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Agrarforschung

Erarbeitung eines Grundlagenkonzeptes für die Zertifizierung baden-württembergischer Molkereien nach der EG-Öko-Audit Verordnung (Verordnung (EWG) Nr.: 1836/93) zur Verbesserung der Marktsituation der heimischen Milchwirtschaft

Universität Hohenheim, Institut für Landwirtschaftliche Betriebslehre, Fachgebiet Agrarinformatik und Unternehmensführung;
Milchwirtschaftlicher Verein Baden-Württemberg e.V.

Prof. Dr. Reiner Doluschitz und Dipl.-Ing. sc. agr. Jens Pape (Uni Hohenheim)
Dipl.-Ing. sc. agr. Eva Hetzel (Milchwirtschaftlicher Verein)

Juli 1995 - Dezember 1996

Problemstellung

Unternehmen müssen sich zunehmend ökologischen Herausforderungen stellen, die sich neben Mitarbeiter- und betriebsinternen Interessen zum einen aus steigenden staatlichen Anforderungen, dem Druck des Marktes und der Öffentlichkeit sowie zum anderen durch Bewertungen von Seiten des Handels, der Banken und Versicherungen ergeben. Dabei werden bei diesen Fragestellungen neben der Umweltverträglichkeit des produzierten Produktes in zunehmendem Maße auch die Umweltwirkungen des Herstellungsprozesses betrachtet. Hiervon ist insbesondere auch die Ernährungsindustrie betroffen.

Mit der branchenunabhängig formulierten EG-Öko-Audit Verordnung ist Unternehmen eine Handlungsanleitung zur Implementierung eines Umweltmanagementsystems an die Hand gegeben, das es den Unternehmen ermöglicht, den vielfältigen Anforderungen des betrieblichen Umweltschutzes gerecht zu werden.

Unternehmen, die sich am Gemeinschaftssystem (freiwillig) beteiligen, erhoffen darüber hinaus, durch die Werbung mit der Teilnahmeerklärung bzw. der von einem unabhängigen Umweltgutachter validierten Umwelterklärung einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten zu erzielen. Die meisten Unternehmen, die derzeit ihr Umweltmanagementsystem nach diesem europäischen Standard überprüfen ließen, gehören dem Ernährungsgewerbe an. Insbesondere für Branchen, die von klein- und mittelständischen Unternehmen, wie etwa die baden-württembergische Milchwirtschaft, geprägt sind, ist die Auseinandersetzung mit der Verordnung sowie deren Umsetzung mit einem hohen Aufwand verbunden. Branchenspezifische Unterstützung in Form von Maßnahmen und Strukturen zur technischen Hilfestellung sind daher für klein- und mittelständische Unternehmen notwendig (vgl. hierzu auch Erwägungsgrundsätze der VO (EWG) Nr. 1836/93).

Ziel

Im Rahmen des Forschungsvorhabens wird ein Grundlagenkonzept in Form eines Branchenleitfadens entwickelt, der die Unternehmen der baden-württembergischen Milchwirtschaft bei der Implementierung eines EMAS-konformen Umweltmanagementsystems unterstützt und die umfassenden inhaltlichen Anforderungen der Verordnung auf die Fragestellungen des betrieblichen Umweltschutzes in Molkereien berücksichtigt.

Dabei werden insbesondere die zu behandelnden Gesichtspunkte, die im Rahmen einer Umwelt(betriebs)prüfung im EMAS-Prozeß zu berücksichtigen sind, bearbeitet. Hierzu gehören die Erhebung der Umweltwirkungen durch die Tätigkeit am Standort (Performance-Audit), die Erhebung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften und die Ableitung entsprechender Anforderungen an das Umweltmanagementsystem der Unternehmen zur Gewährleistung der Rechtskonformität (Compliance-Audit) sowie die Erhebung der Organisationsstruktur und Erarbeitung von Strukturen zur Implementierung eines EMAS-konformen Umweltmanagementsystems (System-Audit).

Untersuchungsmethode

Nach der theoretischen Auseinandersetzung mit der EG-Öko-Audit Verordnung wurde ein Arbeitskreis "Umweltmanagement in der baden-württembergischen Milchwirtschaft" eingerichtet. Seit Beginn waren 10 der 28 baden-württembergischen Molkereine, die im Milchwirtschaftlichen Verein Baden-Württemberg e.V.
Mitglied sind, am Projekt beteiligt. Dies entspricht einer Beteiligung von 36 %. Aufgrund der Branchenstruktur in Baden-Württemberg handelt es sich bei den verbleibenden 18 Standorten überwiegend um Kleinbetriebe. Folgende 10 Molkereiene nahmen an den regelmäßigen Arbeitstreffen teil:

  • Milchwerke Schwaben eG, Ulm
  • OMIRA - Oberland Milchverwertung Ravensburg GmbH, Ravensburg
  • Breisgaumilch GmbH, Freiburg
  • Milchwerke Esslingen-Geislingen eG, Geislingen
  • Bergpracht-Milchwerk Halder & Co., Tettnang-Siggenweiler
  • Milchwerke Heidenheim-Ries eG, Heidenheim
  • Milchwerke Donau-Alb eG, Riedlingen
  • MILEI GmbH, Leutkirch-Adrazhofen
  • Milchzentrale Nordbaden AG, Mannheim
  • Staatliche Milchwirtschaftliche Lehr- und Forschungsanstalt Wangen

In den Arbeitskreisen wurden die einzelnen Projektschritte und die damit verbundene Vorgehensweise beschrieben sowie Zwischenergebnisse vorgestellt und diskutiert. Parallel zu diesen Arbeitskreisen wurde in einem der beteiligten Unternehmen eine Projektgruppe "Öko-Audit" eingerichtet. Hier wurde die Vorgehensweise und die Möglichkeiten der praktischen Umsetzung des Grundlagenkonzeptes beispielhaft angewendet.

Ergebnisse

1. Als Einstieg in das EG-Öko-Audit-System wurde zur Überprüfung der standortrelevanten Bereiche des betrieblichen Umweltschutzes ein umfassender, molkereispezifischer Checklistenkatalog erstellt, der die Themengebiete Umweltmanagement, Produktion und Fragestellungen zum Unternehmensstandort umfaßt. Neben den Anforderungen, die sich unmittelbar aus der EG-Öko-Audit Verordnung ergeben, sind die (umwelt-)rechtlichen Anforderungen in den für Molkereien relevanten Rechtsgebieten abgedeckt.

2. Zur Überprüfung der Rechtskonformität (Compliance-Audit) wurden die für baden-württembergische Molkereien relevanten Umweltrechtsvorschriften identifiziert und in einem "Register umweltrelevanter Gesetze und Verordnungen zum Betrieb von Molkereien" zusammengeführt.

Um die Registrierung und Einhaltung der standortspezifischen Rechtsvorschriften zu gewährleisten, wurde ein Dokumentationssystem Umweltrecht erarbeitet, welches einen systematischen Überblick über das im Unternehmen geltende Umweltrecht, die sich daraus ableitenden Anforderungen sowie die Regelung der Zuständigkeiten geben soll.

3. Zur Ermittlung der Umweltwirkungen, die vom Standort eines Molkereiunternehmens ausgehen, wurde der Ansatz der betrieblichen Input-Outputanalyse gewählt. Dazu wurden ein molkereispezifischer Kontenrahmen sowie Erhebungsbögen zur Datenerfassung erstellt. Ergebnisse wurden anhand der Fallstudie bewertet und diskutiert.

4. Zur Implementierung und Dokumentation eines EMAS-konformen Umweltmanagementsystems wurden die Anforderungen an das Unternehmen herausgearbeitet und beispielhaft aufgezeigt (System-Audit).

Konsequenzen für die Praxis

Die Implementierung eines EMAS-konformen Umweltmanagementsystems ist aufgrund des komplexen branchenunabhängig formulierten Verordnungstextes für klein- und mittelständische Unternehmen mit einem vergleichsweise hohen finanziellen und personellen Aufwand verbunden. Das erarbeitete praxisorientierte Grundlagenkonzept ermöglicht den Molkereiunternehmen des Landes den Einstieg in das EG-Öko-Audit-System und die Einführung eines betrieblichen Umweltmanagementsystems. Die freiwillige Erfüllung von überdurchschnittlichen Anforderungen, wie etwa die des Herkunfts- und Qualitätszeichens Baden-Württemberg, die Einführung von Qualitätsmanagementsystemen sowie die Implementierung von Umweltmanagementsystemen, trägt mittel- und langfristig mit zur Stärkung der Wettbewerbsposition der heimischen Milchwirtschaft bei. Dies trifft auf den Umweltbereich in besonderem Maße zu, da der betriebliche Umweltschutz zunehmend zum unternehmerischen Erfolgsfaktor wird, und die Dokumentation sowie die unabhängige Begutachtung des Managementsystems (ähnlich wie im Qualitätsmanagement) in den Lieferantenbeziehungen, wie auch in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit an Bedeutung gewinnen.

Das vom Ministerium Ländlicher Raum Baden-Württemberg geförderte Projekt soll dazu beitragen, die Entscheidung der baden-württembergischen Molkereiunternehmen zu stärken, den betrieblichen Umweltschutz eigenverantwortlich zu entwickeln, kontinuierlich zu verbessern und als Chance für eine nachhaltige wirtschaftliche und ökologisch verträgliche Entwicklung zu nutzen.

 

Literatur: Abschlußbericht, April 1997

 

Fördernde Institution:MLR

Förderkennzeichen: 32 - 95 . 33




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