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Agrarforschung

Ochratoxin A und andere Mykotoxine in einheimischem Getreide
- Entstehung - Bedeutung - Bekämpfung -

Universität Hohenheim, Institut für Agrartechnik
Prof. Dr. T. Jungbluth                                                            
April 1992 - April 1994

Problemstellung

Die Ernte von lagerfähigem Getreide ist in Mitteleuropa nicht an allen Standorten und in jeder Saison gewährleistet. Die Konservierung des Getreides ist deshalb häufig unerläßlich. Eine günstige Möglichkeit hierzu stellt in der Praxis die Lagerbelüftungstrocknung dar. Über die Wachstumsbedingungen von Lagergetreidepilzen ist bisher sehr wenig bekannt. Vor allem die Entstehung des leber- und nierentoxischen Ochratoxines A, das in der Schweine- und Geflügelhaltung von Bedeutung ist und auch für den Menschen eine Gefahrenquelle werden kann, ist hierbei von besonderer Bedeutung.

Wenig Kenntnis besteht auch über die verfahrenstechnisch steuerbaren Bildungsbedingungen giftiger Stoffwechselprodukte durch Getreidelagerpilze bei der Lagerbelüftungstrocknung.

Ziel

Zunächst sind die Grenzbedingungen von Lagerpilzen unter praxisnahen Bedingungen zu ermitteln. Als nächster Schritt sind Verderbgrenzen für das Getreide und Grenzwerte für Einlagerungsfeuchten, Belüftungsintensitäten und Lagerhöhen zu bestimmen. Dann sind die im Labor und halbtechnischen Maßstab gewonnenen Ergebnisse auf die Übertragbarkeit in die Praxis zu überprüfen. Schließlich sind die kritischen Punkte der Lagerbelüftungstrocknung unter Praxisbedingungen genauer zu analysieren und Fehlerquellen aufzuzeigen.

Untersuchungsmethode

Aus der Literaturrecherche wurde die hohe Aktualität der Mykotoxin-Thematik abgeleitet.

Es wurden Versuche zur Lagerbelüftungstrocknung in halbtechnischen Maßstab sowohl mit angefeuchtetem als auch mit erntefrischem Weizen verschiedener Ausgangsfeuchtegehalte bei unterschiedlichen Belüftungsintensitäten durchgeführt. Der Einfluß der Lagerhöhe wurde durch Probenentnahmen in unterschiedlichen Lagerhöhen erfaßt.

Der Bezug zur Praxis und die Überprüfung der Versuchsbedingungen auf die Praxis wurde durch die Befragung von 12 landwirtschaftlichen Betrieben hergestellt. Zur Befragung stand ein dreiseitiger Fragebogen zur Verfügung, der vor Ort mit den Betriebsleitern ausgefüllt wurde. Dabei fand auch jeweils eine Besichtigung der Lager und eine Probenahme zur Mykotoxinanalyse statt.

Ergebnis

1. Ergosterin- und Toxingehalte nehmen in der Regel mit sinkender Belüftungsrate und zunehmender Einlagerungsfeuchte zu. Im allgemeinen ist ein Anstieg der Werte mit zunehmender Lagerhöhe festzustellen. Dies gilt besonders für Einlagerungsfeuchten von über 20%.

2. Eine Ausgangsfeuchte von 18% bietet eine Gewähr, daß es zu keinem nennenswerten Ergosterinanstieg kommt. Bei darüberliegenden Einlagerungsfeuchten muß mit Pilzwachstum und einer Toxinproduktion gerechnet werden, wenn keine Konservierungsmaßnahmen ergriffen wurden.

3. Um Pilzwachstum und Mykotoxinbildung wirkungsvoll zu verhindern, ist eine möglichst schnelle Abtrocknung auf unter 17% Feuchte über die gesamte Schütthöhe anzustreben. Die These, daß dies innerhalb von 10 Tagen stattfinden soll, konnte bestätigt werden.

4. Besonderes Augenmerk ist der Gesamtlagerhöhe zu schenken. Bei Kenntnis von Kornfeuchte, relativer Luftfeuchte und Zulufttemperatur kann der Trocknungsverlauf gezielt gesteuert und eine sichere Abtrocknung gewährleistet werden.

5. Die Praxiserhebungen zeigten, daß die unterstellten Versuchsbedingungen durchaus realistisch waren. Weiterhin zeigten die Erhebungen, daß bauliche Mängel und mangelhafte Steuerung der Lagerbelüftungstrocknung zu nachträglicher Anfeuchtung des Lagergutes führen können.

6. Die wenigsten Betriebe verfügen über die notwendigen Meßgeräte, so daß sie nicht in der Lage sind, die entscheidenden Parameter des Trocknungsprozesses zu erfassen und diesen ggf. entsprechend zu steuern.

Konsequenz für die Praxis

Lagerbelüftungstrocknungen stellen insbesondere bei kleineren Erntemengen eine günstige Möglichkeit zur Konservierung von Getreide dar. Um jedoch bei feuchten Erntepartien die Trocknung innerhalb eines Zeitraumes von zehn Tagen unter die kritische Feuchte von 17% zu erreichen, müssen die Betriebe über Meßgeräte für Kornfeuchte, Luftfeuchte und Zulufttemperatur verfügen, damit der Trocknungsprozess gezielt gesteuert werden kann.

Eine gezielte Beratung der Betriebe in Fragen der Lagerbelüftungstrocknung, insbesondere der technischen Ausstattung und der Anlagensteuerung kann dazu beitragen, die Qualität des Lagergetreides zu erhalten und die Bildung toxischer Inhaltsstoffe zu unterbinden.

 

Literatur:

  • Zwischenbericht, Dezember 1992
  • Schlußbericht, April 1994

 

Fördernde Institution:MLR

Förderkennzeichen:  27 - 92 . 20




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