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Beweidung

Gänse in der Landschaftspflege


  1. Links

Gänse im Stall



1. Historische Entwicklung der Gänsehaltung

 

Die Domestikation der Gans begann laut ZEUNER (1963 in GROSSMANN 2003) bereits ca. 6000 v. Chr. in der Jungsteinzeit. Als Stammform der Hausgänserassen gilt die Graugans (Anser anser), nur die Höckergans stammt von der in Ostasien verbreiteten Schwanengans (Anser cygnoides) ab (BENECKE 1954 in PAYER 2001). Zunächst wurden Gänse als Opfertiere gehalten, später dienten sie zur Fleisch-, Fett- und Federnproduktion. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein war die Gänsehaltung weit verbreitet und viele Gemeinden bestellten einen Gänsehirten, der in der Weidezeit (meist April bis Oktober) die Gänse auf die Weide führte TELLENBACH 2003), um größere Verwüstungen durch die zahlreichen Tiere zu verhindern. 1449 beispielsweise beschränkte das bischöfliche Amt die Gänsehaltung auf 30 Stück pro Haus (HASELIER 1962 in GLASER 1995).

Im 20. Jahrhundert verlor diese Art der Gänsehaltung jedoch immer mehr an Bedeutung. In Baden-Württemberg wurden 1949 noch 332.988 Gänse gehalten, 2001 nur noch 20.518.


 

2. Rassen

Rasse

Gewicht

Eigenschaften

Afrikanische (Höcker-) Gans

9–12 kg

Sehr ruhig, zutraulich

Bayerische Landgans

bis 6 kg

Anspruchslos in der Haltung, genügsam in der Weidehaltung, sehr gute Naturbrut- und Führungseigenschaften, hervorragende Wachgans

Deutsche Legegans

5,5-6,5 kg

40 Eier/a, kein Bruttrieb, rasches Wachstum, gute Masteigenschaft und Futterverwertung

Diepholzer Gans

5,5-6,5 kg, jedoch nicht bei reiner Weidehaltung

Genügsam, hervorragende Weidefähigkeit, ausgezeichnete Brüterin, beste Führungsgans, frühreif, Gelege i.d.R. 3x/a à 12 Eier

Elsässer Gans

4-4,5 kg ohne Mast

Frohwüchsig, beweglich, sehr gute Naturbrüteigenschaften, hohe Fürsorglichkeit der Elterntiere, hervorragende Weidefähigkeit, kommt auch mit sehr spärlicher Weide gut zurecht, relativ flugfähig, Gelege 8 – 16 Eier

Emdener Gans

8,5-9,5 kg

40 – 50 Eier/a, brüten meist nicht selbst, fürsorgliche Mütter

Empordagans

4,5-5 kg

 

Fränkische Gans

5-7 kg

Hervorragende Fleischqualität, daunenreich, ausgezeichnete Naturbruteigenschaften, frühreif, wachsam, genügsam, gute Weidefähigkeit, 2-3 Gelege/a à 10 – 15 Eier

Höckergans

4-5 kg

40 – 90 Eier/a, Ganter in der Fortpflanzungszeit sehr aggressiv

Italienische Gans

 

Großer Fleischansatz, mittelmäßige Fettbildung, rasches Jugendwachstum, 50 – 60 Eier/a, beginnt erst im Frühjahr zu legen

Lippegans

5,5-7kg

Gute Weidegans, hervorragende Ausdauer bei der Futtersuche, robust gegen Wind und Wetter, widerstandsfähig gegen Krankheiten, gute Brut- und Führungseigenschaften

Lockengans

4,5-6 kg

Wasser sehr wichtig

Pilgrimgans

5-6 kg

Kennfarbig (Geschlecht bereits am Eintagsküken anhand des Dunenfederkleids eindeutig zu erkennen), Naturbruttrieb, ruhig, sehr zutraulich, gute Weidegänse mit langsamem Wachstum

Pommerngans

7-9 kg ohne Mast

Ruhiges Wesen, gute Naturbrut, ausgezeichnete Nutzeigenschaften, hervorragender Fleischansatz

Russische Gans

5-6 kg

Wird in Russland auch für Schaukämpfe eingesetzt,

Steinbacher Kampfgans

4,5-6,5 kg

Ausgezeichnete Weidegans für die extensive Haltung, relativ robust gegenüber Kälte, Wind und Regen, i.d.R. 2 Gelege/a à ca. 15 Eier

Toulouser Gans

9-10 kg

Gutes feinfasriges Fleisch, große Leber, zutraulich, nicht sehr robust gegen Wind und Regen, insbesondere im Winter frostgeschützte Unterbringung notwendig, schlechte Befruchtung, Neigung zur Naturbrut gering und unzuverlässig, ca. 30 Eier/a, ausgewogene eiweißreiche Ernährung notwendig, zur Verfettung neigend

Tschechische Gans

4-5 kg ohne Mast

Genügsam, große Robustheit, gute Zuchtfähigkeit, sehr beweglich, mageres Fleisch, ausgesprochen gute Weidegans, robust gegen Krankheiten, Stress und Witterung, bei ausreichender Weidefläche Zufütterung nur in geringem Maß notwendig, 40 Eier/a, sehr lebhaft und laut

 

 

3. Eignung zur Landschaftspflege

 

Weideeignung verschiedener Gänserassen

(aus GROSSMANN 2003)

 

Gänse sind Graser und können dank ihres Muskelmagens und Verdauungsapparats das aufgenommene Gras gut verdauen und nahezu alle pflanzlichen Vitamine und Inhaltsstoffe verwerten und fast ausschließlich von der Weide ernährt werden. Dank der scharfen Schnabelkanten kann auch sehr kurzes Gras gefressen werden. Gänse können daher sehr gut Schafweiden nachfressen, was aber bei zu intensiver Nutzung einen starken Verbiss der Weide zur Folge haben kann. Sind umgekehrt zu wenig Gänse auf der Fläche, werden die Gänse oft zu Feinschmeckern, die so manche härteren Gräserarten stehen lassen. Bei richtiger Weideeinteilung und Besatzdichte hat man damit aber keine Probleme, auch kommen Trittschäden wie beim Großvieh nicht vor. Insbesondere manche Landschläge wie z.B. die Diepolzer Gans sind an karge Vegetation angepasst und fressen auch Sauergräser.


4. Haltung

 

Weide: Ein Paar Gänse benötigt ca. 300 m² Weide, d.h. auf einem Hektar Grünland können – je nach Beschaffenheit – ca. 50 – 80 Tiere gehalten werden. Wie bei anderen Tierarten auch, bedarf es eines gut durchdachten Weidemanagements, um Über- oder Unterbeweidung vorzubeugen. Empfehlenswert ist es, die Weide in kleine Parzellen abzuteilen, die wöchentlich neu zugeteilt werden. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass Gänse den Sommer über voll auf der Weide verbringen können, im Herbst jedoch noch eine 4 – 6wöchige Mastphase mit Körner- oder Fertigfutter anzuschließen ist, um ein gutes Schlachtgewicht zu erreichen (GROSSMANN 2003). Eine Einzäunung ist empfehlenswert zum Schutz der Gänse vor Füchsen, Hunden u.ä. und damit die Gänse nicht dahin gehen, wo sie nicht sollen, z.B. in den Gemüsegarten. Zäune werden eher selten überflogen, darum genügt eine Zaunhöhe von 100 – 120 cm. Um eine Überfliegung jedoch vollständig auszuschließen sind auch 150 cm für  viele leichtere Gänserassen kein Problem. Auf einen Stall auf der Weide kann verzichtet werden, wenn die Tiere bei starkem Sonnenschein oder Regen eine Unterstellmöglichkeit haben (z.B. Bäume). Schwimmwasser ist nicht unbedingt erforderlich, ein tägliches Bad fördert aber das Wohlbefinden der Tiere und damit auch die Gewichtszunahme. Frisches Trinkwasser muss dagegen unbedingt angeboten werden.

Stall: Im Winter – zum Schutz vor wind und nasskalter Witterung - und zum Brüten sollten Gänse im Stall untergebracht sein. „Der Stall selbst braucht nur aus einfachen Brettern zu bestehen, der Boden sollte jedoch leicht erhöht sein und aus festem Material bestehen. Pro Tier rechnet man mit einem halbem bis einem ganzem Meter Grundfläche des Stalls. Besonders wichtig ist, dass er viel Licht durchlässt, frische Luftzufuhr gewährleistet und keine Feuchtigkeit bildet. Daher ist es am besten, die Fenster nur bei Zugluft zu schließen und sie ansonsten offen stehen zu lassen. Besondere Aufmerksamkeit kommt der Einstreu zu, da Gänse viel dünnflüssigen Kot abgeben. Daher muss die Unterlage gut saugfähig sein. Als unterste Schicht kann eine Lage Torf eingebracht werden, worauf man Stroh ausbreitet. Auch die Einstreu mit einer dicken Schicht Hobelspäne oder Sägemehl hat sich bewährt (GROSSMANN 2003).

Futter: Gänse sind Grasfresser. Ihre natürliche Nahrung besteht aus Gräsern, Saaten, Wurzeln, Beeren und Früchten. Zusätzlich benötigen sie Trinkwasser. Sand und kleine Kiesel werden zur Verdauungshilfe verschluckt.

Auch junge Gänse (Gössel) nehmen vom 2 Lebenstag an Grünfutter auf. „Besonders eignet sich hierzu die Brennnessel, die kleingeschnitten dargereicht wird. Sie ist reich an Kalzium und stärkt das Knochenwachstum [...]. Blätter der Kohlkratzdistel, Löwenzahn, geraspelte Möhren und hartgekochtes Ei können ebenfalls gegeben werden. Am liebsten mögen sie weiche Blätter und Gräser aus der Familie der Straußgräser (Poaceae). Weidelgras (Lolium) dagegen ist ziemlich hart, was den Gänsen nicht besonders mundet, und sie es auch stehen lassen. Mit zunehmendem Alter kann Weizenschrot beigemischt werden, bis man den Grünfutteranteil ganz weglässt. Den Bedarf decken die Gänse dann ausschließlich aus dem Weidegang [...]. Vor allem in den ersten Lebenswochen ist gepresstes Fertigfutter trotz allem ein wertvolles Ergänzungsfutter, das danach abgesetzt werden kann. Gänse können verschiedene Aminosäuren nicht selbst herstellen (Lysin, Methionin), sondern müssen diese über die Nahrung aufnehmen.

Nistplatz: „Für die Zucht muss ein separater Brutraum im Stall vorhanden sein, der etwa doppelt so viele Nistplätze enthalten sollte, wie Gänse vorhanden sind. Sie sind als Boxen zu gestalten, und zwar so, dass in jede Box nur eine Gans passt. Gänse bevorzugen Nester, die etwas versteckt liegen, von wo aus sie aber dennoch eine gute Übersicht haben [...] Meist suchen Gänse den selben Nistplatz jedes Jahr erneut auf. Die Boxen sollten gut 20 cm mit lockerem Häckselstroh aufgeschüttet werden, da Gänse gerne etwas erhöht brüten.“ (GROSSMANN 2003)

Zucht: Da die natürliche Lebensweise der Gänse die Monogamie ist, ergeben sich für die Zucht einige Probleme. „Ein junger Ganter, der von Anfang an nur an eine Gans gewöhnt ist, wird eine später hinzugesetzte zusätzliche Gans nicht dulden. Will man daher mit mehreren Gänsen züchten, so muss der Ganter bereits im ersten Lebensjahr mit mehreren Gänsen verpaart werden. Ein späterer Austausch einer oder mehrerer weiblicher Gänse bereitet später weniger Probleme. Bei einer Stammzucht wählt sich der Ganter trotzdem seine Hauptfrau. Die anderen Gänse sind lediglich Nebengänse. Manche werden zuweilen auch gar nicht beachtet. Wache hält der Ganter nur am Nest seiner Hauptgans, bei anderen sieht er nur gelegentlich nach dem rechten [...].

Der Brut- bzw. Legebeginn von Gänsen hängt [...] von den einzelnen Rassen und Schlägen sowie der Lichtdauer [ab]. Manche beginnen schon [...] um Weihnachten mit dem Legen. Gewöhnlich sollte das erste Gelege aber im März, das zweite im Mai bebrütet werden [...]. Bei anhaltend schlechter Witterung ist die Befruchtung durchweg geringer. Doch ist das Ergebnis auch von einer abwechslungsreichen Fütterung und weide abhängig [...]. Die Befruchtungsrate bei Wassertritt [ist] wesentlich höher [...]. Daher sollte [...] wenigstens ein Tretbecken (ca. 2m lang und 50 cm tief) zur Verfügung stehen. Selbstredend ist an ausreichende Futterversorgung mit Grünfutter, Eiweiß, Mineralien und Vitaminen der Zuchtgänse zu denken. Eier von einseitig ernährten Gänsen neigen zum Absterben.“ (GROSSMANN 2003)

Naturbrut: Zur Weidehaltung geeignete Gänse besitzen meist gute Naturbruteigenschaften (s.o.), daher wird hier nur diese erläutert. Allgemein wird das Einsammeln und Lagern der Eier bis zum Brutbeginn empfohlen. Die Eier werden  bis zu eine Woche bei 15 – 17°C gelagert, für längere Lagerzeiten bei 8 – 10°C. Eine bis zu 3-wöchige Lagerdauer ist bei Gänsen möglich, das Schlupfergebnis nimmt allerdings mit der Länge der Lagerdauer ab. Empfohlen wird auch das gelegentliche Anbrüten für 12 bis 20 Stunden. Bei der Lagerung müssen die Eier einmal täglich um die Längsachse gedreht werden und dürfen nie auf der Spitze stehend aufbewahrt werden. Vor Brutbeginn erhält die Gans entweder das erste Ei als „Nestei“ (,das später entfernt wird) (TELLENBACH 2003), oder die Eier werden durch Gipseier ersetzt (GROSSMANN 2003). Sobald die Gans länger auf dem Nest sitzen bleibt, träger wird, und beginnt, Daunen zu rupfen, also brüten möchte, werden ihr die eingesammelten Eier (max. 12 Stück, da die Gans i.d.R. nicht mehr Eier warm halten kann) untergelegt, und zwar zuerst die älteren und acht Stunden später die neueren. Die Brutdauer beträgt 29 - 31 Tage (TELLENBACH 2003).

 

 

5. Literatur


6. Links

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