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Forschungsreport

Untersuchungen zum Auftreten der Schwarzholzkrankheit in Reben

Auftragnehmer: Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein-und Obstbau Weinsberg

Fördernde Institution: Ministerium Ländlicher Raum Baden-Württemberg

Projektleitung: Dr. W. Kast, Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein und Obstbau Weinsberg


Kurzfassung

Die Ausbreitung der von Phytoplasmen verursachten Schwarzholzkrankheit der Rebe in Baden-Württemberg in den Jahren 2005 - 2008 wurde dokumentiert und mögliche Ursachen für den Ausbruch der Krankheit nachgewiesen. Es wurden Kenntnisse über die Biologie des Überträgers der Krankheit, der Winden- Glasflügelzikade Hyalesthes obsoletus gewonnen, die eine Bekämpfung der Krankheit ermöglichen und bereits erste Erfolge zeigen.

Projektbezogen wurden über 3000 Zikadenproben, 381 Blattproben verdächtiger Rebstöcke und 276 Blattproben eventueller Wirtspflanzen der Phytoplasmen molekulargenetisch untersucht. Obwohl bis 2003 in Deutschland fast ausschließlich der Ackerwindentyp der Schwarzholzkrankheit gefunden worden war, wiesen nur 9,4 % der Blattproben  ymptomtragender Rebstöcke den Ackerwindentyp (= Stolbur Typ B) auf. Hingegen wurden 88,9 % der Blattproben positiv auf Schwarzholzkrankheit vom Brennnesseltyp (= Stolbur Typ A) getestet. Insgesamt wiesen 84 % der Standorte ausschließlich den Brennnesseltyp auf, während an 16 % der Standorte der Ackerwindentyp gefunden wurde. Insgesamt wurde in Württemberg und angrenzenden badischen Gebieten die Schwarzholzkrankheit auf 50 verschiedenen Rebflächen in 38 Reblagen nachgewiesen. Der Ackerwindentyp wurde auf sechs Rebflächen in den württembergischen Rebflächen der Gemeinden Brackenheim/Hausen, Rosswag/Vaihingen-Enz, Illingen und Schwaigern sowie in den badischen Rebflächen bei Schloss Eberstein/Baden auf der Gemarkung Gernsbach/Baden gefunden. Auf vier Standorten wurden beide Stolbur-Typen nachgewiesen. Hauptsächlich betroffene Rebsorten waren Lemberger (53,7%), Riesling (13%), Dornfelder (7,3%), Cabernet Dorsa, Kerner und Trollinger mit jeweils 4%. Die größten Schäden verursachte die Krankheit bei den Rebsorten Lemberger Cabernet Dorsa, Riesling und Chardonnay, relativ geringe bei der Rebsorte Trollinger.

Der Erreger der Krankheit, die Phytoplasmen, wurde sowohl in den Wirtspflanzen Brennnessel und Ackerwinde als auch in der Überträgerzikade Hyalesthes obsoletus und in den Rebblättern symptomtragender Rebstöcke nachgewiesen. Die Hyalestes obsoletus, die auf Brennnesseln gefangen worden waren, wiesen zu 3-50% den Stolbur Typ A auf, während Hyalestes obsoletus, die auf Ackerwinde gefangen worden zu 37-60% mit dem Stolbur Typ B infiziert waren. Auf sechszehn Standorten wurden Hyalestes obsoletus auf Brennnesseln nachgewiesen und nur an zwei Standorten auf der Ackerwinde. Die auf Brennnesseln lebenden Tiere der ursprünglich als polyphag beschriebenen Zikadenart waren extrem auf Brennnesseln als Wirtspflanzen spezialisiert. Insbesondere auf der Suche nach neuen Wirtspflanzen wurden Reben infiziert Als generelle Bekämpfungsmaßnahme wurde deshalb empfohlen, die Brennnesseln in den Weinbergen nach der Weinlese im November gezielt zu bekämpfen und im Frühjahr ab Mai noch vorhandene Brennnesseln möglichst zu belassen. Stark reduzierte Fangzahlen der Überträgerzikaden nach der Bekämpfung von Brennnesseln zeigten die Wirksamkeit dieser Maßnahme. Parallel nahm die Befallshäufigkeit in den betroffenen Rebanlagen ab.

Untersuchungen zur Eindämmung der Erreger im Rebstock selbst zeigten, dass bei hochanfälligen Sorten ein radikaler und rascher Rückschnitt bei Symptombeginn im Sommer sinnvoll ist. Bei Trollinger, Spätburgunder, Lemberger und Cabernet Dorsa war ein Sommerrückschnitt bei Symptombeginn zwingend erforderlich, bei älteren Riesling-Rebstöcken führte auch ein normaler Winterschnitt zu einer Gesundung der Rebstöcke. Bis zum zwanzigsten Standjahr erwies sich bei Trollinger, Lemberger und Cabernet Dorsa das Absägen auf zehn Zentimeter oberhalb des Bodens als die erfolgreichste Maßnahme, im Gegensatz zu dreißig bis vierzig Jahre alten Rebstöcken der Rebsorten Riesling, Spätburgunder und Lemberger, die nach dem Absägen bis zu 55 % nicht mehr austrieben.

Mittels Fluoreszenzmikroskopie konnte phytoplasmeninfiziertes Pflanzengewebe von gesundem Gewebe unterschieden werden und die Phytoplasmen in der Indikatorpflanze Vinca minor nachgewiesen werden. Noch schneller könnte der Nachweis von Phytoplasmen in der Rebe jedoch mit molekulargenetischen Methoden erfolgen. So ist am Staatlichen Weinbauinstitut mit der Entwicklung und Etablierung eines Real-time PCR-gestützten Testsystems ein Durchbruch gelungen. Diese Methode ermöglicht einen hohen Probendurchsatz zur Detektion von Phytoplasmen in Reben, Wirtspflanzen und Vektoren. Es erlaubt auch ein quantitatives Arbeiten und eröffnet damit die Möglichkeit für eine Vielzahl an bisher nicht möglichen Versuchen, wie etwa zur Ausbreitung von Phytoplasmen in pflanzlichem und tierischem Gewebe.

Übertragungsversuche in einer Rebschule mit augenscheinlich gesunden Teilen erkrankter Reben ergab, dass die Krankheit zwar in sehr geringem Umfang auf die Pfropfreben übertragen werden kann, die Pfropfreben jedoch im Freiland entweder nicht überlebensfähig sind oder gesunden.

Zum Abschluss des Forschungsprojektes wurde ein internationaler Workshop in Weinsberg organisiert, an dem über 50 Teilnehmer aus sieben europäischen Ländern teilnahmen. In 17 Vorträgen und 12 Posterbeiträgen wurden neueste Erkenntnisse zur Schwarzholzkrankheit vorgestellt und diskutiert. Die an die Baden- Württembergische Weinbaupraxis gegebenen Empfehlungen werden durch die Ergebnisse der europäischen Kollegen bestätigt.


pdf-Dateien zum Download:  Kurzfassung (176 KB);  Abschlußbericht (669 KB)

Fördernde Institution: MLR

Förderkennzeichen (Projektnr.): 0298 E


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