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Agrarforschung



1996 - 1999

Problemstellung

Die nationale Gesetzgebung sowie europäische Richtlinien betrachten den Feuerbrand als Quarantänekrankheit und reglementieren einerseits den Verkehr von möglichen Wirtspflanzen. Andererseits sind Maßnahmen zur Ausrottung der Symptome vorgesehen, die bis zur Zwangsrodung stark befallener Obstanlagen gehen können. Vorbeugende Maßnahmen werden in Deutschland vom Pflanzenschutzdienst in die Wege geleitet, der auch über die Anwendungstermine von im Wege einer Ausnahmereglung zugelassenen Veterinär-Antibiotikum 'Plan-tomycin' bestimmt, welches eine sehr gute Wirkung gegenüber Erwinia Amylovora bewiesen hat.

In Frankreich sind zur Bekämpfung lediglich Kupfer und Fosetylaluminium (Aliette) zugelassen, zwei Fungizide mit leicht bakterizider Wirkung sowie Flumequine (Firestop) ein nichtantibiotisches. Von einem ersten Befallsherd im Raum Strasbourg (Unterelsaß) ausgehend breitet sich das Bakterium Richtung Oberelsaß aus. Bei den potentiell gefährdeten Obstanlagen im Elsaß handelt es sich um 500 ha Tafeläpfel, 1.200 ha Mostäpfel (Erwerbs- und Liebhaberobstbau) und 70 ha Birnen mit einem Produktionswert von jährlich rund 70 Mio. FRF oder ca. 10 Mio. EURO. In Baden-Württemberg war im Jahre 1994 lediglich ein Teil des Landes mit einer bedrohten Obstbaufläche von 3.000 ha vom Feuerbrandbefall betroffen. Auf 200 ha wurden Zwangsrodungen durchgeführt. Innerhalb von 3 Jahren hat sich die Krankheit aufs ganze Land ausgebreitet, so dass nunmehr 13.000 ha Obstanlagen kontrolliert werden müssen.

Für den Obstbauer stellt sich also die Frage: Was tun? Mit welchen Mitteln behandeln? Zu welchem Zeitpunkt?

Ziel

Hauptzielsetzung ist die Überprüfung von Prognosemodellen für das Infektionsrisiko mit Feuerbrand, damit die Behandlungsempfehlungen weiter verfeinert werden können. Dadurch sollen die Behandlungen soweit wie möglich reduziert werden, um die Umweltbelastung so niedrig wie möglich zu halten und die Produktionskosten zu senken. Ferner wurden die verschiedenen Bekämpfungsmöglichkeiten mit Pflanzenschutzmitteln verglichen, die sich im engen Rahmen der zwischen den in Deutschland und Frankreich unterschiedlichen Zulassungsbestimmungen bewegen.

Abschließend erscheint es auch sinnvoll, die spezifische Anfälligkeit für Feuerbrand von neuen Sorten zu beurteilen.

Methode

An den beiden Versuchsstandorten Breisach-Kaiserstuhl (D) und Obernai (F) erfolgten die Behandlungen nach den Warnaufrufen der regionalen Pflanzenschutzdienste in drei Varianten mit unterschiedlichen Wirkstoffen bei drei Entwicklungsstadien (plus Kontrolle).

Das Bakterium ist auf Wärme, Feuchtigkeit und Eintrittspforten (geöffnete Blüten oder Verletzungen durch Hagel) angewiesen, um in die Pflanze eindringen und sich dort vermehren zu können. Der Witterungsverlauf sowie die Entwicklungsstadien der Pflanzen sind deshalb Basisdaten für die Erstellung von Prognosen mittels Modellrechnungen in Vorhersagemodellen. Die Witterungsdaten werden von automatisierten Wetterstationen direkt an die Rechner übermittelt, die damit Modellrechnungen durchführen.

Ergebnis und Schlussfolgerung

Aus Gründen der Handhabung erscheint das Vorhersagemodell ‘Maryblyt’ am interessantesten, da es am einfachsten in der Anwendung ist. Insgesamt erwiesen sich die Programme als effektiv und zuverlässig. Sie haben keine tatsächliche Gefahrenperiode übersehen. Die Vorhersagen müssen jedoch noch weiter verfeinert werden mit dem Ziel, die Anzahl der 'falschen Alarme' weiter zu senken.

In dieser Richtung modifiziert, stellt die Version 4.3 von ‘Maryblyt’ für den Witterungsverlauf von 1996 im Gegensatz zur Version 4.1 keine Infektionsgefahr fest. Damit gibt es ein zuverlässiges Werkzeug, um die Obstbauern vor einer tatsächlichen Gefahr zu warnen. Diese verfügen jedoch seit 1999 nicht mehr über ein wirksames zugelassenes Mittel zu seiner Bekämpfung.

So sind also annähernd 15.000 ha Kernobstanlagen im Oberrheingraben dem Feuerbrand ausgeliefert. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit hat eine globalere Betrachtung des Problems Feuerbrand sowie einen aktiven und intensiven Informationsaustausch gestattet.

Durch dieses Projekt konnten regelmäßige Kontakte angebahnt werden, die den Rahmen des ITADA-Projekts überschreiten und den Obstbau insgesamt betreffen.

Konsequenzen für die Praxis

Die drei Versuchsjahre erlauben mehrere Feststellungen:

Die EDV-gestützten Vorhersagemodelle für die Gefahr der Infektion durch Feuerbrand helfen die Entscheidungen abzusichern. Sie gestatten eine Verfolgung des Anstiegs und Rückgangs von potentiellen Gefahren in Abhängigkeit vom Witterungsverlauf. Sie haben sich insofern als zuverlässig erwiesen, als ihnen keine tatsächliche und bestätigte Infektion entgangen ist. Auf der anderen Seite folgten aber nicht auf alle angezeigten Gefahrensituationen auch tatsächliche Infektionen.

Die Gefahrentermine stimmen auf beiden Seiten des Rheines miteinander überein.

Mit diesen Hilfsmitteln kann in Abhängigkeit vom ermittelten Risiko den Obstbauern eine Empfehlung, zu behandeln oder nicht zu behandeln, gegeben werden; eventuell nach einer vorherigen grenzüberschreitenden Abstimmung. Dies gestattet eine Minimierung der Anzahl von Behandlungen ohne großes Risiko, was sowohl betriebswirtschaftlich als auch für die Umwelt einen Gewinn bedeutet.

Die Liste der empfindlichen Sorten konnte vervollständigt werden.

 

 

Literatur
Abschlußbericht 1999

 

Fördernde Institution
EU, MLR

Förderkennzeichen
ITADA-Projekt A 3.3




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