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Agrarforschung

Begleitforschung zur Flächenstillegung:
Etablierung, Entwicklung und Lenkung von Selbstberasungen und Ansaaten perennierender Artengemische auf Ackerbrachen

Universität Hohenheim , Institut für Pflanzenbau und Grünland
H. Jacob und U. Thumm                                                                
Mai 1989 - April 1992

Problemstellung

Durch Stillegung aus der Produktion genommene Ackerflächen müssen begrünt und gepflegt werden. Begrünung von Dauerbrachen im Zuge der Flächenstillegung steht vorrangig unter dem Aspekt des minimalen Aufwandes und des ökologischen Nutzens.

Begrünung kann auf dem Wege der "Selbstberasung" oder durch gerichtete Ansaat erfolgen. Welche Begrünungsform infrage kommt, wird in der Praxis sicher primär unter dem Gesichtspunkt des Aufwandes sowie der Verunkrautung gesehen. Nicht zu vernachlässigen ist freilich aber auch die Frage des "ökologischen Nutzens" im weiteren Sinne. In der Diskussion um Flächenstillegung wird diesem meist nur nachgeordnete Aufmerksamkeit eingeräumt.

Mit einer über 3 Jahre geführten Untersuchung sollte daher dieser Frage ebenso nachgegangen werden wie der nach der Notwendigkeit einer Ansaat generell, der Mischungsart, der Rolle der Leguminosen und Wildkräuter in Mischungen sowie im Falle der Ansaat, den Ansaatverfahren.

Ziel

Welche Entwicklung eine Brachebegrünung nimmt und welchen Zustand sie nach einer bestimmten Zeit erreicht, hängt im Falle der Ansaat im wesentlichen von der Zusammensetzung der Saatmischung ab, bei Selbstberasung dagegen mehr von Standort und Nutzungsvorgeschichte, in beiden Fällen letztlich aber zugleich auch von der Bestandesbehandlung. Sowohl zur Gestaltung von Ansaatmischungen für Brachebegrünung, zur Frage der Nützlichkeit der Selbstberasung sowie zur Behandlung der zu etablierenden Pflanzenbestände (vor allem auch unter dem Aspekt einer Verminderung der Verunkrautung) war der Kenntnisstand noch unzureichend. Insgesamt verfolgten die Untersuchungen den Zweck, Entscheidungshilfen zum angesprochenen Problem, soweit notwendig, jeweils differenziert nach standörtlichen Gegebenheiten zu liefern. Daneben wird angestrebt, Erkenntnisse für eine Überführung landwirtschaftlich genutzter Ackerflächen in Extensiv- oder Brachgrünland zu gewinnen, wie sie aus ökologischen Gründen unter bestimmten Bedingungen als zweckmäßig und sinnvoll bewertet werden könnte.

Untersuchungsmethode

Nicht zuletzt auch im Hinblick auf die ökologische Bedeutung des Komplexes wurden an 11 für Baden-Württemberg typischen Ackerstandorten in Feldversuchen verschiedene Ansaatmischungen und Selbstberasungen in ihrer botanischen Entwicklung sowie nach ihrem quantitativen Aufwuchsverhalten über 2 Jahre hin beobachtet. Verfolgt wurde dabei auch der N- und Rohfasergehalt der Aufwüchse, um einerseits eine Beurteilungsgrundlage für die Umsetzung des nach Pflegeschnitten verbleibenden Pflanzenmaterials, andererseits zugleich Hinweise auf deren Futterwert zu finden. Letzterem kann Bedeutung für den Fall zukommen, daß Stillegung mit dem Ziel extensiver Grünlandnutzung durchgeführt wird. In die Untersuchungen wurden schließlich auch verschiedene Bestandespflegeverfahren einbezogen sowie im Falle der Ansaat der Vergleich von Obenaufsaat und Ansaat nach Bodenbearbeitung.

Ergebnis

Die botanische Entwicklung der Bestände verlief an den geprüften Versuchsstandorten sehr verschieden. Einfluß nahmen neben dem Standort primär Düngungszustand, Vorfrucht und im Falle einer Ansaat die Ansaatbedingungen. Wegen der Vielfalt der standort- bzw. bewirtschaftungsbedingten Einflüsse und den daraus erwachsenden Interaktionen läßt sich auch die Entwicklung von Selbstberasungen auf der Basis bloßer Kenntnis des Standortes kaum hinlänglich genau vorhersagen.

An der Mehrzahl der Versuchsorte wurden mittlere Aufwuchsmengen (30-40 dt TM/ha) gemessen. Nur einzelne Standorte treten durch besonders starke (> 80 dt TM/ha auf Niedermoorstandorten) oder geringe (<20 dt TM/ha bei sandreichen Böden) Entwicklung der oberirdischen Biomasse hervor. Die im Aufwuchs gebundenen N-Mengen bewegen sich zwischen 20 und 200 kg N/ha, in der Mehrzahl der Untersuchungsstandorte aber zwischen 40 und 50 kg/ha.

Wachstumsbegrenzend wirkt in der Regel das
N-Angebot. Leguminosen in den Beständen erhöhen daher aufgrund ihrer Fähigkeit zur N-Bindung die oberirdische Biomassebildung und verbessern den Deckungsgrad nachhaltig. Die Unkraut-/grasunterdrückung bei Leguminoseneinsatz ist jedoch nicht stärker ausgeprägt als bei reinen Grasmischungen, da die überwiegend nitrophilen Problemunkräuter/-gräser sich ohne N-Zufuhr nur schlecht entwickeln können, während die Grasansaaten mit diesen Bedingungen besser zurechtkommen.

Pflegeschnitte führen gegenüber unterlassener Pflege nicht generell zu erhöhten Unkraut-/grasanteilen. Gehölzansiedelung in relevantem Umfang ist nur in Einzelfällen zu beobachten. Ein Zwang zur Bestandespflege läßt sich somit für Begrünungen nicht ableiten. Das in den Varianten ohne Pflegeschnitt verbleibende abgestorbene Pflanzenmaterial bietet für viele Tierarten sicher wertvollen Lebensraum, begünstigt jedoch auch Mäusebefall.

Beim Mulchen der Aufwüchse verläuft die Bestandesentwicklung meist ähnlich wie bei normalem Schnitt mit Schnittgutabfuhr. Höhere Leguminosenanteile haben bei Mulchschnitt allerdings auch höhere Nmin-Mengen im Boden zur Folge.

Der Test verschiedener Ansaatverfahren ergab für Ansaaten in Getreidestoppeln ohne vorhergehende Bodenbearbeitung gegenüber den praxisüblichen Saatverfahren nur ein unwesentlich erhöhtes Saatrisiko. Untersaaten in Getreide ermöglichen eine besonders schnelle Begrünung nach der Getreideernte.

Die Konkurrenzkraft der eingesetzten Grasarten ist bei der Begrünung von stillgelegten Ackerflächen anders einzustufen als bei Grünlandansaat. Z.B. die üblicherweise als konkurrenzschwach eingestufte Art Festuca rubra erwies sich unter Bedingungen der Flächenstillegung als sehr konkurrenzkräftig.

Ausreichend begrünte Bestände lassen sich meist mit sehr geringen Saatmengen (bzw. bei niedrigem Feldaufgang) etablieren. Bereits kleine Anteile beigemischter Kräuter (z.B. Leucanthemum vulgare) verbessern die Artenvielfalt und das Erscheinungsbild von Bracheflächen deutlich.

Konsequenzen für die Praxis

Für die Begrünung von Dauerbrachen, die im Gegensatz zur Rotationsbrache nicht vorrangig unter pflanzenbaulichen Aspekten zu sehen ist, haben sich grasreiche Saatmischungen bewährt, auf Leguminosen sollte aufgrund mangelnder Ausdauer und somit zeitlich begrenzter Unkrautunterdrückungsfähigkeit sowie der Gefahr von N-Austrägen eher verzichtet werden. Die Ergänzung der Saatmischungen durch Wildkräuter ist wünschenswert, unterbleibt jedoch in der Praxis meist aufgrund hoher Saatgutkosten.

Abgesehen von Standorten mit hoher natürlicher Produktivität, ist ein fördernder Einfluß der Pflegeschnitte auf die botanische Zusammensetzung der Pflanzenbestände meist nicht zu erwarten. Er kann mithin unterbleiben.

 

Literatur:
Abschlußbericht 1992

 

Fördernde Institution:  MLR

Förderkennzeichen:   62 - 89 . 32




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