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Agrarforschung

Krankheitsresistenz von Apfelsorten

Herr Würth und Herr Litterst, ALLB Freiburg
1996 bis 1999

Problemstellung

Die IP-Produktion (Integrierte Produktion) von Kernobst ist in den Obstanbaugebieten heute als Standard anzusehen. Zudem gewinnt die Erzeugung von Obst nach den Richtlinien des Ökologischen Landbaus weiter an Bedeutung. Um den notwendigen Einsatz von Pflanzenbehandlungsmitteln noch weiter zu reduzieren, was heutzutage aus ökologischer aber zunehmend auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht immer dringender ist, kommt der Sichtung des Sortenspektrums bei Apfel auf vorhandene Resistenzen eine große Bedeutung zu. Viele interessante neue Apfelsorten mit Resistenzeigenschaften haben in den zurückliegenden Jahren das Sortenspektrum bereichert, regionalspezifische Anbauerfahrungen liegen hierzu häufig aber noch nicht vor. Die obstbauliche Praxis braucht deshalb abgesicherte Sortenempfehlungen für anbauwürdige marktfähige Sorten. Außerdem müssen die Resistenz- und Leistungseigenschaften der Sorten über einen längeren Beobachtungszeitraum - möglichst an unterschiedlichen Standorten - getestet werden.

Ziel

In dem Vorhaben sollen geprüft werden die Aspekte Screening des Sortenspektrums auf seine Resistenzeigenschaften, Erträge, Fruchtqualitäten, Bau-meigenschaften, Anbaueignung für den konventionellen Anbau und den Bioanbau.

Methode

Auf den drei Versuchsstandorten Freiburg-Opfin-gen / Lehr- u. Versuchsgarten (D), Obernai / Versuchsstation Verexal (F) und Oberwil / FibL (Schweiz) wurden Kultur- und Pflanzenschutzarbeiten nach guter fachlicher Praxis vom Personal der Versuchsstationen durchgeführt. In Oberwil wurden alle Pflanzenschutzmassnahmen entsprechend den Schweizerischen Richtlinien des biologischen Landbaus durchgeführt.

Die insgesamt 19 Apfelsorten - davon 10 an drei und 9 an zwei Standorten - wurden hinsichtlich phänologischer Daten, Fruchtqualität und Ertrag, Schorf- und Mehltauanfälligkeit und sonstiger Krankheiten und Schädlinge untersucht.

Ergebnis und Schlussfolgerung

Das Projekt hat folgendes erreicht:

  • eine Harmonisierung der Methoden und damit einhergehend eine Effizienzsteigerung der Erhebungs- und Auswertungsarbeit aller am Projekt beteiligten Partner
  • eine Horizonterweiterung der Versuchsansteller, aber auch der Gültigkeit, Sicherheit und Extrapolierbarkeit der Resultate
  • eine Verbreitung guter, bisher aber nur isoliert vorhandener Ideen sowie die gemeinsame Entwicklung neuer Ideen zur methodischen Vorgehensweise, der Auswertung und der Umsetzungsmöglichkeiten in die Praxis
  • Anreize zur Optimierung der eigenen gegenwärtigen sowie der geplanten Versuchstätigkeit
  • Anregungen zu weiterer interregionalen Zusammenarbeit und des Informationsaustausches (Jährliches Treffen, Bio-Zwetschensortenprüf-ung etc.)
  • Kennenlernen der nachbarländischen Obstbaustrukturen im Anbau-, Versuchs- und Beratungs-wesen mit entsprechenden Anregungen für die eigenen Aktivitäten

Dennoch bleibt noch viel zu tun:

  • Weiterführung der Sortenprüfung alter und jährlich neu erscheinender resistenter Sorten mit verbesserten Eigenschaften.
  • Straffung der Sortenprüfung mit klaren, am Markt ausgerichteten Kriterien.
  • Überregionale Zusammenarbeit noch mehr fördern und methodisch noch stärker aneinander angleichen, damit die Datenzusammenführung in höchst-möglichem Maße möglich wird.
  • Erarbeiten von Konzepten zur Einführung neuer Sorten in enger Zusammenarbeit mit Marktpartnern und Produzentenorganisationen. Dies zu evaluieren und in die Handels- und Produktionspraxis umzusetzen bleibt als große Herausforderung.
Konsequenzen für die Praxis

Das Projekt brachte wichtige Resultate. Diese sind auch dringend notwendig, da immer mehr neue Sorten auf dem Markt drängen (Neuheitenflut!), hierzu aber kaum praxisrelevante Daten vorliegen. Das Anbaurisiko für die Obsterzeuger ist somit relativ hoch. Für Biobetriebe besteht außerdem ein hoher Zugzwang mit resistenten Sorten zu arbeiten, da Schorf und in gewissem Maße auch Mehltau sowie Blattläuse nicht befriedigend gelöste biospezifische Probleme darstellen.

Diese Versuche sind - zum einen als wertvolle Demonstrationsobjekte, zum anderen bezüglich der daraus gewonnenen Erkenntnisse - für Obstbauern sehr aktuelle und wichtige Informationsquellen im Hinblick auf eine zukünftige Produktionsausrichtung (Zeit-Maßstab: 15 bis 20 Jahre) und deren Ökologisierungsmöglichkeiten, nicht zuletzt auch vor dem betriebswirtschaftlichen Hintergrund des Zwangs zur ständigen Kostenminimierung (Ein-sparung von Pflanzenbehandlungsmitteln).

Die Sortenwahl bietet gegenüber der Mittelwahl (Pflanzenbehandlungsmittel) oder deren Einsatzstrategien ein ungleich höheres Ökologisierungspotential speziell im Apfelanbau, da Resistenzen relativ leicht einkreuzbar sind.

 

Literatur
Abschlußbericht 1999

 

Fördernde Institution
EU, MLR

Förderkennzeichen
ITADA-Projekt A 3.3




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