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Agrarforschung

Prüfung des Anbaus von Winter-Öllein in der Rheinebene

P. Simonin, CETIOM Laxou (F)
1996 - 1999

Problemstellung

Mit der Flächenstillegung wurden in der gesamten Landwirtschaft ab 1992 große Hoffnungen auf den Anbau von Kulturen für Nicht-Lebensmittel-Zwecke geweckt. Öllein unterliegt als nachwachsender Rohstoff nicht den Vereinbarungen des GATT, wodurch seine Anbaufläche weniger als bei anderen Ölsaaten begrenzt ist. Ferner ist der Anbau auf Basisflächen mit einer Prämie auf attraktivem Niveau möglich. Das Paradoxon beim Lein in Europa liegt im Auseinanderklaffen von (ungedeckter) Nachfrage und Angebot. Der Markt für Leinsaaten wird sehr stark von den Erntebedingungen in Kanada beeinflusst, dem wichtigsten Weltmarktproduzenten. Während der drei Versuchsjahre ist der Preis ständig gestiegen und war 1998 sehr attraktiv. Die beiden Kulturen Winter- als auch Sommer-Öllein erweitern die Anbaumöglichkeiten in den Fruchtfolgen und können zur Erhöhung der Artenvielfalt und Bereicherung der Kulturlandschaft beitragen.

Die Winterölleinsorten eröffnen dem Leinanbau neue Perspektiven. Die Möglichkeit einer gegenüber dem Sommeröllein um einen Monat früheren Ernte erlaubt es dem Winteröllein, dem klimatischen Stress der Monate Juli-August zu entgehen und auf die chemische Abtötung, welche beim Sommeröllein praktisch unerlässlich ist, zu verzichten. Im übrigen sollte der Winteröllein infolge seiner längeren Vegetationszeit auch ein höheres Ertragspotential sowie geringere Ertragsschwankungen aufweisen.

Ziel

Das Projekt soll bei Anbaueignung ein Anbauverfahren für Winteröllein entwickeln und dieses mit den Ergebnissen der neuesten Sommerölleinsorten - auch ökonomisch - vergleichen.

Methode

Im Rahmen des Projektes wurden im gesamten Oberrheingebiet in 3 Jahren rund 25 Versuche als Exakt- oder Praxisflächenversuch angelegt, um die entsprechenden Untersuchungen durchführen zu können.

Ergebnis

Die Erträge des Winterölleins haben die Erwartungen enttäuscht. In allen drei Jahren lagen die Erträge des Winterölleins unter denjenigen des Sommer-ölleins: Sie betrugen im Mittel (Unfälle ausgenommen) 21,9 dt/ha (von 11,9 dt/ha (verunkrautet) bis 32,9 dt/ha) gegenüber 24,5 dt/ha (von 15,4 dt/ha bis 35,0 dt/ha) beim Sommeröllein im Rheintal. Lein kann große Stickstoffmengen mobilisieren. Die ersten gewonnenen Daten lassen einen Bedarf von 5 6 kg N/dt Kornertrag erkennen. Eine gezielte Stickstoffdüngung erlaubt in jedem Fall die Erreichung ordentlicher Erträge. Wachstumsregler haben einerseits einen positiven Ertragseffekt bei Abwesenheit von Lager, andererseits kommt es möglicherweise zu einer Begrenzung des Tausendkorngewichtes.

Im Rheintal wird schon seit über 40 Jahren nicht mehr regelmäßig Lein angebaut. Deshalb ist der Krankheits- und Schädlingsdruck gering. Die Gefahr eines Botrytisbefalls ist jedoch bei frostgeschädigten Pflanzen erhöht. Frühjahrsbehandlungen gegen Botrytis haben 1995 zu signifikanten Mehrerträgen geführt (CETIOM). Zu beachten ist auch die Fusariose, die die Pflanze früh vom Fuß her befallen kann. Behandlungen müssen bei Befall ab dem Beginn der Blüte erfolgen (gegen Botrytis und Oidium). Spritzen bei der Entfaltung der allerersten Blüten; Wiederholung etwa 10 Tage später (kein zugelassenes Mittel, aber Produkte in Erprobung).

Die Erträge von Sommeröllein lagen - mit hohen Erträgen (35 dt/ha) unter günstigen Bedingungen - in der Regel über denen von Winteröllein.

Beim gegenwärtigen Kenntnisstand ist davon auszugehen, dass die Produktionskosten von Winteröllein letztendlich denjenigen von Sommeröllein sehr nahe kommen, bis auf eine zusätzliche Fungizidbehandlung und die eingesparte chemische Abtötung.

Ökonomisch betrachtet hat Winteröllein seinen Platz in den Fruchtfolgen. Er ist rentabler als eine Stillegungsfläche mit Mindestpflege. Dies gilt umso mehr, wenn die Dezitonne 130 FF (ca. 40 DM) bringt, wie es derzeit in Verträgen angeboten wird. Der Anbau auf Stillegungsflächen ist dann verkehrt, wenn die Referenzerträge für Getreide hoch sind (und damit die Leinprämie). Die Hälfte des Ölleins wird heute auf anbauprämienberechtigten Flächen angebaut. Kurzum, es erscheint schwierig, den Leinanbau auf Stillegungsflächen bei einem Auszahlungspreis von unter 110 FF/dt (ca. 37 DM/dt) zu stimulieren. Auf Flächen mit Anbauprämie kann er häufig mit Sonnenblumen und Gerste konkurrieren, seltener mit Raps oder Mais.

Konsequenzen für die Praxis

Winteröllein weist verschiedene ackerbauliche Vorzüge auf (er bricht enge Fruchtfolgen auf und kann dabei Raps ersetzen und somit den Krankheitsdruck reduzieren, er stellt eine aufbauende Fruchtart dar, räumt früh und ist eine gute Vorfrucht für Weizen, er entzieht dem Boden wenig Nährstoffe) und hat aber auch arbeitswirtschaftliche Vorteile, wie z.B. die Vermeidung von Arbeitsspitzen.

Ohne die spezifische Flächenbeihilfe verliert der Öllein in seine wirtschaftliche Vorzüglichkeit gegenüber den anderen Ölsaaten und Getreide.

Insgesamt haben uns die gewonnenen Ergebnisse eine Grundlage für die Einführung des Leinanbaus gegeben. Unter den derzeitigen Verhältnissen hinsichtlich Sortenangebot für Winteröllein fällt die Entscheidung jedoch zugunsten der Sommer-Öllein-Sorten.

 

Literatur
Abschlußbericht 1999

 

Fördernde Institution
EU, MLR

Förderkennzeichen
ITADA-Projekt A 3.2




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