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Beweidung

Lamas und Alpakas in der Landschaftspflege



 

  1. Einleitung
  2. Eignung zur Landschaftspflege
  3. Haltung
  4. Literatur/ Adressen/ Links

Alpakas; Foto: C. Fabricius


1. Einleitung

 

Lamas (Lama guanicoe glama) und Alpakas (Lama guanicoe pacos) gehören beide zur Familie der Kameliden zur Gattung der Lamas. Diese beiden domestizierten Formen lassen sich auf die wildlebenden Vertreter der Gattung, auf das Guanako (Lama guanicoe) und das Vikunja (Lama vicugna) mit ihren Unterarten zurückführen, wobei die Abstammungsverhältnisse aber nicht eindeutig geklärt sind. Auch wird beim Lama und Alpaka in der Literatur meist von 2 Arten gesprochen, da aber Kreuzungen möglich sind und fruchtbare Nachkommen erzeugt werden (Huarizo) müsste man eigentlich von Rassen sprechen.

Mit der beginnenden Domestikation der Guanakos ab 5500 v.Chr. gehören die daraus resultierenden Haustierformen Lama und Alpaka mit zu den ältesten Haustierrassen. Stand zunächst die Nutzung als Fleischlieferant im Vordergrund, wandelte sich der Nutzungsschwerpunkt um 500 n.Chr. hin zur Wollnutzung. „Durch die Verwendung von Lamas als Transportmittel konnte ein Warenaustausch und ein reger Handel erfolgen, der später mitunter eine Basis für das rasche Wachstum des Inkareichs darstellte, das sich vom Meeresniveau bis in Höhen von über 5000 m NN erstreckte. Durch die große Anpassungsfähigkeit der Lamas an alle Höhenlagen und durch ihre hohe Leistungsfähigkeit in hochalpinen Gebieten war es den Inkas möglich, verschiedenste ökologische Zonen über große Distanzen im Handel zu verbinden. Eis wurde von den Gletschern ins Tal gebracht, Salz vom Meer in die Berge, Erz aus den Minen zu den Verarbeitungsstätten. Dabei wurde die Last jeweils auf einen Teil großer Lamaherden gebunden. Nach einem halben oder ganzen Tag Gehzeit wurde der andere Teil dieser Herden belastet“ (HELM 2001:8). Auch heute noch dienen Lamas als Transporttiere für Gegenden, die anders nicht erreicht werden können. Auch Haut, Fett, Knochen und Dung der Tiere wurden und werden immer noch genutzt.

Die Inkas entwickelten ein detailliertes Zuchtprogramm für Lamas und Alpakas und sorgten für ihre maximale Verbreitung. „Mit dem Eintreffen der Spanier in der Neuen Welt setzte der Rückgang der Alpaka- und Lamabestände ein. Im folgenden Jahrhundert wurde der Bestand um rund 90% reduziert. Es kam dadurch zu einem völligen Zusammenbruch der Kamelidenzucht und mit ihr zum Untergang des Wissens über Zuchtstrategien und Management. Als Ursachen für die fortschreitende Ausrottung sind einerseits die von den Spaniern importierten Schafe“, welche die Kameliden nach und nach verdrängten, „aber auch die mitgeschleppten Krankheiten, die die Kameliden dezimierten, verantwortlich. Als Folge des Niedergangs der Tiere kam es zu einer massiven Hybridisierung zwischen Lamas und Alpakas, was sich heute noch an der groben und unausgeglichenen Faserqualität der Vliese erkennen lässt“ (HELM 2002:9). Heute wird die Zahl der Lamas und Alpakas in Lateinamerika auf insgesamt 5,4 Mio Stück geschätzt, davon alleine in Peru 3,5 Mio (Zahlen von 1999 in HELM 2001: 7). Die wildlebenden Arten Guanako und Vikunja sind mit ja ca. 100.000 – 150.000 Tieren weitaus schlechter gestellt, da sie aufgrund von Bejagung und Verdrängung stark zurückgegangen sind, wobei das Guanako in Höhenlagen von 0 – 4000 m NN vorkommt, das Vikunja auf einen Lebensraum zwischen 3700 und 5500 m NN beschränkt ist (HELM 2001: 6f).

 

Körpermerkmale Lama – Alpaka

 

 

Lama

Alpaka

Risthöhe

bis 130 cm

bis 95 cm

Gewicht

80 – 200 kg

bis 70 kg

Lebenserwartung

15 – 29 Jahre

15 – 25 Jahre

Kopf

rechteckige Form

dreieckige Form

Ohren

deutlich geschwungen, Spitzen zeigen nach innen

speerförmig - gerade

Bewollung

verschiedene Typen, jedoch Bauchunterseite und Kopf weitgehend wollfrei

dichtes voluminöses Wollkleid, welches den größten Teil des Körpers bedeckt bis hin zu weiten Teilen des Kopfes.

(nach HELM 2001: 14 ff)

Da die gemischte Haltung von Lamas und Alpakas in den Ursprungsländern meist die Regel ist, sind intermediäre Typen oft anzutreffen.

 


2. Eignung zur Landschaftspflege

 

Aufgrund einiger anatomischer Merkmale wirkt sich die Beweidung durch Lamas/ Alpakas besonders schonend auf den Bestand aus:

  • Kameliden sind „Schwielensohler“, d.h. im Gegensatz zu anderen Paarhufern, „die nur mit den hufumkleideten Spitzen der letzten Finger und Zehenglieder den Boden berühren, treten die Schwielensohler mit den Sohlenflächen des letzten und vorderen Glieds ihrer mittleren Finger und Zehen auf. Die nagelartigen Hufe sind klein und schützen die Endglieder nur von vorn; die Sohlenflächen der auftretenden Finger und Zehen aber sind mit dicken federnden Schwielen gepolstert [...]. Dies ermöglicht ihnen einen äußerst sicheren Tritt und schont dabei auch gleichzeitig die Grasnarbe. Ihr Fuß [...] bewirkt, dass Lamas und Alpakas mehr Gefühl und einen besseren Kontakt zum Boden haben als jene Tiere, die den herkömmlichen Typ der Hufe besitzen. Außerdem sind ihre Füße weicher und richten deshalb weniger Schaden an der Grasnarbe an“ (HELM 2001: 21).
  • „Lamas und Alpakas besitzen eine gespaltene Oberlippe, durch die es möglich ist, dass sich jede Hälfte unabhängig von der anderen bewegen kann, so dass Pflanzenwurzeln geschont werden; dadurch kommt es zu einem besonders schonenden Abgrasen der Weideflächen“ (HELM 2001: 22).

Aufgrund ihrer Herkunft sind die Tiere in der Lage, karges Futter gut zu verwerten und besonders geeignet für magere Weiden in Hochlagen.

 


3. Haltung

 

Weide: „Auf der Fläche, auf der man ein Schaf übers Jahr halten/ sattmachen kann, können sechs Lamas oder acht Alpakas leben und satt werden“ (KRAFT 1997). Dennoch sollte die Besatzdichte nicht wesentlich über der von Schafen liegen und 6 – 15 Tiere pro Hektar betragen. Da Lamas und Alpakas ein ausgeprägtes Bewegungsbedürfnis haben, muss für 2 Tiere mit einer Mindestweidegröße von 1000m² gerechnet werden, + 100m² für jedes weitere Tier (HELM 2001). Eine Einzeltierhaltung ist nicht artgerecht. Um einer einseitigen Beanspruchung der Weide vorzubeugen, ist eine gemeinsame Haltung mit anderen Tieren (z.B. Schafe, Rinder) sinnvoll. In Amerika werden erwachsene Lamas häufig als „Schafhirten“ eingesetzt, da sie ihre Herde vor Feinden (Kojoten, Pumas) bewachen und sich im Zweifelsfall zwischen Angreifer und Herde stellen (HELM 2001: 35f). Für eine sinnvolle Weidenutzung sollte das Verhältnis Neuweltkameliden zu Rindern bei 1:5 bis 1:10 liegen (HELM 2001: 37). Werden ausschließlich Neuweltkameliden auf der Fläche gehalten, muss eine Nachmahd der Fläche erfolgen. Da Neuweltkameliden  Kotplätze anlegen, die von der gesamten Herde ausschließlich genutzt werden und auf denen nicht gefressen wird, werden die der Fläche entzogenen Nährstoffe nicht auf die Fläche zurückgeführt (nur an der Stelle des Kotplatzes), so dass die Fläche mit der Zeit ausmagert und – je nach Bestandsziel – gedüngt werden muss. Das Säubern der Kotplätze ist ebenfalls von Zeit zu Zeit notwendig, da die gesamte Herde diese Stellen benutzt, und sich diese dadurch mehr und mehr ausdehnen. Die Ansiedlung eines Kotplatzes kann leicht gesteuert werden, indem man einige Kotpellets an die Stelle legt, wo man den Kotplatz haben will. Man bedenke aber, dass sich ein einmal eingerichteter Kotplatz nur äußerst schwer wieder eliminieren lässt (HELM 2001: 31).

Da geschlechtsreife Hengste in Anwesenheit von Stuten untereinander unverträglich sind (in der Herde wird außer dem Leithengst kein anderer Hengst geduldet, auch kein Kastrat), werden Junghengste spätestens als Jährlinge aus der Herde vertrieben und schließen sich dann zu sog. Junggesellenherden zusammen. Daher erfolgt meist eine geschlechtergetrennte Haltung. Neue Tiere gewöhnen sich rasch in die Herden ein (HELM 2001: 35).

Da sich Lamas gerne und regelmäßig auf kahlen Flächen und Sandplätzen zur Körperpflege wälzen, sollten auch solche Flächen auf der Weide vorhanden sein (HELM 2001: 32).

 

Fütterung: Lamas und Alpakas fressen am liebsten Kräuter, Gräser und Heu. Diese sollten daher als Grundlagen der Fütterung dienen. Ebenso knabbern sie gerne an Bäumen und Sträuchern. Gibt man ihnen daher hin und wieder einige Äste auf die Weide, kann diese Vorliebe befriedigt werden (HELM 2001: 61). Kraftfutterzugaben sind nicht nötig, außer eventuell bei säugenden Stuten. Ein Mineral- und Salzleckstein sollte den Tieren jedoch angeboten werden (BW agrar 1999). Werden mit den Tieren Trekkingtouren unternommen, sollte Kraftfutter bis zu 2 kg täglich zugefüttert werden (HELM 2001: 61). „Zur Kontrolle des Ernährungszustandes greift man beim Lama oder Alpaka am Rücken, im Bereich der Lendenwirbelsäule und fühlt, ob das Rückgrat spürbar ist. Vom vertikalen Wirbelfortsatz zu den horizontalen Wirbelfortsätzen sollte keine Wölbung nach außen fühlbar sein, aber auch keine Senke. Greift man weiter nach hinten zu den Beckenknochen im Bereich des Rückgrats, sollten diese nicht sehr herausragen, aber dennoch spürbar sein. Bei einem normalgewichtigen Lama/ Alpaka sollte man auch die Rippen im Bereich hinter dem Ellbogen spüren können. Von hinten betrachtet sollten die Oberschenkel nicht aneinander reiben, aber dennoch fest sein. Von vorne betrachtet sollte der Beinabschluss ebenfalls nicht zu fett wirken, aber gut bemuskelt sein.“ (HELM 2001: 62f)

Wasser sollte ständig zur Verfügung stehen. Bewährt haben sich Selbsttränken nach dem Schwimmer-Prinzip, die täglich überprüft werden sollten. Geeignet sind auch saubere natürliche Gewässer, da Neuweltkameliden dazu neigen, an heißen Tagen gerne ein Fußbad zu nehmen. Tröge müssen aus diesem Grund auf festem Boden stehen, da Lamas und Alpakas auch hier nicht davor zurückschrecken, ihrem Badebedürfnis nachzukommen. Dadurch wird eine tägliche Reinigung notwendig. (HELM 2001: 44f).

 

Stall: Aufgrund ihrer Herkunft können Alpakas und Lamas ganzjährig im Freiland gehalten werden, wobei jedoch ein Unterstand zum Schutz vor Regen und Wind vorhanden sein muss. Dabei ist darauf zu achten, dass genügend Platz für alle vorhanden ist, damit rangniederere Tiere nicht abgedrängt werden. Für zwei Tiere ist eine Mindestgröße von 4,0 m² zu rechnen, für jedes weitere Tier 1,0 m². Die Höhe des Unterstandes sollte möglichst 2,0, besser 2,5 m betragen.

 

Einzäunung: Da Alpakas nur selten springen und im allgemeinen nicht versuchen, aus einer Umzäunung auszubrechen, genügen 1,20 m hohe Schafzäune zur Einzäunung (KOTTMANN 2000). An stark befahrenen Straßen o.ä. sollte die Zaunhöhe für Alpakas 1,40 m, für Lamas 1,60 m betragen und auch erhöhtem Druck standhalten. Wegen der erhöhten Verletzungsgefahr sollte jedoch kein Stacheldrahtzaun verwendet werden. Spitze Winkel sind zu vermeiden.

 

Pflege- und Hygienemaßnahmen: Sofern sich die Zehnägel auf entsprechenden Böden nicht von selbst abnutzen, ist ein regelmäßiges Beschneiden der Zehnägel (2 – 3 x/ a) notwendig. Damit sich die Hufpflege einfacher gestaltet, ist es wichtig, Vertrauen zu den Tieren aufzubauen und schon bei den Jungtieren mit der Hufpflege zu beginnen. Des weiteren sollten regelmäßige Entwurmungen sowie halbjährliche Impfungen vorgenommen werden. Jährliches Raspel der Zähne, normalerweise gleichzeitig mit der jährlichen Schur im Frühjahr, ist empfehlenswert (KOTTMANN 2000).

 

Zucht: Männliche Tiere sind i.d.R. ab dem 3. Lebensjahr geschlechtsreif, weibliche Tiere sollten nicht gedeckt werden, bevor sie wenigstens 2/3 ihres Endgewichts erreicht haben. Daher sollten Jungstuten von den Hengsten getrennt werden. Die weiblichen Tiere haben keinen Eizyklus, der eine Brunst auslöst, sondern der Zyklus wird erst durch den Deckakt ausgelöst. Bereits gedeckte Stuten wehren sich in der Regel gegen einen erneuten Deckversuch durch Spucken und Wegrennen. Die Trächtigkeit dauert beim Lama ca. 331 – 359 Tage, beim Alpaka 320 – 340 Tage. Die Geburt erfolgt in der Regel zwischen 6 und 14 Uhr (als Anpassung an die kalten Nächte in den Anden). Das Geburtsgewicht liegt üblicherweise über 8 kg. Die Stute kümmert sich nach der Geburt vergleichsweise wenig um ihr neugeborenes Fohlen, das spätestens nach 2 h aufstehen und nach dem Euter suchen sollte. Zwei bis drei Wochen nach der Geburt ist die Stute wieder paarungsbereit.

 


4. Literatur/ Adressen/ Links

 

  • BW agrar (1999): An der Leine durch die Wiese. Im Illertal stehen Lamas auf der Weide. – 17/ 1999
  • HELM, N. (2001): Die artgerechte Haltung, Fütterung und Züchtung von Lamas und Alpakas im Vergleich zu Schafen am Beispiel des Gutshof Borckenstein. – Reife und Diplomarbeit an der HBLA Sitzenberg: Reife- und Diplomarbeit, Nicole Helm
  • KOTTMANN (2000): Alpakas. - http://www.alpaca.de/
  • PAYER, M. (Hrsg.) (2001): Entwicklungsländerstudien. Teil I: Grundgegebenheiten. Kapitel 8: Tierische Produktion. 3. Kameliden: Kamele, Lamas, Alpakas, Vicunjas/ zusammengestellt von Alois Payer. -- Fassung vom 2001-02-08. -- URL: http://www.payer.de/entwicklung/entw083.htm

Lamas

www.blue-lamas.com Lamas vom Blauen Berg
www.lama-alpaka.at
 Lamahof Borckenstein, Österreich
www.lamas-aus-weiler.de Lamas in Keltern-Weiler

Alpakazüchter in Deutschland, Österreich, Schweiz

kontakt@sun-star-alpacas.de Alpakazüchter in Bayern

www.alpakaland.de Züchtergemeinschaft Alpakaland

www.alpaca.de Alpakacenter Edelhof, Fam. Kottmann

www.alpacas.de Zauberland-Alpakas, Sachsen

www.alpkazucht-brandenburg.de Alpakazucht in Brandenburg (Uckermark)

www.lana-salta.de Alpakazucht in Hinterbüchelberg (Schwäbisch-Fränkischer Wald)

www.alpakas.ch Alpakas vom Tannenhof, Schweiz

www.alpaka.ch Eldorado-Alpakas, Strohwilen, Schweiz


Alpakazüchter in England

www.alpaca-uk.co.uk  Mile End Farm, UK
www.alpacacompany.co.uk/  Blackmore Vale Alpacas, UK



Alpakaorganisationen

www.azvd.de
Alpaka Zucht Verband Deutschland e.V.
www.lamas-alpakas.org
  Lama- und Alpaka-Zuchtverband Mitteldeutschland e.V.
www.llama.co.uk/  The British Llama and Alpaca Association, UK
www.surinetwork.org  The Suri Network
www.alpacanet.com/  Alpaka Net
www.pacaweb.com/  Alpaca Web


Nützliches für Alpakafreunde

www.ymccoll.com  eines der führenden Labors, die die Faser analysieren
www.mandalayalpacas.com  Mandalay Alpacas, Australia
www.rmla.com/Health.htm  Alpaca & Lama Health Information


Lamas und Alpakas in der Landschaftspflege

Alpakas - Landschaftspflege einmal anders (Magazin "Tierisch gut")

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