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Agrarforschung

Erhebung der Grundlagen für die bessere Vermarktung von nach besonderen Richtlinien erzeugten landwirtschaftlichen Produkten aus dem Oberrheingebiet

K. Rennenkampff, FiBL (CH)
1996-1999

Problemstellung

Die Landwirtschaft in den Regionen Elsaß, Südbaden und Nordwestschweiz steht vor der Anpassung ihrer agrarpolitischen Systeme an eine zunehmende Angleichung an Weltmarktbedingungen. Eine Besinnung auf die Verbraucher vor der Haustür unter Berücksichtung der Produktion auf die Verbraucherbedürfnisse nach umweltorientierten Produktionsweisen und überschaubaren Vermarktungswegen scheint eine erfolgreiche Strategie, um eine stärkere Unabhängigkeit von den Kräften des Weltmarktes zu erreichen.

Eine stärkere Erschließung und Verteidigung der heimischen Märkte kann langfristig nur durch die enge Verzahnung zwischen landwirtschaftlicher Erzeugung, Verarbeitung, Handel und Verbrauch in einer Region erreicht werden.

Ziel

Ziel der Untersuchung ist die Erhebung der Grundlagen für die bessere Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten, die ökologisch oder integriert und somit nach besonderen umweltorientierten Produktionsrichtlinien erzeugt werden. Dazu wird der Ist-Zustandes der bisherigen Entwicklung der Produktions- und Vermarktungsstruktur sowie des Umfeldes von Produktion und Vermarktung in den drei Teilregionen des Untersuchungsgebietes erfasst und gegenüberstellend bewertet. Daraus werden unter Berücksichtigung der künftig zu erwartenden Einflüsse von Politik und Nachfrage, Perspektiven für eine Verbesserung der regionalen sowie der grenzüberschreitenden Vermarktung umweltgerecht und regional erzeugter Nahrungsmittel abgeleitet.

Methode

Folgende Methoden wurden in der Projektarbeit eingesetzt: internationale Literaturrecherchen, mündliche und schriftliche Erhebung von Primärdaten anhand standardisierter Fragebögen (Kon-sumentenbefragung, Großküchenbefragung), deskriptive und multivariate Analysen der Primärdaten wie Korrelations-, Faktoren- und Clusteranalyse, deskriptive Auswertung von Sekundärdaten (Struk-tur-, Angebots- und Nachfrageanalyse) sowie Ein-zelexpertenbefragungen auf den Ebenen Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und -gewerbe sowie Lebensmitteleinzelhandel

Ergebnis

In der Kommunikationspolitik gilt es, die individuelle Betroffenheit durch permanentes und zielgruppenorientiertes Kommunizieren des Zusatznutzens umweltgerecht und regional erzeugter Nahrungsmittel zu erreichen. In der Preis- und Sortimentspolitik gilt es insbesondere eine quantitative Straffung von Warenzeichenprogrammen zu Herkunft und Produktionsweise zu erreichen. Dazu gehört auch die Harmonisierung von Produktions- und Vermarktungsrichtlinien zwischen den drei Teilregionen (insbesondere für die Integrierte Produktion). Um die Etablierung von REGIO-Märkten zu stützen, sind sektorübergreifend und grenzüberschreitend informelle Kontakte zwischen den Marktpartnern nötig. Grundlegende Voraussetzung für eine Zusammenarbeit mit den immer größeren Betriebseinheiten der Verarbeiter und des Einzelhandels ist eine Angebotsbündelung landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

Die Anbauregion REGIO Südlicher Oberrhein bietet gerade bei Obst- und Gemüse interessante Möglichkeiten zur grenzübergreifenden Sortimentsergänzung. Beim gegenwärtig geringen Selbstversorgungsgrad mit Getreide in der Region liegen die Erfolgsaussichten, mit einer regional ausgerichteten Marketingstrategie und intensiver Kommunikation REGIO-Brot erfolgreich zu verkaufen, relativ hoch. Aufgrund des Interesses an regionalen Milchprodukten von Handel und Konsumenten ergeben sich durchaus Chancen für die regionale Landwirtschaft, mit einer geeigneten Strategie Märkte für lokale Produkte zu erschließen. Der regionalen Fleischerzeugung und –vermarktung im Untersuchungsgebiet werden gute Perspektiven für die Zukunft eingeräumt, wenn sie dem Anspruch an extensive und qualitativ hohe Produktionsstandards entspricht. Bedingt durch die Umstellungsförderung haben in der Vergangenheit v.a. viele Futterbau- und Ackerbaubetriebe eine ökologische Bewirtschaftung gewählt. Im Bereich Obst und Gemüse, wo der ökologische Landbau produktionstechnisch anspruchsvoller und das finanzielle Risiko einer Umstellung höher ist, gab es hingegen nur wenige Betriebsumstellungen. So kann gegenwärtig das Angebot an regional erzeugtem Obst und Gemüse in Südbaden und im Elsaß der wachsenden Nachfrage kaum noch Schritt halten. Die Möglichkeiten, IP (Integrierte Produktion)-Produkte speziell zu vermarkten, wenn IP zum allgemeinen Standard wird, dürfte schwierig sein. Für einzelne Produktgruppen wie für Brot, Obst und Gemüse könnte sich bis dahin ein kleiner Markt auftun.

Konsequenzen für die Praxis

Der erfolgreichste Pfad der regionalen Markterschließung scheint die Suche nach Kooperationen mit gleichgerichtet motivierten Marktpartnern im horizontalen wie auch im vertikalen Bereich zu sein. So können Stoffströme möglichst geschlossen gehalten und die Erzeugung von Nahrungsmitteln für Verbraucher(Innen) nachvollziehbarer und besser rückverfolgbar gemacht werden. Es darf nicht unterschätzt werden, dass der Faktor Vertrauen und Zufriedenheit mit der zunehmenden Unübersichtlichkeit des Marktes immer stärker über Erfolg und Misserfolg eines Unternehmens entscheiden wird. Dementsprechend wichtig ist letztendlich besonders die Kommunikation über Inhalte, Abgrenzungen und Zusatznutzen spezieller Marktaktivitäten umweltgerecht erzeugter Produkte aus der Region.

Die grenzübergreifende REGIO Südlicher Oberrhein wird künftig noch mehr Absatzmöglichkeiten bei regional erzeugten Nahrungsmitteln aus ökologischer und integrierter Erzeugung für besonders unternehmerisch ausgerichtete und mutige Landwirte bieten.

 

Literatur
Abschlußbericht 1999

 

Fördernde Institution
EU, MLR

Förderkennzeichen
ITADA-Projekt B1




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