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Agrarforschung

Alternativen zur herkömmlichen Mähnutzung im Europareservat Federseeried

M. Elsäßer 1) , M. Armbruster 1) , R. Wesner 1) , G. Briemle 1) , H. Nußbaum 1) ,
T. Jilg 1) , H.G. Kunz 1) , J. Einstein 2) und S. Schwab 3)                                                
1995 - 1996

1) Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung und Grünlandwirtschaft Aulendorf
2) Naturschutzzentrum des Naturschutzbundes, Bad Buchau
3) Bezirksstelle für Naturschutz, Tübingen

Problemstellung

Das Federseeried wird derzeit von drei bislang konkurrierenden Interessensbereichen genutzt:

Die Landwirtschaft verwertet den Grünlandaufwuchs über die Rindviehhaltung und ist bemüht früh zu nutzen, um qualitativ hochwertiges Futter zu erzeugen.

Der Naturschutz sucht den Lebensraum für gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und sieht sich gezwungen, die landwirtschaftliche Nutzung durch Auflagen einzuschränken.

Für Ortsansässige und Kurgäste ist der Erholungswert des Federseerieds von besonderer Bedeutung. Um ein ansprechendes, traditionell gewohntes Landschaftsbild zu bewahren, muß das Brachfallen und Verbuschen von Grünlandflächen in größerem Umfang vermieden werden.

Im Rahmen des vom Ministerium für Umwelt und vom Ministerium Ländlicher Raum zu gleichen Teilen geförderten Forschungsvorhabens wurden verschiedene Alternativen zur Verwertung von Biomasseaufwüchsen aus nach unterschiedlichen Naturschutzauflagen bewirtschafteten Flächen untersucht. Durch diese Auflagen, vor allem Restriktionen hinsichtlich des Nutzungstermines, sollen einerseits die Landschaft und andererseits die Lebensgrundlagen seltener Pflanzen und Tiere erhalten werden. Neben der Verwertung des Mähgutes als Futtergrundlage für die Haltung von Mutterkühen, deren Ansprüche an die Futterqualität geringer als die von Milchkühen sind, wurden aber noch weitere, hier nicht dargestellte Alternativen einer kritischen Analyse unterzogen. Die Aufwüchse wurden demzufolge auf ihre Tauglichkeit hinsichtlich der Verwendung als Einstreu, zur Kompostierung oder zur Verbrennung der Biomasse überprüft.

Untersuchungsmethode

Der ausgewählte Landwirtschaftsbetrieb befindet sich auf der Gemarkung Bad Buchau. Ein Teil der Versuchsflächen liegt in der geplanten Süderweiterung des Naturschutzgebiets Federseeried, die übrigen Versuchsflächen liegen außerhalb des Naturschutzgebiets. Desweiteren standen für Einzelerhebungen auch Landschaftspflegeflächen im seenahen Bereich zur Verfügung. Die Versuchsflächen wurden entsprechend der von Seiten des Naturschutzes ausgestalteten und vertraglich abgesicherten Extensivierungsvarianten nach 4 Intensitätsstufen genutzt.

  1. standortsüblich (”relativ intensiv”, drei Nutzungen, Zeitpunkt beliebig)
  2. Umstellungsflächen (”relativ extensiv”, zwei Nutzungen ab Anfang Juli)
  3. extensiv (1 Nutzung ab Mitte Juli)
  4. Streuwiesen (Landschaftspflege, 1 Nutzung alle zwei Jahre Anfang August).

Die Auswirkungen der Naturschutzvorgaben wurden hinsichtlich des Pflanzenbestandes, der Erträge, der Futterqualität, der Konservierbarkeit und der Futterakzeptanz erfaßt. Anschließend werden die konkreten Einkommenswirkungen für einen landwirtschaftlichen Beispielsbetrieb dargestellt. Neben der Einstufung nach der Nutzungsintensität wurden die Versuchsflächen auch mittels Zeigerpflanzen in die Bodenfeuchtekategorien frisch, feucht und naß eingeteilt. Letztlich entstanden 31 Versuchsparzellen, die entweder gemäht oder beweidet wurden.

Ergebnisse

1. Grundsätzlich wird die Weidewirtschaft im Federseeried durch die teilweise sehr tiefen Gräben und die raschen Veränderungen des Grundwasserstandes bei Niederschlägen beeinträchtigt. Eine wirtschaftliche Weidehaltung ist langfristig eher durch großräumige Standweiden mit Anschluß an trockene Standorte zu erreichen, weil bei langanhaltenden Regenperioden der Grundwasserstand mitunter so hoch ansteigt, daß ein Verbleiben der Rinder auf den Weiden zu massiven Trittschäden führen würde. Abhilfe kann durch Bereitstellung von Rückzugsflächen auf Mineralboden oder durch vorübergehende Aufstallung geschaffen werden.

2. Die standortsüblich genutzten Flächen sind für die Beweidung geeignet. Die Energiedichte im Futter bei Beweidung von Umstellungsflächen ab 1. Juli reicht für Mutterkühe aus, wenn den Tieren ausreichend Möglichkeit zur Futterselektion gegeben wird. Der Weiderest steigt jedoch dann stark an. Das Futter des ersten Aufwuchses von Extensivflächen mit Nutzung ab dem 15. Juli ist zur Beweidung nicht geeignet. Bei solchem Futter ist nicht von einer befriedigenden Leistung auszugehen. Das Futter von Extensivflächen sollte deshalb sinnvollerweise in Winterfutterrationen eingebaut werden. Futter dieser Qualität ist als Strohersatz, allerdings bei vergleichsweise besserer Futteraufnahme einzustufen.

3. Für die Verwertung von extensiv erzeugtem Futter sind die Rassen Fleckvieh und Hinterwälder gleichermaßen geeignet. Eine saisonale Abkalbezeit im zeitigen Frühjahr in Verbindung mit Absetzen vor der Aufstallung im Herbst wäre eine Variante, bei der die Kühe mit einer billigen Futterration überwintern könnten. Damit wäre allerdings eine kontinuierliche Marktbeschickung nicht möglich. Futter von Streuwiesen mit hohem Seggenanteil ist dagegen für die Rinderfütterung nicht geeignet. In der Pferdefütterung könnten solche Futterpartien allerdings durchaus eingesetzt werden, wenn sie nicht verpilzt sind und keine Leistung erbracht werden muß.

4. Die ökonomische Bewertung der Grünlandnutzungsalternativen im Federseeried zeigte, daß eine extensive landwirtschaftliche Nutzung des Federseerieds ohne Fördermittel, weder über Heuverkauf, noch über Mutterkuhhaltung rentabel ist. Ein akzeptables Gesamteinkommen für einen landwirtschaftlichen Betrieb kann unter Anrechnung der derzeit gültigen Fördermittel nur über einmalige Schnittnutzung in Kombination mit Heuverkauf erzielt werden. Dies setzt jedoch voraus, daß die restliche Arbeitskapazität des Betriebs in anderen landwirtschaftlichen Betriebszweigen oder außerhalb der Landwirtschaft rentabel verwertet werden kann. Der größte Teil des Grünlands im Federseeried wird immer noch standortsüblich genutzt und die Aufwüchse über Milchviehhaltung verwertet. Große Probleme hinsichtlich der Flächenverwertung sind daher in Zukunft dann zu erwarten, wenn die Milchviehhaltung drastisch zurückgehen sollte. Da der Futterwert der Aufwüchse (Silage und Heu) von "standortsüblich" genutztem Grünland so gut ist, daß eine Verwertung über Milchviehhaltung erfolgen kann, sollten im Federseeried entwicklungsfähige Milchviehbetriebe in ausreichender Zahl erhalten werden.

5. Hinsichtlich der Rentabilität der Mutterkuhhaltung kommt der Vermarktung des Fleisches besondere Bedeutung zu. Dabei ist zu beachten, daß spezielle Wünsche der Konsumenten, wie etwa regionale Erzeugung, Schlachtung und Vermarktung von Rindfleisch, nicht gleichzusetzen sind mit einer höheren Zahlungsbereitschaft für derartige Produkte. Zudem sind aufgrund der sehr geringen Rentabilität der Mutterkuhhaltung größere Investitionen, trotz hoher Fördermittel, in der Regel nicht tragbar. Mutterkuhhaltung kann daher meist nur über die Direktvermarktung bei Nutzung von Altgebäuden rentabel betrieben werden.

6. Wichtig ist es jedoch, von Seiten der Naturschutzverwaltung regelmäßige Erfolgskontrollen durchzuführen, damit durch rechtzeitige Nutzungsänderungen flexibel auf ungewollte Bestandesveränderungen reagiert werden kann.

7. Die Untersuchungen zu den Brennstoffeigenschaften des Heus aus dem Federseeried zeigen, daß das untersuchte Material ähnliche Brennstoffeigenschaften wie Stroh, bei allerdings höheren Stickstoffgehalten, hat. Die daraus resultierende Stickoxidbildung kann durch Primärmaßnahmen vermindert werden. Der Verschlackungsgefahr aufgrund niedriger Ascheerweichungstemperaturen kann durch geeignete feuerungstechnische Maßnahmen begegnet werden.

 

Literatur:
Abschlußbericht, Juni 1997

 

Fördernde Institution:   Ministerium für Umwelt und
Ministerium Ländlicher Raum

Förderkennzeichen: 20940601  
Projekt Angewandte Ökologie (PAÖ)




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