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Agrarforschung

Erarbeitung von Grundlagen für die Regionalisierung von Stickstoff-Beratungsempfehlungen im Ackerbau

ARAAF, AGPM - Colmar
M.L. Burtin, Juncker-Schwing, 1996 - 1999

Problemstellung

Im Elsaß wie in Baden-Württemberg erfolgt der Schutz der Grundwasserqualität bezüglich Nitrat über eine besser bemessene Stickstoffdüngung der bedeutenden Feldfrüchte wie Mais und Getreide. Diese machen im Elsaß 210.000 ha und in Baden-Württemberg 648.000 ha aus und sind die bedeutendsten Flächennutzungen in der Rheinebene. Die beiden Regionen haben sich bereits seit langem für unterschiedliche landwirtschaftliche Beratungsstrategien entschieden: Im Elsaß werden Methoden zur Gruppenberatung angestrebt, während in Baden-Württemberg eine schlagbezogene Beratungsempfehlung gegeben wird.

Ziel

Ziel des Projekts im Elsaß ist die Vervollständigung und Überprüfung der Instrumente für die Gruppenberatung bei Mais bzw. deren Erarbeitung bei Weizen. In Baden-Württemberg hat sich durch die schlagbezogene Düngungsberatung ein umfangreicher Datenschatz mit Frühjahrs-Nmin-Werten angesammelt. Es erschien interessant, diesen einmal umfassend auszuwerten, um eventuell Gesetzmäßigkeiten der Variation dieser Werte herauszufinden. Damit würde sich mit der Zeit die große Arbeitsbelastung durch die schlagspezifischen Messungen reduzieren lassen.

Methode

Der Projektteil A beinhaltete die Erarbeitung von Systemen zur Gruppenberatung für Mais und für Weizen, der Projektteil B die Nutzbarmachung der Daten von regionalen Nmin-Beprobungen im Oberrheingebiet für die Düngungsberatung.

Ergebnis

Es wird gezeigt, dass die bisher benutzten Referenzwerte zur Stickstoffdüngung von Mais im Elsaß im wesentlichen bestätigt werden können. Die Stickstofflieferung des Bodens ist nach gewissen Vorfrüchten jedoch wesentlich höher als nach Mais oder Weizen, welche den Referenzwerten der Düngungsempfehlung zugrunde liegen. Berücksichtigt man diese Vorfruchteffekte, so muss man die Stickstoffdüngung nach Stillegung oder braunem Tabak um 20 - 30 kg N/ha und nach Kohl (Sauerkraut) um 40 - 50 kg N/ha reduzieren. Ferner ist in den Böden des Vogesenfußes die Stickstoffverwertung durch Mais nicht optimal, was hypothetisch an der Vernässung des Bodens, Verdichtungsneigungen, zeitweiser Staunässe, Bodenversauerung usw. liegen könnte.

Die Arbeiten zu Weizen im Rahmen dieses Projekts haben gezeigt, dass es möglich ist, einen mittleren Frühjahrs-Nmin-Wert für die Berechnung der Stickstoffdüngung zu Weizen zu verwenden. Der anzuwendende Wert ist jedoch schwierig zu bestimmen, weil es zahlreiche, z.T. interagierende Faktoren gibt. Es war möglich, die elsässische und die baden-württembergische Methode zur Berechnung der ordnungsgemäßen Stickstoffdüngung zu vergleichen. Wie schon im ersten Arbeitsprogramm des ITADA festgestellt, unterscheiden sich die Ansätze geringfügig.

Eine Gruppenberatung zur Stickstoffdüngung ist auf der Ebene einer Region wie der Oberrheinebene von Interesse und machbar. Unabhängig davon, ob sie auf Schätzungen der Stickstofflieferung des Bodens oder auf statistischen Auswertungen von Nmin-Messungen aufbaut, werden viele und zuverlässige Werte benötigt, die regelmäßig zu aktualisieren sind. Die Auswahl von Referenzflächen bleibt eine Grundsatzfrage: Insbesondere ist es unerlässlich, von vorneherein aufgrund von einfachen Kriterien (Bodentyp, Vorfrucht, hohe Wirtschaftsdüngergaben, N-Bilanz der Vorfrucht,...) diejenigen Situationen auszuscheiden, die für die Anwendung von Referenzwerten nicht in Frage kommen. Damit lassen sich die Fälle erfassen, in denen weiterhin eine Messung vorgenommen werden muss und die nicht für die Lieferung von Referenzwerten geeignet sind. Eine schlagbezogene Einzelberatung ist per Definition genauer und zuverlässiger, sofern geeignete und für die Region geeichte Berechnungsmodelle verfügbar sind. Diese Art der Beratung bleibt aber sehr kostenträchtig, weil jedes Mal eine teure Probenahme und Laboruntersuchung fällig ist. Beratungssysteme unterschiedlicher Genauigkeit (und Kosten) in Ab-hängigkeit von den Anforderungen, sei es hinsichtlich Qualität und Quantität der landwirtschaftlichen Produktion oder sei es hinsichtlich des Grundwasserschutzes sind vorstellbar. Dies würde letztlich auf eine Koexistenz von Einzel- und Gruppenberatungsverfahren hinauslaufen. Die Einrichtung und Abstimmung dieser beiden Ansätze müsste vorher untersucht werden.

Schlussfolgerung

Hinsichtlich von Beratungsempfehlungen bleibt noch einiges zu tun, wie z.B. die Bestätigung einiger Referenzwerte für Situationen mit zu geringer Anzahl an Ergebnissen bei Mais oder die Weiterführung der (einjährig) ungedüngten Demonstrationsparzellen, um die Landwirte davon zu überzeugen, dass die Beratungsempfehlungen wohl begründet sind. Im übrigen hat dieses Projekt ermöglicht, die Kenntnisse über die Stickstoffnachlieferung des Bodens bei Winterweizen zu vervollständigen. Man kann also annehmen, dass die ersten Grundlagen für eine Gruppenberatung zur Stickstoffdüngung existieren, sowohl was die Verwendung eines Frühjahrs-Nmin-Mittelwerts als auch was die Stickstofflieferung des Bodens angeht.

Welche Methode auch immer für die Erstellung einer Düngungsberatungsempfehlung verwendet wird, letztendlich kommt es darauf an, dass sie der Landwirt berücksichtigt. Dabei stellt sich die Frage, ob es für den Landwirt auf die Genauigkeit der Methode ankommt oder auf andere Punkte (Gewohnheit, Vertrauensverhältnis zum Berater, Höhe des Risikos, ...) Lässt sich der Sicherheitszuschlag von 10, 20, ... kg N/ha mehr als die Empfehlung, der von manchen Landwirten vorgenommen wird, nicht reduzieren? Wie lässt er sich reduzieren? Antworten auf diese Fragen würden die Aussichten der Stickstoffdüngungsberatung zweifellos verbessern. Dafür wäre jedoch die Mitarbeit von nichtlandwirtschaftlichen Spezialisten wie Soziologen und Wirtschaftswissenschaftlern vonnöten.

Konsequenzen für die Praxis

Vereinfachte Gruppenberatungssysteme haben ihre Berechtigung, da man nie in der Lage sein wird, den Frühjahrs-Nmin-Wert im Boden auf allen Schlägen zu messen. Regionalisierte Frühjahrs-Nmin-Werte sind grundsätzlich für die Düngungsberatung brauchbar, vorausgesetzt, Schläge mit möglicherweise großen Abweichungen vom Mittelwert sind bekannt, so dass dort Messungen vorgenommen werden können. Ersetzt man schlagbezogene Empfehlungen durch eine allgemeine, wenn auch regionalisierte oder je nach spezifischen Umständen modifizierte Empfehlung, so sinkt zwangsläufig die Qualität. Möglicherweise sollten je nach Sensibilität eines Gebietes für die Nitratauswaschung (Bodentypen, Trinkwassereinzugsgebiet, ...) bzw. Problemlage (Nitratgehalt im Grundwasser) differenzierte Beratungssysteme, d.h. Gruppen- oder Einzelberatung, zum Einsatz kommen.

 

Literatur
Abschlußbericht 1999

 

Fördernde Institution:    EU, MLR

Förderkennzeichen:   ITADA-Projekt A 1.4  


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