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 Naturräume in Baden-Württemberg: Hochrheingebiet

 

  1. Einleitung
  2. Naturräume und Standortverhältnisse

1. Einleitung

Das Hochrheingebiet umfasst den zwischen Schweizer Jura und Schwarzwald gelegenen Talzug des Rheins, mit einem angrenzenden, gegenüber dem Schwarzwald stark abgesenkten, aus mesozoischen Gesteinen aufgebauten Bruchschollengebiet. Das Gebiet ist wegen der niedrigen Höhenlage und der Spalierwirkung am Südabfall des Schwarzwaldes mit 9,0°C durchschnittlicher Jahrestemperatur wärmebegünstigt, aber mit 850 (im Westen) – 1300 mm (im Nordosten) Jahresniederschlag relativ niederschlagsreich (BREUNIG 1995).

 

2. Naturräume und Standortverhältnisse

Die naturräumlichen Haupteinheiten des Hochrheingebiets:

  • Das H o c h r h e i n t a l   [160] ist stellenweise bis zu 4 km breit und besteht im wesentlichen aus dem überwiegend in Stauhaltung verlaufenden Rhein, schmaler Aue, angrenzenden Terrassenfeldern und den Mündungsbereichen der vom Schwarzwald zufließenden Bäche.
  • Der D i n k e l b e r g [161] ist eine aus Sedimenten des Keupers und des Muschelkalks aufgebaute 25 km lange und 10 km breite Hügellandschaft mit zahlreichen Karsterscheinungen und tektonischen Störungen. Der Dinkelberg erhebt sich etwa 200 m über die ihn umgebenden Talniederungen.
    (BREUNIG 1995 und INSTITUT FÜR LANDSCHAFTSPLANUNG UND ÖKOLOGIE DER UNIVERSITÄT STUTTGART 1996)

3. Historische Landnutzung

Die im Hochrheingebiet aus Niederterrassenschotter entstandenen fruchtbaren Böden regten schon früh zur Besiedelung des Gebietes an. So war das Hochrheingebiet seit der Altsteinzeit fast kontinuierlich besiedelt, ab 2700 v. Chr. fanden sich erste Bauernkulturen. Funde aus der Eisenzeit lassen auf Fischfang und Landwirtschaft schließen.

In jüngster Zeit ist sowohl im Hochrheingebiet als auch auf dem Dinkelberg ein ausgeprägter Rückgang landwirtschaftlicher Fläche zu verzeichnen, und im gleichen Maße eine Zunahme der Siedlungs- und Waldflächen.

Im Gegensatz zum Oberrhein fehlte am Hochrhein von jeher eine ausgeprägte Überschwemmungsaue, da der in einem tiefen und engen Tal eingeschnittene Hochrhein nur an wenigen Stellen über die Ufer trat. Dies machte schon früh eine Besiedlung des Hochrheingebiets bis an die Uferzone möglich und mit dieser einhergehend eine Nutzung der Wasserkraft (Mühlen). Mittlerweile gibt es entlang des Hochrheins 11 Großkraftwerke zur Energiegewinnung (FRISCH, JEHLE, OSTERMANN 2000).

 

4. Landnutzung heute/ Biotoptypen

Die fruchtbaren Böden des Hochrheingebiets sind heute mit Äckern, Grünland und Obstanlagen bedeckt. Die Südhänge begünstigen besonders den Obst- und Weinanbau. Aufgrund des verbreiteten Muschelkalkuntergrunds weist der Dinkelberg zum Teil flachgründige trockene, ackerfähige Böden auf. Die schweren Lettenkeuperböden, die v.a. in den Talungen des Dinkelbergs verbreitet sind, sind tonig-lehmig und tiefgründiger und eignen sich für Grünland. Hier nimmt das Grünland landschaftsprägenden Charakter an und Streuobstwiesen sind häufig. Im Westen ist der Dinkelberg stärker bewaldet.

Im Hochrheingebiet wurden v.a. Biotope mittlerer, basenreicher Standorte, insbesondere mesophytische Laubmischwälder, erhoben. Daneben sind Gehölzbiotope außerhalb des Waldes von Bedeutung. Der Dinkelberg ist eines der dolinenreichsten Gebiete Baden-Württembergs.

 

 

Hochrheintal

Dinkelberg

1

Mesophyt. Laubmischwälder

Mesophyt. Laubmischwälder

2

Auen- und Uferwälder

Fettwiese

3

Röhrichte

Magerrasen, Kalk

4

Gehölzstreifen

Bachlauf

5

Bachlauf

Auen- und Uferwälder

Tab. 1: Die bei der Biotopkartierung 1981 – 1989 am häufigsten erfassten Biotoptypen im Schwarzwald (HÖLL UND BREUNIG 1995: 486).

 

Interessante Karten zur aktuellen Landnutzung im Hochrheingebiet, zu den Bodenverhältnissen etc. gibt es unter www.grundwasserleiter-hochrhein.de/

 

5. Leitbild zur Landschaftsentwicklung

 

Dinkelberg:

Insbesondere im Bereich Dinkelberg, wo die ackerbaulichen Bedingungen nicht so gut sind, sollte die Landschaft offen gehalten und Streuobstbestände erhalten werden. Extensives Grünland (Kalk-Magerrasen, Salbei-Glatthaferwiesen) sollten erhalten und gefördert werden. Dolinen, Tobel und Klingen müssen als landschaftsprägende Elemente gesichert werden.

 

Rhein:

  • Naturnahe Gestaltung des Mündungsbereichs der Wutach und ehemaliger Auen durch die Anbindung von Rheinaltarmen.
  • Erhalt, Entwicklung und räumliche Vernetzung solcher Biotoptypen, die eine ökologische Verwandtschaft mit den verschwundenen Schotter- und Altwasserzonen der Flussauen aufweisen (Abbauflächen).

Allgemein:

  • Erhalt der Magerrasen durch Verhinderung von Nährstoffeintrag; nach Möglichkeit Schaffung von Beweidungskonzepten;
  • Vermeidung von Nährstoffeinträgen in alle Fließgewässer;
  • Erhalt traditioneller Weinbergsbiotope; Extensivierung der Bewirtschaftung von Weinbergen, Herbizideinschränkungen verbunden mit mechanischer Bodenbearbeitung;
  • Förderung wärmeliebender Säume und Gebüsche;
  • Erhalt einer Vielfalt von Nutzungen.

6. Literatur

  • HÖLL, N. UND BREUNIG, T. (Hrsg.) (1995): Biotopkartierung Baden-Württemberg. Ergebnisse der landesweiten Erhebungen 1081 – 1989. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 81: 1 – 544.
    • BREUNIG, T. (1995): Die Biotoperhebungen in den naturräumlichen Großlandschaften Baden-Württembergs – Ergebnisse der Biotopkartierung 1981 – 1989. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 81: 484 - 486.
  • INSTITUT FÜR LANDSCHAFTSPLANUNG UND ÖKOLOGIE DER UNIVERSITÄT STUTTGART (1996): Räumlich differenzierte Schutzprioritäten für den Arten und Biotopschutz in Baden-Württemberg – Zielartenkonzept. 1691 S.
    • Südlicher Rhein/ Hochrhein. E307 – E354.

7. Links

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