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Forschungsreport

Forschungsbericht zum Projekt „Neospora caninum“

(Infektionskrankheit die zum Rinderabort führt)

Auftraggeber

Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg

Förderzeitraum

01.11.2005 bis 31.12.2006

Projektleitung

Dr. Sauter/Frau Dr. Constantin (CVUA Karlsruhe, Außenstelle Heidelberg )

Antragnehmer

Dr. Uhlenbruck (Rinder-/Eutergesundheitsdienst Heidelberg der Tiersuchenkasse Baden-Württemberg)
Frau Prof. Dr. Mackenstedt/ Herr Dr. Romig (Parasitologie der Universität Hohenheim)
Dr. Schares (Institut für Epidemiologie Friedrich-Loeffler-Institut-Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI)

Zusammenfassung

1. Projekttitel

Untersuchungen mittels konventioneller Parasitologie (Flotation) und Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zur Rolle des Fuchses als möglicher Überträger von N. caninum und zur Häufigkeit bei Wildwiederkäuern und Kleinsäugern als mögliche Zwischenwirte in einem Wildtierzyklus

2. Problemstellung

In letzter Zeit hat sich wegen der Abortproblematik in Rinderhaltungsbetrieben eine kontroverse Diskussion zwischen Landwirtschaft und Hundehaltern entwickelt. Dabei spielt die Frage des Infektionsrisikos durch Hunde- und auch Fuchskot eine wesentliche Rolle (ALBRECHT et al. 2004, BLUMRÖDER et al. 2006, CANADA et al. 2004, SCHARES et al. 1997).
Hunde sind die einzig bekannten Endwirte in Europa, die über ihren Kot N. caninum -Oozysten ausscheiden können. Die von infizierten Hunden ausgehende Futterkontamination führt zu sogenannter horizontaler Infektion des Rinderbestandes und Aborten. (SCHARES, CONRATHS, 2007).
Bei der öffentlichen Diskussion zur Vermeidung der Einschleppung des Aborterregers in Rinderbestände hatte bislang immer das Fernhalten von Hunden, zumeist Stadthunden, von Futterflächen für Rinder eine Rolle gespielt. Mittlerweile deutet sich an, dass betriebseigene Hofhunde ein größeres Risiko für die horizontale Übertragung darstellen. Neuere Arbeiten relativieren jedoch zumeist die Rolle des Hundes als Infektionsauslöser (SCHARES et al. 2005, BLUMRÖDER et al. 2006, SCHARES et al. Homepage FLI).

In der Literatur wird aber auch über die Rolle des Fuchses als möglichem Überträger spekuliert (ALMERIA et.al., 2002) Auch von Wildwiederkäuern als Träger von Parasitenstadien unter fleischhygienischen Aspekten wird berichtet (GODIM et al. 2004, HADDAD et al. 2005).
Die Existenz eines Wildtierzyklus sowie die Rolle des Fuchses als möglichem Überträger ist nicht ausreichend geklärt. Daher stellt sich die Frage, ob und welche Rolle der Fuchs in einem vermeintlichen Wildtierzyklus als Endwirt und bei der Abortproblematik in Rinderbeständen spielt. Somit soll in diesem Zusammenhang ebenfalls die Rolle der Wildmäuse als potentiellem Zwischenwirt und Hauptnahrungsquelle von Füchsen beleuchtet werden (HUGHES et al. 2006).

3. Gegenwärtiger Kenntnisstand

Bei Neospora caninum handelt es sich um einen einzelligen Parasiten (Protozoa), der erstmals Ende der 80er Jahre bei Hunden in den USA nachgewiesen wurde. In der Zwischenzeit geht man von einer weltweiten Verbreitung aus (MAYR 2004). Es gibt zwei Infektionswege:
a. Die Ausbreitung des Parasiten erfolgt durch sogenannte Dauerstadien (Oozysten bzw. Sporozysten) die durch den Kot in die Umwelt gelangen und hier vermutlich Monatelang im Futter oder Wasser überleben können.
Als Endwirt und Überträger fungieren Fleischfresser (Hund, Dingo, Kojote) die über ihren Kot infektiöse Stadien (Oozysten) ausscheiden. Pflanzenfresser (Rinder, Büffel, Schafe, Ziegen, Gemsen u.a.) können wiederum Zwischenwirte darstellen (BOCH und SUPPERER; 2000). Diese infizieren sich durch die Aufnahme von mit Oozysten kontaminiertem Futter. (sogenannter horizontaler Infektionsweg). Folge sind dann Aborte oder auch die Geburt von lebensschwachen, lebenslang infizierten Jungtieren (MAYR 2004, GONDIM et al., 2004).
b.Der Zwischenwirt ist bereits infiziert, im Zuge der Trächtigkeit kommt es nach diaplazentarem Übergang zur intrazellulären Vermehrung des Parasiten und zur fetalen und maternalen Schädigung mit Folge von Geburt gesunder bis lebensschwacher, aber lebenslang infizierter Kälber (vertikaler Infektionsweg)(SCHARES, CONRATHS, 2007).
Das Zwischenwirtsspektrum von N. caninum ist sehr breit. Verschiedene Wildwiederkäuer (Rotwild, Reh, Gemse) und Kleinsäuger (experimentell: Mäuse, Kaninchen) sind als Zwischenwirte bekannt (BOCH und SUPPERER; 2000, CONRATHS und SCHARES Homepage FLI 2007).
Derzeit ist aber noch unklar, ob es in Mitteleuropa tatsächlich einen Wildtierzyklus von N. caninum gibt (ALMERIA et al.2002, MAYR 2004).

4. Ziel des Projektes

Das Projekt soll die Hypothese überprüfen, ob neben dem bekannten Haustierzyklus auch ein Wildtierzyklus bzw. ein „cross-over-Zyklus“ zwischen beiden Typen existiert. Dafür soll zum Einen die Rolle des Fuchses als möglicher Endwirt und/oder Zwischenwirt und zum Zweiten die Rolle der Maus als möglicher Zwischenwirt bzw. Stapelwirt untersucht werden.

5. Material und Methode

Dazu wurden Fuchskotproben mittels modifizierter Flotationsmethode auf das Vorhandensein von Oozysten gescreent. Bei positivem Nachweis erfolgt die Artdifferenzierung mittels konventioneller PCR. Parallel dazu werden Organproben von Füchsen, anderen Wildtieren und Mäusen mittels real time PCR auf Zysten von N..caninum untersucht. Bei positivem Befund soll dann in Rinderhaltenden Betrieben mit Abortgeschehen aus dem geographischen Umfeld des positiven Oozysten bzw. Zystennachweises eine serologische Untersuchung der Rinder auf Antikörper von N. caninum erfolgen

6. Ergebnisse

Es wurden 2191 Fuchskotproben mittels modifizierter Flotationstechnik untersucht. Davon waren 65 positiv. Diese wurden mittels konventioneller PCR auf N. caninum spezifische DNA-Sequenzen getestet. Die molekularbiologische Untersuchung verlief mit negativem Ergebnis. Die ausschließlich mittels Realtime-PCR untersuchten 769 Gehirnproben (528 Füchse; 224 Wildmäuse; 16 Wildwiederkäuer; 1 Wildschwein) verliefen ebenfalls mit negativem Ergebnis.

 7. Konsequenzen für die Praxis

 In keiner der über 2000 untersuchten Fuchskotproben konnten Oozysten / Sporozysten von N. caninum nachgewiesen werden. Dies legt die Vermutung nahe, dass der Fuchs kein Endwirt ist.
 In keiner der Wildtiergehirnproben konnte mittels realtime PCR das Vorhandensein von Zysten von N. caninum nachgewiesen werden. Damit konnte die Hypothese eines Wildtierzykus nach dem Umfang der bisherigen Untersuchungen nicht bestätigt werden.

 8. Fazit und Ausblick

 In weiterführenden Untersuchungen mit dem Hauptaugenmerk des Zystennachweises beim Fuchs aus verschiedenen Organen mittels realtime PCR könnte die Rolle des Fuchses als Zwischenwirt beleuchtet werden.

pdf-Dateien zum Download:  

Fördernde Institution
MLR

Förderkennzeichen
Projekt-Nr. 0296E

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