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Forschungsreport

Einfluß von Schwarzwild auf die natürliche Verjüngung von Eichen
Abschlußbericht (Kurzfassung)

Förderkennzeichen (Projektnr.): 0203 E

D. Eisfeld
Arbeitsbereich Wildökologie und Jagdwirtschaft,Forstzoologisches Institut, Universität Freiburg
April 2000 bis März 2002

Problemstellung:

Mit dem Konzept der `Naturnahen WaldwirtschaftA setzt die Landesforstverwaltung Baden-Württemberg auf die weitgehende Ausnutzung natürlicher Abläufe und Selbstregulierungsmechanismen von Waldökosystemen zur Erreichung der forstbetrieblichen Ziele.

Für eine erfolgreiche Verjüngung der Eiche ist das Vorhandensein einer ausreichenden Anzahl von keimfähigen Samen auf dem Waldboden ausschlaggebend. Die herabgefallenen, reifen Samen unterliegen vielfältigen Verlusten, bevor sie keimen. Für Wildschweine stellen Eicheln in den Herbst- und Wintermonaten eine bedeutende Nahrungsressource dar, weshalb dieser Tierart im Hinblick auf Eichelverluste eine besondere Bedeutung zukommt. In welchem Umfang das Verjüngungspotential durch den Verzehr von Eicheln reduziert wird und ob im Frühjahr eine ausreichende Anzahl keimungsfähiger Samen auf dem Waldboden übrig bleibt, hängt entscheidend vom Angebot masttragender Eichen, der jeweiligen Mastsituation sowie der Fraßintensität der Wildschweine ab. Mit regionalen Unterschieden hält sich die Schwarzwild-Jahresstrecke seit 1993 mit über 20.000 erlegten Sauen in Baden-Württemberg auf einem hohen Niveau und weist auf hohe Dichten hin, letztere lassen einen entsprechend hohen Verzehr von Eicheln erwarten.

Ziel:

Das Ziel der vorliegenden Untersuchung war, den Verzehr der Eichelmast durch Schwarzwild zu quantifizieren. Da für eine erfolgreiche Verjüngung letztlich das Vorhandensein einer ausreichenden Anzahl von Eicheln bzw. Keimlingen auf dem Waldboden ausschlaggebend ist, lassen sich auf dieser Basis die waldbaulichen Konsequenzen für die natürliche Verjüngung von Eichen besser abschätzen.

Untersuchungsmethode:

In den Untersuchungsgebieten Rottenburg, Häfnerhaslach und Ochsenbach (letztere im Bereich des Forstamtes Eppingen) wurden insgesamt 80 Versuchszäune gebaut, die den Ausschluß des Schalenwildes (Reh- und Schwarzwild) ermöglichten. Jeweils ein Viertel einer Eichenkrone wurde eingezäunt.

Durch Zählungen der Eicheln bzw. Keimlinge auf dem Waldboden im Herbst, Frühjahr und Sommer innerhalb und außerhalb der Zaunflächen wurden Verluste ermittelt, die auf den Einfluß des Schalenwildes zurückzuführen waren. Durch die Korrelation der schalenwildbedingten Eichelverluste mit der Besuchshäufigkeit von Schwarzwild an den Einzelbäume sollte der Einfluß der Sauen auf die Verjüngung quantifiziert werden.

Ergebnis:

Die Eichelverluste nach dem Mastfall sind groß. Im Frühjahr nach der Mast sind innerhalb der Zäune noch zwischen 16 und 75% der gefallenen Eicheln zu finden, außerhalb 5 bis 71%. Bei den ohnehin hohen Verluste ist die zusätzliche Anwesenheit von Schalenwild außerhalb der Zaunflächen bedeutsam. Vom Mastfall bis zur Zählung der Keimlinge im Jahr 2001 waren in Rottenburg 38, in Häfnerhaslach 6 und in Ochsenbach 23 Eicheln pro m5 Waldboden durch die zusätzliche Anwesenheit von Schalenwild verschwunden. Dies entspricht 22%, 6% bzw. 24% der Ausgangsmenge. Nach der Mast im Jahr 2001 lagen bis zum Frühjahr 2002 (letzte Zählung) außerhalb der Zäune in Rottenburg 0,8, in Häfnerhaslach 5 und in Ochsenbach 9 Eicheln pro m5 Waldboden weniger als innerhalb (11%, 12% bzw. 15% der Ausgangsmenge).

Aufgrund des geringen Stichprobenumfangs sowie der versuchsbedingten großen Streuung der Einzelwerte bei den Zählungen gelang es nur für das Untersuchungsgebiet Rottenburg, die schalenwildbedingten Verluste bis zum Sommer 2001 bzw. Frühjahr 2002 statistisch zu sichern. Im Mastjahr 2000 hatte dort das Schalenwild die Zahl der aufkommenden Keimlinge auf die Hälfte reduziert, im Sprengmastjahr 2001 war die Zahl der übrig bleibenden Eicheln im Frühjahr auf ein Drittel reduziert. Eine eindeutige Trennung von reh- und schwarzwildbedingten Eichelverlusten gelang nicht.

Schalenwild kann insbesondere nach Sprengmasten das Verjüngungspotential unter einen Schwellenwert absenken, der je nach waldbaulicher Zielsetzung und standörtlicher Ausgangssituation eine natürliche Eichenverjüngung unmöglich macht.

Konsequenzen für die Praxis:

Mittels schwarzwilddichter (bzw. schalenwilddichter) Zäune kann eine Eichenverjüngung gesichert werden. Allerdings sind die Kosten für den Bau und insbesondere für den Unterhalt von Zäunen sehr hoch. Unter Einbezug dieser betriebswirtschaftlichen Überlegung sollte der Waldbauer eine natürliche Verjüngung der Eiche ohne Zaunschutz bevorzugen. Diese kann aber nur gelingen, wenn die Schwarzwilddichte soweit abgesenkt ist, daß fraßbedingte Eichelverluste durch Schwarzwild das Verjüngungsziel nicht gefährden. Die Schwarzwilddichte läßt sich durch intensive Bejagung absenken und sollte nicht durch zusätzliche Nahrungsversorgung aus der Fütterung angehoben werden.

Soll je nach waldbaulicher Zielsetzung mit einer Sprengmast gearbeitet werden, so könnte durch den Eichelfraß von Schwarzwild ein Schwellenwert notwendiger Eichelzahlen zur Etablierung einer natürlichen Eichenverjüngung unterschritten sein (vgl. Rottenburg). Eine grobe Einschätzung, wo ein solcher Schwellenwert liegt, wäre über den Pflanzenbedarf bei Eichenpflanzungen (ca. 10.000 Stück/ha) oder über den Saatgutbedarf bei Rillensaaten (ca. 500 kg/ha) möglich. Die Entscheidung darüber, ob eine bestimmte Ausgangszahl von Eicheln oder Keimlingen für die natürliche Verjüngung ausreicht, hängt aber nicht nur von der Schwarzwild- bzw. Schalenwilddichte, sondern ebenso von der standörtlichen Ausgangssituation und der waldbaulichen Zielsetzung ab. Trotz der beschriebenen Einschränkungen hinsichtlich der statistischen Absicherung der Ergebnisse zeigten die Untersuchungsergebnisse den deutlichen Einfluß des Schalenwildes auf das Verjüngungspotential der Eiche, insbesondere nach geringem Mastfall.  




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