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Agrarforschung

Schädlingsbekämpfung in Mühlen mit Heißluft

Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft/ Institut für Vorratsschutz, Berlin-Dahlem
Rassmann, W.; Reichmuth Ch.                                               
Oktober 1993 - Juni 1994

Problemstellung

Vorratschädliche Insekten treten seit altersher in Mühlen oder Produktionsräumen von Lebensmittel verarbeitenden Betrieben auf. Dabei finden sie hier wegen der oft hohen Raumtemperaturen und des großen Nahrungsangebotes in Form von Produktionsresten im Maschinenbereich ideale Entwicklungsbedingungen vor. Da der Befall oft an unzugänglichen Stellen stattfindet, kann er derzeit nur durch den Einsatz toxischer Gase, die aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften aktiv in die Befallsherde eindringen, wirksam saniert werden. Gute Bekämpfungserfolge gegen vorratsschädliche Insekten wurden bisher mit Methylbromid (Brommethan) erzielt. Wegen seiner möglichen ozonzerstörenden Wirkung in der Atmosphäre soll Methylbromid als Begasungsmittel aus Umweltschutzgründen nach Möglichkeit nicht mehr eingesetzt werden.

Untersuchungsmethode

Auf der Suche nach alternativen Entwesungsverfahren wurden in der Heiss-Mühle in Flinsbach in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Stuttgart sowie der Bundesforschungsanstalt für Getreide-, Kartoffel- und Fettforschung, Detmold, Praxisversuche zur Abtötung von Mühlenschädlingen mit heißer Luft und möglicher Qualitätsveränderung mitbehandelten Mehls durchgeführt.

Zum Erhitzen der fünf Mühlenböden wurde das in einem Blockheizkraftwerk auf 90 °C erhitzte Wasser durch Konvektoren geleitet und die erwärmte Luft über Gebläse und Lüftungskanäle im Gebäude verteilt. Die Überwachung und Registrierung der Temperatur im ca. 3.000 m³ großen Gebäude erfolgte mit PT 100-Meßfühlern, die im freien Luftraum, im Mauerwerk, in Holzbalken und in Maschinen untergebracht waren. Die biologische Wirksamkeit des Verfahrens wurde durch Schädlinge, die gekäfigt im gesamten Gebäude ausgebracht worden waren, überprüft.

Ergebnis

In den Räumen war 32 Stunden nach Heizbeginn eine maximale Temperatur von 61 °C erreicht. In den Wänden aus Bruchstein waren die Temperaturfühler in ca. 10 cm tiefen Löchern, die mit einer Holzplatte verschlossen wurden, untergebracht. Hier wurde eine Temperatur von 47 - 52 °C erreicht, die auch bis zum Ende des Heizens nach 46 Stunden nicht weiter anstieg.

Mehlkäfer, Reismehlkäfer und Mehlmotten, die gekäfigt in Holzbalken und Räumen ausgebracht worden waren, wurden durch die Behandlung abgetötet. Dagegen überlebten einige Schädlinge in den Holzdecken und vermehrt in den Außen-wänden, da hier die Temperatur z. T. unter 52 °C blieb.

Beim Erwärmen der Mühle konnte beobachtet werden, daß oberhalb einer Raumtemperatur von 40 °C die in Maschinen, Fördereinrichtungen und im Fußbodenbereich versteckt lebenden Schädlinge allmählich aus ihren Verstecken abwanderten. Kehrichtproben aus einem Walzenstuhl, einem Plansichter, der Mehlschnecke und dem Mehlsilo wiesen zum Ende der Wärmeeinwirkung keine überlebenden Schädlinge mehr auf. Da Mühlen-schädlinge überwiegend in diesen Bereichen auftreten und seltener an oder in den Wänden zu finden sind, ist bei der Bekämpfung mit Heißluft durchaus ein guter Erfolg erzielbar.

In den Versuchen wurde gezeigt, daß

  • die Schädlinge durch diese Methode über die Störung des Wasserhaushaltes hochprozentig wirksam bekämpft werden,
  • die Mühle nach Einbau der Wärmeübertragungseinheiten mit geringem Aufwand entseucht werden kann,
  • das Mahl- bzw. Lagergut (z. B. Weizen) in seiner Qualität auch nicht im geringsten beeinträchtigt wird,
  • das Verfahren gefahrenfrei für Mensch, Tier und Umwelt einsetzbar ist,
  • das Verfahren auf andere Anwendungsbereiche übertragbar und anwendbar ist, wie z. B. Mais, Reis, Tabak, Hülsenfrüchte, Kaffee, Kakao, Baumwolle, Misch- u. Kraftfutter, und
  • die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens im Einzelfall geprüft werden muß. Die laufenden Kosten für eine Entseuchung sind verhältnismäßig niedrig,
  • für jeden Mühlentyp zu prüfen bleibt, ob diese Technik anwendbar ist. Hierbei sind Fragen der Statik einzubeziehen,
  • bei längerer Einwirkzeit noch tiefere und materialschonendere Temperaturen im Bereich von 45 °C für eine Bekämpfung ausreichen. Hier besteht noch Forschungsbedarf.
Konsequenzen für die Praxis

Auch wenn noch Fragen zur gleichmäßigeren Wärmeverteilung oder dem Wärmeübergang in verschiedenste Baumaterialien, der Thermostabilität von Holzeinbauten sowie der unterschiedlichen Baumaterialien wie Holz, Stahl und Beton geklärt werden müssen, zeigt sich schon jetzt, daß die Schädlingsbekämpfung in Mühlen mit Heißluft eine wirksame und umweltschonende Alternative zum Einsatz von Methylbromid sein könnte.

Literatur:

Abschlußbericht des Instituts für Vorratschutz der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft "Versuchsbericht über Heißluftentwesungen bei der Heiss-Mühle (VS 1545/2526)" an das Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Baden-Württemberg, Oktober 1994

 

Fördernde Institution:MLR

Förderkennzeichen:  23 - 93 . 1 




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