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Biotoptypen und Landschaftselemente

Trockenmauern

  1. Einleitung
  2. Bedeutung
  3. Gefährdung
  4. Erhalt, Pflege und Neuanlage
  5. Kosten/ Förderung
  6. Literatur
  7. Links

Trockenmauern Spitzberg

1. Einleitung

Trockenmauern sind aus behauenem oder unbehauenem Natursteinbruchwerk ohne Mörtelverfugung („trockenes Aufsetzen“) zusammengesetzte Mauern. Diese finden sich v.a. in den traditionellen Weinbergsteillagen als zur Terrassierung erforderliche Stützmauern, aber auch am Rande von Äckern oder Grünland, wo sie aus zusammengelesenen Steinen aufgeschichtet wurden („Steinriegel“).

 

2. Bedeutung

Trockenmauer Spitzberg

Trockenmauern bieten aufgrund ihres speziellen Kleinklimas  insbesondere Lebensräume für wärmeliebende Offenlandarten. Die mit Feinerde gefüllten Mauerritzen sind besondere Kleinlebensräume, in denen je nach Exposition, Feuchtigkeit und Nährstoffgehalt verschiedene Pflanzengesellschafen vorkommen. Hier finden sich auch seltene rebspezifische Wildkräuter wie die stark gefährdeten Zwiebelpflanzen der Weinbergslauch-Gesellschaft. Charakteristische Pflanzengesellschaften sind außerdem die feuchte Ausbildung der Mauerzimbelkrautflur (an den Mauerfüßen und in Mauerfugen der beschatteten Seite; feucht und stickstoffreich) sowie auf den Mauerkronen  an besonnten und sehr trockenen Stellen die trockene Ausbildung der Mauerzimbelkrautflur und die Mauerpfeffer-Hauswurz-Flur. Bodengefüllte Mauerspalten in sonnenexponierten Lagen bieten Lebensräume für wärmeliebende Insekten und Reptilien (z. B. Mauereidechse und Schlingnatter) und in höheren Mauern Brutplätze für Vögel (z.B. Steinschmätzer, Hausrotschwanz, Blaumeise, Kohlmeise).

Verbreitungsschwerpunkte: Neckarbecken, Schwarzwaldvorhügel, Bergstasse, Tauber-, Jagst- und Kochertal

Biotopschutz nach §33 NatSchG: Trockenmauern sind geschützt nach §33 NatSchG, wenn sie mindestens 0,5 m hoch sind und eine Mauerfläche von mind. 2 m² aufweisen.

 

3. Gefährdung

Insbesondere durch die (Reb-)Flurbereinigung sind aus arbeitwirtschaftlichen Gründen zahlreiche Trockenmauern verschwunden.

 

4. Erhalt, Pflege und Neuanlage

Prinzip des Baus einer Trockenmauer:

Damit eine optimale Besonnung der Trockenmauer gewährleistet ist, sollte sie möglichst südexponiert sein.

Schematischer Aufbau:
Zeichnung: Martin Bücheler

Querschnitt einer Trockenmauer
















Anlauf:
Der Anlauf verhindert das Umkippen der Mauer und fängt den Hangdruck ab. Er sollte zwischen 5% und 20% betragen.

Bindersteine:
Bindersteine sind die Verbindung zwischen Sichtmauerwerk, Hintermauerung und Hang. Die Bindersteine wirken durch ihre Einbindetiefe wie ein Anker. Hierdurch wird die Frontseite mit der Hintermauerung zusammengehalten.

Hintermauerung:
Die Hintermauerung gibt Stabilität, Halt und Verzahnung mit dem Hang und hat wasserableitende Wirkung.

Fundament (Mauerfuß):
Einer solide Fundamentierung (Mauerfuß) ist Grundlage für die Standfestigkeit der Mauer.

(LVG Heidelberg 2011 (Hrsg.), Universitätsstadt Tübingen 2008 (Hrsg.))

Die genaue Anleitung zum Bau von Trockenmauern kann der  Broschüre des LVG Heidelberg (Hrsg.), "Bau und Instandhaltung von Naturstein-Trockenmauern in terrassierten Weinbau-Steillagen" entnommen werden.


5. Kosten/ Förderung

Zeitaufwand und Lohnkosten:

Wenn ein Fachbetrieb des Garten- und Landschaftsbaus den Bau der Trockenmauer durchführt, so fallen bei einem branchenüblichen Stundenlohn von 40,- € und 8 Stunden Zeitaufwand ca. 320,- € Netto-Lohnkosten je Quadratmeter Anschichtsfläche an. Hinzu kommen Materialkosten inclusive Fracht.

Bsp: Ausführung durch eine Fachbetrieb des Garten- und Landschaftsbaus

Lohn (8h x 40,- €)

320,- €

Material, incl. Fracht

168,- €

Summe

488,- € m2

LVG Heidelberg 2011 (Hrsg.)


Förderung:

Steillagenweinbau wird gefördert nach MEKA III und nach dem Steillagenprogramm des Landes Baden-Württemberg.

Im Steillagenprogramm wird die Neuanlage von Reben in Terrassenlagen unter der Voraussetzung des Erhalts der Terrassenmauern mit  230 €/Ar Pflanzkostenzuschuss gefördert.

In FAKT werden Weinbausteillagen mit 900 €/ha gefördert. Voraussetzung ist der Erhalt der Trockenmauern.

Vereinzelt gibt es Förderprogramme bei Kommunen (z. B. der Universitätsstadt Tübingen für das Naturschutzgebiet "Hirschauer Berg").

Bei gegebener Schutzgebietskulisse ist eine Förderung über Landschaftspflegerichtlinie möglich.

 

6. Literatur

  • DEUTSCHER VERBAND FÜR LANDSCHAFTSPFLEGE (DVL) (2006): Landschaftselemente in der Agrarstruktur - Entstehung, Neuanlage und Erhalt. DVL Schriftenreihe "Landschaft als Lebensraum" Heft 9. 123 S.
  • KELLERMANN, S. UND REINÖHL, H. (1997): Kosten der Landschaftspflege und der Landbewirtschaftung in Naturschutzgebieten des Regierungsbezirks Stuttgart. Eine Pilotstudie der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege in Stuttgart. - BNL Stuttgart. 96 S.
  • MINISTERIUM FÜR LANDLICHEN RAUM, ERNÄHRUNG, LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN (Hrsg.) (1987): Landschaft als Lebensraum. Biotopvernetzung in der Flur. -  Stuttgart. 95 S. (MLR-10-87)
  • STIFTUNG LANDESBANK BADEN-WÜRTTEMBERG (Hrsg.) (2008): Lebendiger Weinberg. Reihe Naturschutz im Kleinen. Heft 28.
  • STIFTUNG UMWELT-EINSATZ SCHWEIZ (SUS) (Hrsg.) (1996): Trockenmauern - Anleitung für den Bau und die Reparatur. 7. Auflage
  • STAATLICHE LEHR- UND VERSUCHSANSTALT FÜR GARTENBAU (LVG) HEIDELBERG (Hrsg.) (2011): Bau und Instandhaltung von Naturstein-Trockenmauern in terrassierten Weinbau-Steillagen, Gress-Druck GmbH, 62 S.

7. Links

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