Service-Navigation

Suchfunktion

Agrarforschung

Umsetzung der Integrierten Produktion (IP) in Ackerbaubetrieben der Rheinebene

Chr. Bockstaller, ARAA - Colmar (F)
1996-1999

Problemstellung

Die Integrierte Landwirtschaft oder Integrierte Produktion (IP) gehört zu den Lösungsvorschlägen der Agronomen, um den Umweltproblemen, die die enormen Produktivitätsfortschritte der europäischen Landwirtschaft begleitet haben, zu begegnen, ohne deren ökonomischen Leistungen in Frage zu stellen. Der freiwillige und immer mehr zunehmende Übergang der Landwirte zu solchen, auf der Integrierten Produktion beruhenden Anbausystemen, kann nur stattfinden, wenn er begleitet wird von Bewertungsverfahren, die über die traditionellen Kriterien (z.B. Ertrag) hinausgehen und es den Landwirten erlauben, ihre Praxis anhand der landbaulichen und Umweltziele der Integrierten Produktion einzuordnen (z.B. Fruchtbarkeit der Böden).

Ziel

1. Charakterisierung der Entwicklung landwirtschaftlicher Praktiken im Vergleich mit den Forderungen der IP mit Hilfe von agrarökologischen Kenngrößen. Dies soll es erlauben abzuklären, inwieweit diese Diagnose-Werkzeuge den Landwirten dabei behilflich sein können, ihre Praktiken an die Forderungen der IP anzupassen.

2. Überprüfung der Machbarkeit der IP in Ackerbaubetrieben. Behandelt wird auch die Vereinbarkeit von Mais-Monokultur und IP.

Methode

Die bisher insgesamt sieben ausgearbeiteten agrar-ökologische Kenngrößen (´Wirkungs´-Indikatoren) Kulturvielfalt, Stickstoff, Beregnung, Organische Substanz, Pflanzenschutzmittel, Phosphor und Fruchtfolge wurden drei Jahre lang für ein Netz von 14 Betrieben (10 im Elsaß und 4 in Baden) durch Erhebung der Daten bei den Landwirten, Berechnung der Kenngrößen mittels eines neuen Programms unter Verwendung von Access 9 erhoben. Die Kenngrößen präsentieren sich in Form von Indexwerten zwischen 0 und 10 mit einem Wert 7, der den Mindestanforderungen der Integrierten Produktion entspricht. Von den 14 Betrieben des Betriebsnetzes wurden 2 ausgewählt, ein elsässischer (N° 5) und ein deutscher (N° 15), um die Umsetzung der Integrierten Produktion zu prüfen. Die Ausarbeitung und Anwendbarkeit von Maßnahmen der Integrierten Produktion wurde am Beispiel der reduzierten Bodenbearbeitung und Streifensaat in eine Graseinsaat ('Maiswiese') bei Mais in Monokultur, beim Einsatz eines Hilfsmittels zur Bemessung der Stickstoffdüngung bei Weizen und zur Verbesserung der Pilzkrankheitsbekämpfung durch Hilfsmittel getestet.

Ergebnis

Im Allgemeinen liegt die Mehrzahl der Werte unter 7 und damit unterhalb der Minimalempfehlung für die Integrierte Produktion. Dies gilt insbesondere für die Kenngrößen Fruchtfolge, Phosphat und Stickstoff. Wegen des hohen Maisanteils in den Betrieben hat diese Kultur einen großen Einfluss auf die Ergebnisse. Bei Empfehlungen der IP für Fruchtfolgen mit hohem Maisanteil oder Mais-Monokulturen wurde das Ertragsziel überwiegend erreicht oder übertroffen. Die Gesamtheit der Messungen und Feldbonituren sowie die Bebachtungen der Landwirte zeigen, dass es nicht die für die IP spezifischen Maßnahmen sind (Verzicht auf Bodeninsektizide, Nachauflauf-Herbizide u.s.w.), die zu Ertragsverlusten führen. Diese Arbeit hat gezeigt, dass gewisse Techniken der Integrierten Produktion (IP) technisch machbar und unter landbaulichen und Umweltgesichtspunkten interessant sind. Bei dem integrierten Anbauverfahren 'Maiswiese' scheint die Konkurrenz der Graseinsaat ein grundsätzliches Problem zu sein, was im trockenen Klima der Rheinebene unzumutbare Ertragseinbussen zur Folge haben kann. Eine der Möglichkeiten zur Vermeidung von Ertragseinbußen wäre eine totale Abtötung mit Roundup einige Wochen vor der Maissaat oder die Verwendung einer weniger konkurrenzstarken Art als Weidelgras, wie z.B. der Gemeinen Rispe. Die abschließende Beurteilung des Einsatzes eines Hilfsmittels zur Bemessung der Stickstoffdüngung bei Weizen konnte im Rahmen des Projekts nicht getätigt werden. Beim Vergleich zweier Vorhersagemodelle (PRESEPT und PRO-PLANT) zur Früherkennung und Vorhersage von Pilzkrankheiten wurden Unterschied in der 'Spezialisierung' einer Methode - Bestimmung des Termins der ersten Behandlung gegen Septoria bzw. Mittel- und Aufwandsmengenempfehlung - festgestellt. Die nach den Empfehlungen der Vorhersagemodelle durchgeführten Behandlungen führten zu keinen Ertragseinbußen. Die Ergebnisse bedürfen der Bestätigung in Jahren mit hohem Krankheitsdruck.

Konsequenzen für die Praxis

Das Forschungsvorhaben hat es gestattet, die agrar-ökologischen Kenngrößen als Evaluierungs- und Beratungsinstrument unter Praxisbedingungen zu testen. Durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit konnte die Bandbreite der verschiedenen Situationen vergrößert werden. Es wurden technische Daten gewonnen, die für spätere Arbeiten - insbesondere für die Beratung von Landwirten auf Grundlage von Erhebungen mit den agrar-ökologischen Kenngrößen - verwendet werden können. Aufgrund dieser Arbeit lassen sich einige Empfehlungen für die Verwendung der agrar-ökologischen Kenngrößen ableiten. Die Prognosemodelle ermöglichen eine Reduzierung der Zahl der Spritzungen bei Pilzbehandlungen, was sowohl der Umwelt als auch dem Image des Landwirts zugute kommt. Auch auf wirtschaftlicher Ebene lässt sich damit ein Mehrgewinn erzielen, zumal es nie zu Mindererträgen kam.

 

Literatur
Abschlußbericht 1999

 

Fördernde Institution
EU, MLR

Förderkennzeichen
ITADA-Projekt A4




MLR   |   Agrarforschung   

 

Fußleiste