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Agrarforschung

Untersuchungen zur schnellen Bestimmung von Krankheiten im Getreide durch Landwirte bzw. Berater

Landesanstalt für Pflanzenschutz, Stuttgart
U. Strack und Dr. P. Harmuth                                                   
Oktober 1994 - September 1995

Problemstellung

Voraussetzung für die gezielte Bekämpfung von Getreidekrankheiten im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes sind die einwandfreie Diagnose und Quantifizierung von Erregern sowie ergänzende Prognosen über zu erwartende Befallsstärken und Schäden. Zur Beurteilung der aktuellen Befallssituation stehen in den letzten Jahren neu entwickelte Nachweis- und Prognoseverfahren zur Verfügung: (Halmbruch: Färbe- (Mauler-Machnik, Nass) und Advisor-Test (DuPont); Blatt- und Ährenseptoria: Septoria Watch (Geigy) und Elisa-Test (DuPont); PRO_PLANT: Computergestütztes Beratungssystem für Getreidekrankheiten (Inst. f. Agrarinformatik, Münster). Sie sollen die Treffsicherheit und Qualität der Entscheidungsfindung für Berater und Landwirte wesentlich verbessern. Anstelle der Orientierung von Maßnahmen an Kulturpflanzenstadien bzw. typischen Schadsymptomen werden infektionsbezogene und sehr frühzeitige Entscheidungen möglich.

Ziel

Im Rahmen des Forschungsprojektes waren Diagnose- und Prognoseverfahren zusammenzustellen und diese auf Praxistauglichkeit für Berater oder Landwirt und praktische sowie organisatorische und logistische Einsatzfähigkeit in der Beratung zu überprüfen. Die Möglichkeiten zur Verbesserung des gezielten Fungizideinsatzes durch die Prognoseverfahren waren zu evaluieren. Erkenntnisse über die Voraussetzungen für und die Anforderungen an eine regionalisierte computergestützte Beratungsorganisation sollten gewonnen werden. Bei positiven, praxisrelevanten Ergebnissen sollte die Nutzung und Einführung solcher Entscheidungshilfen in der Beratung angestrebt werden.

Untersuchungsmethode

Es wurden Literaturrecherchen gemacht, Feldversuche angelegt, Laboruntersuchungen durchgeführt und Diagnosen sowie Prognosen bewertet.

Ergebnis

Advisor Halmbruchtest

Auffällig waren größere Schwankungen bei den ermittelten Befallszahlen von gleichlaufenden Varianten zu gemeinsamen Erhebungsterminen. Außerdem bestanden Differenzen zwischen den Analyseergebnissen der Labors.

Färbetest

Die mit dem Färbetest gewonnenen Ergebnisse waren nicht immer eindeutig, die Prognosen teils zutreffend, teils falsch. Bei unter der Bekämpfungsschwelle liegenden Befallshäufigkeiten kam es vor, daß sich die Halmbruchkrankheit bis zur Milchreife sehr stark weiterentwickelte, auch das Gegenteil war der Fall.

Septoria Watch

Mit Septoria Watch konnte das Vorhandensein von Septoria tritci und Septoria nodorum frühzeitig, vor Ausbruch der Symptome, erkannt werden. Die Behandlungsempfehlungen von Ciba basierten auf den Elisa-Werten. Die Empfehlungen werden für zu pauschal und allgemein gehalten, schon durchgeführte Maßnahmen blieben bei späteren Empfehlungen unberücksichtigt.

Advisor Septoria

Auch der Septoria-Test beruht auf dem Elisa-Verfahren. Die Befallsdiagnose der beiden Septoria -Arten war wie bei Septoria-Watch zuverlässig. Für die Behandlungsempfehlungen waren schlagspezifische Daten zu berücksichtigen. Befallseinstufungen bzw. Bekämpfungsschwellen sollten verfügbar sein, da die absoluten Elisa-Werte im Hinblick auf erforderliche Maßnahmen nicht selbst zu bewerten sind.

PRO_PLANT

PRO_PLANT berechnet mit aktuellen Wetterdaten und schlagspezifischen Parametern die Wahrscheinlichkeit von Krankheitsinfektionen. Die Empfehlungen waren sehr gut. Sie bauen aufeinander auf, bereits durchgeführte Fungizidapplikationen wurden berücksichtigt. Bei Ertrag und Wirtschaftlichkeit war die PRO_PLANT-Variante in der Regel den anderen überlegen. Die veränderte PRO_PLANT-Variante mit gleichen Mitteln aber herkömmlichen, vollen Aufwandmengen waren weniger wirtschaftlich. Insbesondere in der Schoßphase kann die rechtzeitige Anwendung reduzierter Mengen leistungsfähiger Fungizide ausreichend sein. Der Aufwand für die Datenerhebung, -eingabe und -auswertung ist nicht unerheblich. Wegen der Gefahr von Fehldiagnosen und relativ hoher Kosten bei Einzelanwendung eignet sich das Expertensystem mehr für Organisationen mit gut ausgebildeten Beratern als für einzelne Landwirte. PRO_PLANT wird als geeignetes System für die Beratung zur Optimierung von Pflanzenschutzmaßnahmen im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes angesehen.

Konsequenzen für die Praxis

Halmbruchdiagnose

Die geprüften Verfahren sind in erster Linie für die Anwendung durch gut geschultes Beratungspersonal geeignet.

Mit dem Advisor-Halmbruchtest (serologischer Elisa-Test) wird das Befallsrisiko in niedrig, mittel oder hoch eingestuft. Eine Behandlung wird generell empfohlen, dabei wird die Aufwandmenge von Harvesan entsprechend gestaffelt (0,8; 1,0; 1,2 l/ha). Vermutlich wird wegen der frühzeitigen Entscheidungsnotwendigkeit und der ungewissen, insbesondere von der späteren Witterung (Mai, Juni) noch abhängenden, Krankheitsentwicklung von Empfehlungen Abstand genommen, die keine Behandlung vorsehen. Bei guter Kenntnis der Widerstandsfähigkeit der Sorte, der Anbaulage, der langjährigen Witterungsverhältnisse und pflanzenbaulich relevanter Parameter sollte dies nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Größere Schwankungen zwischen den ermittelten Befallsgraden deuten auf möglicherweise vorhandene Defizite bei der Probenahme hin.

Nach dem Färbetest von Mauler-Machnik umgesetzte Annahmen trafen für die durchgeführten Feldversuche nur zum Teil zu. Der Zeitaufwand für die Einarbeitung und die Durchführung des Verfahrens ist hoch, labortechnisches Geschick wird vorausgesetzt. Die Prognosen, die auf die Befallshäufigkeit der 2. Blattscheide in den Entwicklungstadien EC 31 bzw. 37 beruhen, sind wegen der Beeinflussung des Halmbrucherregers durch den weiteren Witterungsverlauf unsicher.

Bei beiden Verfahren lagen die Erträge der gegen Halmbruch behandelten Versuchsglieder über denen der unbehandelten Kontrollvarianten. Die frühe Anwendung (EC 31/32) von Fungiziden mit guter Wirksamkeit gegenüber Halmbruch und früh auftretenden Blattkrankheiten übertrafen die Erträge bei alleiniger Halmbruchbehandlung. Bei der Wirtschaftlichkeit war dies ebenso, allerdings fielen die Unterschiede zwischen den behandelten Varianten wegen differenter Mittelkosten vergleichsweise gering aus.

Die Elisa-Verfahren der Firmen Ciba und DuPont ermöglichen eine frühzeitige, genaue und zuverlässige Diagnose von septoria tritici und nodorum. Die Landwirte können das firmenspezifische Angebot im Rahmen einer Beratung kostenlos nutzen. Die Untersuchungen setzen Labors voraus mit technisch hochwertigen Geräten und einer kurzfristig hohen sowie schlagkräftigen Untersuchungskapazität, sie sind daher relativ personal- und kostenintensiv. In der Mehrzahl der Versuche war die Wirkung der nach unserem Versuchsplan vorgesehenen Fungizide Simbo und Taspa ungünstiger als andere Mittel (Harvesan, Opus Top), was sich in geringeren Erträgen äußerte.

Septoria Watch eignet sich sehr gut zur Diagnose von noch nicht visuell wahrzunehmendem Befall des Getreides. Die Differenzierung der Erreger Septoria tritici und Septoria nodorum ist möglich. Die Abwicklung wurde von Ciba sehr gut organisiert. Auf der Diagnose aufbauende Empfehlungen wären allerdings im Hinblick auf die Mittelauswahl zu konkretisieren gewesen, sie waren zu pauschal und allgemein gehalten, schon durchgeführte Maßnahmen wurden bei späteren Empfehlungen nicht mit einbezogen, so daß eine Unsicherheit im Hinblick auf die weitere Vorgehensweise bestand. Die festgelegten Bekämpfungsschwellen sollten um weitere Parameter, wie z.B. Sorte (-resistenz) und Stickstoffversorgung ergänzt werden.

Der DuPont Advisor Septoria Test ist was das Diagnosevermögen anlangt mit Septoria Watch vergleichbar. Die Analyseergebnisse (Antigeneinheiten/Mililiter) konnten allerdings nur von DuPont interpretiert werden, der Versuchansteller hatte keine Informationen zum Bewertungsschema. Wegen organisatorischer Probleme kam es zu Verzögerungen bei der Mitteilung von Empfehlungen. Der Erfolg des Verfahrens aber steht und fällt mit der rechtzeitigen Durchführung von Maßnahmen.

Mit PRO_PLANT werden anhand aktueller Wetterdaten die Wahrscheinlichkeiten von Krankheitsinfektionen an Getreide ermittelt. Die PRO_PLANT-Strategie des infektionsbezogenen Fungizideinsatzes hat sich bei den Winterweizenversuchen 1995 bewährt. Die PRO_PLANT-Versuchsglieder waren den anderen Varianten ertraglich und wirtschaftlich überlegen. Der schlagbezogene und infektionsgerechte Einsatz leistungsfähiger Fungizide mit reduzierten Aufwandmengen war ohne Nachteil möglich. PRO_PLANT kann zur Verbesserung der Beratungsqualität und -genauigkeit für Krankheiten im Getreide eingesetzt werden und somit ein wichtiges Bindeglied für die gezielte Bekämpfung darstellen. Die Nutzung durch die amtliche Beratung könnte zu einer wesentlichen Verbesserung des integrierten Pflanzenschutzes im Ackerbau führen. Das Verfahren enthebt den Landwirt allerdings nicht von unverzichtbaren Feldbeobachtungen bzw. -bonituren.

Von Vorteil wäre eine Kombination von Diagnosemethoden (z.B. Elisa-Tests) mit PRO_PLANT zum Zeitpunkt der Krankheits-Erstinfektionen. Die mit dem Programm ermittelte Wahrscheinlichkeit zum Schaderregerauftreten könnte durch exakte Diagnosewerte bestätigt werden und somit präzisere Empfehlungen ermöglichen.

 

Literatur:
Abschlußbericht, Februar 1996; Pressemitteilung zur Einführung von PRO_PLANT in der amtlichen Pflanzenschutzberatung, April 1996

 

Fördernde Institution:MLR

Förderkennzeichen:  23 - 94 . 23 




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