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Agrarforschung

Untersuchungen zur Situation der Geflügelhaltung im Ökologischen Landbau

Universität Hohenheim, Institut für Tierhaltung und Tierzüchtung, Fachbereich Kleintierzucht
Prof. Dr. Werner Bessei und Dr. Anja Schwarzenberg
Juli 1995 - März 1998

Problemstellung

Die Tierhaltung und insbesondere die Haltung von Nichtrauhfutterverwertern gestaltet sich im ökologischen Landbau aufgrund der begrenzten Möglichkeiten des Futterzukaufes als schwierig. Nachdem die Nachfrage nach Geflügelprodukten aus ökologischer Tierhaltung in den letzten Jahren aber sprunghaft angestiegen und parallel dazu der Getreidepreis gesunken ist, werden auch in ökologisch wirtschaftenden Betrieben zunehmend Legehennen und Mastgeflügel gehalten. Ein limitierender Faktor ist dabei die leistungsgerechte Versorgung mit Nährstoffen, insbesondere Aminosäuren. Aber auch hinsichtlich Hygiene (Belastung der Ausläufe mit Parasiten und Nitrat), des Verhaltens (Kanniba-
lismus, Federpicken) und Vermarktung (Akzeptanz der höheren Produktpreise, Distribution) bestehen derzeit noch große Probleme.

Hauptaugenmerk wird auf haltungs- und fütterungstechnische Probleme wie auch auf die Vermarktungswege der Betriebe gelegt.

Ziel

Anhand von Befragungen ökologischer Geflügelhalter soll deren Situation dargestellt und nach Lösungsansätzen gesucht werden.

Darüber hinaus wird in einer Verbraucherumfrage auf die Akzeptanz höherer Preise für ökologische Geflügelprodukte eingegangen. Ziel hierbei ist es, Gründe für die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage bei ökologisch erzeugten Produkten aufzuzeigen.

Weiterhin werden in eigenen Untersuchungen natürliche Pigmentträger eingesetzt und mit synthetischen, im Ökologischen Landbau nicht zugelassenen verglichen.

In diesem Zusammenhang wird auch die Akzeptanz rohfaserreicher Rationen untersucht, um möglicherweise Grünmehl als Pigmentträger verstärkt einsetzen zu können.

Über eine Analyse der Nitratbelastung eines Aus-laufes soll festgestellt werden, ob und in welchem Maße begrünte Ausläufe in der Geflügelhaltung zum Einsatz kommen können, ohne dabei eine starke Umweltbelastung darzustellen.

Untersuchungsmethode

Es wurde Kontakt zu den Geflügelhaltern der in Baden-Württemberg relevanten Verbände des Öko-logischen Landbaus aufgenommen. Landwirte, die sich bereit erklärten, an einer Umfrage teilzunehmen sind dann aufgesucht oder telefonisch befragt worden. Vom Versenden von Fragebögen wurde Abstand genommen, da negative Erfahrungen mit der Bereitschaft zur Teilnahme vorliegen.

Neben der Anbieter- wurde auch die Nachfragerseite berücksichtigt. Vorausgehenden Untersuch-ungen folgend sind Naturkostladen- und Supermarktkunden auf ihre Gründe für den Kauf ökologischer Geflügelprodukte und auf ihre Toleranz bezüglich der höheren Preise befragt worden.

In Untersuchungen wurde die Wirkung von Pigmentträgern mit steigender Konzentration in Futterrationen geprüft und die Akzeptanz der Tiere für die einzelnen Rationen getestet. Ein Vergleich mit synthetischen Pigmenten wurde vorgenommen.

Zur Akzeptanz rohfaserreicher Rationen sowie ihrer Auswirkung auf die Leistung wurden Untersuchungen mit unterschiedlich hohen Anteilen an Grünmehl durchgeführt.

In zwei Ausläufen mit halbjährlichem bzw. jährlichem Umtrieb sollten zwei Gruppen mit je 200 Tieren (10 m 2 /Tier) gehalten und in regelmäßigen Abständen Bodenproben entnommen und auf parasitologische und Nitratbelastung untersucht werden.

Ergebnisse

Die steigende Nachfrage nach Eiern aus ökologischer Produktion hat dazu geführt, daß größere Legehennenbestände entstanden sind. In diesen treten Probleme mit Federpicken und Kannibalismus auf. Die Verlustrate liegt allerdings noch unter der in konventionellen Haltungsformen.

Die richtliniengemäße Fütterung ermöglicht eine durchschnittliche Legeleistung von 212,8 Eiern, besonders in größeren Bestände werden allerdings auch bis zu 270 Eier gelegt.

Die Haltung von Mastgeflügel ist noch in den Anfängen begriffen, wobei die große Leistungsdiskrepanz zu schnell wachsenden Masthybriden, die in der ökologischen Haltung nicht eingesetzt werden sollen, problematisch ist. Der richtliniengemäße Einsatz langsam wachsender Herkünfte bzw. männlicher Leger, die kleineren Gruppengrößen, der höhere Futteraufwand und das höhere Arbeitsaufkommen bedingen einen wesentlich höheren Vermarktungspreis.

Sowohl Eier als auch Geflügelfleisch wurden bislang hauptsächlich ab Hof oder über Naturkostläden vermarktet. Die größeren Legehennenbestände mit mehreren Tausend Tieren erfordern aber auch größere Vermarktungsstrukturen. Diese werden derzeit erschlossen.

Die Aufstockung der Bestände erfolgt verhalten, da die zunehmende Konkurrenz durch das Angebot konventioneller Betriebe mit alternativen Haltungsformen und durch wesentlich größer strukturierte ökologisch wirtschaftende Betriebe in anderen Bundesländern gefürchtet wird.

Auch vom Berater des Bioland-Verbandes wird derzeit nicht zum Neueinstieg in die Geflügelhaltung sondern lediglich zur Aufstockung bestehender Bestände geraten.

Die Verbraucherumfrage zeigt, daß die Konkurrenz, gerade durch konventionelle Anbieter, tatsächlich nicht unterschätzt werden darf. Die Verbraucher haben große Schwierigkeiten mit der Abgrenzung ökologischer Warenzeichen gegen konventionelle. So gehen dem ökologischen Markt Kunden verloren, die sich dessen gar nicht bewußt sind. Bewußt ist allerdings die Kaufzurückhaltung bei ökologischen Produkten aufgrund der großen Preisdifferenz zu konventionellen. Auch die geringe Angebotsvielfalt in den ökologischen Einkaufsstätten und die unzureichende Distribution der Produkte stehen einem weiteren Anstieg der Nachfrage entgegen.

Die hellere Dotterfarbe aufgrund fehlender Pigmentträger in der Futterration bereitet nach Aussagen der Landwirte keine Probleme bei der Vermarktung. Von den Verbänden wird sie sogar zum Qualitätsmerkmal und sicheren Erkennungszeichen erklärt.

Die Untersuchungen der Wirksamkeit verschiedener Pigmentträger ergaben, daß die derzeit in der konventionellen Haltung eingesetzten Pigmente nur annähernd und darüber hinaus mit einem erheblichen Kostenaufwand durch richtliniengemäße ersetzt werden können.

Der Einsatz von Futterrationen mit einem hohen Rohfasergehalt zeigte keine negativen Auswirkungen auf die Legeleistung der Hennen. Der Einsatz hoher Grünmehlmengen ergab Farbfächerwerte von ca. 10.

Die unter 5. angekündigte Untersuchung zur N-Belastung des Auslaufes bei halbjährlicher und ganzjähriger Nutzungsdauer konnte nicht durchgeführt werden, da zunächst der Landschaftsschutz das Aufstellen der notwendigen Zäune verweigerte. Nachdem doch Zäune aufgestellt werden durften, mußte die erste Aussaat umgebrochen werden, da sie nicht den Anforderungen entsprach. Im Frühjahr 1998 wird voraussichtlich mit dem Versuch begonnen werden können.

Konsequenz für die Praxis

Den Risiken des Kannibalismus sollte durch den verstärkten Einsatz weißer Herkünfte und/oder kleinerer Bestände begegnet werden, bis weniger anfällige Herkünfte zur Verfügung stehen. Auch die bessere Persistenz und das seltenere Verlegen von Eiern läßt die weißen Herkünfte für die ökologische Geflügelhaltung geeigneter erscheinen. Im Hinblick auf die Präferenz der Verbraucher für braune Eier sollte im Sinne des Tierschutzes Aufklärungsarbeit betrieben werden, die die Nachfrage nach weißen Eiern aus ökologischer Hennenhaltung fördert. Während kleinere Bestände weiterhin mit braunen Herkünften geführt werden können, sollten bei größeren Gruppen gemischtfarbige oder rein weiße Bestände vorherrschen.

Für die Betriebe, welche größere Bestände halten und nicht alle Eier über die Direktvermarktung oder Naturkostläden absetzen können, müssen neue Vermarktungswege erschlossen und durch eine deutliche Abgrenzung gegen alternative Haltungssysteme auf konventionellen Betrieben sowie gegen größere, nichtregionale Anbieter gesichert werden. Auch sollten die Erzeuger, welche keine oder keine ausschließliche Direktvermarktung betreiben wollen, sich zu größeren Gruppen zusammenschließen, um mit ihren Produkten interessant für Großabnehmer zu sein.

Die geringe Kenntnis der Verbraucher bezüglich ökologischer und konventioneller Warenzeichen sollte dazu führen, daß ökologische Verbände verstärkt für ihre Produkte und ihre Produktionsweise werben.

Eine Steigerung der Nachfrage nach ökologischen Produkten kann primär durch das Senken der Preisdifferenz zu konventionellen Produkten erreicht werden. Auch eine Verbesserung der Angebotsvielfalt und der grundsätzlichen Distribution der Produkte trägt zur stärkeren Nachfrage bei.

Da nach Auskunft der Landwirte derzeit keine Absatzschwierigkeiten aufgrund der helleren Dotterfarbe der Eier aus ökologischer Produktion bestehen, sollte auf den kostenaufwendigen Zusatz natürlicher Pigmentträger weiterhin verzichtet werden. Relevant werden kann der Einsatz, wenn Maiskleber richtliniengemäß nicht mehr in der Legehennenfütterung eingesetzt werden darf, da dieser derzeit der wichtigste Pigmentträger in den Futterrationen ist.

Kann eine Verbraucheraufklärung nicht dazu führen, die helleren Dotter zu akzeptieren, müssen weitere natürliche Pigmentträger erarbeitet werden, da die in der vorliegenden Arbeit untersuchten keine zufriedenstellenden Ergebnisse zeigten. Auch ohne das Verbot des Maisklebereinsatzes kann ein Einsatz von Pigmentträgern notwendig werden, wenn die Eier aus ökologischer Haltung im größeren Rahmen vermarktet werden sollen und mit Eiern aus alternativer Haltung bei konventioneller Fütterung konkurrieren müssen. Die Präferenz für dunklere Dotter soll beim Verbraucher stark ausgeprägt sein. Es bliebe abzuwarten, ob sie diese zugunsten der ökologischen Produktionsweise aufgeben würden, zumal die Bevorzugung ökologischer Eier häufig durch die alternative Haltungsform bedingt ist.

Der Einsatz rohfaserreichen Grünmehls als Pigmentträger kann die Wirkung des Maisklebers nicht ersetzen, hat aber bis zu einem Anteil von ca. 15 % keine negative Wirkung auf die Legeleistung und kann daher in Kombination mit energiereichen Komponenten als kostengünstiges Futtermittel in größerem Umfang als bisher eingesetzt werden.

 

Literatur
Schlußbericht, März 1998

 

Fördernde Institution
MLR

Förderkennzeichen
LVVG




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