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Agrarforschung

Verbreitung und waldbauliche Beurteilung der Brombeeren (Rubus fruticosus agg.) in Baden-Württemberg

M. Schreiner, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt; Freiburg, Abteilung Botanik und Standortskunde
April 1998 – Dezember 1999

Problemstellung

In den letzten Jahren häufen sich Berichte von Forstämtern in Baden-Württemberg über eine starke Zunahme von Brombeeren in den Wäldern. Das vermehrte Auftreten wird nicht nur auf Freiflächen sondern auch unter Kronenschirmen beobachtet. Auf diesen Flächen verdrängen Brombeeren nach den vorliegenden Berichten die gepflanzten Jungwüchse oder verhindern eine natürliche Ansamung. Daher werden Kulturflächen aber auch natürlich zu verjüngende Flächen freigeschnitten.

Ziel

Da die bisherigen Berichte zur Auswirkung von Brombeeren nur auf lokalen Beobachtungen beruhen, war es Ziel des Projekts:

  1. Eine Vorstellung über Brombeervorkommen im Land zu bekommen.
  2. Die Auswirkung ihrer Überschirmung auf Samenverlust und auf Tannen- sowie Fichten-Jungwüchse einzuschätzen.
Untersuchungsmethoden

Um einen Überblick zum Vorkommen von Brombeeren in den Wäldern Baden-Württembergs zu erhalten, wurde ein fünfseitiger Fragebogen an alle Forstreviere ausgegeben. Die Rückläufe wurde mit Hilfe einer relationalen Datenbank verwaltet und ausgewertet (Programm Access).

Die Bedeutung der Überschirmung auf den Samenverlust und die Jungwüchse wurde in der Region "Oberer Neckar" auf der Ostabdachung des Schwarzwaldes untersucht. Samenverluste wurden über Auslage von Tannen- und Fichtensamen in Futterschalen auf Flächen mit und ohne Brombeeren eingeschätzt. Die Auswirkung der Brombeeren auf Tannen- und Fichten-Jungwüchse wurde über Saat-, Pflanzversuche und Kartierungen auf Flächen mit unterschiedlicher Brombeerbeschirmung ermittelt. Für die Saatversuche wurden gegen Maus- und Vogelfraß gesicherte Saatkästen gebaut. Diese wurden unter verschiedenen Brombeerdichten aufgestellt. Bei den Pflanzversuchen wurden drei Varianten angelegt:

  • von Brombeeren gerodete Flächen,
  • freigeschnittene Flächen
  • Brombeeren mit Deckungsgraden >100%.

Die Tannen und Fichten standen zwei Jahre auf den Versuchsparzellen. Bei der Flächenkartierung wurde auf einer ca. 15 ha großen Fläche Jungwüchse unter verschiedenen Brombeerdichten aufgenom-men. Bei allen Versuchen wurden Tannen und Fichten gezählt und vermessen, bei den Saat- und Pflanzversuchen zusätzlich auch die Trockengewichte.

Ergebnisse

1. Vorkommen von Brombeeren

Von den ausgegebenen Fragebögen kamen 1254 zurück. Dies entspricht bei den staatlichen und kommunalen Forstrevieren einem Rücklaufquotient von 95% bei der Bundesvermögensverwaltung von 75%. Zusätzlich beteiligten sich noch 34 Privatforstbetriebe.

Brombeeren kommen danach landesweit vor. In Höhenlagen unterhalb 700 mNN sind sie häufig und meist mit größerer Flächenausdehnung vorhanden. Mit zunehmender Höhenlage wird ihr Anteil geringer. Sie treten aber auch auf dem Feldberg auf. Neben der Höhenlage hängt das Brombeervorkommen auch vom Substrat und der Überschirmung ab. Häufig werden höhere Vorkommen auf lehmigen Substraten gemeldet. Dort treten sie massiv auf Freiflächen auf, aber auch unter dem Kronenschirm von > 50-jährigen Nadelbäumen mit einschichtiger Bestandesstruktur. Vorkommen unter Laubbäumen (besonders Buchen) sind eher die Ausnahme.

2. Bedeutung der Überschirmung

Auf allen Versuchsflächen kam nur Rubus pedemontanus Pinkwart vor. Daher gelten die nachfolgenden Aussagen auch nur für diese Brombeerart. Bei den Flächenkartierungen wurden auch unter Brombeerdichten mit einem Bedeckungsgrad von >2/3 - Keimlinge und unterschiedlich alte Jungwüchse gefunden. Auffällig war, dass der Anteil der Keimlinge bei Fichten im Vergleich zu Tannen hoch, derjenige der älteren Jungwüchse aber niedriger war. Auch traten wenige ältere und höhere Fichten trotz dichter Beschirmung auf.

2.1 Samenverluste

Verursacher der Samenverluste von Tannen und Fichten waren Mäuse. Innerhalb weniger Tage leerten sie die Futterschalen. Mit hoher Präferenz wurden Fichtensamen aufgenommen. Auch suchten Mäuse selektiv keimfähige Samen heraus. Unter Brombeeren waren die Samenverluste deutlich höher als auf freigeschnittenen Flächen.

2.2 Saatversuche

Unter Brombeeren keimten mehr Tannen und Fichten als auf freigeschnittenen bzw. brombeerlosen Flächen. Mit zunehmender Brombeerdichte nahm die Anzahl überlebender Sämlinge ab. Unter dichten Brombeeren überlebten noch rund 8% der Tannensämlinge und 1% der Fichtensämlinge. Die überlebenden Sämlinge hatten mit zunehmender Konkurrenz geringe Längen und Trockengewichte. Bei den Längenwerten reagierten die Sämlinge deutlich über verkürzte Wurzellängen, während die Sprosslängen bei Fichten ein sog. Etiolement zeigten. Empfindlicherer Zeiger bei zunehmender Konkurrenz waren die Trockengewichte. Die Pflanzen reagierten schon bei geringem Konkurrenzdruck mit geringerer Produktion von Trockensubstanzen. Besonders betroffen waren die Wurzelgewichte, während die Nadelgewichte langsamer reduziert wurden.

2.3 Pflanzversuche

Die Konkurrenz von Brombeeren führte auf der freigeschnittenen Fläche durch die noch vorhandenen Wurzelkonkurrenz zur Abnahme der Trockensubstanzen. Unter hoher Brombeerdichte starben mehr Fichten und Tannen nach zweijähriger Konkurrenz ab. Auch nahmen die Trieblängen und Gewichte ab. Tannen verlagerten die Längenzuwächse vom Terminaltrieb auf die Seitentriebe.

Konsequenzen für die Praxis

In einschichtigen Nadelwäldern unterhalb von 700mNN sind auf lehmigen Substraten Brombeeren mit höheren Deckungsgraden zu erwarten, sobald Licht an den Boden gelangt. Höhere Brombeerdichten führen zu hohen Samenverlusten durch Mäuse und zusätzlich zu hohen Ausfällen von Jungwüchsen. Sie beeinflussen Fichten stärker als Tannen. Eine Naturverjüngung von Tannen Fichten-Wäldern ist aber nach den Untersuchungsergebnissen zumindest bei längeren Verjüngungsverfahren nicht ausgeschlossen.

Literatur
  • Schreiner, M.; Grunert, U. (in Vorb.): Verbreitung und waldbauliche Beurteilung der Brombeeren (Rubus fruticosus agg.) in Baden-Württemberg. Abschlussbericht

 

Fördernde Institution
MLR

Förderkennzeichen
55-98.0023.E




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