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Agrarforschung

Die Ernährungszentren in Baden-Württemberg - Evaluation der Pilotphase

Despina Antonatou, Universität Karlsruhe, Institut für Soziologie

Untersuchungsgegenstand

Wie in der Landinfo Ausgabe 09/98 berichtet, sollten die Ernährungszentren in den vier Regierungsbezirken Baden-Württembergs eingerichtet werden. (Standorte: Ludwigsburg (eröffnet am 29.04.97), Offenburg (eröffnet am 28.09.97), Bad Waldsee (eröffnet am 25.11.97) und Karlsruhe (eröffnet am 02.12.97) ).

Die Ernährungszentren wurden eingerichtet als Zentren für Verbraucher, Zentren für Fachkräfte (Multiplikatoren), Zentren für Kooperation und Koordination. Die Schwerpunkte der Aktivitäten liegen im ernährungs-, gesundheits-, agrarpolitischen und ökologischen Bereich.

Für die Verbraucher bedeutet das:

  • Förderung eines guten Gesundheitszustandes durch Vorbeugung ernährungsbedingter Er-krankungen
  • Abbau von Unsicherheiten durch eine um-fassende und objektive Aufklärung über Ernähr-ungs- und Lebensmittelfragen und die Vermittlung von Kenntnissen über den sachgerechten Umgang mit Lebensmitteln und die Zubereitung von Speisen
  • Vermittlung von Kenntnissen auf der Produktionsebene

Hierzu stehen sowohl den Verbrauchern als auch den Multiplikatoren als stationäres Dauerangebot

  • Ausstellungen
  • ein Selbstinformations-Angebot
  • Filme, Videos
  • PC-gestützte Informationsprogramme.

Als zeitlich und räumlich befristetes Angebot

  • Fachvorträge, Kurse, Seminare (teilweise mit Praxisdemonstrationen), Aktionen und Ausstellungen.
    Besichtigungen z.B. von landwirtschaftlichen Betrieben.

Die Schwerpunkte der Aktivitäten der einzelnen Ernährungszentren orientieren sich an den regionalen Gegebenheiten. Dabei ist die Kooperation mit Organisationen und Institutionen wie Krankenkassen, Volkshochschulen, Ämtern, Vereinen, Verbänden und Untersuchungseinrichtungen unerläßlich. Mögliche Ziele sind u.a. die Veranstaltung gemeinsamer Aktionen, ein Angebot von Lehrgängen und Informationsaustausch.

Zielsetzung und Aufgaben

Bei der Evaluation sollten folgende Parameter ermittelt werden:

  • Reichweitenstruktur und -umfang
  • Motivation für den Besuch der Ernährungszentren,
  • Akzeptanz der durchgeführten Aktionen
  • Attraktivität des Ernährungszentrums
  • Informationsquellen der Besucher

Ein Teil der Untersuchung bestand aus der Dokumentation der Aktivitäten innerhalb und außerhalb der Zentren sowie der Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern, Multiplikatoren und den Medien. Weiterhin sollte die erfolgte Öffentlichkeitsarbeit und ihre Resonanz betrachtet werden.

Als wesentlicher Bestandteil sollten Schwierigkeiten aufgezeigt und mögliche Lösungsvorschläge unterbreitet werden. Die Analyse des erhobenen Materials sollte für die weitere Konzeption Hinweise liefern.

Untersuchungsmethoden

Für die Evaluierung der Reaktionen auf die Ernährungszentren wurden schrittweise mehrere Fragebögen als Erhebungsinstrumente entwickelt. Befragt wurden:

  • Teilnehmer, die zu öffentlich angekündigten Veranstaltungen kamen (über 15 Jahre)
  • Teilnehmer, die mit einer organisierten Gruppe kamen
  • Gruppenleiter
  • Schüler in Schulklassen (11 - 20 Jahre).

Die an den Ernährungszentren vorgenommenen Besucherbefragungen gehören verfahrensmäßig zum Typus der schriftlichen, standardisierten Umfragen.

In den Teilnehmer- und Gruppenleiter-Fragebögen wurden Angaben zu folgenden Bereichen gesamelt:

  • Informationsstatus zum Thema Ernährung
  • Charakteristika der Besuchsmotivation bzw. Be-suchsverlauf
  • Fragen über die Erwartungen an die Veranstaltung, Kenntnis über das Angebot, Beurteilung des Angebotes
  • Fragen über den Ort, Uhrzeit der Veranstaltung, max. Fahrzeiten zu den Veranstaltungen
  • Verhalten und Gewohnheiten (z.B. Kaufverhalten)

jeweils differenzierbar nach soziodemographische Merkmalen der Befragten

Weiterhin wurde die ausgeführte Öffentlichkeitsarbeit an zwei der vier Ernährungszentren über Gespräche mit den Mitarbeitern der Ernährungszentren und durch Sammeln von Presseberichten, Fachbeiträgen und Ankündigungen erfaßt und dokumentiert.

Auch im Schülerfragebogen wurde neben den soziodemographischen Daten die Beurteilung und die Zufriedenheit mit dem durchgeführten Unterricht bzw. der durchgeführten Veranstaltung, die Einschätzung der Wichtigkeit des Angebotes, das Themenangebot selbst, Informationsverhalten und Ernährungsgewohnheiten ermittelt.

Zusätzlich wurden auch Besucher von Sonderaktionen (wie Messebeteiligungen) erfaßt, z.B. durch Zählungen und Interviews in Form von "Stand-Befragungen". Bei den Aktionen wurde die Bekanntheit des Ernährungszentrums, das Informationsverhalten, die Besucher interessierenden Themen, der Gebrauch des vorhandenen Angebotes, soziodemographische Daten etc. erfragt.

Kooperationspartner und Multiplikatoren sollten per Interview gezielt angesprochen werden. Die Leitfaden-Interviews mit den Kooperationspartner, die nach vorhergehender terminlicher Absprache persönlich stattfanden, beinhalteten die Frage nach dem Grund der Kooperation, der Art der Kooperation, den Erfahrungen bei der Kooperation, der möglichen weiteren Zusammenarbeit und den Zielen.

Die Multiplikatoren wurden im telefonischen Gespräch interviewt. Gegenstand der Gespräche waren: Grund, Art und Erfahrungen der Zusammenarbeit sowie mögliche weitere Zusammenarbeit.

Grundlegende Ergebnisse

Während des Untersuchungszeitraumes gaben an den vier Ernährungszentren insgesamt 6.704 Teilnehmer, 1.058 Schüler, 290 Multiplikatoren und 1.320 Aktionsbesucher Auskunft per Fragebogen oder Interview.

Festzuhalten ist, daß während des gesamten Untersuchungszeitraums von Mai 97 bzw. Dezember 1997 bis Dezember 1998 insgesamt bei öffentlich angekündigten Veranstaltungen 4.412 Teilnehmer

  • als Gruppen 10.443 Teilnehmer
  • als Schulklassen 789 Schüler

Insgesamt 18 444 Personen das Angebot der Ernährungszentren in Anspruch genommen habe.

Relativiert und normiert man diese Zahlen aufgrund der unterschiedlichen Bezugszeiten auf ein Jahr, so nahmen in einem Kalenderjahr umgerechnet

  • in Ludwigsburg 4.685 Personen
  • in Offenburg 2.200 Personen
  • in Bad Waldsee 3.442 Personen
  • in Karlsruhe 4.008 Personen

zusammen 14.355 Personen

an allen vier Standorten am Vortrags- und Gruppenprogramm der Zentren teil. Dabei ist zu beobachten, daß die "städtischen Zentren" eine höhere Zahl von Personen für ihr Vortrags- und Gruppenprogramm erreichen konnten, als die sog. "ländlichen Zentren".

Die Quote der Wiederholungsteilnehmer ist im Mittel mit etwa 20% zu veranschlagen.

Dabei darf man den Multiplikatoreffekt der Besucher nicht unterschätzen. Unterstellt man einen Multiplikatorfaktor von ca. 5 (= Personen, denen der / die Besucher /-in von dem Besuch berichtet hat), so resultiert daraus eine Zahl von mehr als 60.000 Personen, die in einem Jahr direkt oder indirekt über die Existenz des Ernährungszentrums informiert wurden.

Weitere ca. 66.000 Besucher erhielten bei Aktionen auf Regionalmessen die Möglichkeit, sich ein Bild über Ziele, Aufgaben und Angebot des Ernährungszentrums zu machen. Auch hier kann ein Multiplikatoreffekt veranschlagt werden, der allerdings wegen der Einbettung des Standbesuchs in die Gesamteindrücke des Messebesuches mit einer Größenordnung von 1,5 geringer anzusetzen ist. Immerhin würde das eine indirekte Information von weiteren 100.000 Personen bedeuten. Diese "Information" dürfte allerdings weniger intensiv ausfallen als bei Veranstaltungsteilnahmen.

Addiert man -mit Vorbehalt -die Teilmengen, so würde sich eine Gesamtzahl von rund 160.000 Verbrauchern in Baden-Württemberg ergeben, die eine mindestens mittelbare Information bzw. einen indirekten Kontakt zu einem der Ernährungszentren erhalten haben. Das entspräche ca. 1,6% der Gesamtbevölkerung Baden-Württembergs oder auf die Bevölkerung der jeweiligen Landkreise bzw. Regionen umgerechnet (abzüglich der unter 11jährigen):

  • Ernährungszentrum Mittlerer Neckar: Landkreis Ludwigsburg 8%
  • Ernährungszentrum Südlicher Oberrhein: Landkreis Ortenau 9%
  • Ernährungszentrum Bodensee-Oberschwaben: Landkreis Ravensburg 16%
  • Ernährungszentrum Mittlerer Oberrhein: Land- und Stadtkreis Karlsruhe 8%
  • Region Stuttgart 2%
  • Region Südlicher Oberrhein 4%
  • Region Bodensee-Oberschwaben 7%
  • Region Mittlerer Oberrhein 6%

An dieser Stelle sei ergänzend angemerkt, daß zusätzlich zur Bevölkerung aus den genannten Landkreisen ca. 5% Einwohner anderer Landkreise im Umkreis der Ernährungszentren vom jeweiligen Zentrum angesprochen werden.

Hinzu kommen jene Personen, die über die Medienberichterstattung von den Ernährungszentren erfahren haben. Nach einer Schätzung des Ernährungszentrums Mittlerer Neckar in Ludwigsburg kann aufgrund der Auflagen der Zeitungen und Gemeindeblätter davon ausgegangen werden, daß ca. 200.000 Personen über diese Medien prinzipiell erreicht werden können.

Zu den soziodemographischen Merkmalen der Ernährungszentren-Teilnehmer ist festzustellen:

  • Es sind überproportional viele Frauen im Publikum vertreten. Es handelt sich um hauptsächlich verheiratete Personen (im Vergleich zur Bevölkerung von Baden-Württemberg)
  • Der Altersdurchschnitt ist relativ hoch (>40 Jahre). Es ist ein mäßiges Interesse der unter 40jährigen und besonders der unter 30jährigen zu verzeichnen
  • Die Erwerbsstrukturen zeigen enge Zusammenhänge zu Verteilungen nach Alter und Bildung. Die Veranstaltungen der Ernährungszentren werden überwiegend von "Hausfrauen" und "Angestellten" besucht

Als Gründe für den Besuch werden "Interesse" und "das Thema" am häufigsten genannt

Teilnehmer öffentlich angekündigter Veranstaltungen nehmen nur die Angebote wahr, die sie von vornherein interessieren, das übrige Angebot bleibt relativ unbeachtet. Gruppen bekommen durch Führungen einen besseren Einblick in die Arbeit des Ernährungszentrums und das dort vorhandene Angebot. Die im Ernährungszentrum meist parallel aufgebaute Ausstellung wird von den Vortragsbesuchern noch zu wenig als Bestandteil der Fachinformation wahrgenommen, die Infothek dient den Teilnehmern vor allem dazu, ausliegendes schriftliches Informationsmaterial mitzunehmen.

Bei den Gruppenteilnehmern macht sich die gute Vorbereitung durch die Multiplikatoren bemerkbar. Längere Verweilzeiten und gute Führungen in den Ernährungszentren bewirken, daß "mehr" an Wissen und Informationsmaterial mit nach Hause genommen wird.

Für die im städtischen Raum angesiedelten Ernährungszentren läßt sich erkennen, daß die Teilnehmer bereit sind, auch längere Fahrzeiten in Kauf zu nehmen, um eine Veranstaltung zu erreichen. Die Verbraucher in ländlichen Regionen sind hingegen etwas bodenständiger und wünschen sich ein Angebot in ihrer Nähe, insbesondere die älteren Personen.

Die erreichten Teilnehmer sprechen sich vor allem für die "klassischen" Angebotsformen aus: Vortrag, Seminar, Info-Broschüre, Besichtigungen, weniger werden von ihm die begleitenden Fachausstellungen gewürdigt. "Moderne" Formen der Informationsvermittlung wie Videothek, PC, interaktive Lernprogramme werden zwar oft gewünscht, ihre Handhabung erscheint aber für viele Nachfrager aufgrund mangelnder Erfahrung noch etwas problematisch. Bei den angesprochenen Teilnehmern kristallisiert sich eine positive Korrelation zwischen "sozialer Position" und spezifizierten Erwartungen an das Angebot in Inhalt und Form heraus. Die bei anderer Gelegenheit geäußerte positive Einstellung junger Besucher zu den "modernen" Medien wie PC, Videothek usw. die weitgehend der Selbstinformation dienen, läßt auf einen bereits vertrauten Umgang mit solchen Angeboten schließen.

Das Gesamtangebot der Ernährungszentren wird von den Teilnehmern durchweg mit "sehr gut" bzw. "gut" beurteilt. Diese Einschätzung bestätigt die Aussagen über die erfüllten Erwartungen und die weitgehend einheitliche Aussage, die jeweiligen Ernährungszentren weiterempfehlen zu wollen. Darüber hinaus erbrachte die Einschätzung der Wichtigkeit des Ernährungszentrums ebenfalls ein überragend zustimmendes Votum bei den Teilnehmern der öffentlich angekündigten Veranstaltungen.

Die Zufriedenheit der Teilnehmer spiegelt sich auch in der überwiegend vorhandenen Bereitschaft, einen Kostenbeitrag leisten zu wollen. Lediglich die jüngeren Jahrgänge (<30 Jahre) und Personen in Ausbildung standen dem nicht ganz so offen gegenüber.

Während die Veranstaltungszeiten hohe Akzeptanz fanden, wurde die Frage nach den Standorten kritisch kommentiert. Einwände galten vor allem der schlechten Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, der dezentralen Lage des Standortes, der schlechten Erreichbarkeit und der unzureichenden Beschilderung.

Bei allen vier Ernährungszentren ist deutlich zu erkennen, daß Werbemaßnahmen und Bericht-erstattung erheblich zur Aktivierung von Teilnehmern beitragen. Auffallend ist besonders der hohe Aufmerksamkeitswert, der durch Zeitungen und Gemeindeblätter erzielt wurde. Auch informelle Besuchsanregungen (Freunde, Bekannte) erzielen eine beträchtliche Breitenwirkung.

Bei der Nutzung der sogenannten "Neuen Medien" (Internet) liegen noch Möglichkeiten zur Ausweitung und Verbesserung der Information und Werbung, ebenso wie in den konventionellen Medien wie Fernsehen und Hörfunk sowie einer zusätzlichen Plakatierung, die bislang infolge fehlender Etats nur wenig genutzt wurden.

Zeitungen sind mit Abstand die meist genutzte Informationsschiene der Bevölkerung was das Thema "Gesunde Ernährung / Nahrungsmittelzubereitung" betrifft. Hörfunk und Fernsehen liegen deutlich dahinter zurück. Bei Personenkreisen mit höherer Bildung stehen diese sogar erst an dritter Stelle hinter der Lektüre von Fachliteratur. Auch informelle Kontakte spielen eine wichtige Rolle.

Bei den Schülern wurden nur die über 11jährigen in die Auswertung einbezogen, weshalb die Gruppe der Grundschüler in diesem Bericht nicht beachtet bzw. bewertet wird.

Unter den befragten Schülern überwiegt ebenfalls das weibliche Geschlecht. Der Grund: das Wahlpflichtfach der Realschulen "Mensch und Umwelt" (MUM mit seinem Schwerpunktthema "Ernähr-ung") spricht eher Mädchen an; andererseits erfolgen viele Besuche von Schülerklassen aus Ernährungswissenschaftlichen Schulen und Fachschulen für Hauswirtschaft. Die meisten Schüler waren mit der in Anspruch genommen Veranstaltung zufrieden und wünschen gelegentlich weiteren Unterricht durch eine Mitarbeiterin des Ernährungszentrums. Dementsprechend bejahten sie überwiegend die Frage, ob sie das Ernährungszentrum weiterempfehlen werden. Die drei für die Schüler interessantesten Themen waren: Schadstoffe in Lebensmitteln, Getränke - Alkoholika, Fast Food.

Die Infothek wird von Schülern überwiegend als wichtiges Medium eingestuft. Dennoch äußern sich Schüler zur Nutzung dieses Mediums eher zurückhaltend. Vielleicht haben Teile der Schülerschaft mit dem Wort "Infothek" andere Vorstellungen verbunden als eine thematisch gegliederte Sammlung von Schriften und Fachartikeln.

Für den städtischen Raum kann man zusammenfassend sagen, daß Jugendliche die "klassischen" Informations-Methoden wie Vorträge und Ausstellungen weniger favorisieren als Erwachsene. Deutlich wird eine Tendenz zur Bevorzugung interaktiver, moderner technischer Kommunikationsmedien. Andererseits besteht auch die Bereitschaft, etwas vor Ort zu erleben, wie z.B. bei Besichtigungen. Das über die städtischen Schüler Gesagte trifft teilweise auch für die in der ländlichen Region lebenden Schüler zu, wobei Besichtigungen dort weniger beliebt sind, vermutlich, weil sie weniger Neuheits- und Kontrastattraktivität aufweisen.

Auch bei den Multiplikatoren überwiegt der Anteil von Frauen. Der größte Teil ist im "sozialen-/pädagogischen Bereich" (zumeist Lehrer) tätig.

Die Gründe, die die Leiterinnen dazu veranlaßte, das Angebot des Ernährungszentrums in Anspruch zu nehmen, waren einerseits Bildungserweiterung und andererseits, zusätzliches Informationsmaterial zu offerieren. Weiterhin sollten junge Leute die Möglichkeit erhalten, sich über gesunde Ernährung zu informieren. Von den Multiplikatoren wurde gleichzeitig darauf aufmerksam gemacht, wie unerläßlich es ist, daß angehende Multiplikatoren, wie z.B. Lehrer/innen, Kenntnisse über diese Institution haben.

Bezüglich des Angebotes favorisierten sie für ältere Teilnehmer vor allem die Vorträge, Vorführungen und Besichtigungen. Auch die Infothek ist bei den Lehrern beliebt.

Der am häufigsten genannte Kritikpunkt war auch bei den Multiplikatoren der Standort der Ernährungszentren (relativ abseits vom Stadtzentrum, mit öffentlichen Verkehrsmitteln ungünstig zu erreichen etc.). Als sinnvoll erachteten sie z.B. eine Einrichtung an einem zentralen Ort, so daß das Laufpublikum jederzeit die Möglichkeit hat, sich zu informieren. Es sollte weiterhin verstärkt Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden. Vor allem in den Schulen sollten die Aktivitäten der Ernährungszentren nach Auffassung der Lehrer vermehrt vorgestellt werden.

Die Multiplikatoren äußern sich einstimmig für die Idee der Ernährungszentren als sinnvolle, wichtige und notwendige Institution, die auf jeden Fall erhalten werden sollte.

Bei den Gesprächen mit den Kooperationspartnern stellte sich heraus, daß gemeinsame Interessen zu einer schnellen, formellen und informellen Kooperation geführt haben. Die Kontakthäufigkeit definiert sich natürlich durch die Bedürfnisse der Partner. Aufgrund der durchweg positiven Berichte ist die Kontaktpflege und Kontaktpolitik der Mitarbeiterinnen der Ernährungszentren richtig dosiert und bedarf keiner Korrektur.

Die Flexibilität der Mitarbeiter der Ernährungszentren wird sehr geschätzt, denn jeder Partner hat spezielle Wünsche, die durch die Dienstleistungen des Ernährungszentrums ergänzt und unterstützt werden.

Je nach Partner (VHS, Schulen etc.) fallen die Aktions- und Kooperationscharakteristika aus. Alle angesprochenen Kooperationspartner planen nach ihren Bedürfnissen die Dienstleistungen der Ernährungszentren in Zukunft in Anspruch zu nehmen, d.h. nach der Erprobungsphase wird eine hohe Nachfrage nach Kooperation gegeben sein. Die äußeren Bedingungen und die Kapazität der Ernährungszentren entscheiden, ob diese Leistungen (wofür die Nachfrage garantiert ist) in größerem oder geringerem Umfang in Anspruch genommen werden können.

Aus den Gesprächen mit den Kooperationspartnern konnte entnommen werden, daß die Existenz der Ernährungszentren absolut berechtigt ist. Die Institution Ernährungszentrum genießt vollstes Vertrauen; die Fachkenntnisse der Mitarbeiterinnen und das gesamte Angebot werden hoch geschätzt.

Befürchtungen, daß das Ernährungszentrum zu einer Konkurrenz bestehender Einrichtungen werden kann, werden von den Kooperationspartnern, die genau diese Einrichtungen repräsentieren, nicht vertreten.

Im Hinblick auf die Arbeit der Mitarbeiterinnen muß unterstrichen werden, daß sie das gesamte Arbeitsspektrum von der Organisation, Koordination, Durchführung von Veranstaltungen und Aktionen, verwaltungstechnischen Aufgaben, Öffentlichkeitsarbeit, Kontaktknüpfung und die Kontaktpflege zu Multiplikatoren sowie Kooperationspartnern alleine bewältigt haben.

Es ist festzuhalten, daß die Erstjahres-Bilanz insbesondere im Hinblick auf die begrenzten Ressourcen außerordentlich gut ist. Das ermutigende quantitative Ergebnis kann als Ansporn gewertet werden, den positiven Eindruck in den kommenden Jahren zu verfestigen.

Aus den Erkenntnissen, die bei der Beobachtung der Besucher gewonnen wurden, kann festgehalten werden, daß der persönliche Einsatz der Mitarbeiterinnen wesentlich zur Steigerung des Bekanntheitsgrades der Ernährungszentren geführt hat.

In kurzer Zeit ist es den 4 Modell-Ernährungs-zentren gelungen ist eine Spektrum von Informationsangeboten zu den Themenbereichen Ernährung und Lebensmittelqualität entsprechend ihrem Dienstauftrag bereitzustellen. Das Angebot wurde von unterschiedlichen Gruppen der Bevölkerung schnell in hohem Maße genutzt.

Die Resonanz der Besucher ist sehr positiv, die meisten wollen die Leistungen der Ernährungszentren weiterempfehlen. Dezentrale, teils etwas abgelegene Standorte erschweren die Nutzung der Leistungen für mögliche Interessenten, so insbesondere für ältere Personen ohne PKW.

Für eine weitere und flächendeckende Nutzung entsprechender Leistungen wird eine Ausweitung der Zahl der Ernährungszentren auf ca. 10 in Baden-Württemberg empfohlen, was für ca. 80% der Bevölkerung den Besuch eines Ernährungszentrum mit einem Anfahrweg von weniger als 30 km erlaubte. Durch eine Intensivierung der Werbung (PR-Arbeit, Plakatieren usw.) und durch die zusätzliche Nutzung neuer Medien, z.B. über Internet, könnte der Grad der Effektivität und der Nutzung der Leistungen der Ernährungszentren noch weiter erhöht werden.

 

Literatur
Abschlußbericht, Juli 1999

 

Fördernde Institution
MLR

Förderkennzeichen
0064




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