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Agrarforschung

Prognose zum Lagerverhalten von Äpfeln

Universität Hohenheim, Institut für Obstbau - Bavendorf
K. Altherr, F. Bangerth, H. Link, J. Streif                                      
Juni 1992 - November 1995

Problemstellung

Trotz moderner Lagertechnik verursachen Ausfälle und Qualitätsverluste bei der Langzeitlagerung von Äpfeln erhebliche wirtschaftliche Verluste. Zu den wichtigsten Haltbarkeitsproblemen zählen die parasitären (Fruchtfäulen) und die physiologischen Erkrankungen (Stippe, Fleischbräune, Kernhausbräune, Schalenbräune und vorzeitiges Weichwerden). Es besteht ein besonderes Interesse an einer frühzeitigen Erkennung physiologischer Fruchterkrankungen, die meist von ungünstigen Wachstums- und Pflegemaßnahmen abhängen.

Ziel

Um größere Lagerverluste zu vermeiden, ist vor der Einlagerung der Früchte ihre voraussichtliche Haltbarkeit zu beurteilen. Anhand von Standorts- und Wachstumsbedingungen sowie verschiedenen Fruchtmerkmalen sollen Einflußgrößen bezüglich der Lagerungseignung gefunden und quantifiziert werden. Aus früheren Untersuchungen geht hervor, daß eine grobe Einschätzung der Haltbarkeit der Äpfel bei Kenntnis ihrer Mineralstoffgehalte möglich ist. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend, sollen die Aussagen der Frucht-Mineralstoffanalyse verbessert werden. Ferner sollen neue Verfahren zur Einschätzung der Haltbarkeit methodisch entwickelt werden, die mit weniger oder ohne Analysen auskommen. Mit Hilfe eines einfachen praxisgerechten Prognosemodells soll eine zuverlässige und frühzeitige Einstufung der Lagereignung vorgenommen werden.

Untersuchungsmethode

Die Untersuchung wurde in Zusammenarbeit mit 30 Betrieben der Obstregion Bodensee bei den Sorten 'Boskoop', 'Cox Orange', 'Elstar' und 'Jonagold' durchgeführt. In den einzelnen Anlagen wurden die Blühstärke, die Wachstumsintensität, die Fruchtbehangsdichte und die durchgeführten Kulturmaßnahmen ermittelt. Während der Vegetationsperiode wurden Blatt- und Fruchtproben zur Analyse entnommen. Für die Haltbarkeitsuntersuchung wurden Früchte von jeder Sorte und jedem Betrieb zum optimalen Zeitpunkt geerntet und gemeinsam unter praxisüblichen Bedingungen gelagert. Die Untersuchungen zur Haltbarkeit der Früchte erfolgten zu verschiedenen Zeitpunkten während der Lagerung. Dabei wurde der Anteil an physiologischen und parasitären Erkrankungen ermittelt. Mit Hilfe neuer Verfahren wurde das infiltrierbare Volumen und die Selbstzersetzungsgeschwindigkeit der Äpfel bestimmt. In einem weiteren Test wurde versucht, die Veränderungen der Früchte während einer mehrmonatigen Lagerung innerhalb weniger Tage zu simulieren. Die Ergebnisse der Lagerung wurden zu den gemessenen Vorerntefaktoren in Beziehung gesetzt.

Ergebnisse

Bei allen vier Sorten gab es große Unterschiede in der Haltbarkeit zwischen verschiedenen Jahren und verschiedenen Herkünften. Unter den Bedingungen der Obstregion Bodensee bildeten Fruchtfäulen, Stippe und Fleischbräune die wichtigsten Ursachen für Ausfälle im Lager. Zum Ausmaß an parasitären Erkrankungen und zu Veränderungen in der Fruchtfleischfestigkeit bestand kein Zusammenhang zu den erfaßten Vorerntefaktoren. Für die verschiedenen physiologischen Erkrankungen wurden dagegen signifikante Beziehungen gefunden. Von vielen untersuchten Kriterien kam der Blühstärke und der Fruchtbehangdichte eine entscheidende Bedeutung zu. Früchte von schwach blühenden Bäumen, die auch einen schwachen Behang aufwiesen, zeigten stets einen erhöhten Anteil an physiologischen Störungen. Die Daten zum Triebwachstum korrelierten nicht mit den physiologischen Störungen. Auch die erhobenen Daten zum Standort und zu den betriebsindividuellen Behandlungsmaßnahmen ließen keine Beziehung zur Haltbarkeit erkennen. Hohe Zucker- und Säuregehalte bei der Ernte waren stets mit einer hohen Anfälligkeit für physiologische Erkrankungen verbunden. Die Frucht-Mineralstoffanalyse stellte sich als eine bessere Möglichkeit zur Einschätzung der Haltbarkeit heraus. Die zuverlässigsten Daten ergaben sich aus dem Verhältnis von Kalium zu Calcium (K/Ca). Eine hohe Anfälligkeit für physiologische Störungen zeigte sich besonders bei jenen Früchten, die hohe Kaliumgehalte und gleichzeitig niedrige Calciumgehalte aufwiesen. Eine geringe Lagerfähigkeit zeigte sich auch für Früchte mit hohem Phosphorgehalt. Der Stickstoffgehalt stand in weiten Bereichen nicht in Beziehung zur Haltbarkeit. Bei extrem hohen Werten zeigten sich jedoch stets Haltbarkeitsprobleme. Eine besondere Bedeutung kam dem Trockensubstanzgehalt der Früchte zu. Auch hier war mit zunehmendem Gehalt eine Verminderung der Lagerfähigkeit zu beobachten. Der Magnesiumgehalt der Frucht schien nicht in Beziehung zur Lagerfähigkeit zu stehen. Der Zeitpunkt der Frucht-Mineralstoffanalyse hatte einen großen Einfluß auf ihre Aussagefähigkeit. Mineralstoffanalysen, die unmittelbar vor der Ernte durchgeführt wurden, lieferten zuverlässigere Daten zur Beurteilung der Haltbarkeit als Messungen zu einem früheren Zeitpunkt. Deshalb sind Mineralstoffanalysen im Juni und Juli nicht für die Prognose der Lagerfähigkeit geeignet. Das infiltrierbare Volumen und die Selbstzersetzungsgeschwindigkeit der Äpfel ließ keinerlei Aussagen zum Auftreten von physiologischen Erkrankungen zu. Für das Lagersimulationsverfahren zeigten sich interessante Übereinstimmungen zum Auftreten von Stippe. Für einen Einsatz in der Praxis müßte aber die Zuverlässigkeit des Verfahrens weiter geprüft werden.

Konsequenzen für die Praxis

Für die untersuchten Sorten kann über die Behangdichte und über Mineralstoffuntersuchungen eine Unterteilung in lagerfähige und gefährdete Partien vorgenommen werden.

Dabei ist folgendermaßen zu verfahren:

Erstens:

  • Früchte von Bäumen mit einer Behangdichte unter vier sind für eine Langzeitlagerung nicht geeignet. (Die Behangdichte vier bedeutet nach der Methode WINTER einen Behang von vier Früchten in einem Kronenausschnitt von 60 x 60 cm, siehe auch Erläuterung).
  • Für Früchte von Behangdichten zwischen vier und vierzehn sollte eine Fruchtanalyse durchgeführt werden.
  • Nur bei Früchten von einer Behangdichte über vierzehn sind keine physiologischen Lagerprobleme zu erwarten. Diese Früchte sind aber meist qualitativ unterentwickelt und aus dieser Sicht nicht/kaum lagerwürdig

Zweitens:

  • Eine Fruchtanalyse sollte Mitte August erfolgen und den Trockensubstanzgehalt sowie die Nährstoffe Kalium, Calcium, Phosphor und Stickstoff umfassen.
  • Der Trockensubstanzgehalt für lagerfähige Früchte der Sorte 'Boskoop' und 'Jonagold' soll unter 17%, bei 'Cox Orange' und 'Elstar' unter 18% liegen.
  • Das K/Ca-Verhältnis sollte kleiner als 35, für 'Boskoop' kleiner als 30 sein. Für den Phosphorgehalt können für 'Boskoop' und 'Jonagold' Werte zwischen 8 und 13 mg/100g Frischsubstanz (FS) und für 'Cox Orange' und 'Elstar' zwischen 10 und 14 mg/100g FS als günstig angesehen werden. Wird einer dieser Werte über- oder unterschritten, so sollte keine Langzeitlagerung vorgenommen werden
  • Stickstoffgehalte zwischen 40 und 80 mg/100g FS, bei 'Jonagold' zwischen 40 und 70 mg/100g FS, können als unbedenklich gelten.
Erläuterung:
Die Bestimmung der Fruchtbehangdichte

Das Verfahren ist denkbar einfach. Man kann es ohne großes Anlernen sofort anwenden, wie sich bei mehrjähriger Erprobung in vielen Kleingärten und Obstanlagen gezeigt hat.

Das Prinzip: Man schätzt nicht den Ertrag eines ganzen Baumes, der sehr groß- oder auch kleinkronig sein kann, sondern man zählt nur die Früchte, die man von außen in einem quadratischen Ausschnitt der Baumkrone von 60 x 60 cm bis zu einer Tiefe von 70 cm sieht. Unabhängig von der Baumgröße kann man die Zahl der Früchte je Ausschnitt (wir nennen sie "Behangdichte") direkt als Ertragsmeßzahl benutzen. Um nicht dicht an den Baum herangehen zu müssen und um auch hohe Baumkronen ohne Leiter beurteilen zu können, peilt man den Zählausschnitt aus mehreren Metern Entfernung an. Man schaut dabei durch ein selbst ausgeschnittenes Papp- oder Holzfensterchen, das man am ausgestreckten Arm in Richtung der Baumkrone hält. Die Größe des Peil-Fensters ergibt sich aus der Länge des ausgestreckten Armes (bei den meisten Menschen etwa 60 cm) und dem beabsichtigten Peil-Abstand. Für einen Augenabstand (Luftlinie) bis zur Baumkrone von 6m (10 mal so lang wie die Armlänge) braucht der Fensterausschnitt nur ein Zehntel so lang zu sein (6 x 6 cm) wie der Zählausschnitt auf der Kronenoberfläche. Da die Äpfel ungleichmäßig im Baum verteilt hängen, hat es sich bewährt, an einem Baum an verschiedenen Stellen insgesamt 10 Zählungen zu machen und das Gesamtergebnis durch 10 zu teilen. Um den Ertrag einer Sorte gut beurteilen zu können, sollte man in einer Anlage an etwa drei bis fünf verschiedenen Stellen kleine Stichproben von je vier bis sechs Bäumen auszählen.

Am besten arbeiten bei der Behangerhebung immer zwei Personen zusammen. Man kontrolliert sich dadurch gegenseitig und kann gleich seine Beobachtungen austauschen.

 

Literatur:
Abschlußbericht vom 10.01.96

 

Fördernde Institution: MLR

Förderkennzeichen:    24 - 92 . 22       




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