Service-Navigation

Suchfunktion

Agrarforschung

Begleitforschung zur Flächenstillegung:
Auswirkungen der Rotationsbrache auf Schadorganismen

Ute Walter, M. Lechner und K. Hurle         
Juli 1989 - Juni 1992

Problemstellung

1988 wurde die Flächenstillegung als agrarpolitische Maßnahme ins Leben gerufen, um die Überschußproduktion von Marktordnungsfrüchten - in erster Linie Getreide - in der Europäischen Gemeinschaft zu verringern. Die Rotationsbrache, d.h. der jährliche Wechsel der Brachfläche, ist neben der Dauerbrache eine Möglichkeit Flächen stillzulegen. Zwei wichtige Bestimmungen für die Rotationsbrache sind:

  1. Die Fläche muß begrünt werden, entweder durch Selbstbegrünung oder durch Einsaat im Herbst oder Frühjahr.
  2. Das Ausbringen von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ist verboten.

Neben positiven Aspekten wie z. B. Auflockerung enger Fruchtfolgen, günstige Vorfruchtwirkung und Schaffung von Rückzugsgebieten für Pflanzen und Tiere, gibt es auf Brachflächen aus phytomedizinischer Sicht auch negative Aspekte. So bieten vor allem selbstbegrünte Flächen Unkräutern gute Entwicklungsmöglichkeiten, so daß sie sich ungehindert ausbreiten und über den Sameneintrag auf den Flächen stark vermehren können. Auch für bodenbürtige Schadorganismen und solche mit geringer Mobilität, wie Schnecken, pflanzenparasitierende Nematoden und Getreidefußkrankheitserreger können stillgelegte Flächen einen Lebensraum darstellen.

Ziel

Ziel der Untersuchungen war es, den Einfluß verschiedener Begrünungsvarianten auf das Vorkommen und die Entwicklung der Schadorganismen sowohl während der Rotationsbrache als auch in der Folgekultur zu erfassen und zu quantifizieren.

Untersuchungsmethode

Von 1989 bis 1992 wurden an vier typischen Ackerstandorten in Baden-Württemberg (Kraichtal, Merklingen, Plieningen/Neuhausen und Rastatt) Versuche mit verschiedenen Formen der Rotationsbrache durchgeführt. Begrünt wurden die Versuchsflächen nach einer flachen Bodenbearbeitung (Fräse) mit Herbst- und Frühjahrseinsaaten. Als Vergleichs- und Kontrollvarianten dienten jeweils Selbstbegrünungen und eine ständig offen gehaltene Parzelle (Schwarzbrache). Die Bestände wurden einmal vor der Abreife der Einsaaten gemulcht. Nach dem Umbruch der Brache wurde Wintergetreide angebaut.

Ergebnisse

1. Unkräuter

Die Verunkrautung in den Selbstbegrünungen war im Vergleich mit gezielten Begrünungen in allen Fällen am größten. Auch perennierende Arten wie Elymus repens L. oder Cirsium arvense (L.) Scop. breiteten sich stark aus. Der Unkrautsamenvorrat im Boden wurde durch Selbstbegrünungen wesentlich stärker erhöht als bei Einsaaten.

Die beste unkrautunterdrückende Wirkung besaßen Einsaaten, die sich nach der Saat schnell entwickelten und über den gesamten Stillegungszeitraum einen dichten Bestand bildeten.

Ein mögliches Aussamen der Unkräuter und der Einsaaten sollte durch Mulchen bzw. Mähen der Bestände zur Zeit der Blüte verhindert werden. Probleme bereiteten dabei die unterschiedlichen Blühzeitpunkte und der niedrige Wuchs einiger Unkräuter (z. B. Stellaria media L., Veronica persica Poiret), die vom Mulchgerät oft nur un-vollständig erfaßt wurden.

Durch eine wendende Bodenbearbeitung nach der Brache wurden auf der Bodenoberfläche liegende Unkrautsamen in tiefere Bodenschichten verlagert, aus denen sie nicht mehr keimen und auflaufen konnten. Auswirkungen der Brachebegrünungen wurden deshalb oft erst in der 2. Folgekultur nach einem nochmaligen Pflügen der 1. Folgekultur sichtbar. Unkrautbedingte Ertragsverluste konnten aber nicht festgestellt werden.

2. Schnecken

Die Aktivität der Ackerschnecken wurde stark gefördert durch das Vorhandensein eines Pflanzenbestandes und drastisch reduziert durch das Mulchen.

3. Nematoden

Bakterio- oder mykophage Nematoden zeigten insgesamt wenig Reaktion auf die verschiedenen Brachebegrünungen; ihre Population war nach Umbruch der Brache meist geringer als zu Beginn.

Pflanzenparasitische Nematoden zeigten in Abhängigkeit von ihrer Spezifität mehr oder weniger deutliche Reaktionen auf die Brachevarianten. Die eher unspezifische Gattung Pratylenchus spp. wurde generell durch eine Begrünung gefördert. Die stärker spezialisierte Art Heterodera avenae (Haferzystenälchen) trat dagegen nur an einem stark mit Ungräsern besetzten Standort in hoher Dichte auf.

4. Getreidefußkrankheiten

Der Fußkrankheitserreger-Komplex wurde an den vier Standorten von unterschiedlichen Erregern dominiert. Spezifische Erreger wie Pseudocercosporella herpotrichoides (parasitärer Halmbruch) und Gaeumanomyces graminis (Schwarzbeinigkeit) zeigten an Standorten mit starkem Auftreten eine deutliche Reaktion auf Varianten mit Getreide (Einsaat oder Ausfallgetreide). Weniger spezifische Erreger wie Fusarium spp. oder Rhizoctonia cerealis (Spitzer Augenfleck) zeigten nur eine schwache Reaktion auf die Art der Begrünung. Der Befall durch Fusarium spp. war teilweise nach Varianten, die viel Stickstoff im Boden zurückließen, erhöht.

Konsequenzen für die Praxis

Unkräuter:

Selbstbegrünung ist als Brachebegrünung, besonders für ökologisch wirtschaftende Betriebe, nicht zu empfehlen. Sie begünstigt die Ausbreitung perennierender Unkräuter und bewirkt einen hohen Unkrautsameneintrag annueller Arten in den Boden, der in den Folgekulturen in der Regel zu einem Überschreiten der wirtschaftlichen Scha-densschwellen führt. Auf Herbizide kann deshalb nach einer Selbstbegrünung kaum verzichtet werden.

Durch Einsaaten können Unkräuter unterdrückt werden. Voraussetzung sind an den Standort angepaßte Begrünungspflanzen, die eine optimale Bestandesentwicklung und somit dichtschließende Bestände gewährleisten. Empfehlenswert sind Pflanzen, die nach dem Mulchen wieder austreiben (Kleegrasgemenge) und somit über die gesamte Stillegungsperiode eine Bedeckung garantieren.

Der Pflegezeitpunkt muß in Abhängigkeit von der Verunkrautung und dem Blühzeitpunkt der Einsaaten flexibel gehandhabt werden.

Schnecken, Nematoden und Getreidefußkrankheiten:

Die Untersuchungen zeigten, daß neben den Faktoren Klima, Witterung und Boden die Vorgeschichte der Ackerflächen einen erheblichen Einfluß auf das Auftreten und die Entwicklung der untersuchten Schaderreger hatte, da diese überwiegend bodengebunden waren. Neben dem Anteil verschiedener Kulturen in der Fruchtfolge und der Vorfrucht vor der Brache, ist hierbei die jeweilige Unkrautflora der Fläche von Bedeutung. Durch Schwarzbrache könnte eine deutliche Reduzierung der Schaderreger erreicht werden, sie ist aber aufgrund der Stillegungsrichtlinien nicht erlaubt. Einen Kompromiß stellen Frühjahrsbegrünungen und zeitig gemulchte, nicht wiederaustreibende Herbstbegrünungen (z. B. Winterroggen) dar.

Literatur:
  • Lechner, M., K. Hurle und P. Zwerger 1992: Effect of rotational fallow on weed infestation. British Crop Protection Conference - Weeds, 377-386.
  • Lechner, M; K. Hurle und P. Zwerger 1994: Einfluß verschiedener Begrünungen auf die Unkrautentwicklung der Rotationsbrache und in der Folgekultur. Nachrichtenbl. Deut. Pflanzenschutzd., 46 (4), 69-76.
  • Walter, Ute; D. Hermann und K. Hurle 1993: Flächenstillegung: Auswirkungen der Rotationsbrache auf Schnecken, Nematoden und Getreidefußkrankheiten. Gesunde Pflanzen, 45. Jahrg., Heft 6, 207-216.
  • Zwerger, P., M. Lechner und K. Hurle 1993: Does rotational fallow cause weed problems in subsequent crops? Brighton Crop Protection Conference - Weeds, 299-304.

 

Fördernde Institution:  MLR

Förderkennzeichen:  62 - 89 . 31 


MLR   |   Agrarforschung   

 

Fußleiste