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Agrarforschung

Untersuchungen umfangreicher Dinkelsortimente als Ausgangsmaterial zur Züchtung von Sorten für den unter ökologischen Gesichtspunkten kontrollierten Dinkelanbau    (Juli 1990 - Dezember 1994)

Universität Hohenheim, Landessaatzuchtanstalt                   
Dr. Ch.I. Kling        

Problemstellung

Der Anbau von Dinkel hat vorwiegend aus ökologischen Gründen wieder großes Interesse in der breiten Landwirtschaft gefunden. Für den sich ausweitenden Anbau stehen nur wenige Sorten zur Verfügung. Dinkel zeichnet sich durch langes Stroh aus, das häufig zu hoher Lageranfälligkeit führt. In der Züchtung für die notwendige Erweiterung des Sortiments ist als vorrangiges Zuchtziel die Standfestigkeit anzusehen. Bisherige Anbauerfahrungen haben auch gezeigt, daß die überlieferte Krankheitsresistenz keine genetische Basis aufweist und in der züchterischen Selektion Beachtung finden muß.

Ziel

Für den unter ökologischer Wirtschaftsweise erzeugten Dinkel sollen Sorten geschaffen werden, die mit verbesserter Standfestigkeit eine bei den derzeit verfügbaren Sorten nahezu obligatorische Verabreichung von Wachstumsreglern verzichtbar macht und mit erhöhter Krankheitsresistenz ausgestattet Ertragssteigerung und -sicherheit gewährleistet.

Untersuchungsmethode

Zwei Züchtungsstrategien wurden verfolgt:

A) Evaluierung alter Dinkelsorten. Es wurde der Zweck verfolgt, standfeste Genotypen zu finden, die sowohl in Kreuzungsprogrammen eingesetzt werden als auch bei Vorhandensein entsprechend anderer günstiger Eigenschaften wie Krankheitsresistenzen einem direkten Linienaufbau zugeführt werden können. Der Anbau erfolgte in Beobachtungsparzellen auf der Versuchsstation für Pflanzenzüchtung, Universität Hohenheim.

B) Einlagerung von rht ("reduced height" bzw. Zwerg-) -Genen aus Weichweizen. Dies erfolgte vorwiegend über Antherenkultur aus F2-Pflanzen von Kreuzungen mit einer rht-Gentragenden Winterweizensorte. Diese Arbeiten wurden am ehemaligen Institut für Getreideforschung in Bernburg-Strenzfeld durchgeführt. Der Anbau mehrortiger Leistungsprüfungen von selektierten Dinkelgenotypen erbrachten den Nachweis über das Erreichen des gesetzten Zieles.

Ergebnis

A) Von dem Genbanksortiment wurden in den vier Jahren der Projektdurchführung mehr als 1000 Genotypen evaluiert. Für die Wuchshöhen wurden Halmlängen zwischen 115 und 150 cm gemessen. Die Darstellung der Ergebnisse erfolgte in Häufigkeitsdiagrammen; für dieses Merkmal ergab sich eine Normalverteilung, wobei die für den aktuellen Anbau vorhandenen Sorten (Standardsorten) mit Halmlängen um 140 cm lagen, d.h. daß in früheren Zeiten auch "kürzere" Dinkelstämme oder -sorten vorhanden waren. Im entscheidenden Merkmal Lager vor Reife gab es nur wenige Genotypen, die die Standardsorten übertrafen. Hinsichtlich Pilzkrankheiten zeigten sich die Dinkelgenotypen mehr oder weniger anfällig für Braunrost und Mehltau. Nur wenige Prüfglieder wurden mit fehlender oder geringer Anfälligkeit für Mehltau gefunden. Die Ergebnisse der Leistungsprüfungen von 60 selektierten Genotypen bestätigten die Erfahrungen aus den Evaluierungsprogrammen, daß keine Genotypen im geprüften Sortiment mit Leistungen vorhanden sind, die einen direkten Linienaufbau rechtfertigen würden.

B) Doppelhaploide "Dinkelhalbzwerge" waren in der Wuchshöhe reduziert und zeigten sich sehr standfest. Allerdings ist bei allen dh-Linien der "Weizentyp" stark ausgeprägt. In der Ertragsleistung sind die dh-Linien den Standardsorten ebenbürtig oder überlegen. Eine höhere Anfälligkeit gegenüber Pilzkrankheiten ist zu beobachten.

Konsequenzen für die Praxis

Das Ziel "Entwicklung standfester Dinkelsorten für eine ökologische Wirtschaftsweise" ist nicht erreichbar mit der ausschließlichen Verfolgung einer der beiden beschriebenen Züchtungsstrategien. Eine Mischung aus beiden ist mit der Durchführung entsprechender Kreuzungsprogramme anzustreben. Dabei sollte beachtet werden, daß dinkeltypische Eigenschaften erhalten bleiben.

 

Literatur: Abschlußbericht

 

Fördernde Institution:    MLR

Förderkennzeichen:  23 - 90 . 31




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