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Biotoptypen- und Landschaftselemente

Fließgewässer

Lauter

  1. Einleitung
  2. Bedeutung
  3. Gefährdung
  4. Pflege und Renaturierung
  5. Kosten/ Förderung
  6. Literatur
  7. Links



1. Einleitung

Obwohl von ihnen auch die Gefahr von Überschwemmungen ausging, waren Fließgewässer doch stets Lebensadern der Landschaft, an denen entlang die Menschen sich niederließen und ihre ersten Siedlungen errichteten. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Fließgewässer jedoch immer mehr den Bedürfnissen des Menschen angepasst. Zur Nutzung der Wasserkraft, für Holzdrift, Floßfahrt, Schifffahrt, zum Hochwasserschutz und Schutz der Ufergrundstücke und auch zur Be- und Entwässerung wurden viele Fließgewässer, v.a. im Mittel- und Unterlauf sowie im Mündungslauf, aus- und umgebaut und ihre Auen trocken gelegt. Dabei wurde wenig Rücksicht auf die ökologischen Funktionen der Fließgewässer genommen. Ein verstärkten Auftreten von Hochwässern ist nun – unter anderem – eine offensichtliche Konsequenz aus diesen Maßnahmen, so dass wir spätestens jetzt damit anfangen sollten, umzudenken.

 

2. Bedeutung

Natürliche und naturnahe Fließgewässer sowie ihre Auen spielen eine wesentliche Rolle im Naturhaushalt. Man unterscheidet zwischen

  • Oberlauf (Bächlein <1m Breite, Bach < 5m)
  • Mittellauf (Bach, Fluss <100m)
  • Unterlauf (Fluss, Strom > 100m Breite)
  • Mündungslauf

eines natürlichen Fließgewässers.

Des weiteren gibt es vom Menschen künstlich angelegte Fließgewässer, die mehr oder weniger naturnah ausgeprägt sein können:

  • Graben (<5m Breite)
  • Kanal (> 5m Breite).

Je nach Art des Fließgewässers finden verschiedene Lebewesen dort ihren Lebensraum. So können über 3000 spezialisierte Tierarten auf engstem Lebensraum den Biotoptyp „Bach“ inklusive seiner Uferregionen besiedeln. Hierzu zählen insbesondere die Fische, von deren einheimischen Arten bereits rund 30% ausgestorben und weitere 30% in ihrem Bestand stark gefährdet sind (SCHWÄBISCHER ALBVEREIN 1993). Ähnliches gilt für die mehr oder weniger wassergebundenen Vogelarten (siehe Tab. 1):

 

Tab. 1: Vogelarten, die an Fließgewässern brüten oder dort ihre Nahrung suchen, in Baden-Württemberg; (*) = gefährdet; ([!]) = regional ausgestorben; (!) = ausgestorben (nach BAUER 1987)

 

Verbreitungsschwerpunkte der Biotoptypen der Fließgewässer:

 

Wildbach

Bach

Graben

Kanal

Schwarzwald

x

x

 

 

Odenwald

x

x

 

 

Alpenvorland

x

x

x

 

Schwäb.-Fränk. Wald

 

x

 

 

Albvorland

 

x

 

 

Schönbuch u. Glemswald

 

x

 

 

Stromberg

 

x

 

 

Oberrheinebene

 

 

x

x


Kennzeichnende Pflanzengesellschaften: je nach Biotoptyp:

  • Wildbach: Aufgrund des rasch fließenden Wassers weitgehend vegetationsfrei. Häufig gesäumt von Hainmieren-Schwarzerlen-Auenwäldern und Schluchtwäldern.
  • Bach: bei mäßiger bis geringer Fließgeschwindigkeit in relativ sauberem Wasser: Fluthahnefußgesellschaften; in stärker verschmutztem Wasser Kammlaichkraut-Gesellschaft. Gewässerbegleitend Auenwälder (Verband Alno –Ulmion minoris), Staudenfluren (Calthion, Filipendulion und Adenostylion alliariae), sowie Rohrglanz-Röhricht (Phalaridetum arundinaceae) und nitrophytische Saumvegetation (Klasse Artemisieta vulgaris).
  • Fluss: Wasserpflanzengesellschaften der Verbände Nymphaeion albae und Ranuculion fluitantis.
  • Graben: Kleinröhrichte, Röhrichte, Großseggen-Riede und Wasserpflanzengesellschaften (Ordnung Potamogetonetalia pectinati)
  • Kanal: siehe Graben und Fluss

(HÖLL UND BREUNIG 1995)

 

Kennzeichnende Tierarten: Amphibien, Vögel, Fische, Libellen, Steinfliegen, Köcherfliegen etc.

 

Nach §30 BNatSchG sind die natürlichen und naturnahen Bereiche fließender und stehender Binnengewässer einschließlich ihrer Ufer und der dazugehörenden uferbegleitenden natürlichen oder naturnahen Vegetation sowie ihrer natürlichen oder naturnahen Verlandungsbereiche, Altarme und regelmäßig überschwemmter Bereiche pauschal geschützt, inklusive der Wasserfläche. 

 

3. Gefährdung

Natürliche und naturnahe Gewässer sind v.a. gefährdet durch Gewässerausbau, Einleitung von Abwässern und Eintrag von Nährstoffen aus angrenzenden Flächen. Die natürliche oder naturnahe gewässerbegleitende Vegetation ist häufig gefährdet durch Entwässerung und Nutzungsintensivierung bzw. standortfremde Nutzung (z.B. Ackernutzung). In der Biotopkartierung von 1989 wurden 54% der kartierten Wildbäche, 58% der Bäche, 63% der Flüsse, 57% der Gräben und 35% der Kanäle als gefährdet eingestuft (HÖLL UND BREUNIG 1995).

 

4. Pflege und Renaturierung

Mit der Gewässerpflege wird eine naturnahe Gewässerunterhaltung und –gestaltung angestrebt, die über die Sicherung eines geregelten Hochwasserabflusses hinaus auch eine Verbesserung der ökologischen Situation zum Ziel hat. So sind z.B.

  • bei der Pflege der Wasser- und Ufervegetation v.a. deren Bedeutung als Lebensraum zu berücksichtigen;
  • Uferanbrüche, Kolke u.ä., die die Strukturvielfalt des Gewässers erhöhen, nur dann zu entfernen bzw. zu sichern, wenn dieses unbedingt erforderlich ist;
  • unumgängliche Sanierungsmaßnahmen vorzugsweise mit ingenieurbiologischen Mitteln auszuführen;
  • Uferstreifen bereitzustellen und ökologisch wertvolle Gewässernahbereiche wie Altwässer, Tümpel oder Auwaldreste zu erhalten oder zu reaktivieren;
  • Dem Gewässerbett Entwicklungsmöglichkeiten zu belassen;
  • Wasserbauliche Anlagen (Abstürze und Wehre) so zu gestalten, dass sie für Fische und Kleinlebewesen überwindbar sind; (MLR 10-87).
  • Gewässerrandstreifen von mind. 5m Breite nur extensiv oder gar nicht zu nutzen. Auf keinen Fall darf die intensive Bewirtschaftung bis an den Gewässerrand erfolgen.
  • das vom Landtag von Baden-Württemberg beschlossene Wassergesetz des Landes gibt seit dem 1. Januar 2014 vor, dass der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln im Abstand von fünf Metern zu Gewässern verboten ist.
  • Auch im Nahbereich des Fließgewässers sollte möglichst eine extensive Wirtschaftsweise angestrebt werden.

Wogegen Bewirtschaftungsextensivierungen auf an dem Gewässer angrenzenden Grundstücken überall ohne weiteres vorgenommen werden können, kommen für weitergehende Pflegemaßnahmen nur Bäche 2. Ordnung, also solche, die von den Gemeinden unterhalten werden müssen, in Frage. Vielfach sind die Beeinträchtigungen der ökologischen Wertigkeit des Bachlaufs durch frühere Ausbaumaßnahmen gravierend. So verhindern z.B. Sohlschalen oder massive Pflasterungen dauerhaft die Entwicklung vielfältiger Lebensgemeinschaften. Für die grundlegende Verbesserung des ökologischen Zustandes der Fließgewässer ist es erforderlich, naturnahe Umgestaltungen nicht nur in Einzelabschnitten vorzunehmen. Sie müssen in ein langfristiges, überörtliches Konzept eingebunden werden, das die ökologische Aufwertung des gesamten Fließgewässersystems zum Ziel hat.

Bei sämtlichen Umgestaltungsmaßnahmen am Bach ist eine Abstimmung mit dem zuständigen Wasserwirtschaftsamt bezüglich der wasserwirtschaftlichen Belange sowie eine Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde (Landratsamt) erforderlich. Diese Behörden geben auch Auskunft über evtl. erforderliche Genehmigungsverfahren.

 

Gewässerrandstreifen dienen als Puffer, der oberirdische Gewässer vor direkten Stoffeinträgen aus der angrenzenden (landwirtschaftlichen) Nutzung schützen kann (Dinstanzfunktion). Auch können sie in gewissem Umfang dazu beitragen, Stoffeinträge von Landwirtschaftsflächen, die nach erosiven Starkniederschlägen oder Schneeschmelze mit dem Oberflächenabfluss in die Gewässer eingetragen werden zu puffern (Retentionsfunktion). Weitere Funktionen von Gewässerrandstreifen sind:

  • Habitatfunktion
  • Element der Biotopvernetzung
  • Beschattung: Durch die Verminderung der Sonneneinstrahlung wird insbesondere in den Sommermonaten die Erwärmung des Gewässers verringert, wodurch die Voraussetzungen für die Existenz sommerkühler Gewässer und ihrer Lebensgemeinschaften geschaffen werden. Eine Temperaturerhöhung um 10°C verdoppelt i.d.R. die Stoffwechselaktivitäten, was zu einer raschen Vermehrung der photoautotrophen Organismen (Algenblüte) sowie der emersen und submersen Makrophyten führt. Gleichzeitig sinkt die Sauerstoff-Löslichkeit in wärmerem Wasser, was zu Sauerstoff-Mangelsituationen führen kann.
  • Uferschutz: der Bewuchs mit Erlen stabilisiert die Gewässerböschung und das Gewässerbett auf natürliche Weise.
  • Windschutz: dicht mit Gehölzen bestandene Gewässerrandstreifen sind in der Lage, die Oberflächengewässer vor Stoffeinträgen durch Winderosion zu schützen.
  • Landschaftsästhetik

Die naturnächste Form der Entwicklung von Gewässerrandstreifen stellt die natürliche Sukzession dar. Sie ist überall dort anzustreben, wo sowohl eine ausreichende Breite des Gewässerrandstreifens (mind. 5m) für die ungestörte Vegetationsentwicklung gegeben ist, als auch aufgrund des geringen Gefährdungspotentials eines Gewässers kein dringender Handlungsbedarf zur gezielten Verbesserung einzelner Schutz- oder Biotopfunktionen des Gewässerrandstreifens besteht. (BACH 2000)

 

Soll ein Gewässerrandstreifen gezielt angelegt werden, sollten die Eingriffe nicht flächendeckend und außerhalb der Schonzeiten für Tiere und Pflanzen erfolgen.

Zur Pflanzung geeignete Arten können anhand des Vergleichs mit naturnahen Gewässerabschnitten ermittelt werden.

Die folgende Pflanzliste führt die wichtigsten Ufergehölze für kleine Fließgewässer auf:

 

Art

Bodenansprüche

Verwendung

Sonstiges

Alnus glutinosa

Schwarzerle

Stark sauer bis kalkhaltig; staunass bis feucht

Mittelwasserlinie in Lagen bis 1000 m NN

Wichtigstes Ufergehölz; sehr gute Uferbefestigung, stark stockausschlagsfähig

Alnus incana

Grauerle

Schwach sauer bis kalkhaltig

Mittelwasserlinie und auf der Böschung in höheren Lagen des Alpenvorlandes

 

Fraxinus excelsior

Esche

Mäßig sauer bis kalkhaltig

Auf der Böschung

Etwas spätfrostempfindlich; erträgt Austrocknung und Überschwemmung; stark stockausschlagsfähig

Prunus padus

Traubenkirsche

Sauer bis kalkhaltig, feucht bis frisch

Mittelwasserlinie und auf der Böschung

Erträgt Überschwemmung; stark stockausschlagsfähig

Quercus robur

Stieleiche

Schwach kalkhaltig bis kalkreich

Auf der Böschung und an der Böschungsoberkante; Randbepflanzung zur umgebenden Fläche bis in mittlere Gebirgslagen

Stauwasser- und überschwemmungsverträglich; stark stockausschlagsfähig; Verwendung auch als Überhälter

Salix alba

Silberweide

Kalkarm

Mittelwasserlinie und auf der Böschung

Baumweide, kann als Kopfbaum geschnitten werden; Verwendung im Lebendbau

Salix fragilis

Bruchweide

Kalkhaltig

Mittelwasserlinie und auf der Böschung

Baumweide

Salix viminalis

Korbweide

Kalkhaltig

Als Strauch nur an der Böschungsoberkante

Strauch- bis Baumweide; kann als Kopfbaum geschnitten werden; Verwendung im Lebendbau

Salix triandra

Mandelweide

Kalkhaltig

An kleinen Fließgewässern nur an der Böschungsoberkante

Strauchweide; Pflege: Rückschnitt

Salix purpurea

Purpurweide

kalkhaltig

An kleinen Fließgewässern nur an der Böschungsoberkante

Strauchweide; Pflege: Rückschnitt

(aus: BNL TÜBINGEN 1986)

Pflanzung
  • Bei der Pflanzung von Gehölzen <1m Höhe ist eine intensive Folgepflege erforderlich, da diese schnell von Wildkräutern überwachsen werden. Bei größeren Gehölzen reduziert sich dieser Aufwand, jedoch sind die Anschaffungskosten höher.
  • In Gebieten mit winterlicher Gefahr von Barfrösten und Austrocknung besser im Frühjahr als im Herbst pflanzen.
  • Im Sommer vor der beabsichtigten Pflanzung Mähen oder Mulchen der Fläche.
  • Pflanzenwurzeln vor dem Pflanzen gegen Austrocknung (Sonne, Wind) schützen (Einschlagen, abdecken).
  • Pflanzung möglichst unter fachlicher Anleitung (Auslegen der Pflanzen, Wurzel- und Triebschnitt, Antreten der Pflanze in der Pflanzgrube, Angießen).
    • Weidenstecklinge zur Pflanzung zu 2/3 ihrer Gesamtlänge in den Boden stecken;
    • Für Sträucher bis 60cm Sprosslänge ist die Pflanzung mit der Wiedehopfhaue geeignet;
    • Größere Gehölze und Pfahlwurzler werden in ein ausreichend großes Pflanzloch gesetzt;
  • Schutz der Pflanzung vor Tieren und Menschen (Zaun).
Startpflege

Mindestens in den ersten beiden Sommern nach der Pflanzung die Gehölztriebe vor dem Überwuchern durch krautige Pflanzen schützen (Krautwuchs aussicheln oder niedertreten).

(nach MLR-10-87 und BNL 1986)

 

Durch gezielten Einsatz einer Bepflanzung kann der Anstoß zu einer selbsttätigen Umgestaltung des Querprofils des Bachbetts durch den Bach selbst gegeben werden. So führt z.B. ein nur einseitiger Gehölzbewuchs zu verstärktem Angriff des fließenden Wassers auf das gegenüberliegende Ufer. Eine nur punktuelle Gehölzpflanzung kann zur Kolkbildung auf der anderen Uferseite führen. (BNL 1986)

 

Für Pflegemaßnahmen gilt nach Möglichkeit (außer in besonders begründeten Gefährdungslagen) nach OTTO (1995) (in BACH (2000)):

  • Keine Räumung von Gewässersohle und Uferböschung;
  • Keine Räumung von Vorflutern, die ausschließlich zur Entwässerung von Landwirtschaftsflächen dienen;
  • Keine Reparatur oder Erneuerung von Uferbefestigungen;
  • Kein Beschneiden, Fällen oder Auf-den-Stock-setzen von Ufergehölzen.

Falls eine Pflege doch erforderlich wird, sollte/n

  • die Gehölze abschnittsweise auf-den-Stock gesetzt werden; die Abschnitte sollten nicht länger als 20 – 30m sein.
  • die Uferböschung möglichst in Abschnitten zu verschiedenen Zeitpunkten gemäht werden.
  • einzelne Röhricht- und Krautbestände als „Altgrasinseln“ für halmüberwinternde Insekten und als Winterfutter für Vögel belassen werden.
  • das Mähgut unbedingt abgeräumt werden; es darf nicht in den Bach gelangen, um eine zusätzliche Eutrophierung zu vermeiden.

(BNL 1986)

 

Grabenpflege: Als vom Menschen errichtete Ökosysteme bedürfen Gräben der Unterhaltung, um als solche erhalten zu bleiben, da sie aufgrund der geringen Fließgeschwindigkeit sonst bald verlanden würden. Ziel einer naturschutzorientierten Grabenunterhaltung ist demzufolge der Erhalt eines Grabensystems und die immer wieder aufs neue einzuleitenden Sukzessionsstadien. Ein Nebeneinander unterschiedlicher Sukzessionsstadien und einer heterogenen Nutzung sind demnach anzustreben. Gräben mit einer bestimmten Funktion müssen so unterhalten werden, dass sie ihre Be- und Entwässerungsfunktion und gleichzeitig auch eine Funktion für den Naturhaushalt (z.B. Bedeutung als Lebensraum geschützter Tiere) behalten können. Allgemein lassen sich zur Grabenunterhaltung folgende Empfehlungen geben:

Räumung: Am schonendsten ist die Grundräumung per Hand, die aber wegen ihres hohen Aufwandes nur sehr kleinflächig durchführbar ist. Bei den meisten vergleichbaren Untersuchungen zwischen Fräse und Grabenlöffel wird letzterer positiver bewertet. Als Zeitraum für die Räumung sollten die Monate September bis November gewählt werden. Im Winter überwintern Lurche am Grabenboden, im Frühjahr laichen Amphibien und bis August dienen Wasserpflanzen als Laichsubstrat für viele Fische. Die Räumung sollte frühestens 4 Jahre nach der letzten Räumung erfolgen, möglichst später.

Entkrautung: Die Entkrautung sollte mit einem Mähkorb möglichst einseitig mind. 10cm über der Grabensohle erfolgen und das Mähgut sollte über dem Wasser abtropfen. Bei einer vollständigen Entkrautungsmaßnahme sollten Restbestände im Wasser verbleiben. Auch hier sind die Monate September bis November, im 2-3 Jahresrhythmus günstig.

Mahd der Böschungen und Ufer: Günstig ist der Einsatz von Sense und Balkenmäher. Es sollten ungemähte Bereiche stehen gelassen und das Mähgut vollständig abtransportiert werden. Zur Förderung vieler Wirbellosengruppen ist es sinnvoll, Teilflächen nur in Abständen von 2 bis 4 Jahren zu mähen.

 

Des weiteren ist zu beachten:

  • Die Sicherung einer ganzjährigen Wasserführung.
  • Abschnittsweise Räumung/ Entkrautung auf 30 – 50% der Fläche.
  • Abwechselndes Stehenlassen von Inseln auf beiden Gewässerufern.
  • Halbseitige Räumung/ Entkrautung erhöht die Wiederbesiedlungsrate durch die Fauna.
  • Voraussetzung für das Vorhandensein wertvoller Grabensysteme ist fast immer eine extensive Nutzung der Umgebung!
  • Biotopverbessernde Maßnahmen, wie die Schaffung von Kolken, Stillwasserzonen, Flachufern, fördern viele Tiergruppen, wie z.B. Lurche, Libellen und Laufkäfer.
  • Zu steile Uferböschungen sind zu vermeiden.
  • Winterliche Entwässerungsmaßnahmen sind zu vermeiden, da es häufig zum Ausfrieren und damit zur Vernichtung von Fischen, Lurchen und frostempfindlichen Wirbellosen kommt.

(nach HANDKE 1999)

Zur Bedeutung von Gräben und Grabenunterhaltung siehe auch RESSEL WS 2002/2003.

 

5. Kosten/ Förderung

Nach der Landschaftspflegerichtlinie (Stand Oktober 2015) können für die Nutzungsaufgabe von Grünland bzw. Ackerland (z.B. zur Anlage eines Gewässerrandstreifens) folgende Ausgleichssätze (€/ha/a) gewährt werden:

Nutzungsaufgabe von Grünland zur Schaffung höherwertiger Biotope

520

Nutzungsaufgabe von Ackerland zur Schaffung höherwertiger Biotope

370

Weitere Ausgleichsätze siehe Extensivgrünland.

 

6. Literatur

  • AID (Hrsg.) (1994): Bewuchs an Wasserläufen. Nr. 1087. 23 S.
  • AID (Hrsg.) (1993): Gewässerrenaturierung und Landwirtschaft. 32 S.
  • BACH, M. (2000): Gewässerrandstreifen. Aufgaben und Pflege. – In: KONOLD, W., BÖCKER, R. UND HAMPICKE, U. (1999): Handbuch Naturschutz und Landschaftspflege. Kompendium zu Schutz und Entwicklung von Lebensräumen und Landschaften. – Landsberg: ecomed.
  • BNL TÜBINGEN (1986): Kleine Fließgewässer. Grundsätze zur Biotopverbesserung. – Mitteilungen der BNL Tübingen: 18: 44 S.
  • HANDKE, K. (1999): Gräben – In: KONOLD, W., BÖCKER, R. UND HAMPICKE, U. (1999): Handbuch Naturschutz und Landschaftspflege. Kompendium zu Schutz und Entwicklung von Lebensräumen und Landschaften. – Landsberg: ecomed.
  • HÖLL, N. UND BREUNIG, T. (1995): Biotopkartierung Baden-Württemberg – Ergebnisse zu den Biotoptypen. - Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 81: 101 - 147.
  • MINISTERIUM FÜR LANDLICHEN RAUM, ERNÄHRUNG, LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN (Hrsg.) (1987): Landschaft als Lebensraum. Biotopvernetzung in der Flur. -  Stuttgart. 95 S. (MLR-10-87)
  • ROTH, D. UND BERGER, W. (1999): Kosten der Landschaftspflege im Agrarraum – In: KONOLD, W., BÖCKER, R. UND HAMPICKE, U. (1999): Handbuch Naturschutz und Landschaftspflege. Kompendium zu Schutz und Entwicklung von Lebensräumen und Landschaften. – Landsberg: ecomed.
  • SCHWÄBISCHER ALBVEREIN (1993): Umwelt und Naturschutz. Bäche. Lebensadern unserer Landschaft. – Stuttgart, Hauptgeschäftstelle. 12 S.
  • WALSER, B. (2008): Aufwand und Kosten von Renaturierungsmaßnahmen.  – In: WBW  FORTBILDUNGSGESELLSCHAFT FÜR GEWÄSSERENTWICKLUNG MBH: Statusbericht 2007/2008 der Gewässernachbarschaften in Baden-Württemberg. S.16-25

7. Links

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