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Agrarforschung

Energetische Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz

FVA Baden-Württemberg/  Abteilung Arbeitswirtschaft und Forstbenutzung
G. Mahler und U. Fischer                                
Januar 1994 - Dezember 1995

Problemstellung

Die Problematik der Nutzung fossiler Energieträger (Treibhauseffekt, Endlichkeit der Quellen und anderes mehr) hat dazu geführt, daß seit einigen Jahren verstärkt nach regenerativen Energiequellen gesucht wird. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die holzartige Biomasse. In Deutschland erfährt die Energiegewinnung aus Holz seit einiger Zeit starken Auftrieb. Dies ist neben den unbestreitbaren ökologischen Vorzügen gegenüber der Nutzung fossiler Brennstoffe auch auf die schwierige Holzmarktlage zu Anfang der neunziger Jahre zurückzuführen. Die Überlegungen zur Forcierung der energetischen Holzverwertung betreffen dabei selbstverständlich auch die ökologischen Rahmenbedingungen. Vor diesem Hintergrund spielt die Energiebilanz des Rohstoffes Holz eine wesentliche Rolle.

Andererseits bilden aber verläßliche Angaben über das verfügbare Potential und seine Zusammensetzung eine wichtige Grundlage für die weitere, planmäßige und zügige Verbreitung der energetischen Holznutzung, denn eine abgesicherte Rohstoffversorgung ist für potentielle Investoren Voraussetzung für die Errichtung von Holzheizanlagen.

Ziele und Untersuchungsmethode

Im Rahmen der vorliegenden Studie wurde deshalb versucht, einen Beitrag zur begrifflichen Klärung der für die energetischen Holznutzung verfügbaren Potentiale zu leisten, die Potentiale und ihre Zusammensetzung - soweit bekannt - zahlenmäßig darzustellen und auf Lücken in vorhandenem Datenmaterial hinzuweisen, um Ansätze für weitergehende Untersuchungen aufzuzeigen.

Es zeigt sich, daß die Anstöße zur Energiebilanzierung von Holz und Holzprodukten aus ganz verschiedenen Richtungen kommen und das dementsprechend auch unterschiedliche Ansätze zur Bilanzierung denkbar sind. Die vorliegende Untersuchung umfaßt daher die Sichtung und den Vergleich von aus der Literatur entnommenen Berechnungsansätzen und Untersuchungsergebnissen zur Energiebilanz von Holz und eigene Berechnungen zur Energiebilanz .

Ergebnis

1. Holz als Energieträger weist in allen Studien eine positive Energiebilanz auf.

2. Der Umfang der "überschießenden" Energiemenge hängt vor allem ab von den kalkulierten Ernteverfahren und der Berücksichtigung des Einsatzes von Düngemitteln und Pestiziden. Die klassische Forstwirtschaft kommt weitgehend ohne Pestizide und Düngemittel aus; sie weist die günstigste Energiebilanz auf.

3. Daneben nimmt der Transport des Holzes zum Verbraucher (Ferntransport) einen wesentlichen Teil des im gesamten Produktions- und Bereitstellungsprozeß entstehenden Energieaufwands ein. Der bedeutendste Faktor ist dabei der Treibstoffverbrauch der Lkw.

4. Holzpotentiale für die energetische Nutzung
Die wichtigsten Quellen für energetisch nutzbare Hölzer sind die Forstwirtschaft und die holzbe- und verarbeitende Industrie; daneben kommen Altholz sowie sonstige verholzte Biomasse (Straßenbegleitgrün, Obstbaumschnitt) in Frage.

4.1 Rohholz

Als "Rohholz" wird das nach herkömmlichen Methoden aufgearbeitete Hauptprodukt der Forstwirtschaft bezeichnet. Es handelt sich dabei also keineswegs um einen Rest- oder gar Abfallstoff, der nicht einer anderen als der energetischen Nutzung zugeführt werden könnte. Das gesamte sogenannte Brennholzpotential liegt in Baden-Württemberg bei 1 Mio. Fm, d.h. hochgerechnet für die Bundesrepublik auf 5,6 Mio. Fm. Die angegebenen Werte markieren wahrscheinlich die Untergrenze des zusätzlich verfügbaren Brennholzpotentials.

4.2 Waldrestholz

Unter diesem Begriff werden die Reststoffe der traditionellen Nutzholzaufarbeitung zusammengefaßt. Beim Waldrestholz handelt es sich um überwiegend zusätzlich verfügbares Potential. Das gesamte Potential an Waldrestholz dürfte sich in Baden-Württemberg auf 2,4 Mio. Fm und für die gesamte Bundesrepublik auf 12 Mio. Fm belaufen.

4.3 Industrierestholz

Unter den Sammelbegriff "Industrierestholz" fallen Reststoffe der holzbe- und verarbeitenden Industrie aus verschiedenen Produktstufen. Der Industrierestholzanfall und -verbleib sowie durch möglichen Mehreinschlag zusätzlich verfügbare Potentiale für die energetische Nutzung in Baden-Württemberg belaufen sich auf ungefähr 140 Tsd. t atro. Bezogen auf das Bundesgebiet ergibt sich eine Summe von 1,1 Mrd.

4.4 Altholz

"Altholz" umfaßt Abbruchholz von Gebäuden, Altpaletten, Verpackungsholz, Altmöbel, Sperrmüll und anderes mehr. Das Altholz birgt ein sehr großes und damit interessantes, aber gleichzeitig problematisches Energiepotential. Das geschätzte Altholzaufkommen in der Bundesrepublik beläuft sich auf 9 Mio. m³.

4.5 Sonstige Holzbiomasse

An sonstiger verholzter Biomasse kommt für die energetische Nutzung das Schnittgut von Straßenbegleitgrün aus öffentlichen Grünanlagen und aus Obstanbau in Betracht. Eine Potentialschätzung ist aufgrund der fehlenden Grundlagendaten nicht möglich bzw. wenig aussichtsreich.

Konsequenz für die Praxis

Im Vergleich zu anderen regenerativen Energiequellen weist die energetische Nutzung von Holz eine günstige Energiebilanz auf. Neben dem Holz aus der Land- und Forstwirtschaft und den Anbaumöglichkeiten von speziellen Energiepflanzen auf Stillegungsflächen stehen industrielle Produktionsreste für die energetische Nutzung zur Verfügung. Die Holzverfügbarkeit ist damit im Regelfall kein limitierender Faktor für eine weitergehende Nutzung.

Literatur:
  • FISCHER, U., Energieeinsatz in der Forstwirtschaft und auf Schnellwuchsplantagen, FVA, Abteilung AWF, 1995/3
  • FISCHER, U., Holzpotentiale für die energetische Nutzung, FVA, Abteilung AWF, 1995/2

 

Fördernde Institution: MLR

Förderkennzeichen:   55 - 94 . 05




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