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Biotoptypen und Landschaftselemente

Bäume


Baum; Foto: C. Harf

 

1. Einleitung

Einzelbäume und kleine Baumgruppen stellten bis in das 20. Jahrhundert hinein einen wesentlichen Bestandteil des Landschaftsbildes dar. Sie wurden entweder extra gepflanzt (z.B. zur Markierung des Grenzverlaufs zwischen zwei Grundstücken oder an Wegkreuzungen, als Gerichtsbäume etc.) oder im Feld/ auf der Wiese aufkommender Jungwuchs wurde nicht vollständig entfernt sondern stehen gelassen, um z.B. bei der Getreideernte im Sommer ein schattiges Plätzchen zu haben oder um dem Vieh als Unterstand zu dienen.

2. Bedeutung

Auch freistehende Einzelbäume oder kleine Baumgruppen mit ihren ausladenden Baumkronen haben eine wichtige Bedeutung in der Flur:

  • Artenschutz (Lebens- und Rückzugsraum für eine Vielzahl von Tierarten und damit wertvoller Trittstein in der Biotopvernetzung).
  • Landschaftsbild und Erholung (optische Aufwertung großflächiger Ackerschläge, Überhöhung und Betonung von Geländekuppen; raumwirksame Markierung von Feldkreuzen, Bildstöcken, Kapellen, Wegekreuzungen; Beschattung von Sitzbänken)
  • Kulturhistorischer Wert (Friedens- oder Gerichtsbäume u.ä.)

 

Biotopschutz nach §33 NatSchG: Einzelbäume sind nicht nach §33 geschützt, besonders große und alte Bäume sind jedoch häufig als „Naturdenkmal“ oder „geschützter Landschaftsbestandteil“ ausgewiesen.

 

3. Gefährdung

Solitärbäume sind v.a. durch die Intensivierung der Landwirtschaft und Baumaßnahmen (Straßenbau) gefährdet. In der Biotopkartierung von 1981 – 1989 wurden 30% der erfassten Einzelbäume als gefährdet eingestuft (HÖLL UND BREUNIG 1995: 288).

 

4. Erhalt, Pflege und Neuanpflanzung

Alte Bäume in der Flur sollten – soweit möglich – grundsätzlich auch noch als morsche „Veteranen“ in der Flur erhalten bleiben, weil Höhlen und Holzmulm besonders wertvolle Kleinlebensräume sind.

 

Neupflanzung

Obwohl manche Bäume ein sehr hohes Alter erreichen können, sollten auch rechtzeitig junge Bäume nachgepflanzt werden, die später deren Funktion übernehmen können.

 

Baumartenwahl: In vielen klimatisch begünstigten Lagen Baden-Württembergs sind Obstbäume die traditionellen Flurbäume. Besonders landschaftsprägend sind alte Mostbirnenbäume, Kirschen und Walnüsse. Selten kommen im Weinklima auch Speierling (auf basischem Boden) oder Esskastanie (auf saurem Boden) als Flurbäume vor. Neben den markanten Obstbaumarten eignen sich auch heimische Laubbäume wie Linde, Feldahorn, Eiche, Rosskastanie und Vogelkirsche zur Einzelpflanzung in der Flur. Die Linde ist in vielen Gegenden ein traditioneller dörflicher Kulturbaum (MLR 1987).

 

Pflanzung: Um möglichst rasch eine optische Wirkung zu erzielen, sollten Hochstämme mit mindestens 12 – 14 cm Stammumfang gepflanzt werden. Da solches Pflanzgut relativ teuer ist, sollten bei der Standort- bzw. Baumartenwahl die Standortansprüche der Bäume besonders beachtet werden, um Misserfolge zu vermeiden. Ebenso sollte größten Wert auf eine sorgfältig geplante und durchgeführte Pflanzung gelegt werden.

 

Insbesondere Hochstammobstbäume können nach der Pflanzung nicht einfach sich selbst überlassen werden, sie bedürfen zum Erhalt einer ausreichenden Baumgesundheit einer „Kultur“, d.h. einer regelmäßigen Pflege. Folgende Schnitte sind zur Pflege notwendig:

  • Pflanzschnitt (direkt nach der Pflanzung)
  • Erziehungsschnitt (5 bis 8 Jahre lang jährlich im Frühjahr) zur Erzielung der gewünschten Kronenform
  • Pflegeschnitt (ab ca. 8 Jahre) alle 2 bis 5 Jahre: zu dichte, ins Kroneninnere gewachsene Äste auslichten; Konkurrenzäste entfernen; bruchgefährdete Totäste abnehmen)
  • Sanierungsschnitt, falls schon länger keine Pflege mehr vorgenommen wurde

 

5. Kosten

Werte können der Methode Koch bzw. der „FLL-Richtlinie zur sachgerechten Wertermittlung von Schutz- und Gestaltungsgrün, Baumschulpflanzen und Dauerkulturen“ („FLL Gehölzwerte 2002“) entnommen werden, zu beziehen bei der FLL – Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V., Colmantstr. 32, 53115 Bonn.

 

 

6. Literatur

  • aid (Hrsg.) (1993): Gehölze in der Landschaft. Nr. 1039. 32 S.
  • aid (Hrsg.) (2006): Baum und Strauch in der Landschaft. 40 S. ISBN 3-89661-873-3
  • BAYERISCHE LANDESANSTALT FÜR LANDWIRTSCHAFT (LfL) (Hrsg.), 2005: Hecken, Feldgehölze und Feldraine in der landwirtschaftlichen Flur, LfL-Information, 11. Auflage
  • DEUTSCHER VERBAND FÜR LANDSCHAFTSPFLEGE (DVL) e.V. (2006): Landschaftselemente in der Agrarstruktur  - Entstehung, Neuanlage und Erhalt
  • HÖLL, N. UND BREUNIG, T. (Hrsg.) (1995): Biotopkartierung Baden-Württemberg. Ergebnisse der landesweiten Erhebungen 1081 – 1989. - Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.- Württ. 81: 1 – 544.
  • KELLERMANN, S. UND REINÖHL, H. (1997): Kosten der Landschaftspflege und der Landbewirtschaftung in Naturschutzgebieten des Regierungsbezirks Stuttgart. Eine Pilotstudie der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege in Stuttgart. - BNL Stuttgart. 96 S.
  • MINISTERIUM FÜR LANDLICHEN RAUM, ERNÄHRUNG, LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN (Hrsg.) (1987): Landschaft als Lebensraum. Biotopvernetzung in der Flur. -  Stuttgart. 95 S. (MLR-10-87)

7. Links

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