichen Raum.

Ziel

Ziel der Untersuchung ist die Analyse des Wandels der Versorgungsbeziehungen der Bevölkerung und die Ermittlung der Attraktivität verschiedener Zentrentypen im nördlichen Regierungsbezirk Tübingen. Im einzelnen wird folgenden Fragen nachgegangen:

  • Analyse der Nutzungsstruktur und Ausstattung verschiedener Standortagglomerationen
  • Typisierung verschiedener Standortcluster des Einzelhandels und Ermittlung ihrer Versorgungsattraktivität
  • Wahrnehmung und Bewertung unterschiedlicher Angebotsformen in der Sicht verschiedener Konsumentengruppen
  • Ermittlung der Verkehrsmittelwahl und des räumlichen Versorgungsverhaltens der Bevölkerung im ländlichen Raum
  • Untersuchung endogener und alternativer Versorgungsmöglichkeiten im ländlichen Raum
  • Ermittlung der Standortkonkurrenz zwischen Reutlingen / Tübingen bzw. Böblingen / Sindelfingen und Stuttgart.
Untersuchungsmethode

Im Mittelpunkt des Forschungsvorhabens stehen nicht die Versorgungseinrichtungen, ihre Umsätze, Standortentscheidungen und Werbestrategien, sondern die Kunden und ihre Einkaufsentscheidungen. Quantitative Kunden- und Haushaltsbefragungen bilden daher das Grundgerüst des empirischen Teils der Untersuchung. Die Untersuchung stützt sich auf etwa 5.000 Einzelbefragungen.

Ergebnisse

Die Kaufkraftbindung, als fiktives Verhältnis zwischen verfügbarer Kaufkraft und erzielten Umsätzen im Handel, ergibt für Reutlingen, Balingen und Mössingen Kaufkraftzuflüsse von außen, während sich für Tübingen, Hechingen und die übrigen Mittelzentren Abflüsse zeigen, besonders dramatisch im Falle Rottenburgs.

Die idealtypische Bewertung unterschiedlicher Einkaufsmöglichkeiten der Region ergab eine sehr deutliche Präferenz für die "malerische Altstadt" und integrierte Einkaufszentren/Fachmärkte. Demgegenüber tritt die Attraktivität der Stadtteile und Dörfer deutlich zurück. Die Einkaufsorientierung bei der Grundversorgung mit Lebensmitteln und sonstigen Gütern läßt erkennen, daß in vielen Gemeinden im ländlichen Raum der Region noch die Möglichkeit besteht, sich mit Lebensmitteln des täglichen Bedarfs zu versorgen. Ein großer Teil der auf diesen Produktbereich entfallenden Kaufkraft bleibt noch im Ort, während bereits ein Großteil der Alltagsprodukte aus dem non-food-Bereich außerhalb der Wohnorte eingekauft wird. Beim periodischen und episodischen Bedarf läßt sich eine interessante Auflösung der früher relativ eindeutigen Zentrenzuordnung beobachten. Für viele Warengruppen haben die Mittelzentren die Oberzentren als bevorzugte Einkaufsstandorte abgelöst. Die Ergebnisse der Nutzungsstrukturkartierung und der Ausstattungserhebung bilden die Grundlage für mögliche planerische Ansätze im Untersuchungsgebiet.

Literatur:
  • Abschlußbericht, Juli 1995
  • Schriftenreihe: "ELR-Forschung" 1996, Heft 3; Zu Beziehen bei der Europäischen Forschungsstelle für den Ländlichen Raum, Universität Hohenheim (521), 70593 Stuttgart

 

Fördernde Institution:  MLR / EFLR, Regionalverband Neckar-Alb,
Einzelhandelsverband Baden-Württemberg, Stadt Tübingen

Förderkennzeichen:EFLR - 93 . 04




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