Service-Navigation

Suchfunktion

Agrarforschung

Lage und Aussichten des Erwerbsobstbaus in Baden-Württemberg

Universität Hohenheim                   
Privatdozent Dr. L. Gekle, Dr. R. Silbereisen und Dipl.-Ing. agr. Frank Beyer 
November 1993 - September 1994

Problemstellung

Die Erzeugung von Tafelobst konzentriert sich in der BR Deutschland und auch in Baden-Württemberg auf eine begrenzte Anzahl geeigneter Regionen, in denen sie aufgrund ihrer hohen Wettbewerbsfähigkeit zumeist eine starke Stellung unter den landwirtschaftlichen Produktionsverfahren einnimmt. Diese relative Vorzüglichkeit der Tafelobstproduktion und die bei Dauerkulturen nicht nur kurz, sondern auch mittelfristig geringe Produktionsflexibilität haben steigende inländische Produktionsmengen zur Konsequenz, welche - durch Importe vergrößert - auf eine derzeit stagnierende Binnennachfrage nach einheimischen Obstarten treffen, so daß sich ein zunehmendes Marktungleichgewicht abzeichnet, von welchem die Zukunft des Erwerbsobstbaus beeinflußt sein wird.

Ziel

Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, als Anschluß an eine Untersuchung, die im Jahre 1973 von der Versuchsstation für Intensivkulturen und Agrarökologie, Bavendorf, durchgeführt wurde, die gegenwärtige Situation und die Zukunft des Erwerbsobstbaus in Baden-Württemberg zu analysieren. Untersuchungsschwerpunkte bildeten dabei die Bereiche Produktionstechnik, Betriebswirtschaft, Vermarktung, Ausbildung und Beratung.

Untersuchungsmethode

Die Grundlage der Untersuchung bildeten die Erkenntnisse der Arbeit der Versuchsstation Bavendorf, die Auswertung der statistischen Daten zu den wichtigsten strukturellen und wirtschaftlichen Bereichen des Erwerbsobstbaus sowie eine von den Verfassern durchgeführte Expertenbefragung, in deren Rahmen Vertreter der Wissenschaft, des Versuchswesens, der landwirtschaftlichen Praxis, der Beratung und Verwaltung sowie der Vermarktungsunternehmen befragt wurden. Somit wurde es möglich, die Sicht der Praxis in die Beurteilung der Lage und der Aussichten des Erwerbsobstbaus einfließen zu lassen. Gemäß Auftrag wurden der Obstbau in Haus- und Kleingärten sowie der Streuobstbau nicht berücksichtigt.

Ergebnis

Lage

Der Tafelobstmarkt ist gekennzeichnet von einem tendenziellen Überangebot, wobei der Einfluß der Natur zu Mengen- und Qualitätsschwankungen führt und das heimische Obst insgesamt zwar an Qualität gewinnt, jedoch aus der Sicht der Käufer an Exklusivität - z.B. im Vergleich zu exotischem Obst - verliert. Es läßt sich zudem eine Verschiebung der Marktmacht zugunsten des Lebensmittelgroßhandels feststellen. Außerdem verliert die Obstverwertung als Mittel zur Preisabsicherung für Tafelware aufgrund von Billigimporten an Bedeutung. Auf diese Situation haben die Erzeuger mit zunehmender Intensivierung, Rationalisierung, Spezialisierung, Produktionssteigerung und Kostensenkung und die Vermarktungsunternehmen mit einer räumlichen Konzentration und einer geschäftlichen Kooperation reagiert. Insgesamt ist der Erwerbsobstbau derzeit in Baden-Württemberg nicht in seiner Existenz bedroht.

Aussichten

Der Erwerbsobstbau wird in Baden-Württemberg auch weiterhin von Bedeutung sein, wobei zu erwarten ist, daß die relative Vorzüglichkeit auch zukünftig Landwirte zum Neueinstieg in die erwerbsmäßige Obsterzeugung veranlassen wird. Ferner wird es zu einer weiteren betrieblichen und räumlichen Konzentration und zu einer weiteren Verschiebung der Marktmacht zugunsten des Lebensmittelhandels kommen. Daher ist es nicht ausgeschlossen, daß zukünftig eine höhere Produktqualität bei höheren Produktionskosten zu niedrigeren Preisen verkauft werden muß.

Konsequenz für die Praxis und die Administration

Aufgrund der zu erwartenden Wettbewerbsverschärfung sollte der Berufsstand trotz der im Vergleich zur übrigen Landwirtschaft günstigen Einkommenschancen zukünftige Einkommenserwartungen nicht vom Durchschnitt der vergangenen Jahre ableiten. Für die Administration bieten sich folgende Ansatzpunkte einer gezielten Förderung an:

  • Die Forschung, um die ökonomischen Unterschiede zwischen mehr und weniger umweltverträglichen Produktionsverfahren zu reduzieren.
  • Die Offenlegung der ökologischen Unterschiede verschiedener Produktionsverfahren und Qualitätszeichen.
  • Die Harmonisierung der Pflanzenschutzmittelzulassung auf hohem Anforderungsniveau.
  • Die Kompensation der nicht verringerbaren ökonomischen Nachteile einer möglichst umweltverträglichen Obsterzeugung.

 

Literatur:
Abschlußbericht, September 1994

 

Fördernde Institution:MLR

Förderkennzeichen: 24 - 92 . 21




MLR   |   Agrarforschung   

 

Fußleiste