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Agrarforschung

Ornitho-ökologische Untersuchungen auf exotisch und einheimisch bewaldeten Kleinflächen des Weinheimer "Exotenwaldes"

Harald Kolb, Eberhard-Karls-Universität, Fakultät für Biologie, Abt. für Verhaltensphysiologie,
Tübingen & Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie, Vogelwarte Radolfzell
Prof. Dr. Schmidt-Koenig, Prof. Dr. Berthold                                                   1992 - 1994

Problemstellung

Die Analyse untersuchte avifaunistische Parameter auf Kleinflächen mit exotischen Baumbeständen im Weinheimer "Exotenwald" und angrenzenden Kontrollflächen mit einheimischer Bewaldung. Die vorrangigen Fragestellungen wurden hierbei wie folgt formuliert:

  1. Unterscheiden sich Waldgebiete mit exotischen Baumbeständen hinsichtlich der Artenvielfalt, Individuendichte und anderen avifaunistischen Kenngrößen wie Dominanzstruktur, Diversität und Evenness siedelnder Vogelarten von Gebieten mit einheimischer Bewaldung?
  2. Wie siedeln und reproduzieren Kohl- und Blaumeise in den unterschiedlichen Forststrukturen, und welche Faktoren beeinflussen die Reproduktionsbiologie dieser Arten?
  3. Ergeben sich in Hinblick auf die in dieser Studie ermittelten biologischen Parameter zwischen exotisch und einheimisch bewaldeten Gebieten ökologische Qualitätsunterschiede?
Ziel

Die Beantwortung dieser Fragen sollte neben einer Analyse des "Istzustandes" der avifaunistischen Situation im Weinheimer "Exotenwald" auch als konzeptioneller Hinweis für Aufforstungen mit exotischen Gehölzen aus ornithologischer Sicht verstanden werden.

Untersuchungsmethode

Im Weinheimer "Exotenwald" (54.89 N; 34.76 E) wurden während der Brutsaison in den Jahren 1992-1994 avifaunistische Freilanddaten ermittelt.

Bei den Untersuchungsgebieten handelte es sich um 10 Kleinflächen mit exotischer und 5 Flächen mit einheimischer Bewaldung. Die Flächengröße variierte zwischen 0,4 und 1,3 ha. Zur Ermittlung des Artenspectrums und der Brutvogeldichte erfolgten im Zeitraum von März-Juni wöchentliche Kartierungen des Vogelbestandes. Des weiteren wurden in 400 Nistkästen brutbiologische Daten zum Reproduktionserfolg von Kohlmeisen gesammelt. Um Hinweise über das Nahrungsangebot (Raupendichte) für Kohlmeisen zu erhalten, wurde unter zehn verschiedenen Baumarten in 100 Trichtern der von den Bäumen fallende Raupenkot gesammelt.

Ergebnis

Die Untersuchungen führten zu folgenden Ergebnissen:

  1. In einheimisch bewaldeten Untersuchungsflächen siedelten mehr Vogelarten mit höheren Individuendichten als in exotisch bewaldeten Gebieten.
  2. Die Brutphänologie von Kohlmeisen war in beiden Habitattypen sehr ähnlich.
  3. In einheimischer Bewaldung erzielten Kohlmeisen aufgrund höherer Brutpaardichten deutlich bessere Reproduktionserfolge pro Flächeneinheit als in Gebieten mit exotischen Baumbeständen.
  4. Junge Kohlmeisen, die in exotisch bewaldeten Untersuchungsflächen aufwuchsen, waren leichter als gleich alte Nestlinge in einheimischer Bewaldung.
  5. Auf Bäumen der einheimischen Vegetation steht den fütternden Altvögeln ein reichhaltigeres Nahrungsangebot zur Verfügung als auf Bäumen exotischer Herkunft.

Es zeigte sich sehr deutlich, daß Laubwald- und Mischwaldgebiete für siedelnde Vogelarten im Weinheimer "Exotenwald" optimales Lebensraumangebot darstellen.

Als weniger wertvoll für die Vögel können dem gegenüber die exotischen Nadel- und Zypressenbestände angesehen werden. Des weiteren boten die Mischbestände den Vögeln stets bessere Lebensraumqualitäten als Reinbestände. Gleiches gilt auch für die Reproduktionserfolge von Kohlmeisen. Die Resultate der Raupenkotanalyse belegen sehr eindeutig, daß auf Baumarten einheimischer Herkunft ein reichhaltigeres Nahrungsangebot für die Jungvogelaufzucht zur Verfügung steht, als dies auf exotischen Baumarten der Fall ist.

Konsequenzen für die Praxis

Die Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig bei der Kultivierung von exotischen Nadel- und Zypressenbeständen eine Durchmischung mit einheimischen Laubbaumarten für die Ernährung der darin lebenden Vögel ist. Abschließend ist zu bemerken, daß der gesamte Weinheimer "Exotenwald" aufgrund seines heterogenen Vegetationsbildes und der starken Parzellierung ein avifaunistisch reichhaltiges Waldbiotop darstellt. Seine waldbauliche Strukturierung, gebildet durch kleine exotische Rein- und Mischbestände in engem Kontakt mit einheimischer Vegetation, wirkt sich auf die Waldvogelgemeinschaft im Gegensatz zu großflächigen Monokulturen nicht nachteilig aus.

Aus den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit ergibt sich als Empfehlung aus ornithologischer Sicht, bei zukünftigen Aufforstungen von exotischen Baumarten den Anteil von Nadel- und Zypressenhölzern zugunsten von Laubbaumarten zu mindern und diese noch mit einheimischen Baumarten zu durchmischen bzw. naturnahen Unterwuchs zu fördern.

Literatur
  • Harald Kolb (1994): Ornitho-ökologische Untersuchungen auf exotisch und einheimisch bewaldeten Kleinflächen des Weinheimer "Exotenwaldes", Dissertation, Bibliothek der Eberhard-Karls-Universität,
    Tübingen
  • Harald Kolb (1996): Fortpflanzungsbiologie der Kohlmeise Parus major auf kleinen Flächen: Vergleich
    zwischen einheimischen und exotischen Baumbeständen. Journal für Ornithologie. 137:229-242.

 

Fördernde Institution:        MLR
Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie Seewiesen,
Gesellschaft Deutsches Arboretum Trier

Förderkennzeichen:   55 - 92 . 5




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