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Agrarforschung

Ursachen von Fruchtdeformationen bei der Himbeere

G. Muster, Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Obst- und Weinbau - Weinsberg
1995 - 1998

Problemstellung

Seit ca. 1985 wurde ein Zerkrümeln der Himbeerfrucht bei der Ernte beobachtet. Dies wird als Krümelfrüchtigkeit bezeichnet. Die Krümelfrucht ist gekennzeichnet durch:

  • eine kleinere Fruchtgröße im Vergleich zur nor malen Frucht
  • die einzelnen Steinfrüchtchen sind größer als normal (blasig aufgetrieben)
  • es sind weniger Einzelbeeren vorhanden als normal

Ähnliche Symptome können von verschiedenen Viren, besonders dem Himbeerverzwergungsvirus (RBDV) verursacht werden. Es konnte jedoch kein Virus nachgewiesen werden. Als weitere mögliche Ursachen kommen physiologische Streßfaktoren und die in vitro Vermehrung in Frage.

Ziel

Es wurden drei mögliche Ursachenbereiche bearbeitet.

a) In den Versuchen zur in vitro Vermehrung (Vergleich von Regeneratpflanzen aus in vitro Achselknospen bzw. in vitro Sproßspitzen mit konventionell vermehrten Pflanzen; Cytokininsteigerung im Nährmedium während der in vitro Phase) sollte geprüft werden, ob durch die in vitro Kultur die Mutationsrate verändert oder die Fruchtqualität negativ beeinflußt wird.

b) Die Temperaturerhöhung ist ein physiologischer Streßfaktor, der durch eine Folienüberdachung erreicht wurde.

Durch die klimatisierenden Bewässerungsverfahren (Temperaturabsenkung, Erhöhung der Luftfeuchte) sollte der Streß der Himbeerpflanzen reduziert werden. Es sollte mit gängigen Verfahren geprüft werden, ob diese Streßfaktoren (hohe Temperatur, geringe Luftfeuchte) die Krümelfrüchtigkeit auslösen bzw. fördern.

c) Die Prüfung verschiedener Sorten ('Schönemann', 'Moy 5', 'Autumn Bliss', 'Korbfüller') sowie die befruchtungsbiologischen Untersuchungen sollten zeigen, inwieweit genetische Vorgaben die Krümelfrüchtigkeit bedingen.

Daraus sollten Strategien für den Praktiker entwickelt werden, um den Anteil an Krümelfrüchten zu reduzieren.

Untersuchungsmethode

Im Versuchsgut Heuchlingen der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg wurden Feldversuche gepflanzt. Es wurden vegetative Merkmale (Rutenlänge, Rutenstärke, Rutenzahl) erfaßt sowie Ertrag, Fruchtgröße und Fruchtqualität ermittelt.

Ergebnis

In allen Versuchen konnten zwei Formen der Krümelfrüchtigkeit unterschieden werden. Einerseits wurden Ruten (1 - 5 Ruten von 20 Ruten) gefunden, die ausschließlich krümelige Früchte aufwiesen. Diese sind möglicherweise auf somatische Mutationen zurückzuführen. Diese Annahme wird zur Zeit geprüft.

Andererseits wurden in allen Versuchen krümelige Früchte geerntet, die unabhängig von der Position an der Rute und nur vereinzelt auftraten. Solche Krümelfrüchte werden möglicherweise durch Streßfaktoren verursacht.

Es konnte im Versuchszeitraum kein Zusammenhang zwischen in vitro Vermehrung (a) und dem Auftreten der Krümelfrüchtigkeit gefunden werden. Auch erhöhte Cytokiningehalte im Kulturmedium während der in vitro Phase erbrachten keine gesichert höheren Anteile an Krümelfrüchtigkeit.

Physiologische Streßfaktoren (b) wirken zum Einen während der Blüte- und Reifungsphase und zum Anderen im Zeitraum der Blütenknospendifferenzierung. Im Beobachtungszeitraum konnte kein gesicherter Einfluss der Streßfaktoren auf das Auftreten solcher Fruchtdeformationen nachgewiesen werden. Der Beobachtungszeitraum war zu kurz, um insbesondere dem Effekt auf die Blütenknospendifferenzierung ausreichend beurteilen zu können. Jedoch wurden Ertrag und Rutenlänge unter der Folienüberdachung gefördert. Die Sprühverfahren hatten insbesondere einen fördernden Effekt auf die Wüchsigkeit.

Die mikroskopischen Untersuchungen (c) zeigten, dass bei Krümelfrüchten beide Samenanlagen degeneriert sind.

Konsequenzen für die Praxis

Die Vermehrungsart (in vitro Kultur oder konventionell) ist von vergleichsweise geringer Bedeutung, sofern das Pflanzmaterial virusfrei, homogen und von hoher Qualität ist. Die Anzahl an Subkulturen sollte während der in vitro Vermehrung begrenzt

sein. Vor einer Vermehrung sollte auch die Fruchtqualität beurteilt werden. Die Beobachtungen werden fortgesetzt.
Der Forschungsbericht enthält ein umfassendes Literaturverzeichnis. Das Verzeichnis ist bei der Verfasserin erhältlich.

 

Literaturhinweis
Abschlußbericht Mai 1999

 

Fördernde Institution
MLR

Förderkennzeichen
24-95.20




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