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Forschungsreport

Qualitätsentwicklung und Jugendwachstum von laubbaum-dominierten Beständen aus natürlicher Wiederbewaldung

Auftragnehmer: Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, Abt. Waldwachstum

Projektleiter: Dr. J. Klädtke (XI’02-IX’03)/ Dr. S. Hein (X’03-X’04)

Projektbearbeitung: F. Schulz

Zeitlicher Rahmen:  01.11.2002 bis 31.10.2004

 

Kurzfassung:

Problemstellung

Nach dem Orkan „Lothar" im Dezember 1999 wurden geworfene Buchen- und Eichenbestände überwiegend der natürlichen Wiederbewaldung überlassen. Dabei stellt sich für Laubbäume bald die Frage einer zielorientierten Mischwuchsregulierung. Wie entwickeln sich nun die Bestände, wenn sie nach verbreiteter Meinung bis zur Z-Baum-Auswahl unbehandelt bleiben?

Ziele

Es sollten Z-Baum-Kollektive auf Umfang und Baumarten geprüft werden, Erklärungen der gefundenen Qualitäten gesucht und entsprechende waldbauliche Konsequenzen abgeleitet werden. Im Speziellen soll die Wachstumsdynamik der Pionier- und Wirtschaftsbaumarten verglichen werden.

Methode

In Baden-Württemberg wurden sechs unbehandelte Flächen, die zwischen 1940 und 1986 meist durch Kahlschlag entstanden sind, aufgenommen. Sie befinden sich mit einer Oberhöhe zwischen 14 und 29 m in einem relativ weit entwickelten Stadium, in dem eine Z-Baum-Auswahl möglich war. Ein Flächenanteil von jeweils 20 % wurde mit systematisch verteilten Probekreisen von 0,1 ha Größe aufgenommen. An jedem Baum über 7 cm Brusthöhendurchmesser wurde die Qualität mit einer Auswahl an Parametern beurteilt.

Höhenanalysen gaben Aufschluss über die Höhenwuchsdynamik der unterschiedlichen Baumarten. Dazu konnten zusätzlich 1990 aus den Stürmen Wiebke und Vivian entstandene Eichenkulturen mit sukzessionaler Begleitvegetation herangezogen werden.

Ergebnisse

Auf der Hälfte aller Flächen wurden ausreichend Zukunftsbäume (mindestens 60 pro ha) gefunden. Darunter befanden sich zu über 50 % Birken. Auf den qualitativ guten Flächen wurde eine Dominanz der Birke genauso festgestellt, wie auf den Flächen schlechter Qualität. Die Birke ist in ihrer Anzahl und Qualität den anderen Baumarten überlegen: sie bildet weniger Zwiesel und Steiläste aus und weist auch mit 8 – 14 m astfreiem Schaft Kronenlängen zwischen 40 und 50 % auf. Werden ausschließlich die Wirtschaftsbaumarten wie Eiche, Buche, Kirsche, Linde, Erle, Esche, Ahorn als Z-Baum akzeptiert, sind nur auf einer der sechs untersuchten Flächen ausreichend Zukunftsbäume vorhanden.

Die Qualität wird auf den untersuchten Flächen von der Höhenwachstumsdynamik der einzelnen Baumarten beeinflusst. Die vorwüchsigen Bäume mit starkem Jugendwachstum können größere Kronen ausbilden. Schattbaumarten kommen hauptsächlich in der Unterschicht vor, wenn sie nicht vorausverjüngt waren.

Untersuchungen zum Höhenwachstum der Birke und Eiche zeigen einen Wuchsvorsprung der Birke schon in den ersten Jahren. Nach 10 Jahren hat die Birke durchschnittlich die doppelte Höhe der Eiche erreicht.

Das Durchmesserwachstum der Eiche nimmt unter Konkurrenz stärker ab als das Höhenwachstum, was zu einem Anstieg der h/d-Werte führt. Die durchschnittlichen h/d-Werte steigen schon nach 8 Jahren über 120. Aus diesen Zusammenhängen wurde eine einfache Entscheidungshilfe entwickelt. Vereinzelt gut wüchsige Eichen entsprechen voraussichtlich nur zu einem geringen Anteil den Qualitätsansprüchen.

Konsequenzen für die Praxis

Waldentwicklungstypen mit führenden Wirtschaftsbaumarten können selten ohne Konkurrenzregelung erreicht werden, da in der Jugend langsamer wachsende Bäume hinter der Birke zurück bleiben. Dies führt i.d.R. zu einer Dominanz der Birke im Z-Baum Kollektiv. Deshalb muss frühzeitig die Entscheidung getroffen werden, ob Wirtschaftsbaumarten mit einem vertretbaren Pflegeaufwand früh und systematisch herausgepflegt werden oder die Birken zu Wertträgern werden.

Nur wenn die auf der Sukzessionsfläche ankommenden Pflanzenzahlen insgesamt ausreichend sind und nur wenn die Birke als Zukunftsbaum akzeptiert wird, lassen sich ohne Pflegeeingriffe qualitativ gute Bestände erzielen. Mindestens 60 Z-Bäume pro ha können ohne Eingriffe bis zur Z-Baum-Auswahl erreicht werden. Zur Produktion von qualitativ hochwertigem Starkholz mit Wirtschaftsbaumarten sind jedoch frühzeitig regulierende Maßnahmen unerlässlich. Lichtbedürftige Wirtschaftsbaumarten müssen systematisch gefördert werden. Dabei ist zu beachten, dass die Eiche auch in Kulturen mit starker Birkenkonkurrenz bei einer Oberhöhe von 3 – 5 m auf mindestens 1,3 m freigestellt werden, um Z-Baum taugliche Bestandesglieder zu erhalten.

 

Literatur:
  1. Abschlussbericht X’04
  2. Forstwiss. Tagung’04 Weihenstephan. S. 174
  3. FVA-Einblick 2004 (3): 16-17
  4. Forst und Holz/ Der Wald (Einreichen in III’05)
  5. Allgemeine Forst- und Jagdzeitung (in Vorb.)

pdf-Dateien zum Download:  Kurzfassung (85 KB);  Abschlußbericht (873 KB)

 

Fördernde Institution: MLR

Förderkennzeichen (Projektnr.): 0281 E




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