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Agrarforschung

Untersuchung zur Schadentwicklung und zu den Schadursachen bei den Baumarten Fichte, Tanne, Kiefer, Buche und Eiche anhand des Datenmaterials von Dauerbeobachtungsflächen in Baden-Württemberg

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
Dr. Hansjochen Schröter                                                     
Januar 1992 - Dezember 1994

Problemstellung

Die Ausbreitung der neuartigen Waldschäden machte bereits 1978, zunächst für die Tanne (damals "Tannensterben"), eine möglichst objektive Dokumentation des Schadensverlaufs notwendig. Zu diesem Zwecke wurden 1978 in den Tannengebieten des Landes Dauerbeobachtungsflächen eingerichtet. In den folgenden Jahren wurden die Auswahl- und Erhebungsmethoden weiterentwickelt sowie das Beobachtungsflächennetz auf die Hauptbaumarten ausgedehnt.

Es standen im Jahr 1991 23 Fichten-, 27 Tannen-, 16 Kiefern-, 26 Buchen- und 10 Eichen-Dauerbeobachtungsflächen zur Verfügung. In diesem langen Beobachtungszeitraum konnten umfangreiche Daten aufgenommen werden, die durch die Zeitreihen eine besondere Bedeutung gewinnen. Um die Datenfülle (ca. 120 000 Baumdaten 1978 - 1991) verarbeiten zu können, wurde bereits im Jahr 1991 mit den Vorarbeiten zur Erstellung einer Datenbank begonnen. Für die Entwicklung der Datenbank reichten die internen Kapazitäten der FVA-Abt. Waldschutz nicht aus, weshalb dieses Projekt beantragt wurde.

Ziel

Durch die Erstellung und Auswertung langer Zeitreihen erbringt das Projekt die Basisinformation, die in Verbindung mit anderen Parametern wie z.B. Daten des Niederschlagsmeßnetzes der FVA-Abt. Bodenkunde, Nadel- und Blattanalysen, Immissionsmessungen oder ertragskundlichen Messungen, Ergebnisse über die Belastungssituation der Waldökosysteme liefert. Hierdurch können neben der Dokumentation des Schadensverlaufs auch Erkenntnisse zu den Wirkungen verschiedener Einflüsse gewonnen und Prognosen abgeleitet werden. Erst durch die Konzentration von Spezialuntersuchungen unterschiedlicher Fachrichtungen auf den Dauerbeobachtungsflächen werden Rückschlüsse auf das Ursachen-Wirkungsgefüge ermöglicht. Das UFO-Projekt schafft insbesondere durch die Weiterentwicklung der Datenbank die Voraussetzungen zur Verknüpfung der dokumentierten Schadenssituation und Schadensentwicklung mit den im Rahmen von Spezialuntersuchungen (z. B. Level II-Projekt der EG/ECE, Eichenprojekt des Landes Baden-Württemberg) ermittelten Parametern.

Untersuchungsmethode

Auf die bestehenden Dauerbeobachtungsflächen und die dort bereits erhobenen Daten, wie Grundaufnahmen und mehrjährige Folgeaufnahmen wurde zurückgegriffen. Die Folgeaufnahmen wurden fortgesetzt. Eine Aufnahmegruppe besteht grundsätzlich aus zwei Personen. Die Bonitur wird von einer Person mit abgeschlossener akademischer Forstausbildung geleitet, der eine technische Hilfskraft (meist BTA oder LTA) assistiert. Durch dieses Vorgehen konnte bisher die größtmögliche Genauigkeit der Schadansprache erreicht werden. Anspracheübungen aller Gruppen zu Beginn jeder Aufnahmeperiode sind unbedingt notwendig. Häufig erfolgt auch eine Absprache mit Aufnahmegruppen anderer Bundesländer. Bei der Folgeaufnahme werden Daten erhoben, die sich kurzfristig verändern können. Dies sind hauptsächlich Daten, die im unmittelbaren Zusammenhang mit der Schädigung stehen, wie:

  • Nadel-/Blattverlust
  • Nadel-/Blattvergilbung
  • sonstige Schäden (sonstige Nadel-/ Blattverfärbung, Pilz-, Insektenbefall, Fall- u. Rückeschäden, Schneebruch u. a.)
  • Fruktifikation
  • Anzahl der Nadeljahrgänge (bei Kiefer)
  • Blüheffekt (bei Kiefer)

Die Kronenansprache ist der bedeutsamste Teil der Aufnahmen. Die Ansprache des Nadel-/Blattverlustes erfolgt in 5%-Stufen. Vergilbungen und Rötungen an Nadeln und Blättern werden getrennt erfaßt.

Bisher wurden vor allem Nadelverluste und Nadelverfärbungen zu den üblichen Schadstufen zusammengefaßt. Die prozentuale Aufteilung der Schadstufen der Einzelflächen-, Wuchsgebiets- oder Gesamtkollektive läßt die Schadensentwicklung bei grafischer Darstellung auf einen Blick erkennen.

Die Ergebnisse der Flächenaufnahmen wurden in einem jährlichen internen Bericht dargestellt.

Die Erstellung der Datenbank und des dazugehörigen statistischen Auswertungsprogramms erfolgte durch einen Informatiker auf Werkvertragsbasis.

Anschließend wurden die vorhandenen Daten gründlich überprüft und so aufbereitet, daß sie in die Datenbank eingelesen werden konnten.

Ergebnis

Die Dauerbeobachtungsflächen haben sich bislang als Instrument bewährt, um die am Kronenzustand sichtbare Schadensentwicklung, zwar nicht flächenrepräsentativ, jedoch trendrepräsentativ, aufzuzeigen; darüber hinaus haben sie sich auch als "Freilandlabors" für verschiedenste Spezialuntersuchungen im Rahmen der Ursachenforschung bewährt, zumal die Dokumentation der Schadensentwicklung eine wesentliche Voraussetzung für diese Arbeiten darstellt. Detaillierte Ergebnisse zu den einzelnen Baumarten und Beobachtungsflächen sind in den jährlichen Berichten ausführlich dargestellt. In zahlreichen vom PEF geförderten Projekten wird auf Befunde der Dauerbeobachtungsflächen zurückgegriffen.

Es konnte eine relationale Datenbank für das Material aus den Dauerbeobachtungsflächen erstellt und in Betrieb genommen werden. Hierdurch wurden die bis dahin auf HP-Rechnern abgespeicherten Daten in eine einheitliche, benutzerfreundliche Form auf MS-DOS-Rechner gebracht. Laufend neue Inventurergebnisse können abgelegt werden. Die Datenbank erlaubt die Verknüpfung mit Dateien externer Untersuchungen und Auswertungen unter verschiedensten Gesichtspunkten. Sie stellt damit die wichtigste Grundvoraussetzung zur weiteren Erforschung des Ursachenkomplexes dar. Eine erste Anwendung und Erprobung der Datenbank fand im Rahmen des EG-Luftbildprojekts statt.

Konsequenzen für die Praxis

Die forstliche Praxis hat nur begrenzte Einflußmöglichkeiten auf den Verlauf der Waldschäden. Hinweise zur richtigen Baumartenwahl und waldbaulichen Behandlung der Bestände oder zur Meliorationsnotwendigkeit können abgeleitet werden. Die Dauerbeobachtungsflächen haben eine große Bedeutung für die forstliche Öffentlichkeitsarbeit. Durch die umfangreiche Pressearbeit, gerade auch im regionalen Bereich wurde das Bewußtsein der Bevölkerung für die Umweltproblematik geschärft. Zahlreiche politische und gesetzgeberische Maßnahmen (z. B. Verschärfung der TA Luft und in der Folge eine Verminderung der Immissionen) wurden hierdurch ermöglicht.

 

Literatur: Aufnahmeergebnisse 1992 - 1994

 

Fördernde Institution:MLR

Förderkennzeichen:    55 - 92 . 19




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