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Forschungsreport

Herleitung von nachhaltigen Nutzungssätzen und Nutzungsstrukturen auf der Basis von Stichprobenerhebungen im Rahmen der Forsteinrichtung, abgestimmt auf die Anforderungen der naturnahen Waldwirtschaft.

Universität Freiburg, Abteilung für Forstliche Biometrie
Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter R. Pelz                                     
April 1998 - März 2000                 

Problemstellung

Durch die Umstellung der waldbaulichen Verfahren treten vermehrt mehrschichtige Bestände auf. Die derzeit in der Forsteinrichtung verwendeten Modelle sind auf gleichaltrige Wälder abgestimmt und befriedigen daher nicht mehr. Modelle, welche auf die Bestandestruktur aufbauen, sind hier besser geeignet, deren Übertragung auf ein breites Spektrum der Waldaufbauformen bedarf der Entwicklung. Das Forsteinrichtungsverfahren von Baden-Württemberg wird derzeit überarbeitet. Mit der Integration der Rasterstichprobe werden objektive wachstumskundliche Kenndaten für größere Planungseinheiten gewonnen. Es existiert jedoch noch kein schlüssiges Verfahren, mit dem auf der Grundlage der erhobenen Strukturdaten Nutzungssätze für die künftigen Planungseinheiten hergeleitet werden können.

Ziel

Das Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Verfahrens, mit dem für strukturreiche Wälder und für schlagweise bewirtschaftete Wälder objektive Nachhaltsweiser abgeleitet werden können. Diese Zielsetzung erfordert die Entwicklung und Überprüfung geeigneter Modelle, welche die geänderte waldbauliche Zielsetzung berücksichtigen. Schwerpunkt der Weiterenwicklung ist die Anpassung der Modelle an die Forsteinrichtungserneuerung. Da objektive Daten für Einzelbestände nicht mit vertretbarem Aufwand erhoben werden können, gewinnen künftig größere Befundeinheiten sowohl für Inventur, als auch für Planung und Kontrolle, an Bedeutung. Mit der räumlichen Eingrenzung von Entwicklungsphasen als Auswertungseinheiten soll das Verfahren eine bessere Informationsgrundlage für die Forsteinrichtung liefern.

Untersuchungsmethode

In der ersten Phase werden Ansätze zur Anpassung des Stärkeklassenverfahrens an die Neukonzeption des Forsteinrichtungsverfahrens in Baden-Württemberg untersucht. Als Untersuchungsobjekt werden Behandlungstypen des Beispielbetriebes Stadt- und Hospitalwald Biberach an der Riß für den Stärkeklassenvergleich herangezogen. Da für diesen Betrieb bereits eine Wiederholungsinventur durchgeführt wurde, können die Ergebnisse zweier Aufnahmen zur Modellierung der Ausscheidungsvorgänge im vergangenen Zeitraum verwendet werden. Wird für den vergangenen Zeitraum eine waldbaulich korrekte und nachhaltige Bewirtschaftung unterstellt, so kann die Stärkeklassenverteilung der Wiederholungsinventur als Referenz eingehen.

In der zweiten Phase wird der Einsatz von Matrixmodellen auf der Basis von Stichprobeninventuren geprüft. Bei stochastischen Bestandeswuchsmodellen werden Wachstums- und Absterbevorgänge als Übergangswahrscheinlichkeiten dargestellt. Modelle, welche Veränderungen in bestimmten Zeitintervallen abbilden, können z.B. auf der Basis von permanenten Inventuren hergeleitet werden. Diese Datengrundlage enthält gleichzeitig die Struktur der Nutzung. Auf der Basis von permanenten Inventuren mit 0,05 Hektar Probekreisen werden zunächst die Veränderungen der Übergangsmatrix in verschiedenen Bestandestypen und Entwicklungsphasen untersucht. Von großer Bedeutung ist insbesondere die Quantifizierung des Einwuchses. In einem weiteren Schritt soll geprüft werden in wie weit das Modell auf die Betriebsinventur mit konzentrischen Probekreisen übertragen werden kann.

Ergebnis

Zur ersten Erprobung des abgewandelten Stärkeklassenverfahrens eignen sich die flächenmäßig bedeutsamsten Behandlungstypen des Beispielbetriebes am besten. Mit der proportional zur Fläche größeren Zahl an BI-Punkten steigt die Qualität der Datengrundlage. Die drei größten Behandlungstypen nehmen zusammen 50 % der Fläche des Beispielbetriebs ein. Auf der Basis des Stärkeklassenvergleichs wird die Nutzung im vergangenen Einrichtungszeitraum als Richtgröße für den Hiebsatz berechnet. Bei der Gegenüberstellung mit der Forsteinrichtungsplanung für den kommenden Zeitraum weichen die Ergebnisse nur um wenige Erntefestmeter im Jahrzehnt ab. In den Behandlungstypen „Auslesedurchforstung„ und „freie Hochdurchforstung„ liegt der Hiebsatz zwischen 120 und 130 Efm im Jahrzehnt. Das entspricht i.d.R. zwei Durchforstungseingriffen. Bei der „Gruppenschirmstellung„ ist ein deutlich höherer Hiebsatz (160 Efm im Jahrzehnt) anzustreben.

Konsequenzen für die Praxis

Anhand der drei wichtigsten Behandlungstypen wurde für einen Beispielbetrieb gezeigt, daß mit einer Abwandlung des Stärkeklassenverfahrens auf der Basis einer Wiederholungsinventur plausible Hiebsatzergebnisse berechnet werden können. Da die Berechnung über Stärkeklassen erfolgt, läßt sich der Holzanfall nach Sorten leicht ermitteln. Damit bietet das Verfahren auch eine bessere Datengrundlage für die Holzvermarktung. Da in den nächsten Jahren auf großer Fläche Ergebnisse von Wiederholungsinventuren anfallen, wird die Modellierung von größeren Befundeinheiten einen wichtigen Beitrag für die künftige Planung leisten.

Literatur:
  • Obergföll, P. (1999): Weiterentwicklung des Stärkeklassenverfahrens. In: Pelz D.R.; Rau O.; Saborowski J. (1999): Deutscher Verband Forstlicher Forschungsanstalten, Sektion Forstliche Biometrie und Informatik - 11. Tagung. Ljubljana. S. 136-146.
  • Obergföll, P. (1997): Das Stärkeklassenverfahren für strukturreiche Wälder als Simulation - Am Beispiel des Staatswaldes Pfalzgrafenweiler. Forst u. Holz 1997/21, S. 628-633.

 

Fördernde Institution:    MLR

Förderkennzeichen:     Projekt-Nr.: 0101 E


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