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Agrarforschung

Entwicklung eines Qualitäts- und Bonitierungsschemas von Flachs für
unterschiedliche Aufarbeitungsstufen und Anwendungen

Prof. Dr. R. W. Kessler, Fachhochschule Reutlingen, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Institut für angewandte Forschung
Juni 95 – August 97

Problemstellung

In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach Naturfaserprodukten für die unterschiedlichsten Anwendungsgebiete stark angestiegen. Der heimische Flachs stellt hierbei ein wichtiges Potential dar. Um jedoch Flachs innerhalb der traditionellen Leinenverarbeitung und in innovativen Kurzfasergewinnungsverfahren rentabel zu erzeugen und zu hochwertigen Endprodukte verarbeiten zu können, müssen Rohstoff und Prozeß exakt aufeinander abgestimmt werden. Dabei werden höchste Qualitätsanforderungen an Rohstoffe und Endprodukte gestellt. Flachs unterliegt, wie jedes Naturprodukt, Qualitätsschwankungen und muß daher ständig reproduzierbar qualifiziert und entsprechend dem Verarbeitungsprozeß adoptiert werden. Hierzu ist die Entwicklung, Anwendung und Vereinheitlichung von modernen Klassifizierungsmethoden des Fasermaterials in allen Verarbeitungsstufen notwendig.

Ziel

Das Projektziel ist, alle bisher entwickelten und angewandten Methoden zusammenzufassen und ein einheitliches Schema zur Flachsbonitierung für unterschiedliche Verarbeitungsverfahren (tradit-ionelle Verarbeitung mit der Schwinge, Feldentholzung, mechanische Aufbereitung und Dampfdruck-aufschluß) und Endprodukte zu erstellen. Die Grundlage hierzu bildet die umfassende Auswertung der bisher erzeugten Daten, Erkenntnisse und Erfahrungen aus verwandten F&EProjekten des IAF Reutlingen sowie aktuelle Datensets aus den Anbaujahren 1996 und 1997. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse und Methoden anderer Institutionen, wie Anbauvereine, Maschinenhersteller und der verarbeitenden Industrie, sollen die Daten aufbereitet und ausgewertet werden.

Ergebnis

Aufgrund der erarbeiteten Fakten in den Produktionslinien mechanische Entholzung, traditionelle Langfaserverarbeitung, Kurzfaserverarbeitung und Dampfdruckaufschluß wurden allgemeingültige Modelle zur Klassifizierung aufgestellt. Durch Sammlung aller verfügbaren Informationen (Lit-eraturstellen, ISO-Normen, Veröffentlichungen, etc.) und Daten zu den bisher entwickelten und angewendeten Meßmethoden für die Qualitätsbeurteilung von Flachsstengel und -fasern konnte eine umfassende Übersicht über die möglichen Methoden und praxisnahe Bonitierungssysteme im Hinblick auf verschiedene Verarbeitungsprozesse erstellt werden.

Konsequenzen für die Praxis

Anbau

Der Landwirt kann durch ein einheitliches Bonitierungssystem die von ihm erzeugten Flachsqualitäten kontrollieren. Durch eine objektive Kontrolle des Reife- und des Röstzustandes ist es möglich, den optimalen Erntezeitpunkt festzulegen. Das Erntefenster wird dadurch vergrößert und erleichtert daher eine Maschinendisposition. Eine Bestimmung des Fasergehaltes und der Entholzbarkeit läßt bereits beim Anbau eine Auswahl der empfehlenswerten Verarbeitungsschiene zu.

Verarbeiter

Die faserverarbeitende Industrie verlangt ein Höchstmaß an Liefersicherheit. Die bedarfsgerechte und zielgerichtete Erzeugung des Rohstoffes ermöglicht den erweiterten Einsatz von Naturfasern, da sie erheblich zur Verbesserung der Verarbeitungsbedingungen, zur Qualitätskonstanz der Endprodukte und damit zur nachhaltigen Abgrenzung gegenüber Billiganbietern führt.

 

Literatur
Siehe Abschlußbericht

 

Fördernde Institution
MLR

Förderkennzeichen
22-95.16




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